Der kecke König

Zaunkönig mit erhobenen Schwanz steht auf einem Baumstumpf
Eindeutig: schmaler Insektenfresserschnabel und keck aufgerichteter Schwanz

Der Zaunkönig ist kaum größer als das Wintergoldhähnchen. Vom Schnabel bis zur Schwanzspitze misst er gerade mal 9,5 cm, und mit seinen rund zehn Gramm ist er wirklich ein Leichtgewicht. Für ornithologisch Interessierte ist der muntere Sänger ein Geschenk: unüberhörbar ist seine Stimme, sogar im Winter und vor allem im zeitigen Frühjahr. Denn in Mitteleuropa verbringt der kecke König die kalte Jahreszeit möglichst an seinem „Wohnort“. Er ist gilt als Jahresvogel.

Wohnorttreuer Sänger

Amsel und Zaunkönig als dunkler Schattenriss in einem silbrig glänzenden Graben
Vorne die Amsel, dahinter der Zaunkönig.

In der Regel bleiben Zaunkönige im Winter bei uns. Das ist erstaunlich, denn der kleine Insektenfresser ist auf Nahrung angewiesen, die in den Wintermonaten auch bei uns rar ist. Trotz Klimawandel.

Aus Skandinavien kommen sogar noch viele Individuen dazu, weil sie regelmäßig südwärts in wärmere Regionen ziehen.

Dass die „Sesshaftigkeit“ unserer Zaunkönige riskant ist, ist keine Frage: in kalten Wintern und speziell bei extremen Wintereinbrüchen verhungern die kleinen Sänger. Außer sie schaffen es noch rechtzeitig, in südwestliche Regionen abzuziehen.

Ringfunde zeigen, dass bei uns beringte Zaunkönige vor allem nach Frankreich abwandern, wenn es hierzulande zu ungemütlich wird. Und Vogelringe von Vögeln, die bei uns in Deutschland abgelesen wurden, stammten in der Regel aus Skandinavien.

 

 

 

 

o Kreise symbolisieren in Deutschland beringte Zaunkönige, deren Ring in Nachbarländern abgelesen wurde.
* Sterne symbolisieren in Nachbarländern beringte Zaunkönige, deren Ring bei uns abgelesen wurde.

Grafik: Atlas des Vogelzugs
F. Bairlein, J. Dierschke u.a.
Aula-Verlag, 2014, S. 431

Ich hatte das Glück, im Januar letzten Jahres einen Zaunkönig an einem kleinen Fließgewässer – mehr eine Rinne – zu beobachten, dessen Seiten von überfrorenem Schnee bedeckt waren. Hier fischten eine Amsel und der kleine König offenbar wasserlebende Insekten oder suchten solche, die unter den verotteten Laubblättern klebten. Und wer genauer hinhört, bemerkt außer Fluglärm auch einen geckernden Habicht.

 

Frühlingserwachen

Im zeitigen Frühjahr, es war März, begegnete mir in demselben Stadtpark von Berlin Steglitz erneut der kleine Vogel. Dass es „nur“ ein Artgenosse war, halte ich für unwahrscheinlich, denn warum sollte er sein Revier aufgeben, nachdem er dort den Winter überstanden hatte.

Dieses Habitat mit seiner buschige Vegetation am Rande eines Wasserlaufs war ideal und genau das, was Zaunkönige, die sich auch mal Kaulquappen oder Jungfische schnappen, bevorzugen. Als ich ihn entdeckte, suchte er am Boden und im Geäst nach Insekten und Spinnen, die in der Frühlingssonne unterwegs waren. Und er war erfolgreich. Er erwischte ein Fluginsekt, vielleicht eine Steinfliege, wie beim Vergrößern zu erahnen ist. (Ich habe es schon mehrfach erwähnt: Leider muss ich alle Fotos „herunterpixeln“, um den Blog nicht zu überfrachten.)

Kleiner bräunlicher Vogel zwischen zweigen und grünen Blättern
Was sitzt denn da?
Kleiner brauner Vogel mit Insekt im Schnabel
Erwischt!

Den Zaunkönig entdecken

Einen Zaunkönig zu entdecken, ist gar nicht leicht, denn selbst wenn wir seine kräftige Stimme hören und sie richtig zuordnen, bleibt der bräunliche Vogel oft verborgen. Vielfach erklingt sein bis zu 90 dB lauter Gesang nämlich aus einem Versteck heraus – allerdings nicht immer.

Uwe Westphal, der kenntnisreiche Ornithologe und geniale Imitator von Vogelstimmen, hat das in seinem unterhaltsamen, klugen Buch so beschrieben (Schräge Vögel, 2015, Pala-Verlag Darmstadt, S. 123)

Häufig ertönt der Gesang aus der Deckung heraus, etwa aus einem dichten Brombeergebüsch, doch regelmäßig bekundet der Vogel seinen Revieranspruch auch von einer erhöhten Warte aus und sitzt dort oft völlig frei.

Völlig frei sah ich den kleinen Kerl kurioserweise im hintersten Armenien nahe Hermon. Da hatte mich die laute Stimme dazu gebracht, zu den Dachfirsten hochzuschauen. In dem aus wenigen Häusern bestehenden Dorf war er von überall zu hören. (Fotos per Klick vergrößern und dann zum Text mit ←.)

Zurück zum Parkgelände von Berlin Steglitz: Vor allem wenn die Bäume und Büsche belaubt sind, ist das singende Kerlchen definitiv schwer zu entdecken. Gut getarnt ist es durch das rostbraune Gefieder und die verwaschene Querbänderung auf der bräunlich weißen Unterseite.

Verborgener Vogel im Blattgrün
Gut getarnt. Schwer zu entdecken.
Singender Zaunkönig im Grün von Büschen und Bäumen
Heimlicher Sänger

Der Zaunkönig zeigte mir zunächst immer seine Rückseite, tat mir dann aber einen großen Gefallen: Nach erneutem Platzwechsel drehte er sich um, ließ sich vom Amselgesang nicht irritieren, sang unbeeindruckt laut und kräftig und sichtbar. Ich hoffe, ihr kommt ihm auch auf die Spur – es lohnt sich.

Zaunkönig |Troglodyte mignon | Wren | Troglodytes troglodytes



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