Sandbraune Köpfchen

Drei Kranich fliegen am blauen Himmel. Das Jungtier in der Mitte hat einen bräunlichen Kopf.
Links und rechts fliegen die Altvögel, dazwischen ihr Junges, dessen Kopf noch nicht gemustert ist.

Als ich das erste Mal den Herbstzug des Grauen Kranichs in der Nähe von Linum beobachten konnte, war mir nicht bewusst, dass sich die „Frischlinge“ aus dem Frühjahr von den Altvögeln unterscheiden lassen: visuell sowohl im Flug als auch am Boden und akustisch bei den Kontaktrufen. Diese Rufe klingen bei den Jungvögeln vor ihrem Stimmbruch nämlich noch heller, zarter.

Äußerlich fällt bei jungen Kranichen auf, dass der Kopf sandfarben ist und wie weicher Samt wirkt. Sie haben noch nicht die schwarz-weiße Kopfzeichnung der adulten Vögel. Der Unterschied läßt ich manchmal auch im Flug gut erkennen, obwohl Jung und Alt im Oktober bereits fast gleich groß sind.

Zwei kraniche: altvogel mit schwarz-weißem Kopf und Jung vogel mit braunem Kopf, zum Fressen nach unten geneigt.

 

Merkmale der „Frischlinge”:

Bei Jungvögeln ist im Herbst das Gefieder insgesamt recht gleichmäßig hellgrau gefärbt.

Es fehlt die Schleppe, dieser Federbusch, der wie ein aufgeplusterter Schwanz aussieht, aber keiner ist. Er wird von Federn der Flügel gebildet.

Mit zwei Jahren ähneln die Jungvögel jedoch weitgehend den Altvögeln, obgleich ihr Federbusch dann noch nicht ganz so markant ist.

Vorsichtshalber auf Distanz

Der Graue Kranich ist ein scheuer Vogel – kein Wunder, denn es ist erste einige Jahrzehnte her, dass er auch bei uns bejagt und gegessen wurde. Dort, wo Menschen in Armut leben, ist er bis heute eine günstige Proteinquelle. Die Folge: Wir kommen mit dem Fernglas und der Kamera nicht sehr nah an die stattlichen Vögel heran. Sie sind leicht beunruhigt und fliegen dann auf.

Etwa ein dutzend Kraniche vor einem grünen Acker, hinten Bäume.
Kleine Kranichgruppe mit Jungvögeln bei der Rast.
Gruppe von Kranichen aus der NÄhe - durch Vergrößern des Ausschnitts
Ausschnittsvergrößerung von Gruppe. Rechts ein sichernder Altvogel.

Die Fluchtdistanz beträgt beim Grauen Kranich etwa 200 – 300 Meter, und sie gilt es zu respektieren, damit die Vögel durch Auffliegen nicht zu viel Energie verlieren. Tipps zum Beobachten habe ich bereits früher zusammengestellt. Meine Fotos sind meist Ausschnittsvergrößerungen, aufgenommen von der Straße aus und an den bekannten Beobachtungspunkten im brandenburgischen Rhin-Havelluch. (Darum ist die Schärfe der Aufnahmen eher suboptimal.)

Kranichleben in wunderbarer Landschaft

Landschaft mit Schilf, einzelnen kleinen Birken und Acke rim Hintergrund.
Kranichland bei Linum in Brandenburg

Wer bei einer Kranichtour ein gutes Fernglas zur Hand hat, dem empfehle ich unbedingt, auf die braunköpfigen Jungen zu achten und darauf, wie sie im Herbst noch von den Eltern umsorgt werden.

Bei Hartwig Prange – einem der besten Kenner des Grauen Kranichs – lese ich, dass beim Herbstzug die Familien mit Jungvögeln etwas später an den Sammelpätzen eintreffen als  Jugendliche und Paare ohne Nachwuchs. Dort angekommen schließen sie sich oft in kleinen Familiengruppen zusammen und halten sich meist am Rand oder abseits von den großen Ansammlungen – auch große „Flüge“ genannt – auf. (H. Prange, Die Welt der Kraniche, 2016, MediaNatur Verlag, S. 288):

Nach dem Eintreffen am Sammelplatz bleiben die Familien in vielen Fällen zunächst abseits von den größeren Flügen, oder sie finden sich in kleinen Familiengruppen zusammen, in denen der Anteil an Jungvögeln dann besonders hoch ist.

Bei Linum traf ich mehrfach auf solche Grüppchen mit mehreren Jungvögeln, und sehr deutlich wurde die enge Bindung der Jungtiere an die Eltern.

Kranichgruppe auf einem Feld mit wintergetreide und im Hintergrund stehen Pappeln

Fünf kraniche darunter ein Jungvogel mit hochgerecktem Hals.
Oben die Familiengruppe, unten Ausschnitt mit einem der Jungvögel.

Tagsüber müssen Kraniche an ihren Rastplätzen vor allem eins: Fressen! Und manchmal müssen sie sich am Kopf kratzen. (Fotos zum Vergrößern anklicken!)

Auf ihrem Herbstzug sind die Jungen sowohl auf den Nahrungsflächen als auch auf den Schlafplätzen noch in der Obhut der Altvögel. Im Winterquartier, das meist in Spanien oder Frankreich liegt, müssen die Jungen mehr und mehr alleine über die Runden kommen. Hartwig Prange schreibt (a.a.O. Seite 291)

Die Auflösung der Familien beginnt im Winterquartier. Die Jungvögel haben inzwischen gelernt, erfolgreich Nahrung zu finden, schneller zu fressen, selbst zu sichern und ohne elterliche Fürsorge auszukommen … Ab Februar entstehen in Spanien erste Aggressionen zwischen jungen und alten Kranichen.

Solche Auseinandersetzungen sind gut dokumentiert. Dennoch fliegen die Kraniche im Frühjahr häufig noch im Familienverband in ihre nördlichen Brutgebiete. Aber bei Zwischenstopps sind oft Rangeleien zu beobachten. Bei der Ankunft am Brutplatz werden dann die eigenen Jungen aus dem Vorjahr nicht mehr von den Altvögeln geduldet und müssen sich ein eigenes Revier suchen.

Familienbande im Herbst

Zurück zum Herbstzug bei Linum, wo an den Rastplätzen oft sehr schön zu beobachten ist, dass die Altvögel für Sicherheit sorgen und darum beim Fressen immer wieder aufblicken, während die Jungvögel nahe der erfahrenen Artgenossen ziemlich entspannt nach Futter suchen. Dabei schreiten sie langsam voran und picken Samen, Würmer, Insekten und kleine Wirbeltiere auf.

Das starke Band zwischen Jung und Alt illustrieren auch die Fotos in dieser Galerie, wo sich am PC durch Anklicken oder durch Ziehen wieder jedes Foto vergrößern lässt.

Später, die Sonne stand schon tief, stieß ich auf eine weitere dieser verstreuten Kleingruppen, die noch immer nach Futter suchten. Irgendwann kam ein Kolkrabe vorbei. Für den interessierte sich besonders der Jungvogel.

Ein Kolkrabe sitzt am Boden zwischen Kranichen.
Der dunkle Federbusch der Eltern hat vor allem während der Balz wichtige kommunikative Funktion.

Allmählich ging die Sonne unter, und Fotos auf große Distanz wurden sinnlos. Wenig später hoben die Kraniche, die ich lange beobachtet hatte, ab und folgten ihren Artgenossen, die längst zu der Teichlandschaft von Linum unterwegs waren. Dort würden sie, im Wasser stehend, die Nacht verbringen.

Kranichschwarm über einer Kette von Pappeln am rosafarbenen Abendhimmel
In der Abenddämmerung erfolgt der Abflug von den Feldern zu den Schlafplätze.

Auf dem Weg zu ihren Schlafplätzen fliegen die Kraniche zu Tausenden über die L 162. Welch ein Schauspiel! Immer wieder kommen dort neue Kranichtrupps angeflogen und queren in sicherem Abstand die Landsstraße. In diesem Videoschnipsel hört man außer den Kontaktrufen der Vögel auch den brausenden Autoverkehr.

 

Grauer Kranich | Grue cendrée | Common crane | Grus grus



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