Die Glanzvolle

05. Dezember 2017 | Große Vögel | 1 Kommentar

Grau-schwarze Krähe stolziert über den feuchten Strand.

Und wie sie glänzt.

Ich möchte euch heute die Glanzkrähe vorstellen (Corvus splendens), die ihren Namen wirklich zu recht trägt. Das lateinische Verb splendere bedeutet glänzen, und diese Vogelart glänzt in der Tat ganz besonders. Auch das Gefieder anderer Corviden, wie man die Familie der Krähen und anderer Rabenvögel nennt, glänzt auffällig – etwa bei den Elstern oder den pechschwarzen Saatkrähen, die man in den ostdeutschen Bundesländern oft sieht. Und das Federkleid der Nebelkrähen, die mit ihrer Mischung aus Grau und Schwarz den Glanzkrähen auf den ersten Blick sehr ähnlich sind, hat ebenfalls viel Glanz. Aber die Glanzkrähe … die schillert vielfarbig und in der Sonne ganz bezaubernd. (Dazu die Fotos mal anklicken!)

Nebelkrähe mit dunklem Kopf und einem Körnchenim Schnabel, unterwegs auf dem Tempelhofer Feld.

Nebelkrähe auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

Ich traf den attraktiven Vogel auf meiner Reise durch den Oman und hole ihn jetzt aus einem ganz schlichten Grund aus meinem Fotoarchiv: Der Kollege Cord Riechelmann liest in meiner kleinen Buchhandlung gleich um die Ecke aus seinem Krähen-Portrait (Naturkunden No 1, Matthes & Seitz, 2013). Er hat es geschafft, dieser miserabel beleumundeten Familie mit seinem Büchlein „Krähen“ ein hübsches Denkmal zu setzen.

Keine Nahrungsspezialisten

Krähen sind bei dem, was sie fressen, gar nicht wählerisch. Die meisten sind Allesfresser. Anders ausgedrückt: Sie sind sehr anpassungsfähig, nehmen was sich ihnen bietet. Das erklärt, dass man fast überall auf der Welt auf die eine oder andere Krähenart trifft. Aber die am Strand von Maskat auf Fisch spezialisierten Glanzkrähen, die waren für mich neu und beeindruckend.

Glanzkrähe stochert in einem fischm der am Strand liegt.

Glanzkrähe steht über dem Fisch, an dem sie gerade nagt.

Ergiebige Fischmahlzeit

Es ist allerdings nicht so, dass diese Fischliebhaber abtauchen, um etwa zu fischen. Nein, sie suchen Strandabschnitte gezielt nach Fischresten ab. Mal spülen die Wellen einen toten Fisch an den Strand. Mal spült ein Wasserlauf, an dem offenbar Fischverkäufer ihre Tagesbeute verarbeitet haben, Fischreste in Richtung Meer.

Kontrolle ist alles

Rabenvögel sind äußerst kluge und lernfähige Tiere. Wer ihnen zuschaut, bemerkt nicht nur wie aufmerksam sie gegenüber dem Beobachter sind, sondern kann sich auch amüsieren. Schaut einfach mal die Fotos von dieser Glanzkrähe an, der ich dabei zusah, wie sie sich mit einem Stückchen Fisch beschäftigte. Ausgehungert war sie nicht, obwohl sie das Stück letztlich verzehrte.

Ich hatte den Eindruck, dass dieser Vogel mit mir spielte. Sein keckes Gehabe, das kenne ich allzu gut von den Berliner Saat- und Nebelkrähen: Sie sind auf der einen Seite sehr vorsichtig und beobachten den, der sich annähert, immer äußerst genau. Anderseits sind sie pfiffig und neugierig.

Krähen kontrollieren ständig, in welche Richtung man geht und prüfen permanent, ob sie ihre Beute vor Ort konsumieren oder doch lieber im Schnabel an einen sicheren Ort verfrachten sollten.

Flügelschlagend hält die Glanzkrähe, die ein Stück Fisch im Schnabel hat, die Balance.

Nur nicht die Balance verlieren.

Kräftiger Pinzetten-Schnabel

Wie schon erwähnt, erinnert die Glanzkrähe mit ihrem grau-schwarzen Gefieder an unsere Nebelkrähe. Doch schon auf den ersten Blick erkennt man, dass ihr Schnabel imposanter ist. Wie gut sie damit trotzdem kleinste Krumen aufpicken kann, ist erstaunlich. Und es gibt noch ein Unterscheidungsmerkmal: Bei der Nebelkrähe ist fast der ganze Kopf schwarz. Bei der Glanzkrähe beginnt gleich hinter dem Auge das hellgraue Gefieder.

Glanzkrähe nimmt mit ihren kräftigen Schnabel kleine Krumen von der steinigen Strandpromenade auf.

Auf der Strandpromenade von Maskat: Pinzettenschnabel  in Aktion

Wermutstropfen

Zum Schluss noch das: Auf Glanzkrähen hätte ich auch in Rotterdam treffen können. Denn sie kommen mittlerweile sogar in Westeuropa vor, obwohl ihre Heimat die Küsten des indischen Subkontinents sind. Das übrigens verrät auch ihr französischer Name „Corbeau d’Inde“.  Man vermutet, dass die niederländischen Glanzkrähen als blinder Passagiere auf Handelsschiffen eingewandert sind.

Geliebt wird die ausbreitungsfreudige Art weder in den Niederlanden noch anderswo in Westeuropa. Als „invasive Art“ findet man die Glanzkrähe sogar im Amtsblatt der EU in der Liste der 36 gebietsfremden invasiven Arten (Neozoen). Und die Niederlande werden wohl mit allen Mittel versuchen, eine Ausbreitung der schwarz-glänzenden Vögel zu verhindern – zum Schutz von ortsansässigen Arten.

Glanzkrähe | Corbeau d’Inde | House Crow | Corvus splendens

 

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

1 Kommentar

  1. Ein wunderbares und interessantes Doku, liebe Elke. Ich liebe Krähen jeglicher Art und wie schön, durch Deinen
    Bericht einmal eine ganz neu Art kennenzulernen. Der Schnabel erinnert schon an einen Kolkraben und das aufgestellte
    Kopfgefieder zeigt sich auch sehr anders als bei unseren Nebelkrähen. Ich liebe Krähen wegen ihrer Intellligenz und deren Pfiffigkeit. Im Zoo konnte ich oft beobachten, wie sich eine Krähe von hinten an den Graureiher heranpirschte – ein Fuß vorne, ein Fuß hinten, geduckt – und ihn an dem Schwanz zupfte und das mehrere Male, bis der Reiher das Weite suchte. Das sieht so menschlich vertraut aus, man muß einfach lachen.

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Abo-Werbung für den Blog "Flügelschlag und Leisetreter" mit einem Specht, ein Kunstwerk von M. Garff

Vogel gesucht?

Gut sortiert

5 von 749 Kommentaren

Alle sind vollständig unter dem zugehörigen Blogbeitrag zu lesen.

  • Elke Brüser zu Ein Platz für MauerseglerLiebe Frau oder Herr Lenk, auch bei uns wurde ja der rechte, modernere Nistkasten in diesem und dem letzten Jahr zügig von Sperlingen besetzt. Gerade dieser hat aber eine Schiebevorichtung, mit der ma…
  • c. Lenk zu Ein Platz für MauerseglerLiebe Elke Brüser, in die Fassade von mehreren unserer Genossenschaftshäuser wurden als Ausgleichsmaßnahme Einfluglöcher zu Mauerseglernistkästen eingebaut - so jedenfalls die Theorie. In der Praxis s…
  • Elke Brüser zu Ein Platz für MauerseglerLieber Michael, liebe Miriam, das freut mich natürlich sehr, dass euch meine kleine Geschichte über die Mauersegler gut gefällt. Ich bin gespannt, ob sich die Jungen irgendwann im Flugloch sehen lasse…
  • Miriam zu Ein Platz für MauerseglerToller Beitrag, tolle Fotos und Filme! Ich liebe die Mauersegler auch sehr, besonders ihr abendliches "Um-die-Häuser-zischen". Danke!
  • Michael M. Kochen zu Ein Platz für MauerseglerLiebe Elke, einmal eine Rückmeldung von mir zu den Mauerseglern: Wunderbare Bilder (insbesondere von Eurer Terrasse aus). Danke!

Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

Cookie Consent mit Real Cookie Banner