Schillernde Weltbürger

03. März 2017 | Kleine Vögel, Mensch & Vogel | 5 Kommentare

Männliches Tier steckt roten Schnabel in roten Schnabel des weiblichen Tieres.

Balzfüttern bei einem Halsbandsittichpaar

Um den Halsbandsittich zu sehen, hätte ich nicht in das Sultanat Oman reisen müssen, aber manchmal ergeben sich in der Ferne eben besondere Gelegenheiten. Dieses Mal war das Balzfüttern der grünschillernden, rotschnäbeligen, langschwänzigen Papageien eine solche. Ich konnte es auf dem Dach meines Hotels vom Balkon ausbeobachten. Und war begeistert!

Balzfüttern ist unter Vögeln häufig. Gemeint ist, dass – als Teil der Balz – das männliche Tier seine Partnerin füttert: entweder wird nur so getan als ob, oder es wird tatsächlich Futter übergeben. Man spricht auch von der Übergabe eines „Hochzeitsgeschenks“.

Balzfüttern

Der Bewegungsablauf ist stark ritualisiert, eine klassische Instinkthandlung im Sinne des Verhaltensforscher Konrad Lorenz. Ich konnte den Ablauf x-mal hintereinander filmen: Das männliche Tiere legt den Kopf etwas zur Seite, würgt Futter hoch und steckt es in den leicht geöffneten Schnabel der Partnerin. Gut zu erkennen im GIF.

Außerdem erkennbar: Der Dame fehlt das Halsband, und links sowie rechts sitzen zwei neugierige, grün schimmernde Zuschauer. Mehrmals hintereinander und sehr stereotyp lief die Verhaltenssequenz bei diesem Paar ab. Vermutlich ist das Füttern hier rein symbolisch.

Was dahinter steckt

Wie und warum Balzfüttern entstanden ist, hat Verhaltensbiologen immer wieder beschäftigt. Irenäus Eibl-Eibesfeldt versicherte, dass „Balzfüttern aus dem Bereich der Brutpflege stammt“ (Grundriß der vergleichenden Verhaltensforschung, 1980, S. 195), und Klaus Immelmann erklärte im Wörterbuch der Verhaltensforschung, 1982, S. 40

Ursprünglich hatte die Fütterung des Weibchens durch das Männchen wahrscheinlich eine ernährungsphysiologische Bedeutung: Sie versorgte das Weibchen während der Zeit der Eiproduktion und der Bebrütung des Geleges zusätzlich oder ausschließlich mit Nahrung.

Sicher ist, dass Balzfüttern nicht „aus Spaß an der Freude“ geschieht: Zum Beispiel kann das weibliche Tier am Fütterungsverhalten ablesen, wie gut der Vater in spe den Nachwuchs satt machen kann – wichtig für den Reproduktionserfolg. Das ist die soziobiologische Sicht auf die Dinge. (John R. Krebs & Nicolas B. Davies, 1984, Einführung in die Verhaltensökologie, S. 169)

Auf Wanderschaft

Der Halsbandsittich stammt ursprünglich aus afrikanischen Ländern wie dem Senegal und Guinea am Rande der Sahelzone. Sein Verbreitungsgebiet zieht sich von dort bis in den Sudan. Und weitere Unterarten leben in einem Gebiet, das sich über Äthiopien und Somalia bis nach Indien und Sri Lanka zieht.

Halsbandsittiche mit ausgebreiteten Flügeln zeigen ihr gelb-grünes Gefieder.

Halsbandsittiche zeigen ihr farbenprächtiges Gefieder.

Allerdings lebt der kleine Papagei nicht nur in diesen Stammesgebieten, sondern hat sich auch in den arabischen Golfstaaten und bis nach Europa ausgebreitet: Bereits 1969 ließen sich einige – wohl den Besitzern entfleuchte Tiere – in den Grünanlagen von Köln blicken.

Die Höhlenbrüter überstehen unseren Winter offensichtlich gut, vermehren sich eifrig, und mittlerweile treiben sich in der Stadt über 3000 Tiere herum. Längst haben sie sich entlang des Rheins weiter ausgebreitet. Und in den Medien sorgen sie regelmäßig für Schlagzeilen. Zuletzt schaffte es ein Paar, das sich am Landwehrkanal in Berlin niedergelassen hat, in das Süddeutsche Zeitung Magazin

Nicht nur in Europa, auch im Oman sind Halsbandsittiche so genannte Neozoen – eine Wortschöpfung aus dem Griechischen: neo für neu und zoia steht für Tier. Solche Einwanderer – besser Zugeanderte –, man spricht auch von invasiven Arten, kommen ursprünglich aus einer anderen Region und haben es geschafft, sich in einem neuen Gebiet anzusiedeln und langfristig zu leben.

Halsbandsittiche haben keinesfalls nur Freunde beziehungsweise Freundinnen, denn sie sind gierige Fruchtesser, fliegen grüppchenweise lärmend herum, und wenn sie in Gärten einfallen, haben Obstbäume und ihr Besitzer oder Besitzerinnen schlechte Karten. Dieses Paar hatte sich kurzfristig im Hotelgarten nahe der Hauptstadt Muscat niedergelassen.

Zwei grüne Halsbandsittiche in grüner Baumkrone versteckt

Suchbild mit Halsbandsittichen

Und zu guter Letzt noch das: Der Halsbandsittich heißt auch Kleiner Alexandersittich. Das geht auf das Konto von Alexander der Große, der einige der hübschen Vögel aus Vorderasien mit nach Griechenland brachte. Ihren lateinischen Namen verdanken die grünschillernden Sittiche übrigens Rudolf Kramer, einem Ornithologen und Experten für Geflügel des 19. Jahrhunderts.

Ich werde noch einige Male über das Vogelleben im Sultanat Oman berichten. Und mache das immer wieider gern. Anfang 2025 war ich mit anderen Birdern ein zweites Mal – und bis Salala im tiefen Süden – im Oman. Davon habe ich im Abschnitt Meine Vogelreisen  ein wenig erzählt. (Bitte dort etwas herunterscrollen.)

Wer sich selbst über das dortige Vogelleben informieren will, hier ein Buchtipp:
Jens Eriksen & Reginald Victor, Oman Bird List (ed.7), 2013, Sultan Quaboos University (ISBN: 978-99969-0-218-5)

¹Süddeutsche Zeitung Magazin, 2026, Nr. 7, Seite 24-27

*Aktualisierung des Blogpost: 14. Feb. 2026

Halsbandsittich | Perruche (verte) à collier | Ring-necked Parakeet oder Rose-ringed Parakeet | Psittacula krameri

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

5 Kommentare

  1. Hallo Elke,
    vielen Dank für den schönen Artikel über die Sittiche. Ich finde ihn sehr schön geschrieben und Sie haben sehr tolle Fotos der Tiere gemacht.
    Einzig eine Formulierung halte ich für unglücklich:
    „Neozoen […] Solche Einwanderer, man spricht auch von invasiven Arten[…].“ Nicht alle Neobiota sind invasiv! Als invasiv gelten diese erst, wenn Schädigungen für die Umwelt, die Wirtschaft oder die Gesundheit bestehen bzw angenommen werden können.
    Viele Grüße
    Patrick

    Antworten
    • Danke für den Hinweis Patrick. Ich stimme dir zu, meine „invasiv“ aber auch zunächst ganz neutral – also im lateinischen Wortsinn (invadere = hineingehen, eindringen). Wie sich dieses Eindringen oder Vordringen dann jeweils auf andere Arten auswirkt, ist eine weitere und spannende Frage.

  2. Hallo Elke,
    man kann Halsbandsittiche auch in Deutschland entdecken.
    Gestern, am 4.3.2017 habe ich in Düsseldorf in einem Park (Spee’s Graben) nähe des Rheins etliche dieser exotischen Vögel beobachten können.
    Grüße Waltraud
    http://www.hofbauer-birding.de

    Antworten
    • Genau. Und ich las, dass sie bei uns nicht nur durch Lärm und Dreck einigen Ärger machen, sondern auch weil sie ihre Bruthöhlen gern in die wärmedämmende Fassadenverkleidung von Häusern bauen. So wie Buntspechte. Anderseits könnte man ihnen auch Angebote zum Nisten machen … und die Nebelkrähen, die in Berlin nisten, sind frühmorgens auch ganz schön laut. Ich höre sie aber lieber als Verkehrslärm.

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Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

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Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Am Rand von Feldern, einem Teich und dörflicher Umgebung steht etwas erhöht ein grau-brauner hühnerartiger Vogel.

2026 Das Rebhuhn

Drei dunkle Hausrotschwänze in einer Grafik. Links der weibliche Vogel rechts davon der männliche, beide mit roten Schwanzfedern. Der männliche Vogel ist an weißen Federn am Kopf und auf den Flügeln zu erkennen. Ganz rechts auf der Grafik und neben den Eltern ein dunkelbraun-grauer Jungvogel.

2025 Der Hausrotschwanz

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Das Rotkehlchen

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Der Wiedehopf

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Auf grünlichem Wasser schwimmt ein grau-weißer Vogel mit dunklem Hinterkopf und einer weißen Stirn.

2026  Die Zwergseeschwalbe

Drei schwarzköpfige Möwen im sogenannten Prachtkleid oder Brutkleid. In der Mitte steht die Lachmöwe mit orangerotem Schnabel und ebensolchen Beinen.

2025  Die Lachmöwe

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Flussseeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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