Silbermöwe im Fokus

Wer die Meeresküste besucht oder dort lebt hat bei der Vogelbeobachtung einen gewaltigen Vorteil: Er oder sie sieht die Vögel! Sie sind nicht im Blätterwerk von Büschen und Bäumen verborgen. Manchmal sind Seevögel am Meer zwar weit entfernt, aber manche kommen uns sehr nah. Dazu gehört die Silbermöwe.

Sie ist ein schöner, attraktiver Vogel. Ein Hingucker. Und nur dort, wo Möwen gefüttert werden, passiert es, dass die Silbermöwe uns zu sehr „auf die Pelle rückt“ und etwa mit Attacken auf Fischbrötchen nervt. Warum es definitiv besser ist, sie nicht zu füttern, sondern in ihrem natürlich Lebensraum zu beobachten, macht das Buch Die Silbermöwe … und andere Küstenvögel aus der Reihe NBB junior verständlich.

Obwohl für junge Menschen geschrieben, ist dies erfreulicherweise keines der üblichen Bilderbücher – garniert mit herzzerreißenden Geschichten aus dem Leben einer Silbermöwe –, sondern ein äußerst informatives Buch über das Leben von Küstenvögeln. Im Fokus steht dabei: die Silbermöwe.

Nicht nur für eine junge Leserschaft

Der Autor Ulrich Kattmann, ehemals Professor für Didaktik der Biologie an der Universität Oldenburg, möchte gezielt junge Leser und Leserinnen ansprechen. Doch was er da schreibt, ist nicht nur für wissbegierige Heranwachsende lesenswert ist, sondern auch für bereits Erwachsene.

Querschnitt durch den Boden in Wattenmeer mit Muschlen und Krebsen und einer am HImmel fliegenden Silbermöwe.
Grafik zum Nahrungangebot im Wattenmeer (Daniela Veit/VerlagsKG Wolf)

Neben den zahlreichen Fotos, die punktgenau illustrieren, was der Text daneben erklärt, gibt es eine Reihe schöner, anschaulicher Grafiken von Daniela Veit. Sie illustieren etwa das Nahrungsangebot im Watt, zeichnen die Zugrouten durchziehender Küstenvögel wie der Pfuhlschnepfe nach oder bilden angeborene Verhaltensweisen ab wie „Jauchzen“ und „Drohschreiten“.

Typische Verhaltensweisen der Silbermöwe (Daniela Veit/VerlagsKG Wolf)

Außerdem enthält das Buch spezielle Wissenskästen, etwa zur Entwicklung des Kükens im Ei, und Kästen mit Tipps, die mal zur Beobachtung von Vögeln, mal zum Sammeln von Plastikmüll am Strand anregen.

Viele Fragen werden aufgegriffen, auch die nach dem weiß-silbrigen Gefieder der erwachsenen Silbermöwe:

Wie entsteht eigentlich die Farbe Weiß?
Und wie sehen überhaupt die Jungvögel aus?

Nachbarn der Silbermöwe

Zu den nahen Verwandten der Silbermöwe gehören die Mantel-, die Herings- und die Sturmmöwe, erklärt Ulrich Kattmann anhand einer Illustration über Verwandtschaftsverhältnisse. Doch diese aus Sicht der Evolutionsbiologie artverwandten Möwen leben nicht unbedingt in demselben Lebensraum wie die Silbermöwe.

An den norddeutschen Meeresküsten hat die Silbermöwe vornehmlich andere geflügelte Nachbarn: kleine wie den Sandregenpfeifer und den Alpenstrandläufer, große wie die imposante Eiderente und die hübsche Brandgans.

Von all diesen Arten erfahren wir das ein oder andere Detail. Spannend ist schließlich auch der „Ausflug” zur Felseninsel Helgoland, wo die Silbermöwe nur vereinzelt brütet, stattdessen aber die Dreizehenmöwe und der Basstölpel zu bewundern sind. (Ich hoffe sehr, dass die diesjährige Vogelgrippe diesen und allen anderen freilebenden Vogelarten nicht zu sehr zugesetzt hat und die Populationen sich erholen.)

Dieses Buch macht Lust auf Vogelbeobachtungen am Meer, ermöglicht vielerlei Einblicke in das Leben von Küstenvögeln und erzählt auch von den Gefahren durch Fressfeinde/Prädatoren und menschengemachte Umweltverschmutzungen.

Es ist erfreulich, dass Die Neue Brehm-Bücherei durch die Reihe NBB junior ergänzt wird. Dort sind bereits andere Vogelbücher für junge und wissensdurstige Menschen erschienen, und zwar Der Weißstorch, Die Wasseramsel und Die Amsel.

 

Die Silbermöwe (NBB junior)
Autor: Ulrich Kattmann
Verlag: VerlagsKG Wolf, Magdeburg
Jahr: 2022



Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert