Der „Güllestorch“

04. Mai 2018 | Große Vögel, Storchenleben | 3 Kommentare

Ein Weoißstorch geht vom Grünstreifen an der Landstraße zum Maisfeld vom letzten Jahr.. Hinten kommen die Güllewagen.

Langsam geht der Adebar vom Straßenrand zum Maisfeld.

Ich traute meinen Augen kaum: Auf einem stoppeligen Maisfeld aus dem letzten Jahr, unmittelbar an die Landstraße grenzend, waren zwei Güllewagen in Aktion. Und ganz ruhig am Straßenrand stand ein Adebar – wie der Storch auch genannt wird. Dieser Weißstorch stand einfach so da, ließ sich weder von mir, noch vom Motorenlärm oder dem Gestank des Güllesprühregens beeindrucken.

Es dauerte nicht lange, da stolzierte er gemächlich auf den Acker, der gerade mit frischer Gülle durchtränkt worden war und wo später sicher wieder Mais wachsen wird. Und er ließ es sich schmecken.

Nach vorn gebeugter Storch frisst etwas vom braunen gülledurchtränkten Boden.

Dort, wo die braune Gülle versprüht ist: Überall Leckerbissen

Was der Storch dort allerdings fraß, war mir rätselhaft: Waren es Regenwürmer, die sich aus dem verpesteten, mit Gülle durchtränkten Ackerboden nach oben retteten und so vor seinen Schnabel kamen?

Oder war in der Gülle Fressbares für den Weißstorch, der ja auch kein Problem damit hat, auf den spanischen Müllhalden im Winter Futter zu suchen – weshalb sich Störche, die auf der westlichen Route in den Süden ziehen, den Flug bis nach Afrika immer öfter spart.

Keine Angst vorm Güllewagen

Ich wollte mir jedenfalls anschauen, wie dieser Weißstorch reagiert, wenn sich der frisch betankte Gülleversprüher dröhnend nähert, und dachte schon an schöne Bilder des auffliegenden Storchs. Aber es kam anders:
Er wusste längst, wie Gülle duftet. Und er wusste vor allem, dass der Güllewagen keine Gefahr darstellt. Denn das Ungetüm zieht seine geraden Bahnen kalkulierbar von einem Ende des Ackers zum anderen, und das war dem brandenburgischen Storch offenbar nicht neu. (Fotos zum Vergrößern anklicken!)

Horst in Sichtweite

Als ich dann nur wenige hundert Meter auf der Landstraße weiterfuhr, sah ich ein Storchennest, in dem die Storchendame saß. Es war ein künstlicher Horst neuer Bauart. Von diesem wunderschönen Plätzchen aus hatte sie einen guten Rundumblick bis hin zum Gülle besprühten Acker und ihrem Gatten.

Am Dorfrand steht zwischen Bäumen ein neuer Horst. Über den Nestrand schaut ein Storch.

Das Nest des „Güllestorchs“

Und wie die Anzeigetafel des NABU zeigt, ist der Horst alljährlich besetzt und das Storchenpaar bringt jeweils zwei – oder auch mal drei – Junge hoch.

Hölzerne Anzeigetafel, die von 2010 an dokumentiert, wann die Störche eintrafen und wie viele Junge sie hatten.

NABU-Storchenhorsttafel

Vom Storchenclub Rühstädt – im einzigartigen Europäischen Storchendorf an der Elbe – habe ich übrigens noch eine Antwort auf meine Frage bekommen, was Adebar auf dem mit Gülle besprühten Feld gesucht hat: Regenwürmer!

Störche fressen sie gern und sie wissen, dass diese aus dem Boden hoch kommen, wenn Gülle in den Erdboden sickert. Und so reagieren Regenwürmer ja auch bei Regen, weil das Wasser dann in ihre unterirdischen Gänge eindringt.

Auch kleine Reptilien, Lurche und Insekten sind auf den besprühten Feldern eine leichte Beute für Störche. Und insofern verwundert es nicht, dass dieser nicht aufflog, sondern stoisch stehen blieb, als das laute stinkende Gefährt sich näherte.

Weißstorch | Cygogne blanche | White stork | Ciconia ciconia

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

3 Kommentare

  1. Liebe Elke, das ist wieder ein wunderbarer Bericht mit viel Wissenswertem und Heimatbezug. Den modernen Horst fand ich besonders interessant. Das macht direkt Lust auf Nachahmung.
    Liebe Grüße von Ursula

    Antworten
    • Liebe Uschi, das Vogelleben in Berlin und Brandenburg ist mir in der Tat besonders wichtig. Auch wenn ich gern von meinen Ausflügen in die Ferne berichte – wo frau ja durchaus auf Vertrautes trifft. In Armenien gab es viel Unbekanntes zu bestaunen, aber eben auch viel Vertrautes!

  2. Das ist ja interessant. Ein Bericht in Wort und Bild, der wieder einmal zu neuen Erkenntnissen führt :))) Der Mais landet vielleicht als Bio-Mais im Laden und kein Mensch fragt dann, mit was er gedüngt wurde !

    Antworten

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Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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