Ferne Baumeister

Braunes Kleibernest aus Lehm un dmit Einflugloch vorne klebt an eienr Hauswand.
Nest des Klippenkleibers aus Lehmklümpchen an einer Hauswand

Manchmal muss man etwas weiter reisen als in das Umland von Berlin oder über die Grenzen von Brandenburg hinaus. An jedem fünften Baum im Berliner Grunewald sitzt zwar ein Kleiber, so könnte man manchmal denken …, aber Felsenkleiber und Klippenkleiber, die sieht man hierzulande nicht. Ob das nur an den fehlenden Felsen oder Klippen liegt, kann ich nicht beurteilen. Dass Felsen- und Klippenkleiber tolle Baumeister sind, kann ich hingegen bestätigen.

An einem bewachsenen Felbrocken ist die Röhre eines Felsenkleibernestes zu erkennen.
Ungenutztes Felsenkleibernest aus dem Vorjahr
Nestkonstruktion am Fels, bei der man sieht wie von einer breiten Basis aus, das Nest zum Flugloch immer schmaler wird.
Neu angelegtes Nest des Felsenkleibers

Beide Kleiberarten, die unserem Kleiber durchaus ähnlich sehen und an dem dunklen Augenstreif gut zu erkennen sind, beobachtete ich auf einer ornithologischen Reise in Armenien. Typisch auch der lange, stabile Schnabel und die blaugraue Oberseite des Vogels. Allerdings ist der Felsenkleiber von Kopf bis Schwanz etwa 2 cm länger als unser Kleiber, Sitta europaea. Und der Klippenkleiber ist mit 16 – 18 cm Körperlänge sogar um 4 cm länger als unsere heimische Art.

Klippenkleiber mit kräftigem Schnabel und dunklem Augenstrich sitzt auf einem Fels
Klippenkleiber in Armenien (Foto: ©Bernd Moeckel)

Was den Lebensraum angeht, da sind die Unterschiede markant: Der hiesige Kleiber lebt im Laub- und Mischwald, gerne auch in Parks und großen Gärten. Und er brütet in Baumhöhlen anderer Vogelarten, die er ein bisschen verklebt, wenn ihm die Eingangspforte zu groß ist.

Felsen- und Klippenkleiber leben in eher trockenen Zonen und bauen ihre Lehmnester in Felsnischen, beim Klippenkleiber darf es auch mal ein Baumstamm sein. Sie geben sich ganz offensichtlich viel Mühe mit dem Verkleben von Lehmkügelchen – sie sind eben echte „Kleiber“.

Eine rötlich-beige Felslandschaft, in der beigefarbene Kleiber fast nicht zu erkennen ist.
Man muss schon gut hinsehen, um diesen Kleiber zu entdecken …

Felsenkleiber

Hohe Felswand mit vielen Nischen
Typisches Habitat für Felsenkleiber

Der Lebensraum des Felsenkleibers erstreckt sich von Kroatien über Griechenland und die Türkei weit nach Osten. Er lebt auch an Küstenklippen des Mittelmeers, bevorzugt aber ansonsten das Felsgestein in Höhenlagen zwischen 1 000 und 2 500 Meter.

Wir sahen ihn auf unserer vogelkundlichen Tour kreuz und quer durch Armenien unter anderem im Gebirge südlich des Sewansees, nachdem wir den Selimpass hinter uns hatten.

Zum Glück hatte ich mehrere erfahrene Ornithologen um mich herum, denn anfangs konnte ich die in schattigen Nischen verborgenen Lehmkonstruktionen dieser Kleiber nicht selbst entdecken.

Allerdings bekommt man ziemlich rasch einen Blick dafür …  auch für die Vögel selbst, die immer sehr lebhaft unterwegs sind und deren Gefiederfarben sich vom Felsgestein oft nur wenig abheben.

Vogelkundige kontrollieren mit Spektiv und Fernglas eine Felswand, auf der Suche nach Kleibern..
Ornithologen auf der Suche nach Kleibernestern im Fels

Geflügelte Hausbesetzer

Übrigens kommt es oft vor, dass Lehmnester aus dem Vorjahr von fremden Arten okkupiert sind. Ich sah sowohl Stare darin brüten, als auch den Steinsperling (Petronia petronia), der an seinem deutlich gestreiften Gefieder zu erkennen ist. Felsen, Schluchten und Steinbrüche sind sein Revier, aber auch Ruinen und alte Steinmauern. Sein Verbreitungsgebiet reicht von den Kanaren über die Anrainerstaaten des Miteltmeeres bis nach China.

Ein Star schaut aus einem Kleibernest heraus, der andere sitzt im Fels daneben.
Hier hat sich ein Starenpaar eingenistet.
Auf dem Kleibernest hockt ein Sperling, der wie die Felswand beige-braun gefärbt ist und darin fast verschwindet.
Steinsperling hockt unauffällig auf dem Kleibernest.

Die verblüffendste Konstruktion eines Klippenkleibers sah ich übrigens nahe der armenischen Grenze zum Iran. Das Nest klebte an der Hauswand eines abgelegenen Hauses in einer wunderbaren Schlucht, die von einem Wasserlauf durchzogen war.

Ein Kleibernest klebt an der Fassade eines Hauses, unter dem Zugang über eine Außentreppe und über einem Rosenbusch.en
Skuriler Nestbau an einer Hauswand.
Großaufnahme vom Kleibernest an der Hauswand
Viele kleine Lehmkügelchen sind aneinander gekle(i)bt.

Klippenkleiber

Ein Klippenkleiber klammert sich an einen trockenen Zweig und prüft, ob sich dort Insekten verbergen.
Welches Insekt verbirgt sich dort? (Foto: ©Bernd Moeckel)

Besonders imposant sind die Klippenkleiber (Sitta tephronata) mit ihrem kräftigen Schnabel. Sie kommen nur in der Ostürkei und von dort aus weiter ostwärts vor. Wirklich nah kam ich an diese Vögel leider nicht heran. Kraxelt man über Geröll und an dornigem Buschwerk vorbei, sind sie schon wieder woanders. Aber ein Kollege hatte mehr Glück und hat mir gern einige sehr gelungene Fotos überlassen. Danke Bernd!

Schwer zu entdeckendes Kleibernest in einer Felsnische
Nest des Klippenkleibers, gut geschützt unter einem Felsüberhang
Aus einem Kleibernest schaut der Kopf des Klippenkleibers heraus
Ein Klippenkleiber verlässt gerade den Nestbau.
Zwei Klippenkleiber auf einem rotbrauen Fels, linksund recht Buschwerk.
Das Klippenkleiberpaar ist auf einem Felsbrocken vor seinem Nest unterwegs. (Foto: ©Bernd Moeckel)

 

Felsenkleiber | Sitelle des rochers | Western Rock Nuthatch | Sitta neumayer
Klippenkleiber | Sitelle de Perse | Eastern Rock Nuthatch | Sitta tephronata



Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

3 Kommentare zu “Ferne Baumeister

  1. Das möchte ich euch nicht vorenthalten: In den Ornithologischen Mitteilungen (2018, Nr.1/2, S. 29) gab es jetzt von Bernd Nicolai und Herbert Grimm einen Bericht zu den Felsenkleibern im südlichen Armenien, die ich auch besucht habe. Und da ist durch Fotos von R. Aeschlimann belegt, dass diese Nester nicht nur von anderen Vogelarten für die eigene Brut verwendet werden, sondern von Schlangen geleert werden können. Tatsächlich schaut eine Natter, die vermutlich die Eier oder Jungen verspeist hat, aus dem Einflugloch heraus. Üblicherweise bauen diese Kleiber ihre Nester unter Felsvorsprüngen und machen sie so weitgehend sicher vor hungirgen Schlangen. In diesem Fall konnte der sich schlängelnde Prädator das Nest über den rauhen Fels erreichen.

  2. Hallo Elke,
    Dein Bericht gefällt mir.
    Ich war gerade in Aserbaidschan und der Felsenkleiber ist in den Gebirgsregionen dort überall zu sehen. Auch die Höhlen mit dem extra Eingang waren nicht zu übersehen. Den größeren Klippenkleiber mussten wir allerdings schon etwas suchen, bis wir ihn in Natschiwan schließlich entdeckten. Am letzten Tag waren wir auf der Alinca-Festung, wo beide Arten um die Wette riefen.
    Grüße aus München

    1. Da bin ich ja gespannt, was du zu deinem „Ausflug“ nach Aserbaidschan demnächst schreibst! Und endlich war ich auch mal wieder auf deinem Blog … so interessant.

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