Birding für Ahnungslose

05. Dezember 2019 | Vogelbücher, Wissenswertes | 2 Kommentare

Da hat Veronika (Véro) Mischitz, die Biologin und Illustratorin mit einem Faible fürs Zeichnen von Comics, wirklich einen Coup gelandet. Birding für Ahnungslose ist für mich das Buch des Jahres 2019 in Sachen Vogelgucken. Denn es vermittelt auf kluge und amüsante Art, was der Untertitel verspricht: Wie man Vögel in sein Leben lässt.

Auch augenzwinkernd

Eingangs verrät sie den ganz Ahnungslosen, was die Vogelbeobachtung – neudeutsch Birding – so alles möglich macht: Entspannung und glückliche Zufälle, Nervenkitzel, Wissenschaft unterstützen usw. Kurz darauf beschreibt sie, was er oder sie bei der Vogelbeobachtung so braucht. Angefangen mit Notizblock und Stift, Bestimmungsbüchern oder APPs stößt sie bis zu anspruchsvoller optischer Technik vor, die sie mit flotten Strichzeichnungen erklärt. – Und ganz nebenbei flüstert sie dem staunenden Einsteiger augenzwinkernd zu: „All you need ist less“. Logisch. Wer Vögel beobachten will, braucht ausrüstungsmäßig wenig, unbedingt aber ein passables Fernglas.

Gut verpackte Tipps

Das Buch im Stil einer Graphic Novel ist voll von nützlichen Tipps, die witzig und unterhaltsam verpackt sind. Da fragt im Kapitel Technik von der Randspalte aus ein dreimalkluges Vögelchen: „Wozu ist das gut?“ Oder die skizzierten Gefiederten beschweren sich, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Beispiel Zilpzalp: Seinen Gesang nennt die Autorin „dümmlich klingend“ (S. 71). Schon tönt der beleidigte Vogel per Sprechblase: „Was?! Ich muss doch sehr bitten!!“

Véro Mischitz hat natürlich Recht, wenn sie den Gesang des Zilpzalps als schlicht beschreibt. Wer ewig lange Serien von „Zilpzalp-zilpzalp- …“ trällert, den darf sich der Birder durchaus als „dümmlich klingend“ merken. Das hilft bei der Wiedererkennung.

Für alle, die Vögel am Gesang unterscheiden möchten, hat die Autorin diverse Tipps parat, verschweigt aber nicht, dass Übung den Meister macht. Doch es gibt Hilfsmittel wie die Vogeluhr: Während der Hausrotschwanz schon 70 Minuten vor Sonnenaufgang zu singen beginnt, ist der Fitis eine echte „Schnarchnase!“ – so Véro Mischitz (S. 46). Erst rund 20 Minuten vor Sonnenaufgang legt er los.

Zum Glück lassen sich Vögel nicht nur am Gesang unterscheiden. Es hilft zum Beispiel zu wissen, wo der Vogel sich üblicherweise herumtreibt: am Boden, im Geäst, auf dem Wasser … Und ob er überhaupt im Lande ist. Dafür bietet das Buch einen wunderbaren Überblick: Monat für Monat ist aufgelistet, mit welchen Vogelarten wir wo rechnen können. Super!

Und das Gefieder

Vor allem die Gestalt und das Gefieder helfen, eine Art zu bestimmen oder festzustellen, ob wir es mit einem Jungvogel, einem Männchen oder Weibchen zu tun haben. Darum skizziert Véro Mischitz nicht nur die unterschiedlichen Vogelschnäbel – etwa Sondier- und Kegelschnabel –, sondern bringt mit sicherem Strich sechs typische Schwanzformen auf die linke Buchseite und die acht wichtigsten Muster des Schwanzgefieders auf die rechte Seite. So erkennen Ahnungslose auf einen Blick, dass Elstern und Kolkraben einen „keilförmigen“ Schwanz haben, und was eigentlich mit „gebändert“ gemeint ist.

Mit Witz

Wer Vögel bestimmen möchte, der sollte Begriffe wie Handschwingen oder Armdecke kennen. Auch das macht dieses Buch einem leicht. Das hat einen einfachen Grund: Birding für Ahnungslose ist lässig und mit Witz geschrieben. Das Gefieder nennt die Autorin “Visitenkarte“ des Vogels und überlässt einem Birder-Paar zu erklären, warum man „Armdecke“ und andere Begriffe kennen sollte (S. 62):

Sie: „Äh …. Also. Der hat da so ein helles Dings … über dem … äh …Dingens ….“
Er: Zeigt krause Stirn und „???“.

Auf 30 Seiten stellt Véro Mischitz abschließend die 50 Vogelarten vor, die ahnungslose Birder garantiert rasch kennenlernen. Um seine Freude an Vögeln zu haben, braucht es nicht viel mehr – außer dem erwähnten Fernglas und einem Bestimmungsbuch wie Was fliegt denn da.

Die  Autorin empfiehlt die Vogelbeobachtung als eine „ziemlich sinnstiftende Angelegenheit“, die Menschen zusammenführt. Und darum passt es gut, dass in ihrem Buch neben den weißhäutigen auch schwarzhäutige Birder auftauchen, alte Menschen und Kinder, die Vogelguckerin mit Hund, mit Turban oder Stöckelschuhen. Und klar, auch im Rollstuhl.

Birding für Ahnungslose. Wie man Vögel in sein Leben lässt.
Autorin: Veronika (Véro) Mischitz
Verlag: Kosmos
Jahr: 2019

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2 Kommentare

  1. Ganz herzlichen Dank für diese Buchbesprechung. „Birding für Ahnungslose“ hat es tatsächlich geschafft, mich – sozusagen als Desktop-Büro-Potato – zu aktivieren. Ich habe das Fenglas meines Schwiegervateres – may he rest in peace – herausgekramt. Es steht jetzt im Büro auf der Fensterbank. Und wenn ich eine Bildschirmpause brauche, dann stehe ich auf und gucke damit in den großen Garten. Bei meiner Seel – da geht ja echt die Birdingpost ab. Und in die Weite gucken soll ja sogar vor wachsender Kurzsichtigkeit schützen. Besser gehts nicht!

    Antworten
    • @ Heike, ich bin begeistert und Véro, die Buchautorin, sicherlich auch! So wünschen wir uns das: Immer mehr Menschen möchten genauer wissen, was rundherum „kreucht und fleucht“. Das macht auch Spaß, und es geht ja sowieso nicht nur um das Klima, sondern auch um Artenvielfalt – Biodiversität. Und da sind Fernglas und Vogelbuch eine gute Wahl, um näher an diese faszinierende Vielfalt heran zu kommen.

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5 von 749 Kommentaren

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Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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