Federnlesen

21. November 2018 | Vogelbücher | 0 Kommentare

Auf dem Cover des Vogelbuches "Federlesen" sitzt ein Grünspecht mit roter Haube am Stamm.Welch ein Buch! Johanna Romberg, die feinsinnige Autorin von Federnlesen, ist für die Zeitschrift GEO seit langem in Sachen Natur unterwegs, und Artikel von ihr lese ich neuerdings regelmäßig auf der Website der Flugbegleiter. Und nun dieses außergewöhnliche Sachbuch, für das ich endlich Zeit hatte. – Ich will es gleich vorweg sagen: Mit den Geburtstags- und Weihnachtsgeschenken habe ich ab sofort kein Problem. Von nun an gibt es Federnlesen zum Lesen. Sei es als Printausgabe oder als E-Book.

Ich muss diese Begeisterung natürlich begründen. Und das ist ganz einfach: Johanna Romberg schreibt mir aus dem Herzen. Und, sie komponiert einen wunderbar fließenden Text, indem sie uns einfach mitnimmt, etwa auf ihren Balkon in einem Örtchen in der Lüneburger Heide, zu Ausflügen in die Schorfheide bei Chorin oder an den Niederrhein, zu vielen kundigen Interviewpartnern. Und dann erzählt sie uns über das Vogelleben all das, was sie bereits weiß oder gerade dazugelernt hat, greift dabei mal den einen, mal den anderen Aspekt auf.

So verrät sie, wie sich ihre Faszination für Vögel entwickelt hat und welche Bedeutung ihr erstes Bestimmungsbuch „Was fliegt denn da?“ dabei hatte. Wir erfahren, wie sich das Glück beim Vogelbeobachten einstellt und welche Pfade ihr Vater, ein Lehrer, mit seinen akribischen Aufzeichnungen von den gemeinsamen Wanderungen vermutlich gelegt hat.

Während die Autorin einerseits von einem Vogel wie der Feldlerche erzählt, liefert sie ganz nebenbei vielfältige Sachinformationen. Nützlich für alle, die mehr über ihre Vögel vor der Haustür erfahren möchten. Ich nenne nur den Brutvogelatlas ADEBAR, www.ornitho.de für die tagesaktuelle Verbreitung von Vogelarten und xeno-canto.org für die Identifikation von Vogelstimmen.

Neben der Faszination auch Kritik

Unverzichtbar sind die durchaus kritischen Anmerkungen der Autorin zu der Art und Weise, wie unsere Gesellschaft – und vor allem die Politik – in der Agrar- und Energiewirtschaft den Fokus auf schnellen Profit setzt. Johanna Romberg beschreibt bei all ihrem Herzschmerz bewundernswert entspannt und anschaulich, was das für die Natur insgesamt und für die Vogelwelt insbesondere bedeutet. Und sie zeigt Wege auf, wie wir aus dem Dilemma der Interessenkonflikte herauskommen könnten.

Aber keine Angst, dieses ist kein Buch, in dem uns ständig vorgerechnet wir, wie viele Rotmilane alljährlich von Windkraftanlagen zerschreddert werden, warum die Population der Kiebitze so stark zurückgegangen ist oder dass Schwarzspechte kein Zuhause finden, wenn dafür die mächtigen Stämme alter Baumriesen fehlen. Nein, hier geht es vornehmlich um das Glück, Vögel zu beobachten, ihrem Gesang zu lauschen und sie im Garten oder auf einer Wanderung wiederzuerkennen.

Um den Reichtum dieses Buches zu illustrieren, ein paar Passagen.

Am Beispiel von Amsel und Star führt Johanna Romberg vor, wie wichtig die Verhaltensweisen bei der Vogelbestimmung sind (Seite 93):

Beide Vögel sehen sich auf den ersten Blick und von Weitem, ziemlich ähnlich: Sie sind fast gleich groß, haben mehr oder weniger tiefschwarzes Gefieder, und einen gelben Schnabel. Trotzdem … Schwarzdrosseln, wie die Amseln auch heißen, bewegen sich fast nur hüpfend vorwärts, in Schlusssprüngen, bei denen beide Beine gleichzeitig abheben und landen. Und nach jeder Hüpfserie verharren sie eine Moment fast regungslos, den Kopf wachsam erhoben, während der Schwanz sich langsam hebt und wieder senkt. Stare dagegen sind fast ständig in Bewegung; sie hüpfen nie, sondern schreiten ein Bein vors andere, gemächlich, aber stetig, den Blick zu Boden gerichtet, und sie halten nur inne, um mit dem Schnabel kurz nach einer Insektenlarve zu stochern.

Ein andermal geht es der Autorin darum, dass Vögel durchaus individuelle Persönlichkeiten sind, die je nach Lebensraum und Herkunft unterschiedliche Dinge lernen und anwenden – wie zum Beispiel der Mäusebussard (Seite 193):

Es gibt Bussarde, die ihren Hauptjob, das Mäusejagen, teilweise aufgegeben haben, und sich auf das Einsammeln verendeter Fische spezialisieren, weil es in der Nähe ihrer Horste gut bestückte Teiche gibt. Andere leisten lieber Wachdienste an der Autobahn, weil sie dort (…) „ihr Gulasch frisch serviert kriegen“. So der O-Ton des Bussard-Experten Oliver Krüger, den Johanna Romberg interviewt hat.

In einem anderen Passus beschreibt sie das, was ich mal als meditatives Element der Vogelbeobachtung bezeichnet habe (Seite 287):

Beim Beobachten, ob mit Augen oder Ohren, lenkt man ja die eigene Aufmerksamkeit zwangsläufig nach außen, weg von den eigenen Befindlichkeiten hin zu dem, was gerade neben dem Weg singt oder aus dem nächsten Busch auffliegt. Man ist auf wunderbare Weise ganz bei sich. Und doch völlig woanders, abgelenkt und abgehoben von allem, was einem gerade auf der Seele liegt. Etwas Wohltuenderes, Heilsameres kann ich mir kaum vorstellen.

Natürlich geht es in Federnlesen immer wieder um den Vogelgesang und wie man sich die arttypischen Rufe und Melodien merken kann. Dazu eine Passage, die mich schmunzeln ließ (Seite 33):

Wenn man den Dompfaff in einem Busch hocken sieht, bullig, schwarzköpfig, dickschnabelig, das Männchen mit leuchtend kardinalrotem Bauch, dessen Farbe es den Namen „Dompfaff“ verdankt und der aufgeplustert fast wie ein Wamst aussieht – wenn man das sieht, erwartet man einen Ruf, der schmetternd und sonor klingt, so wie das Organ eines Domherren, das von der Kanzel bis in die hintersten Kirchenbänke dringt. Stattdessen kommen zwei zarte Pfeiftönchen, denn der Vogel hat geradezu eine Fistelstimme.

Auch die Gesangsartisten kommen bei Johanna Romberg zu Wort. Betörend findet sie den Gesang der Heidelerche (Seite 261):

Er ist so flötenhaft klar und melodisch, dass man ihn, anders als die meisten Vogelstimmen, ohne Weiteres in Notenschrift aufzeichnen könnte: eine Reihe ebenmäßiger Achtelnoten, die in zickzackförmigen Terzsprüngen sanft abwärts fällt.

Hier offenbart sich, dass die Autorin von Federnlesen nicht nur langjährige GEO-Reporterin ist, sondern außer Hispanistik auch Schulmusik studiert hat.

Den Verlag möchte ich unbedingt auch loben. Dieses Buch ist wunderbar illustriert, eingesprenkelt sind kleine, dezent abgesetzte Kapitel mit der Überschrift „Zugeflogen“ und am Ende sogar noch das: gutsortierte Lesehinweise und ein zuverlässiges Schlagwortregister mit allen gefiederten Kumpanen dieses 300 Seiten starken Sachbuchs. Merci!

 

Federnlesen
Vom Glück, Vögel zu beobachten
Autorin: Johanna Romberg
Verlag: Lübbe Köln
Jahr: 2018 (1. Aufl.)

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

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Vogel gesucht?

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Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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