Was Medien und Fachpublikationen über die Welt der Vögel berichten.

 

Vogelzeitschriften-Titel kreuz und quer

19.8.2020

Und wie heißt der Vogel nun?

Wer sich mit Vogelarten und ihrer Benennung beschäftigt, kennt das Problem: ein und derselbe Vogel taucht im Alltag und auch in der wissenschaftlichen Literatur unter verschiedenen Namen auf: als Stieglitz und Distelfink zum Beispiel. Daneben finden sich viele regionale Varianten.

In der mehr als 100 Jahre alten Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas (1887-1905) von Johann F. Naumann lassen sich die oft sehr passenden, teils regionalen Alternativen unterhaltsam vergleichen. Dazu eine kleine Auswahl aus dem „Naumann“ (Bd. 8, S. 91): Für den Austernfischer kennt der Autor mehr als ein Dutzend Bezeichnungen wie Austernsammler, Austerndieb, Meerelster, Elsternschnepfe usw.

Aber um uns zu verständigen, brauchen wir eine einheitliche Nomenklatur, sonst gibt es Missverständnisse, Verwirrung. Was ist also richtig: Dunkelwasserläufer, Dunkler Wasserläufer oder Schwarzer Wasserläufer?

Ein umfangreiches Heft der Vogelwarte (2020, Bd. 58, Heft 1) räumt nun mit all den Unsicherheiten bei der Benennung von Vogelarten auf: Ein sachkundiges, engagiertes Team von Ornithologen hat für alle Vögel der Erde festgelegt, welcher deutsche Artname zu verwenden ist. Für diese Aufgabe hat die Deutschen Ornithologen-Gesellschaft eine eigene Kommission mit dem Sprecher Hans P. Barthel eingerichtet, die diese Liste in jahrelanger internationaler Abstimmung erarbeitet hat und weiter betreut.

Zu den Grundsätzen der Kommission zählt, dass Namen nur dann geändert werden, wenn es nötig erscheint. So wurden zum Beispiel diskriminierende, kolonialistische und rassistische Bezeichnungen ersetzt. Möglichst viele Namen werden zusammengeschrieben oder sind mit Bindestrich verbunden, und außerdem sollen die Begriffe die Verwandtschaftsverhältnisse – so wie sie heute gelten – widerspiegeln.

Für über 10.000 (!) Vogelarten ist im über 200 Seiten starken Heft der Vogelwarte jeweils der deutsche Artname genannt, zudem der lateinische und der englische. Es heißt also künftig: Dunkelwasserläufer (Tringa erythropus, Spotted Redshank) und Stieglitz (Carduelis carduelis, European Goldfinch).

Bestellung der Liste: Bitte nicht über die DO-G sondern über Christ Media.

gelesen in:
Vogelwarte 58, 2020, S. 1-214; Peter H. Barthel u.a.: Deutsche Namen der Vögel der Erde

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20.7.2020

Zum Schutz der Turteltaube

In Deutschland leben von den 309 wild lebenden Taubenarten vier: Ringeltaube, Hohltaube, Türken- und Turteltaube. Aber während rund drei Millionen Ringeltauben bei uns brüten, ist der Bestand an Turteltauben ganz erheblich geschrumpft. Allein im letzten Jahrzehnt hat er sich halbiert – auf 12.500 bis 22.000 Brutpaare. Das ist der Grund, weshalb der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) die Turteltaube zum Vogel des Jahres 2020 gewählt haben.

In einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das online-Magazin Flugbegleiter hat Carl-Albrecht von Treuenfels fabelhaft dargestellt, warum wir die Turteltaube schätzen und schützen müssen.

Schätzen, weil sie ein so prächtiger Vogel ist, der alljährlich zweimal die Sahara überquert, um im Norden zu brüten und im Süden zu überwintern. Und welch schönes Schauspiel ist die Balz: Da „tänzeln die beiden gleich gefärbten Männchen und Weibchen auf einem Ast umeinander, strecken und recken sich dabei und berühren sich gegenseitig zärtlich am Hals und mit den grauen Schnäbeln“.

Schützen, weil wir Menschen durch intensive Landwirtschaft den Lebensraum der Turteltaube in ihren Brut- und Überwinterungsgebieten und auch längs der Zugroute zerstören. Hinzu kommt die Jagd, bei der jährlich 1,4 Millionen Turteltauben geschossen werden. Legal. Allein in der EU.

Treuenfels nennt als Staaten Frankreich, Portugal, Spanien, Italien, Griechenland, Bulgarien, Zypern und Malta. Und natürlich sind die Vögel jenseits des Mittelmeeres auch nicht auf der sicheren Seite. Umso wichtiger, dass sich LBV und NABU als Mitglied von Birdlife International auch auf politischer Ebene für die Turteltaube einsetzen.

gelesen in:
https://www.riffreporter.de/flugbegleiter-koralle/turteltaube-vogel-2020/

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14.6.2020

Sprosser: Grenze offen

Der Sprosser ist nah mit der Nachtigall verwandt – und er singt auch ähnlich schön. Die Verbreitungsgebiete der beiden Vogelarten unterscheiden sich aber. Grob gesagt: östlich der Oder singt der Sprosser, westlich der Elbe die Nachtigall. Und dazwischen – also beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und auch Berlin kann es beide Arten geben. Manchmal mischen sie sich und übernehmen Gesangsanteile voneinander.

Schon länger wird beobachtet, dass sich der Sprossers nach Westen ausbreitet. Nun Ralf K. Berndt untersucht, wie sich die Verbreitung in Schleswig-Holstein entwickelt hat, wo seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Sprosser hin und wieder als Brutvogel vorkommt.

Tatsächlich ist der Bestand im 20. Jahrhundert deutlich gestiegen. Ende der 1970er Jahre wurden rund 1.500 Brutpaare gezählt. Doch längst sinkt die Zahl – auf etwa 600 Paare im Jahr 2018. Der Autor weiß, dass das nicht ungewöhnlich ist. Denn an den Rändern eines Verbreitungsgebietes treten oft größere Fluktuationen auf, ohne dass die Ursachen immer klar sind. Es bedeutet, dass eine Art viele Jahre quasi „vorprescht“ und sich dann wieder „zurückzieht“.

Vielleicht limitiert in den westlichen Gebieten des norddeutschen Bundeslands die Meeresluft die weitere Ausbreitung der genialen Sänger. Schon möglich. Daneben gibt es fraglos Faktoren, die menschengemacht sind und den Lebensraum von Sprosser und übrigens auch der Nachtigall reduzieren: In Schleswig-Holstein werden Gebüsche gekürzt oder entfernt, gerade auch in Uferbereichen, wo die Vögel brüten. Überzogene Gehölzpflege an Wanderwegen und in Ausflugsgebieten bekommt dem Sprosser und der Nachtigall – die ebenfalls abnimmt – sowieso nicht.

gelesen in:
Ornithologische Mitteilungen, 2019, 5/6, S. 115-134, Rolf K. Berndt: Der Sprosser Luscinia luscinia als Brutvogel in Schleswig-Holstein – sein Vorrücken und Zurückweichen an der südwestlichen Verbreitungsgrenze

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18.5.2020

Hilfe für betagte Graupapageien

Solche Geschichten liest man nicht alle Tage. Aber sie sind lesenswert. In Gefiederte Welt berichtet Christiane Pett von den sieben Graupapageien und drei Timneh-Graupapageien, die sie betreut – die sie ins Leben zurückholt, sollte es vielleicht heißen. Es geht dabei um sogenannte Gebrauchspapageien, die bereits einen oder zwei Vorbesitzer hatten. Diese Vögel sind bereits 25 bis 50 Jahre alt, als sie zu Christiane Pett und ihrem Mann kommen. Dort haben sie die Chance, sich in eine Gruppe von Papageien einzugewöhnen.

Das ist wichtig, denn Graupapageien sind Gruppentiere, obwohl sie in vielen Privathaushalten einzeln gehalten werden. Und natürlich hätten solche Vögel, die oft wie Menschen behandelt würden, mehr oder weniger starke Verhaltensstörungen, schreibt die Autorin.

Sehr anschaulich erklärt der Artikel, wie wichtig es ist, die Graupapgeien als Persönlichkeiten zu behandeln – was sie sind – und wie es gelingt, ihnen in „einem Wohnzimmer-Biotop, das wir ihren Bedürfnissen angepasst haben“ ein angenehmes Vogeldasein zu ermöglichen.

Ein Beispiel: Vögel, die ein Leben lang mit ihrem Besitzer oder der Besitzerin am Tisch gegessen haben (und sich selbst als Personen begreifen), müssen zum Beispiel mit sachter Hand an ein Leben mit Artgenossen herangeführt werden. Denn deren Nähe erleben sie teilweise als Bedrohung. Möglich wird das u.a. durch ein „therapeutische Frühstück“, bei dem jeder Vogel seinen festen Platz am Tisch hat, und zwar auf einer Holzkiste. Sind die Plätze eingenommen, kann es losgehen:

„Nicht-geflügelte Menschen frühstücken Müsli (Bananen, Haferflocken, Körner, Milch), geflügelte „Menschen“ erhalten geschälte Sonnenblumenkerne vom Löffel, richtige Papageien Körnerfutter (angereichert mit geschälten Sonnenblumenkernen).“

Das klingt nach einem gemütlichen Leben, aber es gibt eine Kehrseite der Medaille: angenagte Türen, Möbel und Bücher, die laute Stimme der Papageien und Kosten, etwa für Tierarztbesuche. Christiane Pett möchte ihren Vögeln einen „würdigen Lebensabend bescheren“. Das gelingt offenbar. Vor allem macht der Artikel nochmals klar, wie leichtfertig Menschen handeln, die sich einen Papageien anschaffen, der sich ihren Gewohnheiten anpassen muss und womöglich länger lebt als sie selbst.

gelesen in:
Gefiederte Welt, Fachzeitschrift für Vogelfreunde, Vogelpfleger und Vogelzüchter, 2020, 4, S. 14-15, Christiane Pett: Beobachtungen an älteren Graupapageien

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16.4.2020

Zu kalt: Vogeltod in Griechenland

Der Zug aus den Winterquartieren nach Norden ist für viele Vögel eine gefährliche Reise und eine Strapaze. Zwischen 11 und 36 Millionen werden jährlich allein im Mittelmeerraum abgeschossen und erreichen ihre nördlichen Brutgebiete nicht! Und wenn die Witterungsbedingungen ungünstig sind, wie dieses Jahr um Ostern in Griechenland, dann fallen die erschöpften und ausgehungerten Vögel praktisch vom Himmel.

Singvögel wie Schwalben und Mauersegler haben nämlich gerade die Sahara und das Mittelmeer hinter sich, wenn sie die europäische Mittelmeerküste erreichen, und brauchen unbedingt Insektennahrung und eine Ruhepause. Aber in Griechenland wehte in diesem Jahr zur Ankunftszeit ein heftiger Wind, und es war kalt. So kam es zum Tod von einigen Zehntausend Zugvögeln.

Ein trauriges Geschehen, aber an sich nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich war die mediale Präsenz der toten Vögel in den sozialen Medien, die Fotos gingen viral. Das sei das eigentlich Neue, erklärt Claudia Ruby.

Und bekannt ist, dass Zugvögel in Europa weniger durch schlechtes Wetter als durch den generellen Mangel an Insekten gefährdet sind. Das liegt nicht nur bei uns an einer Agrarwirtschaft, die durch Pestizide und rabiate Formen der Bodenbewirtschaftung Fauna und Flora zerstört. Auch in traditionellen afrikanischen Rast- und Überwinterungsgebieten wird immer mehr Buschland in Ackerfläche umgewandelt. All das bedroht die Artenvielfalt.

gelesen in:
Die Flugbegleiter, Online-Magazin, 15. April 2020, Claudia Ruby: Zehntausende Zugvögel sterben in Griechenland https://www.riffreporter.de/flugbegleiter-koralle/zugvoegel-griechenland/

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14.3.2020

Der Wiedehopf: Truppenübungsplatz als Brutrevier

Die Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt wird schon seit den 1930er Jahren als Schießplatz für die Artillerie und als Truppenübungsplatz genutzt. Dieses 230 km2große unzerschnittene Heidegebiet mit sandigen Flächen, Heidekraut und niedrigem Grasbestand, mit Birken- und Kiefernwäldern ist für Wiedehopfe attraktiv – zumal die Nahrung in der Regel reichlich ist. Denn dank seltener Anwendung von Pflanzen“schutz“mitteln gab und gibt es eine reichhaltige Insektenfauna – was für Wiedehopfe, die etwa von Raupen, Feldgrillen und Heuschrecken leben und diese an ihre Jungen verfüttern, wichtig ist.

Wiedehopfe gab es in der Region schon immer. Zu DDR-Zeiten waren es geschätzte 20 eher 40 Reviere. Aber die Zahl sank, nachdem auf dem Truppenübungsplatz die Hinterlassenschaften der Sowjetarmee abgeräumt worden waren. Vermutlich fehlten dem Höhlenbrüter Wiedehopf dadurch traditionelle Nistgelegenheiten zwischen kleinen Bauwerken, Schrott und Schuttansammlungen.

Als Kompensation werden darum künstliche Nisthilfen angeboten, die Björn Schäfer seit über zehn Jahren kontrolliert. Dazu gehört auch das Beringen der Jungvögel. Erstmals angenommen wurden die Nistkästen, die bodennah zwischen Steinhaufen oder an Birken angebracht sind, im Jahr 2008. Mittlerweile ist der Bestand an Revieren von unter 10 im Jahr 2005  auf über 70 angestiegen und hat sich seit 2014 auf diesem Niveau eingependelt. Die Daten zeigen auch, dass alljährlich über 70 Bruten erfolgreich abgeschlossen werden. Eine Erfolgsgeschichte!

gelesen in:
Der Falke, Journal für Vogelbeobachtung, 2017, 10, S. 38-41, Björn Schäfer: Der Wiedehopf der Colbitz-Letzlinger Heide

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10.1.2020

Bedrohter Mittelsäger

Der Mittelsäger gehört wie der Gänsesäger zu den Entenvögeln und brütet bei uns in flachen Küstenregionen von Nord-und Ostsee. Von der deutschen Brutpopulation mit rund 400 Paaren, leben 300 an der Küste Schleswig-Holsteins. Im Winter rasten oder überwintern geschätzte 14.000 Mittelsäger an der deutschen Ostseeküste; aber europaweit ist ihr Bestand bedroht.

Ganz wunderbar mit Fotos illustriert, beschreibt dieser Artikel im Magazin „Vögel“, wie Mittelsäger ihre Beute durch „Lugen“ sichten und unter Wasser erjagen. Sehr effektiv auch in Gruppen. Und eine Freude ist die genaue Beschreibung der Balz bei Mittelsägern – mit tollen Fotos vom „Knicksen“ als wichtigem Ausdrucksverhalten. Wer mehr über die Mittelsäger, inklusive Nestbau, Brut und die „Kindergärten“ wissen möchte, dem empfehle ich diesen Artikel oder das ganze Heft zu kaufen.

Der Text widmet sich auch dem Bestandsproblem und erklärt, warum Ruhezonen notwendig und für diese Vogelart überlebenswichtig sind. „…mit der oftmals ungesteuerten Intensivierung der Freizeit und Urlaubsaktivitäten an den Küsten durch Wassersport, Badebetrieb und Camping“ fehle es den schönen Vögeln mit attraktiver Punkfrisur an Lebensraum, schreibt Jan Goedelt. Dabei vergisst der Fotograf und Autor des Artikel nicht, auch die Stellnetzfischerei, Gewässerverschmutzung und die Zunahme an Prädatoren wie dem Rotfuchs als alltägliche Gefahren zu erwähnen.

gelesen in:
Vögel, Magazin für Vogelbeobachtung, 2020, 1, S. 20-27, Jan Goedelt: Der Mittelsäger. Punkfrisur und Gruppenbalz

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17.12.2019

Wenn Kolkraben mitspielen

Es ist kein Geheimnis, dass Kolkraben äußerst kluge und äußerst verspielte Tiere sind. Und dass Spielverhalten etwas mit Klugheit und Strategielernen zu tun hat, ist auch kein Geheimnis. Erst kürzlich erzählte mir ein golfspielender Kollege von den Kolkraben, die sich auf dem Golfplatz bei Semlin, im brandenburgischen Havelland, einen Spaß daraus machen, die gerade geschlagenen Bälle zu stibitzen und mit ihnen Richtung Wald zu verschwinden.

Bei den Kolkraben passen diese Bälle in den mächtigen Schnabel. Nebelkrähen, ebenfalls häufig in Berlin und Brandenburg, wären damit überfordert.

Und nun blättere ich in der aktuellen Ausgabe von Otis und stoße auf den Bericht von Christine-Dorothea Sauer, die von einem anderen brandenburgischen Golfclub berichtet: Nahe Kemnitz hat sie mehrfach beobachtet, dass Kolkraben Golfbälle „stehlen“. Offenbar holen sie sich Bälle, die weit geflogen sind und im kurzgemähten Bereich landen. Da helfe dann auch kein Rufen der Golfer und Golferinnnen.

Nicht jeden Ball nehmen die Vögel auf, und nicht an jeder Bahn erbeuten sie Bälle, so die Beobachtung von Christine-Dorothea Sauer. Was die Kolkraben mit ihrer Beute treiben ist etwas rätselhaft. Auf jeden Fall lassen sie manche Bälle einfach fallen, und die landen dann hin und wieder in den Gärten des nahegelegenen Dorfes Kemnitz.

Die Redaktion der Zeitschrift Otis merkt ergänzend an, dass vom Golfplatz am Seddiner See ähnliche Berichte bekannt sind.

Und in einem Kommentar zu diesem Artikel schreibt der Biologe Prof. Dr. Dieter Wollschläger, dass solche Beobachtungen spielerischen Verhaltens bereits Mitte der 1990er Jahre am Golfplatz bei Kemnitz gemacht wurden. Für unwahrscheinlich hält er, dass die Raben Golfbälle mit Eiern verwechseln, denn erbeutete Vogeleier werden vor Ort aufgehackt und gefressen.

Tiere, die viel spielen, klug sind und gut lernen, entwickeln am ehesten Traditionen. Um eine solche dürfte es sich bei den brandenburgischen Kolkraben rund um Berlin handeln. Sie sind aber definitiv nicht die einzigen „golfball-verliebten“ Rabenvögel, denn das Thema wird in englisch-sprachigen Ländern im Internet regelmäßig diskutiert.

gelesen in:
Otis, 2019, 26, S. 125-126, Sauer C.-D.: Kolkraben Corvus corax als Ballräuber auf dem Gelände des Golfplatzes Kemnitz (Werder, Landkreis Potsdam-Mittelmark)

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15.11.2019

Lachmöwen: Was verrät die braune Haube?

Bei Vögeln spielt die Gefiederfärbung für die Fortpflanzung eine zentrale Rolle: Viele Männchen tragen nach der Mauser ein Prachtgefieder, das sie für die Weibchen attraktiv und im Rahmen der Balz eine Begattung überhaupt erst möglich macht. Außerdem ist bekannt, dass eine intensivere Färbung die sexuelle Attraktivität erhöht. Darum ranken sich viele Studien um die Frage, was Vögel am Federkleid ihres zukünftigen Partners oder der Partnerin alles ablesen können.

Während Körpergröße beim Männchen dafür spricht, dass Nest oder Nachwuchs bei Angriffen vehement verteidigt werden,  zeigen viele andere Untersuchungen, dass die Intensität der Farbe von Federn, Schnabel oder der Haut – etwa an den Beinen oder als leuchtender Augenring – etwas über den Gesundheitszustand des Tieres aussagt. Untersuchungen zeigen, dass etwa eine intensivere Gelbfärbung von Augenring oder Beinen für gesundheitliche Fitness spricht, denn sie basiert auf der Aufnahme von Carotinoiden mit der Nahrung. Und Carotinoide wiederum gelten als wichtige Antioxidantien, die vor bestimmten Erkrankungen und Alterungsprozessen schützen können.

So weit so gut. Aber was ist mit dem braunen Häubchen, das die Lachmöwen und viele andere Möwenarten zur Zeit der Partnerwahl zeigen – und das im sommerlichen Schlichtkleid nicht zu erkennen ist? Sagt diese Haube, deren dunkelbraune Federn der schwarze Farbstoff Melanin bildet, etwas Besonderes aus? Können Lachmöwen, wo beide Geschlechter im Prachtkleid die braune Haube tragen, an ihr die Fitness des Gegenübers ablesen?

Genau das fragten sich polnische Wissenschaftler und nahmen die dunkle Haube bei mehr als 500 Lachmöwen in diversen Brutkolonien in Polen unter die Lupe. Die Ergebnisse sind interessant und online nachzulesen: Sie Biologen fanden, dass nicht die Farbintensität, wohl aber die Größe der Haube ein Indikator für den Gesundheitszustand des Vogels ist und wahrscheinlich auch für den sogenannten physiologischen Stress durch Oxidation.

Das ergaben Korrelationen zwischen der gemessenen Haubengröße und Werten aus Blutproben, die bei den kurzfristig gefangenen Vögeln gewonnen wurden. Je größer die Haube, desto höher die Konzentration an Hämoglobin im Blut – und damit die Sauerstoffverfügbarkeit und Leistungsstärke der Tiere. Zudem war bei größerer Haube das Verhältnis bestimmter weißer Blutkörperchen günstiger und sprach dafür, dass die Vögel sich nicht mit schweren Infektionen herumschlugen.

Die Autoren der Studie sind mit der Interpretation ihrer Ergebnisse zurecht zurückhaltend, denn sie ermittelten zunächst nur Korrelationen. Darum wünschen sie sich weitere Untersuchungen zur Bedeutung melaninabhängiger Gefiederfarben.

Abschließend möchte ich daran erinnern, dass sowohl männliche als auch weibliche Lachmöwen den schokobraunen Kopf zur Fortpflanzungszeit ausbilden – seine Größe also für beide Partner Informationen über den Gesundheitszustand des anderen signalisieren könnte und folglich ein „gegenseitiges Partnerwahl-Kriterium“ wäre.

gelesen in:
Journal of Ornithology, 2019, 160, S. 1159 -1169, Minias, P.: Melanin-based plumage ornamentation signals condition and physiological stress in the Black-headed Gull
https://doi.org/10.1007/s10336-019-01690-7

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20.09.2019

Riskant für Wasservögel: Stand-Up-Paddling

Im Stehen zu paddeln, ist ein neuer Trendsport. Aber auch Stand-Up-Paddling (SUP), das auf den ersten Blick so wohltuend ruhig daherkommt, stört Wasservögel. Ergänzend zu vielen Einzelbeobachtungen, hat der Landesverband Bayern (LBV) einen Protokollbogen entwickelt, um solche Störungen durch Wassersportler in Bayern und auf dem Bodensee besser zu erfassen.

Die Auswertung der Protokolle, die 104-mal SUP betrafen und 260-mal andere Wassersportler, ergab, dass Wasservögel vor den stehenden Paddlern bereits aus großer Distanz flüchten. Und sie fliegen danach besonders weit weg. Dadurch verlieren die aufgeschreckten Blässhühner, Reiherenten, Haubentaucher, Tafelente usw. besonders viel Energie. Und zwar nicht nur durch die Flucht- und Ausweichaktivitäten selbst, sondern schon die Erregung führt sicherlich zur Ausschüttung von Stresshormonen, so dass die Herzschlagrate steigt und Energie verloren geht.

Bisher ist nicht klar, warum SUP ein besonders starkes Fluchtverhalten auslösen. Möglicherweise reagieren die Vögel auf die „klare Erkennbarkeit der menschlichen Silhouette“, so der Verdacht des Autors, der die Daten im Rahmen seiner Masterarbeit gewonnen hat. Er befürchtet zudem, dass die Vögel sich dort zurückziehen werden, wo SUP unterwegs sind.

Außerdem hat er Filmaufnahmen von Rastplätzen am Rothsee in Mittelfranken und vom Starnberger See in Oberbayern ausgewertet und sah wiederholt, dass Stand-Up-Paddler die Grenzen von Naturschutzgebieten nicht respektiert hatten.

Nicht nur für Zugvögel, die im sonnigen Herbst unterwegs sind, können solche Wassersportler eine Bedrohung sein. Auch brütende Wasservögel verlassen das Nest, wenn ihnen SUP zu nahe kommen. Und nicht immer kehren die Vögel hinterher zurück. Auch dafür gibt es Belege.

Der Autor Matthias Bull ist nicht der einzige, der darin ein Problem sieht, dass sportorientierte Freizeitaktivitäten immer populärer werden. „Der Freizeitdruck auf Natur und Landschaft nimmt dabei nicht nur in aquatischen Lebensräumen rasant zu. Auf der Suche nach Abenteuer, unberührter Natur und immer neuen sportlichen Herausforderungen dringt der Mensch selbst in entlegene und bislang wenig gestörte Bereiche der Natur vor.“ Durchaus nachvollziehbar beklagt er, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit unserer Umwelt und Respekt vor anderen Lebewesen vielfach fehlt.

gelesen in:
Der Falke, 2019, 6, S. 18-23, Bull, M.: Stand-Up-Paddling – Wirkung auf Wasservögel

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22.07.2019

Gänsesägerdame besetzt die Bruthöhle von Uhus

Seit Mitte der 1990er Jahre fällt auf, dass auf dem Oberrhein am Kaiserstuhl die Gänsesäger nicht nur paarweise unterwegs sind, sondern dort auch brüten. Denn es wurden mehrfach Weibchen mit ihren Jungen („Pullis“) beobachtet. Die Gelege zu finden, ist allerdings nicht einfach, denn Gänsesäger sind Höhlenbrüter, die ihre Eier in verborgene Baum- oder Felshöhlen legen.

Da die flüggen Jungen von dort herabspringen und direkt zum Wasser „marschieren“ müssen, sind die Anforderungen an passende Brutplätze recht speziell und passende Orte rar. Darum wählen Gänsesäger durchaus auch Hohlräume in Bauwerken, an Brücken und Stauwehren.

In ihrem Artikel beschreiben die Autoren allerdings eine andere Art von Selbsthilfe in der Not: ein Gänsesäger-Paar hat ganz offensichtlich ein Uhu-Paar aus seiner angestammten Bruthöhle verdrängt. Wiederholt hatten die Uhus – ebenfalls Höhlenbrüter – dort in der lösshaltigen Steilwand ihre Junge aufgezogen.

Was war nun passiert?

Uhus beginnen frühzeitig mit der Brut, meist im Februar. Nachdem das angestammte Paar bei der Lösshöhle gebalzt hatte, schien alles seinen normalen Verlauf zu nehmen. Aber ab Anfang März beobachteten die Autoren, wie ein Gänsesägerweibchen immer wieder in die Lösshöhle flog – und von da an haben die Ornithologen das Uhu-Paar dort nicht mehr gesichtet.

Ob es zu einem Konflikt zwischen den beiden Höhlenbrütern kam und warum sich das – eigentlich sehr wehrhafte – Uhu-Paar zurückzog, ist nicht klar. Möglicherweise hat das Gänsesägerweibchen die Tatsache ausgenutzt, dass Uhus tagsüber eine anvisierte Bruthöhle nicht besetzen. Diskutiert wird in dem Bericht auch, dass Uhus womöglich erst dann ihre Bruthöhle vehement verteidigen, wenn bereits Eier gelegt sind.

Vieles spricht jedenfalls dafür, dass das Gänsesägerweibchen hier erfolgreich gebrütet hat und mit den flüggen Jungen, wie üblich, aus der Höhle im Steilhang herabsprang, um das Wasser zu erreichen. Schwimmend und zeitlich passend wurde eine Mutter-Kind-Familie etwas flussaufwärts gesichtet.

Vermutlich haben auch die Uhus noch erfolgreich brüten können. Denn nicht weit vom angestammten Brutplatz entfernt hatten sie erneut gebalzt, und Ende Mai entdeckten die Autoren mit viel Glück zwei gut versteckte junge Uhus, die nahe der Lösswand ausharrten und noch von der elterlichen Fürsorge abhängig waren.

Mit anderen Worten: Ende gut, alles gut.

gelesen in:
Ornithologische Mitteilungen, 2018, Nr. 9/10, S. 257 – 268 , Harms, C. , Hipp, J. und Hilfinger, S. Gänsesäger Mergus merganser verdrängen Uhu Bubo bubo in Konkurrenz um Bruthöhle

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06.06.2019

Bartgeier in den Alpen

Bei all den negativen Botschaften, was den Bestand der  Brutvögel in Deutschland und die Artenvielfalt insgesamt angeht, ist diese Info mal erfreulich: Seit 1978 gibt es Bemühungen die wunderschönen Bartgeier in den Alpen wieder anzusiedeln. Man hatte sie als „Lämmergeier“ und „Schädling“ diffamiert und ausgerottet. Doch nun leben in der Alpenregion wieder 220 Bartgeier, nachdem dort 1913 der letzte seiner Art abgeschossen worden war.

1986 wurden die ersten Bartgeier ausgewildert. Und mittlerweile schlüpfen in den Alpen jedes Jahr Jungvögel: 31 waren es 2017!

Diese Erfolgsgeschichte beruht auf dem Engagement vieler Menschen und der sogenannten „Hackingmethode“, bei der die Jungvögel mit etwa drei Monaten von der Aufzuchtstation in einen Bereich gebracht werden, wo sie zwar noch Nahrung erhalten – aber keinen Kontakt zu Menschen bekommen. Anfangs werden sie jedoch rund um die Uhr bewacht. Bis sie selbstständig werden und die Region erkunden dauert es nicht lange.

Markieren, Beringen und Telemetrie helfen die Individuen weiter zu verfolgen, so dass Naturschützer ziemlich gut wissen, wo ihre Bartgeier abgeblieben sind. Die meisten halten sich im Grenzgebiet der Schweiz mit Frankreich sowie der Schweiz mit Italien auf – verloren gehen sie vor allem in Ostalpen. Als Hauptgründe dafür gelten: direkte Abschüsse, Kollisionen und Bleivergiftungen durch Munition in den Kadavern, von denen sich die Geier ernähren.

Einmal im Jahr gibt es den Internationalen Bartgeier-Zähltag. Dafür können sich interessierte Frauen und Männer beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) als Beobachter anmelden. Für das Jahr 2019 ist als Stichtag der 12. Oktober festgelegt. Mehr Infos gibt es auf der Webseite des LBV. Auch wer seinen Urlaub in den Alpen verbringt, kann Sichtungen von Bartgeiern melden. Und zwar hier: geiermeldung@lbv.de.

Dies sollten Unerfahrene in Sachen Vogelbeobachtung allerdings bedenken: Erst mit sieben Jahren sind Bartgeier vollständig adult und fortpflanzungsfähig. Bis dahin verändert sich das Gefieder kontinuierlich. Schaut man zum Beispiel von unten – was ja meistens der Fall ist –, so ist der Hals beim Jungvogel schwarz. Er wird mit den Jahren heller, und bei erwachsenen Bartgeiern sind Kopf und Hals fast ganz weiß. Auch die Flügelfärbung ändert sich. Illustrationen dazu finden sich in dem Artikel von Henning Werth in der Juni-Ausgabe von Der Falke, die in der Print- oder Online-Version bestellt werden kann.

Gelesen in:
Der Falke, 2019, 6, S. 32-34, Henning Werth: Bartgeier wiedererkennen und melden

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30.05.2019

Der Gelbspötter war einmal Brutvogel in Berlin-Marzahn

Dieser aktuell publizierte Artikel von Winfried Otto, der seit Jahrzenten als Vogelbeobachter und Vogelschützer aktiv ist, hat mich aus mehreren Gründen fasziniert:

Da hat jemand Beringungs- und Beobachtungsdaten ausgewertet, die vor rund 30 Jahren gewonnen wurden, und leistet damit einen Beitrag zu der Frage: Wo siedeln sich die Jungvögel an, wenn sie aus dem afrikanischen Winterquartier zurückkehren – in der „alten Heimat“ oder anderswo?

Und gleichzeitig macht er klar, zwischen 1985 und 1992 hat er in Berlin-Marzahn – längs der Wuhle sowie am und um den Kienberg herum – exakt 491 Gelbspötter beringt. Und heute gibt es dort, wo die Berliner Gartenschau 1987 stattfand und seit der Internationalen Gartenschau 2017 eine Seilbahn zum Kienberg hinauffährt, gar keine Gelbspötter mehr.

Der vorletzte Satz des Artikels von Winfried Otto lautet: „Aus den hier vorgestellten Untersuchungsflächen ist der Gelbspötter inzwischen vollständig verschwunden.“

Der Gelbspötter ist kein so auffälliger Vogel wie der Mäusebussard, der mir in Mahrzahn mal vor die Linse kam, sondern einer dieser gelb-grünen Zweigsänger – wie der Fitis und der Zilpzalp – die kaum voneinander zu unterscheiden sind. Aber diese kleinen Sänger sind eine wunderbare Bereicherung, wenn ihr Gesang aus den Baumkronen ertönt.

Die Auswertung der Beringungsdaten (Beringungszentrale Hiddensee) ergab jedenfalls, dass von den Vögeln, die als Erwachsene beringt worden waren, etwa jeder achte Vogel im Folgejahr wieder vor Ort war. Bei den Vögeln, die als Nestjunge beringt worden waren, ließen sich nur 2,6 % – also nur etwa jeder vierzigste Gelbspötter – erneut im Marzahner Beobachtungsgebiet blicken.

Diese Wiederfundraten erscheinen zunächst als gering. Aber man muss bedenken, dass etwa 70% der jungen Gelbspötter sterben, bevor sie selbst brüten könnten. Berücksichtigt man diese hohe Sterberate im ersten Lebensjahr und rechnet mit dem Prozentsatz der Überlebenden, dann sind nicht 2,6% sondern 9,6% wieder sehr nah an ihrem Schlupfort aufgetaucht, um dort selbst zu brüten. Diese Zahlen entsprechen auch dem, was Winfried Otto in der Literatur findet, und er lässt anklingen, dass andere Individuen womöglich in der weiteren Umgebung gebrütet haben.

Brandenburg ist in der Tat nur ein paar Flügelschläge entfernt. Und übrigens macht es Sinn, dass Jungvögel nicht strikt an den Ort der Kindheit zurückkehren: Hat sich nämlich dort das Habitat verändert, sind ihre Brutbemühungen chancenlos und das eigene Überleben auch. Ein Blick nach Mahrzahn inklusive der „Gärten der Welt“ macht klar, was in wenigen Jahren mit Grünflächen passieren kann. Die Verdichtung und Ausbreitung des Berliner Wohnraums macht es den Gelbspötter & Co definitiv nicht einfacher.

Gelesen in:
Vogelwarte, Zeitschrift für Vogelkunde, 2019, Bd. 57 (2), S. 73 – 80, Otto, Winfried:  Über das Ansiedlungsverhalten des Gelbspötters Hippolais icterina in Berlin-Marzahn

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19.04.2019

Warum werden Vogelnester begrünt?

In einem Kommentar zu meinem Blogpost „Von Zuträgern und Baumeisterinnen“ hatte Ludwig Schlottke von der AG Greifvogelschutz des Berliner NABU darauf aufmerksam gemacht, dass bei den Habichten frische grüne Zweige sowohl vom Männchen als auch vom Weibchen zum Horst getragen werden.

Das konnte ich auch beobachten und möchte ergänzen: Sie benutzen dabei den Schnabel, ansonsten bevorzugen sie für den Transport von Nistmaterial die Zehen.

Da das Eintragen von frischem Grün aus mehreren Gründen interessant ist, möchte ich kurz berichten, was Wissenschaftler dazu schon früher untersucht haben. Es ging ihnen vor allem darum, dass und warum ein Teil der Vogelarten es macht, ein anderer nicht, und welchen Zweck dieses Verhalten haben könnte. Denn klar ist: Das Begrünen von Nestern hat nicht direkt etwas mit dem Nestbau zu tun, da die Vögel es auch dann machen, wenn die Eier bereits gelegt und die Jungen schon geschlüpft sind. Und der Nestreparatur dient es offensichtlich auch nicht.

Der Biologe Peter H. Wimberger ging schon 1984 der Frage nach, ob das Begrünen Parasiten wie Flöhe, Zecken, Fliegen und Milben fernhält, denn sie sind eine lebensbedrohliche Gefahr für Nestlinge. Diese Hautparasiten, auch Ektoparasiten genannt, schwächen als Blutsauger die Jungen und übertragen Viren oder andere krankmachende Erreger.

Bekannt ist, dass frische Zweige etwa von Nadelbäumen stark duften – wer kennt nicht den Geruch von Tannen. Viele Ektoparasiten orientieren sich aber geruchlich, und womöglich kaschiert der Pflanzenduft den Nestlingsduft. Soweit die Hypothese.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, analysierte Wimberger ältere Daten zum Begrünen, die Nest- und Eiersucher in den USA und Europa bei Falken und ihnen verwandten Arten erhoben hatten. Seine Überlegung war: Das Eintragen von grünen Zweigen sollte vor allem bei Vogelarten, die ihr Nest mehrfach nutzen, ausgeprägt sein. Denn viele Ektoparasiten überdauern den Winter und sind im Frühjahr sofort zur Stelle.

Diese Hypothese der Ektoparasitenabwehr fand er gewissermaßen bestätigt, denn von den 28 Arten, die ihr Nest begrünen, waren 22 Wiederbenutzer wie der Habicht, Mäusebussard, Fisch- und Seeadler. Wer unter den 48 Greifvogelarten aber nicht begrünte, der gehörte mehrheitlich zu denen, die jedes Jahr ein neues Nest bauen.

Eine andere Hypothese war, dass vor allem Greife, die sich von Mäusen und anderen Kleinsäugern ernähren, grüne Zweige eintragen, weil ihre Beute oft mit Parasiten belastet ist. Das ließe sich nicht nachweisen. Und darüber, ob die frischen Zweige besonders reich an Duftstoffen waren, konnte der Wissenschaftler anhand der Daten auch nichts sagen.

Wimbergers Studie ist längst ein viel zitierter Klassiker, denn er hat weitere Aspekte diskutiert und zu Forschungen angeregt, etwa zu der Frage, ob die frischen Zweige Schatten spenden oder für Feuchtigkeit sorgen. Auch zu mehr Hygiene könnte frisches Grün beitragen. – Und da zeigt sich wieder die Vielfalt im Vogelleben. Neuere Studien haben ergeben: Eine Menge hängt von der Art ab und dem jeweiligen Lebensraum.

Gelesen in:
Auk 1984, 101, S. 615 – 618, Wimberger, Peter H.: The Use of Green Plant Material in Bird Nests to Avoid Ectoparasites

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15.01.2019

Winterfütterung: Wer will? Wer kann? Wer wartet?

Manchmal sind es die kleinen, unscheinbaren Artikel, die meine Aufmerksamkeit erregen. So wie jetzt in der Zeitschrift „Vögel“, die ich allen empfehlen möchte, die in Sachen Vogelleben gerade erst auf den Geschmack gekommen sind. Der Text, um den es hier geht, heißt: „Konkurrenz am Futterhaus. Rangordnung festgelegt“. Das Schöne an dem Artikel ist, dass es eigentlich gar nicht so sehr um Konkurrenz und Rangordnung geht, sondern um das, was dahinter steckt.

Es geht um Groß und Klein, mehr oder minder kämpferische Arten – die kleine Blaumeise ist zum Beispiel ein farbenprächtiger und erstaunlich „aggressiver“ Vogel – und um gute Strategien. Wer wie die Sumpfmeise darauf spezialisiert ist, das aufzupicken, was die wählerischen Amseln aus dem Futterhaus „schmeißen“, kommt energetisch womöglich besser über die Runden als kleine Kämpfer.

Der Autor des Artikels, Philipp Meister, hat viele schöne Beobachtungen am Futterhaus zusammengetragen. Von einigen, die jeder und jede im Winter an einer Futterstelle selbst machen kann, möchte ich kurz berichten:

Es gibt zum Beispiel Stoßzeiten mit Gedränge, weil die Vögel morgens „ausgehungert“ sind – durch Energieverlust in der langen und kalten Nacht. Auch wenn der Tag zu Ende geht, finden sich viele Arten an Futterstellen ein.

Im Prinzip dominieren größere Vögel die kleineren. Größere Individuen und Arten daher die kleineren; vertreiben sie also. Das stimmt aber nicht immer, denn es gibt den „Heimvorteil“ und Gruppeneffekte: Ein Trupp Schwanzmeisen, nimmt es durchaus mit einem viel größeren Amselmännchen auf.

Auch die größeren Arten haben ihre Streitereien: Amsel und Buntspecht tragen öfter „Meinungsverschiedenheiten“ aus. Der Kleiber vertreibt Konkurrenz mit hochgestellten Flügeln. Der rabiate Eichelhäher schafft sich auch gegenüber dem Buntspecht Raum und Futter (!) mit aufgestellten Scheitelfedern – einer Art Kamm auf dem Kopf.

Mit anderen Worten, wer sich am Fenster oder draußen etwas Zeit nimmt, kann an Futterstellen für Vögel – sei es zu Hause oder in einem Park – viel Interessantes beobachten. Aber etwas Zeit, die sollten Sie schon mitbringen.

Gelesen in:
Vögel. Magazin für Vogelbeobachtung 2019, 1, S. 16 – 21, Philipp Meister: Konkurrenz am Futterhaus. Rangordnung festgelegt.

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10.12.2018

Der indische Resteverwerter

Im Englischen heißt der Schmutzgeier wörtlich übersetzt Ägyptischer Geier (Egyptian Vulture), was ich eigentlich schöner finde, aber die Sache nicht trifft. Denn der attraktiv gefärbte Geier lebt in mehreren südeuropäischen Regionen, auch im Atlas Gebirge Nordafrikas, in Nordgriechenland und der Türkei. Von dort reicht sein Lebensraum bis nach Indien.

Während die meisten europäischen Schmutzgeier im Herbst in Regionen südlich der Sahara ziehen – und dabei auch über Ägypten kommen –, bleiben die meisten indischen Schmutzgeier dort, wo sie sind: auf dem indischen Subkontinent. Sie werden als eigene Unterart geführt und als Gelbschnabelschmutzgeier  bezeichnet. Und wie der Name verrät, ist ihr ganzer Schnabel gelb und seine Spitze nicht schwarz – wie bei den südeuropäischen Vertretern.

Wolfgang Baumgart, ein Experte in Sachen Schmutzgeier, fragt in seinem Artikel, ob die indische Population nicht als eigene Art geführt werden sollte. Für die wissenschaftliche Nomenklatur würde das bedeuten, dass aus Neophron percnopterus ginginianus ein Neophron ginginianus wird. Allerdings ist das nicht das, was ich besonders spannend finde. Interessant sind hingegen seine Ausführungen zur Lebensweise der Schmutzgeier und was ihren Bestand bedroht.

Sagen wir es mal klipp und klar: In Indien krepierten in den 1990er Jahren zigtausende Geier, als in der Tiermedizin das Schmerzmittel Diclofenac zum Renner wurde und die Tierkadaver, von denen sich Geier ernähren, damit verseucht waren. Da der Schmutzgeier nicht wie andere Geierarten auf das Ausweiden von Kadavern spezialisiert ist, kam er mit einem blauen Auge davon. Doch er litt und leidet darunter, dass die menschlichen Hygienanforderungen gewachsen sind.

Der Bestand dieses Abfallsammlers und Resteverwerters sank um die Jahrtausendwende vor allem durch Fortschritte in der Abfallverwertung. Insbesondere in den Städten liegt weniger Unrat herum, so dass die rund 12.500 Schmutzgeierpaare, die noch vor 50 Jahren rundum Delhi gezählt wurden, heute Geschichte sind.

Viele urbane Schmutzgeier sind in der Folge auf Müllkippen ausgewichen. Doch auch die werden nach und nach verschlossen. Und in ländlichen Gebieten, wird immer weniger privat oder im öffentlichen Raum geschlachtet. Vor allem: Fäkalien von Mensch und Tier – durchaus eine Nahrung für Schmutzgeier – liegen nicht mehr herum. Der einzige Fäkalienfresser unter den Vögeln, muss sich daher andere Nahrungsquellen erschließen.

Was die Schmutzgeier vielleicht rettet ist ihre Klugheit, Lern- und Anpassungsfähigkeit. Ich sah sie an einem Picknickplatz im Oman, und Wolfgang Baumgart schreibt, dass sie auch Insekten und Muscheln, Schnecken, Frösche, kleine Fische und Nestlinge von Vögeln fressen. Und intelligent sind die attraktiven Vögel sowieso: Bekannt sind sie für ihren Werkzeuggebrauch (einen Stein), um ans Ziel zu kommen (ein Straußenei öffnen). Wie das möglich ist, steht in meinem Post Die Ausputzer.

Gelesen in:
Ornithologische Mitteilungen 2018, 3/4, S. 59 -74, Wolfgang Baumgart: Indiens Schmutzgeier: Neophron percnopterus ginginianus oder N. ginginianus

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25.10.2018

Die Sonnenanbeter

Ich habe mich schon oft gefragt, warum die Vögel, die sich am Morgen regelmäßig für einige Zeit auf all den Schornsteinen, Baumwipfeln und Antennen einfinden, die ich im Dachgeschoss von meinem Schreibtisch aus überblicke, in Richtung Sonne schauen. Es handelt sich dabei vornehmlich um Nebelkrähen, Elstern, Ringeltauben und Stare. Auch am Abend richten sie sich oft zur Sonne aus – doch Sonnenanbeter sind sie sicher nicht. Ich glaube auch nicht, dass sie den Sonnenaufgang oder den Sonnenuntergang über Berlin genießen wollen. Nur, eine wirklich befriedigende Antwort habe ich noch nicht gefunden.

Allerdings hat mich kürzlich Ommo Hüppop vom Institut für Vogelforschung der Vogelwarte Helgoland auf eine Publikation aufmerksam gemacht, die sich am Beispiel der Schneeeule mit einigen der Fragen beschäftigt, die hier eine Rolle spielen:

Wer in die Sonne blickt, ist fast blind und sieht weder potenzielle Beute noch potenzielle Angreifer. Warum also in die Sonne blicken?

Ein Vogel, der in die Sonne schaut, profitiert von der Wärme der Sonnenstrahlen. Denn im Gesicht – also am Schnabel, den Augen und drumherum – ist er wenig befiedert und die wärmenden Strahlen treffen direkt auf die Haut. Geht es also um Wärmeaufnahme beziehungsweise Thermoregulation?

Welche Rolle spielt der Wind für die Wahl und die Ausrichtung des Sitzplatzes? Ist es wichtiger in den Wind zu schauen, damit das Gefieder nicht zu sehr durchgeweht wird – und der isolierend Schutz nachlässt – als sich nach der wärmenden Sonne auszurichten?

Wer sich von der Sonne bescheinen lässt, noch dazu hoch oben, wird beleuchtet. Von Konkurrenten, Reviernachbarn und potenziellen Fortpflanzungspartner ist er oder sie also besser zu erkennen. Dabei könnte das meist hellere Brustgefieder eine Rolle spielen.

Was sagt die Überprüfung der Beobachtungsfakten? Ich will es kurz machen, denn der Artikel ist – wenn auch auf Englisch – online verfügbar.

Die kanadischen Autoren der Publikation haben bei Sonne und bei bedecktem Himmel  exakt 851 Sichtungen von Schneeeulen erfasst und notiert, wohin der Vogel schaute. Einiges spricht dafür, dass es den Eulen nicht so sehr darauf ankommt, sich zu zeigen. Also von der Sonne beschienen zu werden und dadurch besonders attraktiv oder auffällig zu sein.

Was das Beuteverhalten angeht, muss man sagen: Die Schneeeule ist klug. Bei viel Wind startet der Beutegreifer eher vom Boden, bei Sonne von Ausguck in den Baumwipfeln aus. Für all die Vogelarten, die ich in Berlin auf der vierten Etage im Blick habe, spielt das Beutemachen jedoch keine Rolle. Ich setze daher auf die Thermoregulation, die den Autoren der Studie zufolge durchaus eine Rolle spielt.

Kurz und knapp gesagt: Schneeeulen schauen in den Wind, wenn der Himmel bedeckt und der Wind stark ist. Bei schwachem Wind (unter 18 km/Std) und wenig Wolken blicken sie in die wärmende Sonne.

Fazit: Nach wie vor finde ich die Idee faszinierend, dass die geflügelten Stadtbewohner den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang genießen – so wie ich. Aber das ist Blödsinn, keine Wissenschaft. Und ich freue mich, wenn ich weitere Publikationen zu diesem Thema entdecke oder ihr mich darauf aufmerksam macht.

Gelesen in:
IBIS (international journal of avian science) 2018, 160, S. 62 -70, Karen L. Wiebe & Alexander M. Chang: Seeing sunlit owls in a new light: orienting Snowy Owls may not be displaying

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08.09.2018

Nachwuchsmangel bei Brandenburgs Weißstörchen

Die Störche in Brandenburg haben in diesem Jahr nicht so viele Jungen durchgebracht, wie es eigentlich nötig wäre, um den Bestand langfristig zu erhalten. Zwei pro Horst ist dafür die Schlüsselzahl. In der Uckermark waren es aber nur 1,5 Junge pro Storchenpaar. Besser sah es im Landkreis Dahme-Spreewald aus: Da verließen tatsächlich zwei Junge pro Horst die Heimat und machten sich auf nach Süden. – Insofern freue ich mich, dass im Horst von Tristan und Isolde drei Junge groß wurden und Anfang August auf und davon flogen. Es hätten sogar vier sein können, wenn nicht einer – offenbar bei Flugübungen – unglücklich abgestürzt wäre.

Knapp 7.000 Brutpaare hat das alljährliche Monitoring der Weißstörche für 2017 ergeben. Nur wenn es stimmt, dass die süddeutschen Störche in diesem Jahr besonders erfolgreich gebrütet haben, könnte 2018 diese Zahl wieder erreicht werden. In Mecklenburg-Vorpommern geht es nämlich mit den Störchen besonders stark bergab. Kein Wunder, denn im Nordosten Deutschland wird auf riesigen, weitgehend rainlosen Äckern viel mehr Mais- und Raps angebaut als etwa in Baden-Württemberg.

Die Gründe für eine abnehmende Storchenpopulation sind bekannt: Ist es zu trocken, fehlen die zarten Regenwürmer für „Babystörche“. Durch enorme Pestizideinsätze auf den Agrarflächen für Mais und Raps mangelt es im Sommer an Feldmäusen. Es fehlen die Feuchtgebiete für Frösche und allerorten herrscht Insektenarmut. Hinzu kommt, dass die nordostdeutsche Storchenpopulation, die auf dem östlichen Weg nach Süden zieht, eine schwierigere Route haben und noch dazu weiter fliegen als Störche, die sich Richtung Spanien auf den Weg machen. Dadurch kommen die ostwärts ziehenden im Frühjahr erst relativ spät zu uns zurück und haben weniger Zeit für eine erfolgreiche Brut. Mehr Informationen dazu im verlinkten Artikel.

Gelesen in:
Der Tagesspiegel vom 4. September 2018, S.19 und online
Roland Schulz: Ein klapperdürres Jahr für den Storch

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03.09.2018

Das Usutu-Virus macht Amseln todkrank

Es ist nicht das erste Mal, dass das Usutu-Virus, dessen Ursprünge wahrscheinlich in Afrika liegen, Amseln und andere Singvögel förmlich von den Bäumen fallen lässt. Aber in diesem Jahr ist es vor allem in Norddeutschland besonders schlimm. Beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) sind im Sommer über 5.000 Meldungen zu 10.000 totaufgefundenen Vögeln eingegangen. – Auch ich fand kürzlich in Berlin zwei tote Amseln unter den Büschen im Garten. Doch sie liegen dort schon zu lange. Darum werde sie nicht beim NABU melden oder zur Untersuchung versenden.

Es ist übrigens kein Zufall, dass besonders viele Meldungen aus Städten kommen: Überträger des Virus ist die Hausmücke (Culex pipiens). Diese Plagegeister leben vor allem in Städten und stechen nicht nur Menschen gern, sondern auch Vögel.
Bisher hat die Amselpopulation in Deutschland nicht allzu stark unter den Usutu-Epidemien gelitten, sondern sich offenbar immer wieder erholt. Aber das muss nicht so bleiben, zumal in angesagten Städten wie Berlin der Vogellebensraum und der Menschenwohnraum heftig konkurrieren: Viele Bäume, in denen Amseln üblicherweise nisten, werden gefällt.

Wer mehr darüber wissen will, warum Vögel in der Mauser besonders Infekt-gefährdet sind, welche Viren für Bartkäuze den Tod bedeuten und was WissenschaftlerInnen zu all dem sagen, der findet viele Informationen und weiterführende Links in einem Artikel, der bei den Flugbegleitern erschienen ist. Diese Online-Text-Sammlung ist übrigens ein sehr empfehlenswertes Angebot für alle Vogelbegeisterten: Viel Hintergrundinformation für wenig Geld.

Gelesen in:
Riffreporter: Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt 28. August 2018 (online)
Joachim Budde: Das Amselsterben ist in Norddeutschland angekommen

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08.03.2018

Altweltgeier an der unsichtbaren Grenze

Nirgendwo sonst in Europa leben so viele Geier, wie auf der Iberischen Halbinsel – die meisten von ihnen in Spanien. Besonders hoch ist die Zahl der spanischen Gänsegeier (Gyps fulvus) mit 24 000 Brutpaaren. Bei den Mönchsgeiern (Aegypius monachus), die im Folgenden ebenfalls eine Rolle spielen, sind es 1 800 Paare.

Spanische und portugiesische Biologen machen nun darauf aufmerksam, dass die aasfressenden Geier in Spanien satt werden, weil dort der Tisch gut gedeckt ist, während in Portugal der Tisch leer ist.

Das geht aus den Daten von Gänsegeiern (60) und Mönchsgeiern (11) hervor, die in Spanien mit Sendern versehen wurden und ihren jeweiligen Aufenthaltsort an die Rechner der Wissenschaftler funkten. Deren Analyse ergab: Obwohl auf beiden Seiten der Grenze zwischen Portugal und Spanien die Natur und ihre Nutzung durch den Menschen nahezu identisch sind, hielten sich die Geier fast ausschließlich in Spanien auf. Von den 24.000 Messpunkten der Gänsegeier liegen deutlich weniger als 5% auf der portugiesischen Seite, und zwar meist nah an der Grenze zu Spanien. Während alle anderen Messsignale aus Spanien stammten.

Die Wissenschaftler haben dafür nur eine Erklärung: In Spanien dürfen die Tierkadaver, etwa von verunglückten Lämmern oder Ziegen, vielfach in der Wildnis liegen bleiben – und sind für Geier ein gefundenes Fressen. In Portugal müssen Kadaver offiziell entsorgt werden. Dieser Unterschied wirkt sich auf die Vielfalt der Natur in Portugal ungünstig aus und Aasfresser werden nicht satt.

Aber was steckt dahinter? Nach der BSE-Krise („Rinderwahnsinn“) hat die Europäische Kommission eine Verordnung (EC 1774/2002) erlassen, die verbietet, Kadaver in der Natur liegen zu lassen. Was eine solche Vorschrift regional für Konsequenzen hat, schreibt Brüssel nicht im Detail vor, sondern bedarf einer Auslegung. Und die kann von Staat zu Staat und von Region zu Region unterschiedlich ausfallen (Subsidaritätsprinzip).

Infolge der Verordnung EC 1774/2002 ging es vielen Geiern schlecht, sie hungerten. Spanien nutzte frühzeitig ergänzende EU-Vorschriften, die es ermöglichen, Kadaver für Geier zurückzulassen oder auszulegen. Portugal erlaubt das bisher nur grenznah an ganz wenigen Fütterungsplätzen. Daher lohnt es sich für spanische Gänse- und Mönchsgeier nicht, über die Landesgrenze zu fliegen, und zwar obwohl der Lebensraum links und rechts der Grenze gleichartig und die Grenze eigentlich unsichtbar ist.

Um ihre Daten zu erhärten, würden die Wissenschaftler durchaus auch portugiesische Geier beringen, aber es gibt nur wenige. Außerdem liegen ausreichend viele Fakten vor. Umso wichtiger ist ihr Appell zu bedenken, dass staatliche oder regionale Unterschiede in der Auslegung von Naturschutzvorschriften für Tierarten mit ausgedehnten Revieren höchstproblematisch sind.

gelesen in:
Biological Conservation, 2018, 219, S. 46-52
Eneko Arrondo u.a.: Invisible barriers: differential sanitary regulations constrain vulture movements across country borders

Die englischsprachige Publikation findet man bei 4vultures.

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06.02.2018

Wenn die Wacholderdrossel in die Stadt zieht

Der typische Lebensraum einer Wacholderdrossel (Turdus pilaris) sind die Randzonen von Laub-, Nadel- und Mischwäldern, auch in Feld- und Ufergehölzen, in Alleen und Gärten halten sie sich gerne auf und brüten dort. In Deutschland ist die Wacholderdrossel vor allem in den Mittelgebirgsregionen als Brutvogel verbreitet. Aber das war nicht immer so: Erst um 1700 sind die grau-köpfigen Drosseln von Osten kommend in das Baltikum vorgedrungen, erreichten Skandinavien und wurden 1830 an der Oder gesichtet. So wurden sie in Deutschland heimisch.

All das beschreiben eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler der Baltischen Föderalen Universität Immanuel Kant in Kaliningrad, die seit etwa 20 Jahren verfolgen, wie sich die Wacholderdrossel im früheren Königsberg zunehmend wohl fühlt. Anders gesagt: Wie sich in ausgewählten Grünanlagen der Stadt der Bestand entwickelt hat. Und das ist in der Tat interessant, denn hier brüten etwa 15% der rund 170 Paare, die im Gebiet von Kaliningrad leben.

Dies ist eine neue Entwicklung, denn bis 1984 brüteten keine Wacholderdrosseln mehr in der russischen Großstadt. Die ehemalige Population war nach dem Zweiten Weltkrieg offenbar zusammengebrochen. Eine erste Stadtpopulation hatte es dort Anfang des 20. Jh. bereits gegeben: Maria S. Šukšina und Gennadij V. Grišanov berichten, dass sich diese zwischen 1901 und 1920 entwickelt und in den 1930er und 1940er Jahren stabilisiert hatte.

Am Beispiel der Neubesiedlung beschreiben die Autoren wie eine „Natur-Population“ sich nach und nach in einer Großstadt wortwörtlich einnistet. Wissenschaftler sprechen von „Synanthropisation“ (syn/gr. steht für das Miteinander, anthrop/gr. für Mensch).

Zunächst besiedelten einzelne Paare den Waldpark am Stadtrand, einige Jahre später wagten sie sich in innerstädtische Bereiche vor und brüteten zunehmend in von Menschen geprägten Gebieten. Seit 2000 ist der Bestand in den Grünanlagen Kaliningrads, die von den Wissenschaftlern kontrolliert werden, stabil.

Dankenswerterweise vergleichen die Wissenschaftler das Verhalten der Wacholderdrossel mit anderen synanthropen Vogelarten, wie der Amsel (Turdus merula) und der Ringeltaube (Columba palumbus) und sie bemerken unter anderem dies: Beim Stadtvogel ist die Fluchtdistanz geringer. Aber im Gegensatz zu anderen urbanen Vogelarten ernährt sich die Wacholderdrossel kaum von menschlichen Nahrungsresten – das wurde nur im Winter beobachtet –, sie brütet nicht an Gebäuden und nutzt zum Nestbau kein künstliches Material.

Abschließend noch das: Es ist erfreulich, dass in den Ornithologischen Mitteilungen, Monatszeitschrift für Vogelbeobachtung, Feldornithologie und Avifaunistik, russische Wissenschaftler zu Wort kommen und so unsere Perspektive Richtung Osten erweitern. Ein Dank an den Übersetzer Uwe Alex.

gelesen in:
Ornithologische Mitteilungen, 2014, Nr. 11/12, S. 279 – 288
Maria S. Šukšina & Gennadij V. Grišanov: Die Historie der Herausbildung und der heutige Status der Stadtpopulation der Wacholderdrossel Turdus pilaris in Kaliningrad

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20.12.2017

Wohin verschwindet der Große Brachvogel?

Im Wattenmeer vor der Küste von Schleswig-Holsteins und Niedersachsens kann man in vielen Monaten des Jahres den Großen Brachvogel entdecken – solange es nicht zu kalt wird auch im Winter. Im Frühsommer sind allerdings nur wenige der langschnäbligen Watvögel dort, denn die meisten fliegen zum Brüten in den hohen Norden. Wo die Brutgebiete genau liegen und welchen Weg die Tiere einschlagen, war bisher nicht bekannt.

Ein Forschungsprojekt an der Universität Kiel hat nun die Flugrouten genauer untersucht. Zunächst wurden dazu vier Vögel an der Nordseeküste von Schleswig-Holstein mit solarbetriebenen GPS-GSM-Datenloggern ausgestattet, mittlerweile sind es 13 Tiere.

Die Datenlogger werden als federleichter Rucksack (27 g) mit Teflonbändern auf dem rund 850 g schweren Vogel befestigt. Sie senden regelmäßig Signale, die über Tageszeit und Aufenthaltsort des Vogels informieren. Bei brütenden Vögeln bleibt diese Ortsinformation via GPS über einige Wochen konstant.

Und das Ergebnis?

Im deutschen Wattenmeer sind die Vögel sehr ortstreu, sie fliegen nur wenige hundert Meter von ihrem Rastplatz weg, um nach Nahrung zu suchen. Im April machen sich die erwachsenen Vögel dann in nord-östlicher Richtung auf, fliegen mehr oder minder küstennah über die Ostsee, gönnen sich eine kurze Verschnaufpause im Baltikum und erreichen kurz darauf ihre russischen Brutgebiete. Diese liegen nördlich von Sankt Petersburg: zwischen Moskau und dem Weißen Meer.

Und obwohl die Region viele hundert Kilometer entfernt ist – ein Vogel flog 2070 km weit –, schaffen sie das in weniger als fünf Tagen. Knapp zwei Monate bleibt der Große Brachvogel dann am Brutplatz und zieht den Nachwuchs groß. Anschließend geht es – allerdings meist langsamer – zurück. Auch dann sind die Großen Brachvögel „konservativ“, landen nicht irgendwo im Wattenmeer, sondern ziemlich genau da, wo sie zuvor gefangen und mit einem Sender bestückt worden waren.

Interessant ist, dass der besenderte Jungvogel nicht ins russische Brutgebiet flog, sondern sich vor allem in Polen herumtrieb.

Wichtig ist ein anderer Punkt: Da der Große Brachvogel auf seinem Zug die Ostsee überquert oder ihrer Küstenlinie folgt, ist er durch Windkraftanlagen gefährdet. Das Kollisionsrisiko ist vor allem deshalb bedeutsam, weil 40 – 50% der Population im norddeutschen Wattenmeer die nordöstliche Route nutzen. Andere fliegen nach Finnland.

Der Biologe Philipp Schwemmer, Erstautor der Publikation über die vier besenderten Vögel im Journal of Ornithology, berichtete kürzlich auf der 150. Tagung der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft in Halle, dass sich die ersten Ergebnisse bestätigt haben: Was das Brutgebiet, die Rast- und Überwinterungsplätze angeht, sind die Großen Brachvögel äußerst standorttreu. Auch bei der Zugroute setzen sie nicht auf Abwechslung, sondern wählen alljährlich etwa dieselbe Strecke.

Das ist ein hübsches Ergebnis, wird aber für die schönen Watvögel umso gefährlicher je mehr Windkraftanlagen in der Ostsee und im Baltikum entstehen. Die Sorgen der Biologen um den gefährdeten Großen Brachvogel nehmen also nicht ab.

gelesen in:
Journal of Ornithology (2016, 157, S. 901 – 905)
Schwemmer, P., Enners, L. & Garthe, S.: Migration routes of Eurasian Curlews (Numenius arquata) resting in the eastern Wadden Sea based on GPS telemetry

Vortrag auf der DO-G 2017 in Halle:
Schwemmer, P., Enners, L. & Garthe, S.: Zugmuster von im Wattenmeer rastenden Großen Brachvögeln

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10.08.2017

Berliner Turmfalken sind der Stadt treu

Hier geht es um spannende Daten, die im Jahresband der “Berliner Ornithologische Arbeitsgemeinschaft e.V.” veröffentlicht sind und nicht online zur Verfügung stehen. Der Band mit knapp 150 Seiten für 15€ ist allerdings bestellbar und sein Geld wert.

Darin befasst sich Ludwig Schlottke, seit vielen Jahren als Beringer in vielen Türmen Berlins unterwegs, mit den Turmfalken der Stadt. Mehr als 200 Paare brüten in Berlin. Seine zentrale Aussage: Wer als Turmfalke in der Hauptstadt das Licht der Welt erblickt, indem er die Eischale sprengt, der bleibt.

Das geht aus den Beringungen und Ringsichtungen hervor, die im Westteil der Stadt seit 30 Jahren von ehrenamtlichen Beringern durchgeführt werden. Mit einem Metallring beringt wurden und werden hauptsächliche nestjunge Turmfalken im Alter von 15 – 20 Tage: Seit 1996 erhalten sie auch einen Farbring.

Drei unermüdliche Beringer haben auf diese Weise im Westen Berlins 6.255 junge Turmfalken beringt. Auch in Ostberlin sorgten drei engagierte Vogelkundige dafür, dass viele junge Turmfalken beringt wurden – knapp 2.500 seit 1986.

Vogelringe lassen sich – außer bei toten Tieren – nur mit Fernglas, Spektiv oder von guten Fotos – ablesen. Bei Turmfalken gelingt das am ehesten am Brutplatz, wo sie allerdings keinesfalls gestört oder beunruhigt werden dürfen. Am Brutplatz halten sich die weiblichen Tiere besonders lange auf – obwohl auch männliche Tiere am Brutgeschäft beteiligt sind. Daher liegen mehr Daten von Weibchen vor.

Bei vielen Sichtungen wurde nur die Farbkennung identifiziert. Das reichte allerdings, um festzustellen, wie alt ein Turmfalke ist und ob er ein Berliner oder eine Berlinerin ist. Der Grund: Nur in der Hauptstadt wird dieser Greif mit einem zusätzlichen Farbring markiert. Wobei jede Farbe eindeutig für ein „Geburts“jahr steht.

Die Auswertung von 503 Turmfalkensichtungen im Stadtbereich ergab nun einige Überraschungen:

◊ Turmfalken brüten bereits als Einjährige selbst. Unter den gesichteten Brutvögel waren 15,5% im Vorjahr als Nestjunge beringt worden.
◊ Sie wechseln meist alljährlich ihren Partner, ihre Partnerin. Dass dasselbe Paar erneut gemeinsam Junge großzieht, ist die Ausnahme.
◊ Der Brutplatz ist meist nur wenige Kilometer vom eigenen „Geburts“ort entfernt – im ersten Jahr im Mittel unter 10 km; später ist er nicht wesentlich weiter weg. Wobei die Weibchen unternehmungslustiger sind.
◊ Nur fünf Individuen wurden weit entfernt von Berlin gesichtet und haben zwischen 40 km und 120 km vom „Geburts“ort entfernt gebrütet.
◊ In Berlin wurden zwei weibliche Brutvögel gesichtet, die von weither gekommen waren: Sie hatten 203 km bzw. 321 km entfernt ihren Ring erhalten. Aus dem Umland – etwa aus Brandenburg – kommen kaum Turmfalken zum Brüten nach Berlin.

Mit anderen Worten: Berliner Turmfalken sind flexibel in der Partnerwahl und nicht Geburts- oder Brutorts-treu. Auf den Lebensraum „Stadtlandschaft“ sind sie jedoch offenbar geprägt. Sofern sie geeignete Brutplätze finden, bleiben sie hier.

gelesen in:
Berliner ornithologischer Bericht, Bd. 26, 2016, S. 29 – 40
L. Schlottke: Die Population des Turmfalken Falco tinnunculus in West-Berlin

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06.07.2017

Warum sind nicht alle Eier rund?

Schon in einem Sechserpack mit Hühnereiern vom Biohof oder aus dem eigenen Garten gleicht kein Ei dem anderen. Viel extremer sind die Unterschiede zwischen den Vogelarten. Straußeneier sind riesig, weiß und beinah rund, Eier des Seeregenpfeiffers hingegen braungefleckt, klein, etwas länglich und an einem Ende leicht zugespitzt.

Größe, Farbe und Form der Vogeleier haben zu allerlei Theorien über den möglichen Nutzen beziehungsweise den Adaptationswert Anlass gegeben. Betrachtet man nur die Form oder Gestalt von Eiern so ist wohl die bekannteste Überlegung: Vögel, die am Kliff brüten, wo unten das Meer rauscht, legen keine runden Eier, die leicht wegkullern könnten, sondern längliche, die an dem einen Ende stärker zulaufen als am anderen. Statt Ende sagt man auch Pol.

Diese Form einer asymmetrischen Ellipse hat den Vorteil, dass ein solches Ei nicht wegrollt, wenn es angestoßen wird und ins Rollen kommt, sondern um den schmaler zulaufenden Pol kreiselt. Aber ist das der wichtigste Motor für die Entwicklung einer nicht-runden Eischale?

Eine aktuelle Auswertung der Fotos von fast 40.000 Vogeleiern, die von 1.400 verschiedenen Arten stammen, präsentiert ein anderes Argument für die Evolution dieser Eiform: Die an einem Ende spitzer zulaufenden länglichen Eier (“konisch”) werden von Vögeln mit hoher Flugleistung produziert, die einen stromlinienförmigen Körper mit engem Becken haben.

Dazu muss man wissen – und wer schon ein Huhn selbst ausgenommen hat, der weiß es –, dass die Eier im Eierstock zunächst rund sind. Sie bestehen dann nur aus Eidotter. Erst im Eileiter und nach der Befruchtung wird das Ei mit Eiweiß umhüllt. Im nächsten Schritt wird es mit einer doppelschichtigen zarten Haut umgeben und bekommt dann seine Schale.

Die Autoren der Studie argumentieren, dass bereits die Schalenhaut für die jeweilige Form sorgt und die Schalenbildung sich ihr dann anpasst. Als Hauptfaktoren betrachten die Wissenschaftler, die die Fotos einer Datenbank vom Museum für Wirbeltier-Zoologie in Berkeley genutzt haben, nun also die Flugleistung. Denn die korrelierte am stärksten mit der Eiform, wenn Nesttyp, Nistplatz, Gelegegröße, Nahrung und Flugleistung – gemessen als Hand-Flügel-Index – berücksichtigt werden.

Das Gewebe, das den Eileiter umgibt, könnte bewirken, dass aus der Eidotter-Eiweiß-Kugel ein längliches Ei wird. Denn so kann bei den schmaler gebauten Vielfliegern der Durchmesser des Eis verringert werden, ohne dass an der Eimasse gespart werden muss. Und wenn diese Eier an einem Pol schmaler sind, könnte das die Eiablage erleichtern. Das Paradebeispiel der Wissenschaftler dafür ist der amerikanische Wiesenstrandläufer, bei dem das kleine Ei außergewöhnlich konisch ist.

Wer mehr zu der Hypothese und den Argumenten wissen möchte, kann sich jetzt leider nicht mehr online im zunächst frei zugänglichen im frei zugänglichen Science Artikel schlau machen. Frei ist weiterhin Außerdem gibt es ein elegantes Scrollytelling zu dem Text.

Man fragt sich natürlich, wer kann das bezahlen. Und da stoße ich auf L‘Oréal USA als Financier der Erstautorin dieser Science-Publikation. Kosmetik, Frauenförderung und Eier … das konnte ich mir nicht verkneifen.

gelesen in:
Science: Avian egg shape: Form, function, and evolution
Scrollytelling: Cracking the mystery of egg shape

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04.05.2017

Die Chance der Wanderfalken

In einem wunderbaren Text beschreibt der Biologe und Wissenschaftsjournalist Patrick Barkham, warum heute die Millionenstadt London und die Wanderfalken so gut miteinander auskommen, nachdem diese ungeheuer schnellen Greifvögel in Großbritannien praktisch verschwunden waren. Schuld waren – wie überall in Mitteleuropa – vor allem Pestizide wie DDT.

Heute brüten in der britischen Hauptstadt mindestens 30 Wanderfalkenpaare, und es werden seit der Jahrtausendwende immer mehr. Aber nicht zufällig, sondern weil Naturschutz und längst auch aufmerksame Bauarbeiter die Wanderfalken-Behausungen auf Schornsteinen und hohen Gebäuden im Auge haben.

All das erzählt Patrick Barkham durchaus unterhaltsam – vor allem wenn es darum geht, wie sich die Greife ernähren. Da sind nämlich neben den üblichen Haustauben auch Krähen und Bussard, schließlich die grün schillernden Halsbandsittiche zu erwähnen. Nicht nur in London nehmen diese Neubürger derzeit Überhand.

Das Überleben von Wanderfalken ist nicht nur eine Frage von Behausung und Beute, sondern auch von Sicherheit. Mittlerweile sind die Greife in Großstädten sicherer als auf dem Land. Dort werden sie noch immer geschossen oder vergiftet. Illegal und ein Verbrechen.

gelesen in:
The Guardian: Flying high: why peregrine falcons are kings of the urban jungle
faz.net: Der “Vogel der Vögel” kehrt zurück

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25.04.2017

Wie Langstreckenflieger im Flug schlafen

Zu den Vögeln, die im Schlaf fliegen können beziehungsweise im Flug schlafen können, gehören flinke Schwalben, kleine Singvögel und große Seevögel. Von ihnen ist bekannt, dass sie manchmal tagelang in der Luft unterwegs sind. Und seit langem wird vermutet, dass sie dann bestimmte Hirnfunktionen zeitweise abschalten und mit anderen wachsam bleiben. Das ist nun bewiesen.

Niels Rattenborg und sein Team haben einigen Fregattvögeln auf den Galapagos-Inseln Datenlogger verpasst, die nicht nur Flughöhe und Kopfbewegungen aufzeichnen, sondern auch Gehirnströme messen können. So konnte der Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen beweisen, dass die imposanten Seevögel wichtige Areale einer Hirnhälfte einfach abschalten, quasi halbseitig Navigieren. Und kurzfristig schalten sie sogar beidseitig diese Kontrollfunktionen ab. Das erinnert an das „power napping“, dass uns rasch wieder fit machen kann.

In der Tat müssen Fregattvögel sehr aufmerksam sein, wenn sie mehrere tausend Kilometer am Stück fliegen. Denn sie machen knapp über der Meeresoberfläche Beute und dürfen z.B. bei der Jagd nach fliegenden Fischen nicht ins Meer stürzen. Daraus kommen sie nämlich nicht wieder hoch.

Dass Fregattvögel auf zehntägigen Langstreckenflügen binnen 24 Stunden nur etwa eine dreiviertel Stunde schlafen, wirft viele Fragen auf. Wieder an Land schlafen sie rund 12 Stunden täglich.
Und vom Datenlogger wurden die Vögel nach einem solchen Ausflug schnell wieder befreit.

gelesen in:
Nature Communication: Evidence that birds sleep in mid-flight
Max-Planck-Gesellschaft: Vögel schlafen beim Fliegen

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13.03.2017

Mit DNA-Schnipseln Wilderern auf die Spur kommen

Für viele Zugvögel ist Zypern eine lebenswichtige Station, wenn sie das Mittelmeer überfliegen. Doch unzählige landen dort in den Kochtöpfen. Im Schnitt sind es jedes Jahr 2,3 Millionen kleine Singvögel, die – raffiniert angelockt – sich in Netzen verheddern oder an klebrigen Leimruten hängen bleiben, um in den Kochtopf zu wandern.

Dass unter den gefangenen Vögeln viele geschützt sind, ist keine Frage: Auf Zypern haben Ornithologen rund 400 Vogelarten gezählt, 117 davon sind vom Aussterben bedroht. Einer der Vögel, die besonders häufig auf dem Teller landen, ist übrigens die Mönchsgrasmücke.

Aber den Wilderern ihren illegalen Vogelfang und Restaurantbesitzern die verbotene Speise nachzuweisen, das ist schwer. Denn die etwa in Essig konservierten oder frisch an Restaurants verkauften Tiere sind zum Beispiel kopf- und federlos oder durchgegart; also nicht mehr zu identifizieren.

Ein junger Biologe aus Zypern hat in seiner Masterarbeit und dem Blog von der British Ornithologist Union (BOU) klar gemacht, wie wichtig das DNA-Barcoding ist, wenn Kontrolleure oder die Polizei Wilderer überführen wollen. Denn mit der Sequenzierung spezieller Abschnitt der DNA lässt sich eine Art eindeutig bestimmen: auch ohne Federkleid, Kopf und Füße, und selbst im verdorbenen oder geschmorten Zustand.

gelesen in:
British Ornithologist’s Union: DNA-barcoding against poaching: the Cyprus paradigma

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08.03.2017

Verräterische GPS-Signale

Mit dem drastischen Titel “Schiess mich tot” macht Hanno Charisius in der Süddeutschen Zeitung darauf aufmerksam, dass besenderte Vögel zwar einerseits wertvolle Daten liefern, um etwa ihr Zugverhalten zu verstehen. Andererseits sind die GPS-Signale von Wilderern und anderen Kriminellen zu knacken. Wie Forscher, z.B. vom Max-Planck-Institut für Ornithologie, sich bemühen die Bewegungsdaten von Tieren zu schützen, steht ebenfalls in dem wichtigen Artikel über eine desaströse Entwicklung.

gelesen in:
Süddeutsche.de: Schieß mich tot

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