Die Glanzvolle

Grau-schwarze Krähe stolziert über den feuchten Strand.
Und wie sie glänzt.

Ich möchte euch heute die Glanzkrähe vorstellen (Corvus splendens), die ihren Namen wirklich zu recht trägt. Das lateinische Verb splendere bedeutet glänzen, und diese Vogelart glänzt in der Tat ganz besonders. Auch das Gefieder anderer Corviden, wie man die Familie der Krähen und anderer Rabenvögel nennt, glänzt auffällig – etwa bei den Elstern oder den pechschwarzen Saatkrähen, die man in den ostdeutschen Bundesländern oft sieht. Und das Federkleid der Nebelkrähen, die mit ihrer Mischung aus Grau und Schwarz den Glanzkrähen auf den ersten Blick sehr ähnlich sind, hat ebenfalls viel Glanz. Aber die Glanzkrähe … die schillert vielfarbig und in der Sonne ganz bezaubernd. (Dazu die Fotos mal anklicken!)

Nebelkrähe mit dunklem Kopf und einem Körnchenim Schnabel, unterwegs auf dem Tempelhofer Feld.
Nebelkrähe auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

Ich traf den attraktiven Vogel auf meiner Reise durch den Oman und hole ihn jetzt aus einem ganz schlichten Grund aus meinem Fotoarchiv: Der Kollege Cord Riechelmann liest in meiner kleinen Buchhandlung gleich um die Ecke aus seinem Krähen-Portrait (Naturkunden No 1, Matthes & Seitz, 2013). Er hat es geschafft, dieser miserabel beleumundeten Familie mit seinem Büchlein „Krähen“ ein hübsches Denkmal zu setzen.

Keine Nahrungsspezialisten

Krähen sind bei dem, was sie fressen, gar nicht wählerisch. Die meisten sind Allesfresser. Anders ausgedrückt: Sie sind sehr anpassungsfähig, nehmen was sich ihnen bietet. Das erklärt, dass man fast überall auf der Welt auf die eine oder andere Krähenart trifft. Aber die am Strand von Maskat auf Fisch spezialisierten Glanzkrähen, die waren für mich neu und beeindruckend.

Glanzkrähe stochert in einem fischm der am Strand liegt.

Glanzkrähe steht über dem Fisch, an dem sie gerade nagt.
Ergiebige Fischmahlzeit

Es ist allerdings nicht so, dass diese Fischliebhaber abtauchen, um etwa zu fischen. Nein, sie suchen Strandabschnitte gezielt nach Fischresten ab. Mal spülen die Wellen einen toten Fisch an den Strand. Mal spült ein Wasserlauf, an dem offenbar Fischverkäufer ihre Tagesbeute verarbeitet haben, Fischreste in Richtung Meer.

Kontrolle ist alles

Rabenvögel sind äußerst kluge und lernfähige Tiere. Wer ihnen zuschaut, bemerkt nicht nur wie aufmerksam sie gegenüber dem Beobachter sind, sondern kann sich auch amüsieren. Schaut einfach mal die Fotos von dieser Glanzkrähe an, der ich dabei zusah, wie sie sich mit einem Stückchen Fisch beschäftigte. Ausgehungert war sie nicht, obwohl sie das Stück letztlich verzehrte.

Ich hatte den Eindruck, dass dieser Vogel mit mir spielte. Sein keckes Gehabe, das kenne ich allzu gut von den Berliner Saat- und Nebelkrähen: Sie sind auf der einen Seite sehr vorsichtig und beobachten den, der sich annähert, immer äußerst genau. Anderseits sind sie pfiffig und neugierig.

Krähen kontrollieren ständig, in welche Richtung man geht und prüfen permanent, ob sie ihre Beute vor Ort konsumieren oder doch lieber im Schnabel an einen sicheren Ort verfrachten sollten.

Flügelschlagend hält die Glanzkrähe, die ein Stück Fisch im Schnabel hat, die Balance.
Nur nicht die Balance verlieren.

Kräftiger Pinzetten-Schnabel

Wie schon erwähnt, erinnert die Glanzkrähe mit ihrem grau-schwarzen Gefieder an unsere Nebelkrähe. Doch schon auf den ersten Blick erkennt man, dass ihr Schnabel imposanter ist. Wie gut sie damit trotzdem kleinste Krumen aufpicken kann, ist erstaunlich. Und es gibt noch ein Unterscheidungsmerkmal: Bei der Nebelkrähe ist fast der ganze Kopf schwarz. Bei der Glanzkrähe beginnt gleich hinter dem Auge das hellgraue Gefieder.

Glanzkrähe nimmt mit ihren kräftigen Schnabel kleine Krumen von der steinigen Strandpromenade auf.
Auf der Strandpromenade von Maskat: Pinzettenschnabel  in Aktion

Wermutstropfen

Zum Schluss noch das: Auf Glanzkrähen hätte ich auch in Rotterdam treffen können. Denn sie kommen mittlerweile sogar in Westeuropa vor, obwohl ihre Heimat die Küsten des indischen Subkontinents sind. Das übrigens verrät auch ihr französischer Name „Corbeau d’Inde“.  Man vermutet, dass die niederländischen Glanzkrähen als blinder Passagiere auf Handelsschiffen eingewandert sind.

Geliebt wird die ausbreitungsfreudige Art weder in den Niederlanden noch anderswo in Westeuropa. Als „invasive Art“ findet man die Glanzkrähe sogar im Amtsblatt der EU in der Liste der 36 gebietsfremden invasiven Arten (Neozoen). Und die Niederlande werden wohl mit allen Mittel versuchen, eine Ausbreitung der schwarz-glänzenden Vögel zu verhindern – zum Schutz von ortsansässigen Arten.

Glanzkrähe | Corbeau d’Inde | House Crow | Corvus splendens

 


Kommentar zu “Die Glanzvolle

  1. Ein wunderbares und interessantes Doku, liebe Elke. Ich liebe Krähen jeglicher Art und wie schön, durch Deinen
    Bericht einmal eine ganz neu Art kennenzulernen. Der Schnabel erinnert schon an einen Kolkraben und das aufgestellte
    Kopfgefieder zeigt sich auch sehr anders als bei unseren Nebelkrähen. Ich liebe Krähen wegen ihrer Intellligenz und deren Pfiffigkeit. Im Zoo konnte ich oft beobachten, wie sich eine Krähe von hinten an den Graureiher heranpirschte – ein Fuß vorne, ein Fuß hinten, geduckt – und ihn an dem Schwanz zupfte und das mehrere Male, bis der Reiher das Weite suchte. Das sieht so menschlich vertraut aus, man muß einfach lachen.

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