Im Schlichtkleid

Ein schwarz-weißer Vogel spiegelt sich im blauen Wasser
Im herbstlichen Schlichtkleid ohne schwarzen Hals

Der Schwarzhalstaucher macht es uns nicht leicht: Gleich nach der Brut beginnt sein Gefiederwechsel und danach tragen beide Geschlechter ein schwarz-graues Schlichtkleid – auch Ruhekleid genannt.¹ Sie sehen nun farblich ganz anders aus als zuvor, nämlich schlicht. Und von dem namensgebenden schwarzen Hals ist nun nichts mehr zu sehen.

Dieser erscheint bei männlichen wie auch weiblichen Schwarzhalstauchern am Winterende, wenn sie ihr Prachtkleid beziehungsweise Brutkleid anlegen: Außer dem schwarzen Hals tragen beide Geschlechter dann bräunlich-gelbe Büschel neben den Augen, und ihre Flanken sind braun statt grau gefiedert.

Grafik aus dem "Naumann" mit zwei Schwarzhalstauchern im Prachtkleid, einem kleine Jungvogel und einem älteren Jungvogel am Ufer eines Teiches. Jungvogel
Schwarzhalstaucher im Prachtkleid mit kleinem und großem Jungvogel („Naumann“, Tafel XII, 3. Aufl.)

Dennoch ist die Art auch im Herbst auf Seen, Teichen und anderen Gewässern gut zu erkennen und von anderen Wasservögeln leicht zu unterscheiden. Das liegt zum einen an ihrer Körpergröße: Verglichen mit Stockente oder Tafelente sind sie mit einer Körperlänge von 28 – 34 cm eher klein.

Und falls Schwarzhalstaucher das Wasser verlassen, zeigt sich, dass sie keine Schwimmhäute an den Füßen haben, sondern ihre Zehen lappig verbreitert sind – sie haben sogenannte Schwimmlappen. Wie etwa die Haubentaucher gehören die kleinen Weltbürger – das Verbreitungsgebiet reicht übrigens von Europa über Nord- und Mittelasien bis nach Nordamerika – zur Ordnung der Lappentaucher (Podicipediformes).

Auffällig ist außerdem: Ihr Körper wirkt etwas gestaucht und der Schnabel ist vergleichsweise klein und spitz. Das entspricht nicht unbedingt der obigen Grafik im „Naumann“, mein Foto eines Schwarzhalstauchers auf einem Graben im brandenburgischen Havelland gibt die Verhältnisse von Schnabel, Kopf und Rumpf ziemlich gut wieder.

Schwimmender Schwarzhalstaucher, bei dem das orange-rote Auge hervorsticht.
Unverkennbare Erscheinung und das orange-rote Auge ist im Schlichtkleid oft noch sichtbar.

Schwarzhalstaucher: auffällig klein

Wie der Name schon andeutet, lassen sich Schwarzhalstaucher auch an ihrem Verhalten gut identifizieren: Er und sie tauchen nämlich regelmäßig. Das konnte ich zuletzt – allerdings aus einiger Entfernung – im Nuthe-Nieplitz-Gebiet südwestlich von Berlin beobachten.

Gewääser mit Schilfbestand und vorne einem Scharzhalstaucher, dann diverse Enten und hinten eine Löffelente.
Schwarzhalstaucher (vorne) neben Tafelenten und einer Löffelente (hinten)

Im Tauchverhalten gleichen sie verwandten Arten wie dem Hauben- und dem Rothalstaucher. Beide aber sind wie die meisten Enten und alle Gänse deutlich größer als der geradezu zierliche Schwarzhalstaucher. Verwechselungsgefahr besteht also nicht.

Die beiden folgenden Videosschnipsel geben das typische Tauchverhalten wieder, so wie wir es zum Beispiel von einem Beobachtungsstand aus sehen.

Zunächst taucht vorne ein Schwarzhalstaucher ab und dann wieder auf:

Und anschließend taucht ein zweiter Artgenosse männlichen oder weiblichen Geschlechts auf, bevor der erste erneut wieder abtaucht.

 

Schaut man den Vögeln beim Tauchen zu, stellt sich natürlich die Frage, was sie unter der Wasseroberfläche an Schmackhaftem finden. Das haben Ornithologen und Ornithologinnen bisher nicht direkt beobachten können, aber durch die Untersuchung von Mageninhalt geschossener Vögel herausgefunden.

Es sind vor allem Insekten und deren Larven, hauptsächlich Wasserkäfer, Wasserwanzen, Eintagsfliegen und Libellen, lese ich in der Monografie Der Schwarzhalstaucher von Roland Prinzinger (Die Neue Brehm-Bücherei, 521, Wittenberg-Lutherstadt, 1979. S. 48 ff). Auch über dem Wasser fliegende und auf ihm treibende Insekten werden verschluckt, zudem kleine Schnecken und Krebstiere. Seltener gelangen Kaulquappen, kleine Frösche oder Fische in den Magen der Schwarzhalstaucher. Häufig wird zudem berichtet, dass sie nach Federn, die auf dem Wasser treiben, schnappen. Auch die Jungen werden damit gefüttert.

Überraschung auf dem Weg zu den Kranichen

Mit grünem Schilf bestandener Graben, auf dem ein kleiner Vogel schwimmt.
Blick von der Brücke auf einen Graben im Havelländischen Luch

In ein völlig anderes Licht getaucht war der Schwarzhalstaucher, den ich auf einem Graben im Havelländischen Luch schwimmen sah.

Auf meinem Weg zur Herbstrast der Kraniche nördlich von Nauen hatte ich eine Brücke passiert und mir gerade die wunderbare Gegend angesehen, als ich einen kleinen, eher unscheinbaren Vogel bemerkte. Er war gerade aus dem Wasser aufgetaucht.

Er oder sie hatte mich natürlich rasch entdeckt und mochte nun nicht mehr tauchen. Aber der Schwarzhalstaucher tat mir insofern einen Gefallen als er vom rechten Ufer an das linke Ufer schwamm, bevor er schließlich unter der Brücke verschwand.

 

An Land sind Schwarzhalstaucher praktisch nicht anzutreffen. Ihr Lebensraum ist das nasse Element, wo sie sich flink und elegant bewegen. Johann F. Naumann² schreibt über den Taucher, Seite 101

Im Schwimmen und Tauchen besitzt er die größte Meisterschaft, und er ist wie die anderen Lappentaucher auf das nasse Element so ausschließlich angewiesen, dass nur Unglück ihn auf festen Boden bringt, wenn man nicht sein schwimmendes Nest und in zarter Jugend den Rücken der Mutter dazu zählen will.

Zwar ist der Schwarzhalstaucher auf verschiedenen Gewässern unterwegs, doch bleibt er in der Regel im Binnenland und bevorzugt dort ruhige Wasserflächen. Oder, wie es Johann F. Naumann² so schön formuliert, Seite 100

… er ist kein Seevogel, und kommt nie aufs hohe Meer, sowie er gleichfalls die fließenden Gewässer nicht beachtet, sie nur in der Not auf seinen Reisen besucht und bloß an solchen Stellen länger verweilt, welche die wenigste Strömung haben und wo an Ufern Schilf und Rohr nicht fehlen.

Aus der Nähe lässt sich übrigens noch ein Unterscheidungsmerkmal zu Stockenten & Co gut erkennen: Beim Schwarzhalstaucher läuft das Körperende nach hinten nicht spitz zu, sondern wirkt eher wie ein Pinsel oder ein Federbüschel.

Ein Vogel schwimmt auf blauem Wasser. Das Hinterende ist mit einem Kreis markiert.
Am Körperende ist das Federkleid etwas buschig und läuft nicht spitz aus.

Die Stimmung an diesem sonnigen Morgen, spät im Oktober, war zauberhaft. Und ich konnte mich kaum losreißen, um meinen Weg zu den Kranichen an den Rastplätzen bei Linum fortzusetzen.

Auf einem Gewässer, in dem sich braunes Laub spiegelt, schwimmt ein grau-Schwarzer Vogel.
Das andere Ufer ist fast erreicht.

Junger Schwarzhalstaucher in menschlicher Obhut

Abschließend möchte ich eine kleine Anekdote im Wortlaut wiedergeben, die amüsant ist und zugleich illustriert, auf welche Weise im 19. Jahrhundert zahlreiche ornithologische Beobachtungen zustande kamen und verbreitet wurden.³

Ich stieß auf den Bericht, den ich in der damaligen Orthographie belassen habe, in meiner schon oft erwähnten zwölfbändigen Ausgabe der Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas von Johann F. Naumann², Seite 110

Ein junger Vogel, der in den letzten Tagen des Juli bei einem abgelassenen Teich* gefangen wurde, war außerordentlich schnell in seinen Bewegungen auf einem grossen Gefäss mit Wasser, in welchem wir ihn mit Fischen, Fröschen, von beiden so klein als sie zu bekommen waren, und mit Insekten sechs Tage lang unterhielten und beobachteten.

Er tauchte mit offenen Augen und angeschlossenen Flügeln, verfolgte und fing die Fischchen mit großer Gewandtheit, während er die kleinen Fischchen, wenn sie obenauf schwammen, allemal von unten aufsuchte und Mühe hatte, sie nachher hinab zu würgen. Etwas größere mochte er nicht; zerstückelte man sie ihm aber, so frass er diese Bissen auch.

In der Stube ging und lief er etwas schwerfälliger als sonst alle kleinen Lappentaucher zu thun pflegen **, deren wir mehrere einige Zeit besassen. So oft wir ihn auf das Wasser brachten, schien er sehr erfreut, tauchte sogleich, wurde aber auch gleich nass, raufte sich dann – er stand nämlich schon in der Mauser, – eine Menge Federn aus, die er nachher alle sorgfältig vom Wasser auflas und begierig verschluckte. ***

Um sich abzutrocknen zog er die Federn büschelweise durch den Schnabel, drückte so das Wasser heraus und schleuderte es fort; nachher fettete er sie mittels des Schnabels mit dem Öl aus der Bürzeldrüse sorgfältig ein, wobei Kopf und Hals auch nicht vergessen und fleißig auf der Drüse gewälzt und gerieben wurden.

So eingefettet nahm das Gefieder kein Wasser mehr an. Und wenn er nach dem Tauchen aus der Tiefe des Wassers wieder erschien, lief es wie Perlen von dem Gefieder ab.

    * Es ist üblich im Herbst das Wasser aus Fischteichen abzulassen.
  ** Weil ihre Beine sehr weit hinten am Körper ansetzen, gehen sie schwerfällig und ungelenk.
*** Wie erwähnt verspeist der Schwarzhalstaucher ausgefallene bzw. ausgezupfte Federchen. Schon die Jungen füttert er damit.


¹ Hier spricht man auch vom Alternativkleid – im Gegensatz zum Basiskleid (= Prachtkleid).
² Johann F. Naumann, Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, 1887-1905, 3. Aufl., Band 12
³ Ich habe schon viele derartige Anekdoten in Naumanns Naturgeschichte wie auch in Brehms Tierleben gelesen, die meist interessante Einblicke liefern.

Schwarzhalstaucher | Grèbe à cou noir | Black-necked Grebe | Podiceps nigricollis



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