Waldkauz … erkennen

31. Januar 2017 | Große Vögel | 1 Kommentar

Waldkauz sitzt in einer Baumhöhle

Waldkauz döst in einer Baumhöhle.

Hat man – so wie ich – noch nie einen Waldkauz in seiner kauzigen Schönheit gesehen, braucht man Glück beim Spazierengehen, Infos von erfahrenen Naturkennern oder Freunden. Mir gab Christian einen wirklich guten Tipp, sogar mit dem Hinweis, wann das Licht die kleine Eule in ihrer Baumhöhle besonders schön beleuchtet.

Und da sitzt sie nun auf ihrem derzeitigen Lieblingsplätzchen, einem so genannten Tageseinstand, und blinzelt mitten in Berlin in die untergehende Sonne. Einerseits unübersehbar, anderseits unauffällig. Im Urania Tierreich, 1974, Band 5, S. 255 steht im Abschnitt über die Eulenvögel dazu:

Das Gefieder der weitaus meisten Arten, zeigt schlichte braune Töne, oft in wunderschöner feiner, rindenartig wirkender Zeichnung. Dabei ist das Federwerk so lang, locker und weich, daß Eulen viel dicker wirken als sie eigentlich sind.

Dieses fluschige Gefieder ist nicht nur ein stattlicher Kälteschutz, sondern ermöglicht den Tieren einen lautlosen Flug. Von Mäusen, Ratten und anderen Beutetieren werden sie dadurch nicht gehört.

Tageseinstand im Stamm einer Kastanie

Bis 16 Uhr lungerte ich nahe der Baumhöhle herum. Noch befand sich der Vogel in seiner Ruhephase: mal ging das eine Auge etwas auf, mal das andere. Meist waren beide geschlossen, und nur bei ungewöhnlichen Geräuschen öffneten sich auch mal das linke und das rechte Auge zugleich. Manchmal schien dem Waldkauz der Kopf zu schwer, und er legte ihn von innen an den Stamm der Rosskastanie.

Waldkauz sitzt in seiner Baumhöhle und lehnt den Kopf an.

Schläfriger Waldkauz lehnt den Kopf an.

Im dem amüsanten Kapitel „Eigenschaften“ schreibt Johann F. Naumann über den Waldkauz (Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, 1900, 3. Aufl., Bd V, S. 36):

Dass man von jeher die Eule als Sinnbild des Nachdenkens betrachtete, ist sehr sonderbar. Sie sieht freilich aus, als ob sie immer meditierte; aber man täuscht sich. Es ist Schlafsucht, was man für tiefes Sinnen hielt.

Tagsüber muss der Waldkauz in der Tat schlafen oder wenigstens dösen. Aber in der Dämmerung wird er richtig munter und geht auf die Jagd. Dabei hilft ihm sein phantastisches Gehör. Dazu schreibe ich ein andermal mehr.

Auch kann der kleine Kauz bei Dunkelheit gut sehen, denn in der Netzhaut seiner Augen ist die Zahl der Stäbchen, die Hell-Dunkel-Differenzen wahrnehmen, ungewöhnlich hoch. Dafür hat der nächtliche Jäger deutlich weniger farbempfindliche Zapfen in der Netzhaut als tagaktive Eulen. Sein Farbsehen ist miserabel. Allerdings: Blind ist der Waldkauz am Tag nicht. Das ist ein falsches Gerücht.

Waldkauz von der Seite in seiner Baumhöhle sitzend

Wenn die Sonne verschwindet, sind die Augen schon größer.

Nun bin ich gespannt, wann ich das erste Mal seine angeblich so unheimlich gellenden Rufe höre. Wir bleiben dem Vogel des Jahres 2017 also auf der Spur.

Dies ist mein zweiter Beitrag zum Thema Waldkauz.

Waldkauz | Hibou brun | Brown owl | Strix aluco

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

1 Kommentar

  1. Sehr schöne Bilder vom Waldkauz! Ich habe ihn bisher nur in der Dämmerung gesehen, meist sogar nur gehört.
    Im Plänterwald konnte ich einmal ein Männchen durch die Baumkronen fliegen sehen – leider eher als Schatten, die Dämmerung war schon stark vorangeschritten.
    Hast Du die Bilder durch ein Spektiv gemacht oder mit einer Kamera?
    VG!

    Antworten

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Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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