Der „Güllestorch“

Ein Weoißstorch geht vom Grünstreifen an der Landstraße zum Maisfeld vom letzten Jahr.. Hinten kommen die Güllewagen.
Langsam geht der Adebar vom Straßenrand zum Maisfeld.

Ich traute meinen Augen kaum: Auf einem stoppeligen Maisfeld aus dem letzten Jahr, unmittelbar an die Landstraße grenzend, waren zwei Güllewagen in Aktion. Und ganz ruhig am Straßenrand stand ein Adebar – wie der Storch auch genannt wird. Dieser Weißstorch stand einfach so da, ließ sich weder von mir, noch vom Motorenlärm oder dem Gestank des Güllesprühregens beeindrucken.

Es dauerte nicht lange, da stolzierte er gemächlich auf den Acker, der gerade mit frischer Gülle durchtränkt worden war und wo später sicher wieder Mais wachsen wird. Und er ließ es sich schmecken.

Nach vorn gebeugter Storch frisst etwas vom braunen gülledurchtränkten Boden.
Dort, wo die braune Gülle versprüht ist: Überall Leckerbissen

Was der Storch dort allerdings fraß, war mir rätselhaft: Waren es Regenwürmer, die sich aus dem verpesteten, mit Gülle durchtränkten Ackerboden nach oben retteten und so vor seinen Schnabel kamen?

Oder war in der Gülle Fressbares für den Weißstorch, der ja auch kein Problem damit hat, auf den spanischen Müllhalden im Winter Futter zu suchen – weshalb sich Störche, die auf der westlichen Route in den Süden ziehen, den Flug bis nach Afrika immer öfter spart.

Keine Angst vorm Güllewagen

Ich wollte mir jedenfalls anschauen, wie dieser Weißstorch reagiert, wenn sich der frisch betankte Gülleversprüher dröhnend nähert, und dachte schon an schöne Bilder des auffliegenden Storchs. Aber es kam anders:
Er wusste längst, wie Gülle duftet. Und er wusste vor allem, dass der Güllewagen keine Gefahr darstellt. Denn das Ungetüm zieht seine geraden Bahnen kalkulierbar von einem Ende des Ackers zum anderen, und das war dem brandenburgischen Storch offenbar nicht neu. (Fotos zum Vergrößern anklicken!)

Horst in Sichtweite

Als ich dann nur wenige hundert Meter auf der Landstraße weiterfuhr, sah ich ein Storchennest, in dem die Storchendame saß. Es war ein künstlicher Horst neuer Bauart. Von diesem wunderschönen Plätzchen aus hatte sie einen guten Rundumblick bis hin zum Gülle besprühten Acker und ihrem Gatten.

Am Dorfrand steht zwischen Bäumen ein neuer Horst. Über den Nestrand schaut ein Storch.
Das Nest des „Güllestorchs“

Und wie die Anzeigetafel des NABU zeigt, ist der Horst alljährlich besetzt und das Storchenpaar bringt jeweils zwei – oder auch mal drei – Junge hoch.

Hölzerne Anzeigetafel, die von 2010 an dokumentiert, wann die Störche eintrafen und wie viele Junge sie hatten.
NABU-Storchenhorsttafel

Vom Storchenclub Rühstädt – im einzigartigen Europäischen Storchendorf an der Elbe – habe ich übrigens noch eine Antwort auf meine Frage bekommen, was Adebar auf dem mit Gülle besprühten Feld gesucht hat: Regenwürmer!

Störche fressen sie gern und sie wissen, dass diese aus dem Boden hoch kommen, wenn Gülle in den Erdboden sickert. Und so reagieren Regenwürmer ja auch bei Regen, weil das Wasser dann in ihre unterirdischen Gänge eindringt.

Auch kleine Reptilien, Lurche und Insekten sind auf den besprühten Feldern eine leichte Beute für Störche. Und insofern verwundert es nicht, dass dieser nicht aufflog, sondern stoisch stehen blieb, als das laute stinkende Gefährt sich näherte.

Weißstorch | Cygogne blanche | White stork | Ciconia ciconia

Ich freue mich, wenn dir das ein oder andere Foto so gefällt, dass du es von meiner Webseite herunterladen möchtest. Allerdings sind alle per ©copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per Mail vor jedem Download; am besten über kontakt@fluegelschlag-birding.de. Vor allem wünsche ich dir viel Spaß beim Stöbern im Blog. Elke Brüser

3 Kommentare zu “Der „Güllestorch“

  1. Liebe Elke, das ist wieder ein wunderbarer Bericht mit viel Wissenswertem und Heimatbezug. Den modernen Horst fand ich besonders interessant. Das macht direkt Lust auf Nachahmung.
    Liebe Grüße von Ursula

    1. Liebe Uschi, das Vogelleben in Berlin und Brandenburg ist mir in der Tat besonders wichtig. Auch wenn ich gern von meinen Ausflügen in die Ferne berichte – wo frau ja durchaus auf Vertrautes trifft. In Armenien gab es viel Unbekanntes zu bestaunen, aber eben auch viel Vertrautes!

  2. Das ist ja interessant. Ein Bericht in Wort und Bild, der wieder einmal zu neuen Erkenntnissen führt :))) Der Mais landet vielleicht als Bio-Mais im Laden und kein Mensch fragt dann, mit was er gedüngt wurde !

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