Abtauchen und auftauchen

16. August 2020 | Große Vögel | 0 Kommentare

Die kleine Reiherente ist an ihrem Schopf gut zu erkennen.

Unverkennbar: der schwarze Schopf der männlichen Reiherente

Die Reiherente ist vor allem eins: ein hübscher, kleiner Taucher. Beim ihrem Namen kann sich der eine oder die andere ein Lächeln jedoch nicht verkneifen: „Reihern die?“, wurde ich schon gefragt. Nein, das nicht. Aber die Herren tragen diesen wunderbaren Federschopf, der ähnlich auch die langbeinigen Reiher ziert. Ansonsten sind sie richtige Enten, und zwar aus der Gruppe der Tauchenten.

Über die Reiherenten habe ich bereits einmal berichtet. Da hatte sich ein kleiner Trupp im Spätherbst auf dem Berliner Schlachtensee eingefunden. Es war dort an diesem Morgen in Zeiten vor COVID-19 fast idyllisch: zu frisch für Badegäste, Kinder in der Kita oder Schule untergebracht, und Hund und Frauchen gingen nur kurz um den Häuserblock, da das Wetter feucht und trübe war. – Und die Enten auf dem See waren nur in einem matten Gefieder, dem Schlichtkleid, unterwegs.

Szenenwechsel: Im Prachtkleid

Eine blau-graue Wasserfläche. Am gegenüberliegenden Ufer kahle Bäume mit Reihern und Kormoranen.

Frühjahr am Netzener See in Brandenburg: vorne Reiherenten, hinten Kormoran und Graureiher in den Bäumen.

Im Schlichtkleid sind männliche, weibliche und jugendliche Reiherenten kaum zu unterscheiden, je nach Lichtbedingung mehr oder minder gut. Selbst der Schopf der Männchen ist unauffällig – wie bei den Weibchen das ganze Jahr über. Aber im Winter und im zeitigen Frühjahr tragen Reiherenten ihr Prachtkleid, das bei den männlichen Vögeln außer dem Schopf einen auffällig schwarz-weißen Kontrast zeigt. Außerdem schimmern die breiten Schnäbel bei genauem Hinsehen hellblau.

Zwei Reiherenten im schwarz-weißen Prachtkleid

Im Prachtkleid

Die weiblichen Vögel sind immer matt gefärbt. Das schützt sie bei der Brut, und wenn sie die geschlüpften Jungen betreuen – Ornis und Biologen sagen „die Jungen führen“.

schwimmende Stockunte, beid er Hals und Kopf unter Wasser sind und der Schnabel den Boden absucht

Futtersuche ohne zu tauchen: gründelnde Stockente

Im Fokus steht in diesem Blogbeitrag aber nicht das Federkleid oder das Brutgeschehen, sondern der Tauchvorgang.

Den haben zum Beispiel die gründelnden Stockenten und  Mandarinenten, die auf vielen Seen und Teichen in Parks anzutreffen sind, nicht zu bieten.

An zwei Orten konnte ich genauer auf das Tauchen der Reiherenten schauen: In meiner norddeutschen Heimat am moorigen Sellstedter See und im transparenten Wasser am Genfer See.

Reiherenten: Im norddeutschen Schmuddelwetter

Das norddeutsche Schmuddelwetter mit Dauerregen und mehr oder weniger Wind hat es manchmal in sich. Darum ein Blick aus der Beobachtungshütte heraus auf das wiedervernässte Moorgebiet bei Sellstedt, nahe Bremerhaven.

Blick durch das Holzfenster einer Beobachtungshütte auf eine trübe Landschaft mit Wiese, Buschwerk und Wasser.

Blick aus Beobachtungshütte am Sellstedter See

Trübes Wetter ist für die Vogelphotographie manchmal gar nicht schlecht. Dann überstrahlt der Glanz des Gefieders nicht alles andere, und Nuancen kommen besser zur Geltung, wie hier bei den Reiherenten im Schlichtkleid. Die weibliche Partnerin ist bräunlich, der männliche Partner im sogenannten Flankenfeld hell, sonst schwarz gefärbt.

Reiherenten als Paar im Wasser der Uferzone

Männliche und weibliche Reiherente im sommerlichen Schlichtkleid

Das Männchen, das gerade einen Rivalen vertrieben hatte, war sehr aufmerksam und wich der Partnerin nicht von der Seite. Sie indessen war offenbar hungrig und tauchte mehrfach ab, um Nahrung zu suchen. Dazu zählen vor allem Muscheln und Schnecken, Insekten und kleine Krebstiere, aber auch Samen und grüne Teile von Wasserpflanzen. – Und dort, wo sie leider mit Brot gefüttert werden, fressen sie auch das.

Hier zeigt das Video, wie die Reiherente bei Wind und Wetter ab- und wieder auftaucht. Das Tauchen selbst bleibt im modrigen und vom Wind zerzausten Wasser jedoch verborgen. Das allerdings konnte ich am Genfer See ziemlich gut beobachten, weil am Steg die Wassertiefe gleich zwei bis drei Meter betrug.

Reiherenten: Im transparenten Wasser des Genfer Sees

Hafen mit Segelschiffenim Vordergrund und den Alpen im Hintergrund

La Tour-de-Peilz am Genfer See

In diesem Segelhafen schwammen nicht nur Stockenten, die von Passanten an der Promenade von La Tour-de-Peilz gefüttert wurden, sondern auch: Reiherenten.

Entweder dümpelten sie auf dem Wasser mit leichten Fußschlägen dahin.

Schwimmende Reiherente

Oder sie tauchten ab und fluppten etwas später wieder an die Oberfläche.

Reiherente beim Abtauchen. Der Steert ist im Wasser, der Rücken gebogen, der Schnabel taucht gerade ein.

Wenn Reiherenten abtauchen, hat das ein wenig von einem Kopfsprung aus dem Stand. Dabei müssen sich die Vögel zunächst hochkatapultieren. Wie es danach weitergeht, illustriert diese kleine Serie von Fotos, bevor ich das Ab-und Auftauchen dann in zwei Videoschnipseln vorstelle.

Reiherente tief im Wasser liegend, denn sie taucht gleich ab.

Nach einem kräftigen Fußschlag…

Auf der Wasseroberfläche ein "Tümpel" und unter Wasser ein schwimmender Vogel mit langem Hals

…geht es abwärts, und an der Wasseroberfläche entsteht eine Delle…

Vogel mit langem Hals unter Wasser schwimmend

…bevor dem Gefieder Luftbläschen entweichen.

Wie elegant sich die Vögel ins Wasser stürzen und wieder auftauchen, zeigen nun die beiden folgenden Videoabschnitte, die am selben Ort aufgenommen wurden – also in La Tour-de-Peilz zwischen Vevey und Montreux am Genfer See. Glasklar ist das Wasser durch die Mauser (überall Federchen der Entenvögel) und den Eintrag von Flüssen wie der Rhone nicht, aber ausreichend transparent.

Und im Hintergrund die sonntäglichen Stimmen von der Uferpromenade…

Sie verschwindet in der Tiefe und taucht im nächsten Videoabschnitt wieder auf. Dort taucht eine weitere gerade ab.

Nach dem Tauchgang ist der namensgebende Schopf der Reiherenten meist nicht oder nur wenig sichtbar. Durch die Feuchtigkeit sind die Federchen am Hinterkopf wie angeklebt. Das gilt es bei der Artbestimmung zu bedenken.

Vier reiherentenund eine Stockente auf dem Wasser schwimmend.

Eine Stockente (links oben) und vier Reiherenten. Nach dem Tauchen liegt der Schopf noch an.

Viele Reiherenten verbringen das ganze Jahr bei uns, nachdem speziell im letzten Jahrhundert immer mehr Individuen aus Osteuropa eingewandert sind und hier brüten. (F. Bairlein u.a., Atlas des Vogelzugs, Wiebelsheim, S. 91-92) Aber jetzt, Ende August, beginnt die Zeit, in der Reiherenten aus Nord- und Osteuropa als Zugvögel hiesige Wasserflächen bevölkern – solange diese nicht zufrieren.

Reiherente | Fuligule morillon | Tufted Duck | Aythya fuligula

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Abo-Werbung für den Blog "Flügelschlag und Leisetreter" mit einem Specht, ein Kunstwerk von M. Garff

Vogel gesucht?

Gut sortiert

5 von 749 Kommentaren

Alle sind vollständig unter dem zugehörigen Blogbeitrag zu lesen.

  • Daniela G. zu Waldohreulen: Vorhang auf!Liebe Elke, vielen Dank für den schönen Beitrag über die Waldohreulen. Ich wollte mich ein wenig informieren, denn wir haben seit zwei Wochen immer wieder bis zu 6 Gäste dieser Art im Garten. Sie sind…
  • Elke Brüser zu Sieben auf einen StreichLeider sind aus den sieben nun fünf Jungschwäne geworden. Aber wenn die alle durchkommen, wäre das auch schon ein schöner Erfolg für das Schwanenpaar und die Stadtnatur.
  • Wolfgang zu Sieben auf einen StreichSchöner Blogpost. Leben denn noch alle Jungschwäne?
  • Elke Brüser zu Schilderwald im NaturschutzDas ist natürlich durchaus eine möglich Sichtweise. Ich halte es grundsätzlich für wichtig, dass Menschen sich in der Natur und gegenüber den Lebewesen, die dort "wohnen", respektvoll verhalten. Mache…
  • Johannes Schumann zu Schilderwald im NaturschutzIch kann die Kritik nicht teilen. Das Problem ist doch nicht, dass es unterschiedliche Schilder gibt. Dass es ein Naturschutzgebiet ist, das ist aufgedruckt. Es sind keine Verkehrsschilder, bei denen…

Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

Cookie Consent mit Real Cookie Banner