Verstrickte Basstölpel

17. September 2016 | Mensch & Vogel, Wissenswertes | 0 Kommentare

Am Rand der roten Steilküste von Helgoland brüten Basstoelpel

Basstölpel von Helgoland

Vor 50 Jahren brüteten an deutschen Meeresküsten keine Basstölpel. Seit 25 Jahren machen sie das: an der Klippe von Helgoland, da wo sich im Frühjahr auch Trottellummen und Dreizehenmöwen einfinden.

Das ist einerseits phantastisch, denn Basstölpel haben eine unglaublich faszinierende Gesichtszeichnung, wirken trotz ihrer drei Kilo leicht und elegant, wenn sie segeln oder sich senkrecht ins Meer stürzen. Anderseits ist der Basstölpel nicht nur wegen seiner beeindruckenden Schönheit und Fähigkeiten in Deutschland Seevogel des Jahres 2016, sondern weil viele seiner Art durch die im Meer treibenden Kunststoffnetze krepieren:

Manchmal taucht ein Basstölpel aus den Wellen auf und um seinen Schnabel haben sich bunte Kunststofffäden gewickelt … Oft trägt einer – statt saftiger Algen – rote Plastikschnüre von zerrissenen Fischernetzen im Schnabel, um damit sein Nest zu bauen oder es zu restaurieren.

Basstoelpel sitzen und stehen auf Nestern, in die sie viele bunte Kunststoffschnüre locker verbaut haben..

Hohes Verstrickungsrisiko: dunkle Jungvögel und ihre weißen Eltern

Tödliche Risiken durch Geisternetze¹

Das Problem, auf das der Verein Jordsand aufmerksam macht: In dem Fadengewirr, das man in über 90% der Nester von den rund 700 Basstölpel-Paaren von Helgoland findet, verheddern sich die Tiere, gerade auch die Jungen. Das Gespinst aus Kunststofffasern zieht sich bei jeder Bewegung mehr zusammen und – anders als bei Pflanzenmaterial – gibt es keine lebensrettenden Bruchstellen. Vorläufig weiß man noch nicht, warum Basstölpel besonders auf rote Fischernetze stehen. Übrigens auch an anderen Brutplätzen im Nordatlantik. Ein ausführlicher Bericht steht in der Zeitschrift Seevögel (2016, Bd. 37, 2, S. 4ff).

Ich habe von meinem Aufenthalt auf Helgoland diese Fotos mitgebracht:

Zwischen zwei weißen sitzenden Basstölpeln hängt ein toter, bereits vertrockneter Artgenosse im Fels. Er ist in Netzfäden eingewickelt.

Stranguliert im Fadengewirr von Kunsstoffnetzen der Fischer…

Ein toter Basstölpel oben auf der Felsplattform.

Reste von Kunststoffnetzen, die zum Nisten aus dem Meer gefischt werden, haben zwei Basstölpel getötet.

Herumtreibende Netze aus Kunststoff nennt man auch „ghost nets” – also Geisternetze. Sie sind nicht nur für Seevögel beziehungsweise Meeresvögel eine tödliche Falle, sondern auch für manche Möwen, Wale und Delphine, Tiefseehaie, Schildkröten … Dennoch kümmern sich Behörden und Gesetzgeber zu wenig um die Entsorgung und Vermeidung von diesemund anderem Plastikmüll in den Meeren.

So gesehen ist es ein interessantes Projekt, wenn mit den kaum verrottbaren bunten Fäden hier und dort Kunst entsteht. Ich sah eine Miniaturausstellung im Ozeanopolis von Brest – ein Aquariummonster, das mir im Übrigen nicht sonderlich gefallen hat. Zu viel Schnickschnack. Ich empfehle stattdessen die Tiergrotten in Bremerhaven – neuerdings Zoo am Meer genannt. Im Vergleich zu Brest ist da alles winzig. Aber naturnah. Darüber berichte ich aber ein andermal.

¹Diesen Abschnitt habe ich im Juni 2021 durch Fotos und etwas Text ergänzt.

Basstölpel | Fou de Bassan | Northern Gannet | Morus bassanus

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

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Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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