Starterkit für Neugierige

16. Februar 2024 | Vogelbücher | 0 Kommentare

Weiß-blaues Cover des Buches "Vögel" mit einem Foto vom AutorUm es gleich vorweg zu sagen: Vögel von Kalle Nibbenhagen ist ein Büchlein, das eine ganz wichtige Lücke füllt. Es richtet sich an Menschen, die schon jetzt Spaß daran haben, Vögel zu beobachten, aber weit entfernt davon sind „echte“ Birder zu sein. Und deren Ziel dies wahrscheinlich auch gar nicht ist.

Mit anderen Worten, der Biologe und Vogelfreund seit Kindesbeinen hatte beim Schreiben nicht ornithologisch geschulte Menschen vor seinem geistigen Auge, sondern ornithologische Laien – also jene, die auf einem Spaziergang einen Vogel singen hören und wissen möchten, wer da eigentlich zwitschert. Oder jene, die den Kohlmeisen am Futterhaus zuschauen und sich fragen, was man ihnen Gutes tun kann.

Und auch das könnte Jung und Alt interessieren: Wann ist endlich die Nachtigall aus dem Winterurlaub in Afrika zurück? Kalle Nibbenhagen umschreibt sein Anliegen so, Seite 11

Mit diesem Buch möchte ich dich für die gewöhnlichen Dinge und Besonderheiten der Vogelbeobachtung begeistern, dich mitreißen und motivieren rauszugehen, auch wenn dir nicht danach ist. Ohne Erwartungen loszugehen, sich überraschen zu lassen und das mit Freude und Zufriedenheit, das ist so toll.

Vögel ist kein trockenes Bestimmungsbuch. Vielmehr erläutert der junge Autor unterhaltsam und unkompliziert, worauf im Einzelnen zu achten ist, wenn wir einen Vogel identifizieren wollen und sein Verhalten besser verstehen möchten. All das macht er als „Kalle“ und im Du-Modus.

Kalle Nibbenhagen ist längst ein Experte für Vögel und befüllt gleich zwei YouTube-Kanäle: @KalleNibbelhagen und @ornithologiefueranfaenger. Er weiß aber noch genau, wie er einmal angefangen hat und was ihm beim Erkunden der Vogelwelt anfangs geholfen hat und bis heute nützt. Davon profitiert das übersichtliche Buch.

Zur Unterscheidung von Habicht und Sperber gibt er beispielsweise unter dem Stichwort „So habe ich’s mir gemerkt“ einen guten Tipp und liefert ein erklärendes Foto gleich dazu, Seite 57

Habichte haben dickere Beine als ihr Augendurchmesser groß ist. Beim Sperber ist es umgekehrt.

Artenporträts: Länge, Stimme, Lebensraum, Wann bei uns?

Den Hauptteil von Vögel machen die mehr als 100 Artenporträts aus. Egal, ob es um die Stockente, das Rebhuhn oder den Pirol geht, diese Porträts zeichnen sich dadurch aus, dass sie gewichten: Wir erfahren also nicht alles Mögliche über eine Art, sondern wenig. Eben das, worauf es ankommt, um einen Vogel von ähnlichen Arten zu unterscheiden und sein Verhalten einzuschätzen. Zahlreiche Fotos, auf denen die relevanten Merkmale markiert sind, helfen dabei.

Ein zusätzlicher Gewinn sind die Details, die schnipselartig und graphisch abgesetzt in den Text eingestreut sind. Meist als Sprechblase. Solche Ergänzungen können aber auch mal zwei Seiten in Anspruch nehmen, etwa bei der Frage, wie es sich erlernen lässt, die Gefiederten an ihrem Gesang zu unterscheiden.

Und nun ein paar Beispiele zu den Schnipseln:

Höckerschwan: Kalle Niddelhagen nennt sie „elegante Riesen“, beschreibt kurz und knapp ihr Äußeres im Vergleich zum Singschwan und warnt, S.14
Gerade bei städtischen Höckerschwänen mit Nest oder Nachwuchs in der Nähe ist … besondere Vorsicht geboten. Am häufigsten hört man einen explosiven „Hjorr“-Ruf. Höckerschwäne können aber auch fauchen.

Zwergtaucher: Der Autor nennt sie „Luftkissenboote“ und erklärt damit zugleich, woran wir sie auf dem Wasser erkennen können. Und dann fügt er noch unter der Überschrift „Eltern-Taxi“ ein typisches Verhalten der Jungen von Haubentaucher & Co. hinzu, Seite 22
Wie auch bei anderen Lappentauchern verstecken sich junge Zwergtaucher gerne auf dem Rücken ihrer Eltern.

Flussregenpfeifer: Hier lesen wir unter dem Stichwort „störungsanfällig“ einen wichtigen Hinweis. Damit diese bodenbrütende Art bessere Chancen hat, ihre Jungen im Kiesbett von Gewässern großzuziehen, erklärt Kalle, Seite 31
Flussregenpfeifer werden leicht übersehen. Hunde oder unaufmerksame Badegäste können die gut getarnten Gelege zertrampeln.“

Und zu guter Letzt noch diese kleine Anmerkung zur Heckenbraunelle unter der Überschrift: „Maus? Nein – Heckenbraunelle!“, Seite 90
Wenn eine Heckenbraunelle geduckt und ruckartig über den Boden huscht, kannst du sie mit einer Maus verwechseln.

In diesem „Nature Guide“ – einer jungen naturkundlichen Reihe im Kosmos Verlag – zu lesen, macht Spaß. Und da es wohl ohne Anglizismen nicht mehr geht: Vögel ist ein perfektes Starterkit. Ohne große Vorkenntnisse zu erwarten, bringt es seinen Lesern und Leserinnen die Vogelwelt näher. Nicht die exotische, sondern die vor der Haustür.

Vom Genuss der Vogelbeobachtung

Was mich an diesem abwechslungsreich illustrierten Büchlein ganz besonders freut, ist die Sichtweise des Autors auf die Vogelwelt. Da habe ich einen Verbündeten entdeckt! Ein Abschnitt ist zum Beispiel so überschrieben: „Die eigentliche Beobachtung fängt erst nach der Bestimmung an”. Kalle Nibbenhagen verät hier mit einem Augenzwinkern seine Passion, Seite 64

… Häufig genug gehe ich nach der Bestimmung schnurstracks weiter. Doch eigentlich beginnt dann der schöne Teil der Beobachtung. Wenn du die Möglichkeit hast, einen Vogel störungsfrei über längere Zeit zu beobachten, dann mach es! Genieße den Moment!

Stehen zu bleiben und über die Bestimmung hinaus zu beobachten, macht das Erlebnis noch viel intensiver!

Um das zu illustrieren, ist – wie zu vielen anderen Themen auch – ein Video eingebunden, das sich über die Kosmos-App gezielt und kostenfrei abrufen lässt.

Was absolut zu begrüßen ist: Vögel ist keine Anleitung zu der Frage, wie es gelingt, möglichst viele Vogelarten mindestens einmal im Leben gesehen zu haben und sie (als erledigt) in Listen abzuhaken – was typisch für ehrgeizige Birder ist. Stattdessen rät der Autor, die Tiere in Ruhe zu beobachten und ihnen bei ihrem Treiben zuzuschauen. Das kann die Ringeltaube im Garten sein oder ein Stockentenpaar auf einem vereisten Gewässer. Über seine „Wasservogel-Erlebnissen“ an einem Baggersee, wo es manchmal Überraschungen gibt, berichtet er so, Seite 6

Mir geht es darum, das Verhalten einzelner Individuen zu beobachten, Gefiederdetails zu sehen und die Schönheit der Natur zu genießen. Und wenn dann auf dem besagten Baggersee im Frühling alle paar Jahre eine Knäk- oder Löffelente rastet, dann ist die Freude umso größer.

Danke Kalle! So kenne ich das auch. Dieses Büchlein ist mit seinen rund 150 Seiten ein gelungenes Starterkit für alle, die Augen und Ohren für die Gefiederten haben und sie näher kennenlernen möchten, und zwar ohne trockenes ornithologisches Lehrbuchwissen zu bemühen.

Nature Guide: Vögel
Autor: Kalle Nibbenhagen
Jahr: 2024
Verlag: Kosmos

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

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Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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