Falke

Buchcover mit einem sitzenden Falken

Der „Falke“ ist erst kürzlich bei uns erschienen, und doch ist es das ältere Werk von Helen Macdonald. Mit „H wie Habicht“, ihrem Erstling im deutschen Büchermarkt, ist der Britin ein Husarenstück gelungen: Sie wird unter Vogelkundigen kontrovers diskutiert, und sie fasziniert unzählige LeserInnen, weil jeder und jede spüren kann, welchen Kampf die Autorin mit ihrem Habicht und den Tiefschlägen des Lebens da ausficht.

Um ihre Bücher mit Gewinn zu lesen, muss man weder Falkner noch Ornithologe noch Naturliebhaber sein. Die Autorin ist übrigens all dies und dazu Historikerin.

Die Originalausgabe von „Falke“ kam bereits 2006 in Großbritannien in die Buchläden. Im aktuellen deutschen Vorwort erklärt Helen Macdonald, wie es zu diesem Buch kam. Kurz gesagt: Eigentlich fraß sie sich durch Literaturberge, um das Verhältnis von Falke und Mensch in einer Doktorarbeit zu erfassen. Doch daraus wurde nichts.

Stattdessen wurde aus der Fülle des Materials, den Notizen und Randnotizen ein Buch. Keine Naturfibel, sondern Helen Macdonald schreibt eine Kulturgeschichte des Falken. Aus zahlreichen Mosaiksteinchen setzt sie ein Bild des Falken in menschlichen Gesellschaften zusammen und garniert alles mit Fotos, die neugierig machen: der Greif auf der Hand eines Falkners am persischen Hof des 15. Jahrhunderts, als Jäger von Wildgänsen auf einem russischen Aquarell, als Ikon in der Werbung für den rasanten Ford Falcon der 1950er Jahre…

Falken in der Hand des Menschen

Nicht nur der Falkenbiologie und der Falknerei ist ein Kapitel gewidmet, sondern auch der Rolle von Falken – und dem Mythos des kühnen, blitzschnellen Jägers – in der Kriegsmaschinerie. Natürlich geht es auch um die Bedrohung zahlreicher Falkenarten durch Pestizide, industrielle Landwirtschaft und den Abverkauf der begehrten Vögel in Asien.

Aber wie gut, dass Helen Macdonald uns Mut macht: Sie beschreibt, wie der Wanderfalke in den USA im letzten Moment gerettet wurde und welche Chancen Großstädte den geflügelten Stadtbewohnern bieten können.

Dieses Buch ist definitiv kein Krimi, aber ich finde darin viele überraschende Häppchen zum Thema Falke.

Von einem will ich erzählen: Helen Macdonald beschreibt, welche außerordentliche Rolle die Jagd mit Falken über Jahrhunderte in Europa spielte. Bis sie im 19. Jahrhundert an Bedeutung verlor … außer für eine „Handvoll Exzentriker” wie dem Vater von Henri Toulouse-Lautrec.

Toulouse-Lautrec senior beliebte es, mit flatternden Schößen und Falken auf der Faust durch die Straßen von Albi zu flanieren.

Als ich diesen Sommer im südfranzösischen Albi, Heimat zahlloser Tauben und von Henri Toulouse-Lautrec, ein paar Urlaubstage verbrachte und gerade der „Falke“ gelesen hatte, stieß ich im Musée Toulouse-Lautrec dieser Stadt auf das tolle Gemälde eines Falkners – gemalt vom 16jährigen Künstler. Noch mehr begeisterte mich sein Wanderfalke – in Öl gemalt auf Holz – aus demselben Jahr.

Aber man muss nicht über Toulouse das nahegelegene Örtchen Albi ansteuern, um diese „Falke“-Lektüre mit Gewinn zu lesen.

Falke
Autorin: Helen Macdonald
Verlag: C.H. Beck
Jahr: 2017



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