Prachtvoll, aber extrem scheu

die grauen Köpfe von zwei entenartigen Vögeln lugen aus dem tiefblauen Wasser ein baumbestandenen Sees.
Prachttaucherpaar auf dem Schwarzen See in Schweden

In Nordeuropa auf einen See zu blicken, bedeutet am Ufer oder mittendrin einige Enten, Schwäne, Gänse oder sogar Taucher zu entdecken. Den hübschen Haubentaucher kennen hierzulande fast alle. Mir begegnete auf einem See in Schweden allerdings ein Vogel, den ich bisher nur aus Bestimmungsbüchern und als Präparat aus Museen kannte: der Prachttaucher.

Prachttaucher sind wunderschön und stattlich: Während Haubentaucher – mit denen sie übrigens nicht nah verwandt sind – auf eine Körperlänge von 46 bis 51 cm kommen, messen die Prachttaucher 63 bis 75 cm. Und wie Lars Svensson betont (Der Kosmos – Vogelführer, Stuttgart, 2017, S. 61):

… dazu 10 cm Füße …

Die großen Füße haben einen Grund: Prachttaucher sind auf Fischfang spezialisiert und geniale Taucher. Sie paddeln dabei mit den Füßen – manchmal unterstützen Flügelschläge den Antrieb.

Zwei Vogelfüße: Links mit Schwimmhäuten, rechts mit lappenartiger Erweiterung der Zehen.
Seetaucher haben zwischen den Zehen Schwimmhäute wie Enten. Bei Haubentauchern und anderen Lappentauchern sind die Zehen lappig verbreitert (Handbuch der Vögel der Sowjetunion, S. 307).

Gewöhnlich bleiben sie etwa 40 bis 50 Sekunden unter Wasser, gemessen wurden sogar 135 Sekunden, also mehr als zwei Minuten. Und es sind Tauchtiefen von 45 Meter ermittelt worden.
Die Vögel kommen selten an Land, meist nur in das flache Nest zum Brüten. Ihr Gang ist extrem unbeholfen und Wegfliegen können sie sowieso nur vom Wasser aus. Dabei brauchen sie einen langen Anlauf.

All das finde ich im wertvollen Handbuch der Vögel der Sowjetunion (Hrsg.: V.D. Ilicev & V.E. Flint, A., Ziemsen Verlag, Lutherstadt Wittenberg 1985, Bd. 1, S. 219).

Dunkle Hälse

Dass ich im Östergötland ein Paar dieser Prachttaucher entdeckte … reiner Zufall. Ich war dort auf dem Schwarzen See mit dem Kanu unterwegs und hatte eher auf einen Seeadler gehofft. Der ließ sich nicht blicken, aber irgendwann ragten dunkle Hälse aus dem Wasser – und ich dachte an Schwarzhalstaucher. Aber ein Blick durch das Fernglas zeigte den grauen Nacken: Prachttaucher!

Die Kanuspitze ragt unten in das Foto vom dunklen Wasser des Schwarzen Sees.
Der Schwarze See ist tief – daher so dunkel – und fischreich.

Ich war fasziniert von diesen wunderschönen, ruhig dahingleitenden Vögel am gegenüberliegenden Ufer. Allerdings bewahrheitete sich in der schwedischen Realität, was ich schon vorher wusste: Diese Taucher sind extrem vorsichtig und scheu. Und da sie beim Schwimmen schon normalerweise tief im Wasser liegen und bei Beunruhigung noch tiefer einsinken, sind sie schwer zu identifizieren – und noch schwerer zu fotografieren. Zumal sie meist von Wellen umkräuselt oder verdeckt werden. (Und ich saß ich im schaukelnden Kanu.)

Vier Seetaucherarten sind auf dem Foto aus dem Vogelbuch von Johann F.Naumann. Links der graunackigee Prachtaucher mit dunklem Hals.
Bei Johann F. Naumann heißt der Prachttaucher noch Polar-Seetaucher. Auf dieser Grafik steht er neben anderen  Seetauchern. (Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, 1887-1905, 3. Aufl., Bd. XII, S. 122)

Der Ornithologe Johann Friedrich Naumann, natürlich kein Fotograf sondern Mitte des 19. Jahrhunderts darauf bedacht, auch diesen Vogel zu erjagen, zu untersuchen und zu präparieren, hat das Problem so geschildert (Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, 1887-1905, 3. Aufl., Bd. XII, S. 136):

Er ist so scheu wie die anderen (Seetaucher), entzieht sich seinem Verfolger so lange wie möglich tauchend …

Was der Forscher bei seinen Annäherungsversuchen außerdem beobachtete, illustrieren die folgenden Fotos. Die Vögel schwammen

 so tief im Wasser, dass außer Kopf und Hals nur ein schmaler Streifen vom Rücken über der Fläche blieb, und flogen endlich auf und weit weg.

Ein Prachttaucher, dessen rumpf nur wenig aus sdem blauen Wasser hervorschaut. Man sieht vor allem den grauen Nacken.
Einer der beiden Prachttaucher ist abgetaucht, der andere macht sich sehr flach.

Wegfliegen sah ich das Prachttaucherpaar nicht, aber ich verlor es aus den Augen. Denn wenn sie abtauchen, bleiben sie nicht nur lange unter Wasser, sondern legen auch große Strecken zurück. Das heißt, sie tauchen an einem ganz anderen Ort wieder auf. Insofern war ich froh, sie wenigstens einmal nah beieinander fotografiert zu haben.

Zwei Prachttaucher schwimmen zum baumbestandenen Ufer. Sichtbar sind vor allem ihre Hälse. Vor allem der vordere Vogel ist tief ins Wasser eingetaucht.
Das Paar entfernt sich zügig Richtung Ufer. Vor allem der vordere Vogel ist tief eingetaucht.

Hauptsache Wasser

Der Lebensraum von Prachttauchern ist der Hohe Norden. Man begegnet ihnen daher am ehesten in Skandinavien, im Baltikum und in Russland. Dort brüten sie in der Regel (Svensson, a.a.O. S. 60)

direkt am Ufer von Seen mit stabilem Wasserstand im nordeuropäischen Waldland und der Tundra.

Den Winter verbringen sie an den Meeresküsten ihres Brutgebietes oder weiter südlich. Das ist nur logisch, denn Gewässer wie der Schwarze See in Schweden frieren zu. Viele Prachttaucher Skandinaviens überwintern daher an der Nord- oder Ostseeküste. Ihre russischen Artgenossen fliegen hingegen aus dem Hohen Norden bis ans Schwarze Meer beziehungsweise ans Kaspische Meer. Andere verbringen die Wintermonate an der Küste Japans.

Verbreitungskarte für den Prachttaucher: dunkel schraffiert das Brutgebiet von Schottland bis zur Ostküste Russlands
Von Schottland bis zur Ostküste Russlands erstreckt sich das Verbreitungsgebiet des Prachttauchers. Im Winter ziehen sie weiter nach Süden. (Handbuch der Vögel der Sowjetunion, Hrsg. V.D. Ilicev & V.E. Flint, A., Wittenberg 1985, Bd. 1, S. 309)

Prachttaucher bei uns

Wer nun neugierig geworden ist, einen Prachttaucher aus der Nähe betrachten möchte und in Berlin lebt, dem empfehle ich, im Museum für Naturkunde den Evolutionssaal zu besuchen. Dort steht ein wunderschönes Exemplar in der Biodiversitätswand.

Foto von einem aufrechtstehenden Prachttaucher aus Filz mit der typischen Zeichnung: grauer Nacken, weiße Unterseite und die Flügel mit weißem Punkt- und Strichmuster.
Prachttaucher aus Filz (Storlom by Anita Bygren)

Aber auch im Frankfurter Senckenberg Naturmuseum und im Naumann-Museum in Köthen bei Halle, lassen sich der Prachttaucher und andere Seetaucher bewundern. – Wer Lust hat, kann mir gerne weitere Museen mit Präparaten von imposanten Seetauchern nennen und dafür auch die Kommentarfunktion des Blogs nutzen.

Und da mich dieser prächtige Vogel schon lange fasziniert, habe ich mir ein besonders Exemplar – sozusagen für den Hausgebrauch – aus Schweden mitgebracht.

Diesen Filz-Prachttaucher hat die schwedische Künstlerin Anita Bygren entworfen und angefertigt. Wem das gefällt, der kann mit ihm den gekühlten Weißwein vor zu viel Wärme schützen.

 

Prachttaucher | Plongeon arctique | Black-throated Loon oder Black-throated Diver | Gavia arctica



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