Der unverkennbare Upupa

Bei diesem Vogel beginne ich ausnahmsweise mit seinem wunderbar lautmalenden wissenschaftlichen Namen: Upupa. So ähnlich klingt sein Gesang, der mehr ein Rufen ist: „up up up“, Pause, „up up up“. Im Englischen heißt er passenderweise „Hoopoe“, und die Franzosen nennen ihn „Huppe“. Der deutsche Name „Wiedehopf“ soll einerseits dem Wort Waldhüpfer entsprechen, aber mein hochgeschätztes Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (der Kluge) meint, dass in „Wiedehopf“ auch der Ruf des Vogels steckt. „Wedehuppe” oder „Hupup” wurde er übrigens früher in bestimmten Regionen Deutschlands genannt.

In diesem Sommer habe ich endlich wieder einen Wiedehopf in Brandenburg – nah an der Grenze zu Berlin – entdeckt: erst gehört, kurz gesehen, und schon war der außergewöhnlich hübsche Vogel in den Bäumen verschwunden.

Wird es ihm zu stressig, fliegt der Wiedehopf mit einem krächzenden „räh“ davon.

Auch auf Lanzarote, in Südfrankreich und Armenien ist mir der auffällige Vogel schon begegnet – unverkennbar ist diese Kombination aus langem, gebogenem Schnabel, der Federhaube auf dem Kopf und den breiten, streifigen Flügeln.

Aber der Wiedehopf ist ein aufmerksamer Vogel und hat seine Beobachterin immer im Blick – eine unachtsame Bewegung, und er ist weg. Die Fotos, die ich gerne machen wollte, gelangen mir daher erst jetzt aus dem Auto heraus: in der Baumsavanne von Namibia.

In der Nähe der ruhenden Kudus traf ich den afrikansichen Wiedehopf.

Am Rand der Piste hockte der Wiedehopf auf einem abgestorbenen, kräftigen Ast. Ich hatte es hier allerdings nicht mit „unserem“ Wiedehopf zu tun, dem Upupa epops, sondern mit der afrikanischen Variante Upupa africana.

In der trockenen Baumsavanne fühlt sich der Wiedehopf wohl.

Von kleinen Unterschieden

Beide Arten unterscheiden sich nur geringfügig in der Stimme und im Gefieder, darum zählten sie lange zur selben Art. Und noch ist nicht endgültig klar, ob die regionalen Varianten tatsächlich verschiedene Arten darstellen oder doch nur Unterarten sind.

Seine Beobachter und etwaige Widersacher hat er gut im Blick.

Interessant ist vielleicht, dass die afrikanischen Vertreter ganzjährig im südlichen Afrika leben, während die europäischen Wiedehopfe bei uns nur Sommergäste sind. Sie ziehen nach der Brut ab August nach Süden. Den Winter verbringen sie jenseits der Sahara, vor allem in Ost- und Westafrika, und gelangen teilweise in das Verbreitungsgebiet ihrer afrikanischen Verwandten.

Aber sie kommen von dort zu uns zurück, sofern sie nicht auf dem Zug in den Netzen von Vogelfängern hängen bleiben.

In Deutschland gibt nur einige Hundert Brutreviere, viele davon in Brandenburg und südlich davon. Warme Gebiete mit einem trockenen, sandigen Boden bevorzugt der Wiedehopf. Zu seinen Lieblingsrevieren gehören in den ostdeutschen Bundesländern die ehemaligen Truppenübungsplätze in der Heidelandschaft.

Gerade vom Ast herunter geflattert, geht es auf Nahrungssuche.
Aber nicht in aller Öffentlichkeit, sondern lieber hinter dem Buschwerk.

Stochern im Boden

Wiedehopfe brüten zwar gern in Baumhöhlen und auch ihre Stimme hört man oft aus einem Baumwipfel, aber ihre Nahrung suchen sie meist am Boden. Das macht der Vogel, indem mit dem langen dünnen Schnabel im Erdreich, in Spalten oder auch im Dung nach Insekten stochert. Er schnappt sich aber auch Eidechsen und andere kleine Tiere.

Ich sehe euch!
Und ich bemerke verborgene Insekten!

Der etwa amselgroße Wiedehopf ist ein faszinierender Vogel, vor allem wenn er bei Erregung seine Federhaube aufstellt. Dieser Videoausschnitt, durch das Autofenster aufgenommen, zeigt das kurze Auffächern der Haube.

Bei jeder Erregung, auch beim erfolgreichen Stochern, öffnet sich die Haube. Mal kürzer, mal länger.

Erstaunliches am Rande

Recherchiere ich zu einer Vogelart, in diesem Fall zu dem afrikanischen Wiedehopf, dann stoße ich immer wieder auf Überraschungen.

So hat der Thüringer Naturforscher Johann Matthäus Bechstein, der unter anderem ein ausgezeichneter Ornithologe war, vor über 200 Jahren die afrikanische Art beschrieben. Und: Das lese ich ausgerechnet in der englischen Version von Wikipedia.
Der Staat Israel hat 2008 den Wiedehopf zum Nationalvogel erkoren.
Und als ich kürzlich im Zoologischen Garten von Berlin war, sehe ich tatsächlich im Gehege der Vögel Afrikas einen Upupa africana.

Der afrikanische Wiedehopf im Zoo Berlin

Wer also einen Wiedehopf sehen möchte und hierzulande bisher kein Glück hatte, muss nicht nach Afrika reisen, sondern kann sich den afrikanischen Vertreter im Berliner Zoologischen Garten anschauen.

Mir scheint, ihm geht es dort gut, und von Zugunruhe, die Upupa epops nach Süden und zurück nach Norden treibt, ist der bodenständige Upupa africana wohl nicht geplagt.

Wiedehopf | Huppe | Hoopoe |Upupa epops und Upupa africana



Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

3 Kommentare zu “Der unverkennbare Upupa

  1. Liebe Elke,
    wieder ein interessanter Bericht und schöne Bilder über einen außergewöhnlichen und exotischen Vogel. Auch den Ruf finde ich ganz besonders und würde ihn wirklich gerne mal in der Natur hören.
    Dabei soll er im Sommer hier ganz in der Nähe zu finden sein.
    2017 hat das Verwaltungsgericht Mainz sogar ein Bauvorhaben in dem Gebiet gestoppt. In der Allgemeinen Zeitung vom 10.08.2017 war unter anderem zu lesen:
    „Der Wiedehopf zählt zu den bedrohten Vogelarten. Um so erfreulicher, dass es ihn in Finthen noch gibt, dort hat er sich im Vogelschutzgebiet „Dünen- und Sandgebiet Mainz-Ingelheim“ niedergelassen. Damit er auch bleibt und seine Population sogar wachsen kann, unterliegt das Gebiet strengen Naturschutzvorgaben….. Während der Erörterungen zum Fall zitierte die Vorsitzende Richterin Stefanie Lang das Bundesnaturschutzgesetz, wonach es bei möglichen Bauvorhaben innerhalb eines Naturschutzgebietes keinesfalls zu Beeinträchtigungen der zu schützenden Flora und Fauna kommen dürfe. Bestünden Zweifel daran, könne auch keine Ausnahmegenehmigung erteilt werden.“

    1. Vielen Dank, liebe Cornelia, für die so positive Rückmeldung. Ich wünsche Dir für das nächste Jahr Erfolg bei der Wiedehopfsuche! Und eine solch couragierte Richterin ist ja wirklich erfreulich.

  2. Hallo Elke,

    vielen Dank für deinen informativen Blog. Im letzten Jahr konnte ich nahe Berlin ebenfalls einen Wiedehopf bestaunen. Seit dem bin ich schon so oft dort lang gelaufen, aber leider ohne Erfolg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.