Kleiner Insektenkundschafter

15. November 2016 | Kleine Vögel | 0 Kommentare

Kohlmeise schaut unter Borke eienr Birke

Kohlmeise auf Insektensuche

Stadtmenschen kennen sie vor allem vom Futterhaus: die Meisen. Die größte und häufigste von ihnen ist bei uns die Kohlmeise, die sich von der Blaumeise (blaue Flügel, gelber Bauch), der Sumpfmeise (kein Gelb oder Blau im Gefieder, dunkle Kopfplatte) und der Schwanzmeise (extrem langer Schwanz, weißer Bauch) gut unterscheiden lässt. Der Kopf einer Kohlmeise ist schwarz, die Unterseite – also ihr Bauch – gelb und verziert mit einem „schwarzen Brustlatz“. So beschreiben es Bestimmungsbücher und erinnern damit an das Lätzchen von kleckernden Kleinkindern.

Und was in Brehms Tierleben zum Thema Meisen steht ist mal wieder klasse (Brehms Tierleben, 3. Auflage, Leipzig und Wien 1900, Vögel Bd. 1, S.171):

Ihr Wesen und Treiben ist höchst anziehend. Sie gehören zu den lebendigsten und beweglichsten Vögeln, welche man kennt. Den Tag über sind sie keinen Augenblick ruhig, vielmehr fortwährend beschäftigt.

Diese Kohlmeise saß im Botanischen Garten von Berlin und inspizierte die Rinde einer Birke. Hat sich hier eine Spinne verborgen? Ein Käfer? Eine Larve? Das war sozusagen ihr Thema als sie den Stamm und die sich wellende Borke untersuchte. Bei Birken spricht man übrigens von Ringelborke. Das passt.

Beim Auskundschaften der Borke lief die Kohlmeise nicht einfach den Stamm rauf und runter, sie versuchte hinter die Borke zu blicken, zog an den Enden, stemmte sich mit den Beinen gegen den Stamm, um ein winziges Insekt herauszuholen. Was ihr schließlich gelang.

Kohlmeise sitzt am Stamm

Kohlmeise untersucht Borke

Kohlmeise von hinten

Kohlmeise hat etwas im Schnabel

 

Kohlmeise sitzt am Stamm und stützt sich bei Insektensuche auf den Schwanz.

Kohlmeise stützt sich mit dem Schwanz ab

Und bei Bedarf nutzen Kohlmeisen ihren Schwanz als Stütze und Anker. Denn wie ein kleiner Specht ackern sie an und unter der lockeren Borke, festgekrallt mit ihren Zehen.

Auf solch umtriebige Insektenkundschafter sind die Bäume angewiesen. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis und stammt aus einer Zeit, in der man generell von Kerbtieren sprach und chemische Insektizide weder erfunden hatte noch einsetzte.

 

Nochmals ein Zitat aus Brehms Tierleben:

Viele Meisen verzehren neben Kerbtieren auch Sämereien; die Mehrzahl dagegen hält sich ausschließlich an erstere und jagt vorzugsweise kleineren Arten, noch mehr aber deren Larven und Eiern nach. Gerade hierin liegt die Bedeutung dieser Vögel für das Gedeihen der Bäume, die wir besonders pflegen. Die Meisen brauchen wegen ihrer ewigen Regsamkeit eine verhältnismäßig sehr große Menge von Nahrung. Sie sind die besten Kerbtiervertilger, die bei uns leben.


Nachtrag:
Der Begriff Kerbtier spielt darauf an, dass die Körperteile des Tieres deutlich voneinander abgesetzt sind, z.B. Kopf, Brust, Rumpf – und zwar durch einzelne Kerben. Das Wort Insekt, sagt nicht mehr und nicht weniger: Der Tierkörper hat deutliche Abschnitte, markiert durch Einschnitte.

 

Kohlmeise | Mésange charbonnière | Great Tit | Parus major

Et en français: Petit chercheur d’insectes

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Abo-Werbung für den Blog "Flügelschlag und Leisetreter" mit einem Specht, ein Kunstwerk von M. Garff

Vogel gesucht?

Gut sortiert

5 von 749 Kommentaren

Alle sind vollständig unter dem zugehörigen Blogbeitrag zu lesen.

  • Daniela G. zu Waldohreulen: Vorhang auf!Liebe Elke, vielen Dank für den schönen Beitrag über die Waldohreulen. Ich wollte mich ein wenig informieren, denn wir haben seit zwei Wochen immer wieder bis zu 6 Gäste dieser Art im Garten. Sie sind…
  • Elke Brüser zu Sieben auf einen StreichLeider sind aus den sieben nun fünf Jungschwäne geworden. Aber wenn die alle durchkommen, wäre das auch schon ein schöner Erfolg für das Schwanenpaar und die Stadtnatur.
  • Wolfgang zu Sieben auf einen StreichSchöner Blogpost. Leben denn noch alle Jungschwäne?
  • Elke Brüser zu Schilderwald im NaturschutzDas ist natürlich durchaus eine möglich Sichtweise. Ich halte es grundsätzlich für wichtig, dass Menschen sich in der Natur und gegenüber den Lebewesen, die dort "wohnen", respektvoll verhalten. Mache…
  • Johannes Schumann zu Schilderwald im NaturschutzIch kann die Kritik nicht teilen. Das Problem ist doch nicht, dass es unterschiedliche Schilder gibt. Dass es ein Naturschutzgebiet ist, das ist aufgedruckt. Es sind keine Verkehrsschilder, bei denen…

Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

Cookie Consent mit Real Cookie Banner