Die Pendler

05. Oktober 2016 | Faszination Kranich, Große Vögel | 0 Kommentare

Mehrere tausend Kraniche stehen im Wasser. Der Himmel ist noch rosa, die Landschaft dämmrig-dunkel.

Kranichschlafplatz am Bodden. Späte Neuankömmlinge fliegen ein.

Der Graue Kranich verbringt die Nacht im Flachwassern. Ich hatte Glück mit vielen vogelkundigen Ornis auf der Jahrestagung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft einen Schlafplatz des Grauen Kranichs an der Boddenküste zu besuchen. Wir glitten im Schiff von Stralsund bis zur Halbinsel Zingst – ohne die vom Land einfliegenden Tiere zu stören. Vor Pramort stehen derzeit rund 6.000 Vögel nah beieinander. Sie sind so sicher vor Füchsen und anderen „Räubern”, die man wissenschaftlich korrekt Prädatoren nennt. Meist sind die Kraniche abends von anderen Vogelarten umgeben, etwa von Höckerschwänen und Stockenten.

Im Wasser stehen rosagefärbte Kraniche. Vor und hinter ihnen paddeln Enten und Schwäne.

Der Sonnenuntergang färbt die grauen Vögel rosa. Höckerschwäne und Stockenten paddeln in ihrer Nähe herum.

Der Sonnenuntergang übertünchte die Vögel anfangs mit einen flamingofarbigen Rosa. Später flammten Himmel und Wasserfläche auf, und der Graue Kranich machte seinem Namen alle Ehre. Bis zum Morgengrauen stehen die Vögel im Wasser, dann starten sie in Scharen, die am Himmel rasch eine Schräglinie oder einen Pfeil bilden.

Die großen Zugvögel, die aus Skandinavien kommen, am Bodden eine Verschnaufpause einlegen und dann weiter nach Südwesten ziehen, pendeln täglich zwischen Wasser und Land. Tagsüber ist der Graue Kranich auf den abgeernteten Maisfeldern unterwegs, um dort übriggebliebene Körner zu fressen. Auch die junge Saat auf Feldern verachtet er nicht – was ihm und Naturschützern manchen Ärger mit den Landwirten einbringt.

Wer mehr sehen möchte als den Abflug der Kraniche in der Morgendämmerung oder ihre Rückkehr gegen Abend, sollte bei frisch abgeernteten Maisfeldern die Augen offen halten, aber sie nicht aufscheuchen. Jeder kann sich im Kranichinformationszentrum von Groß Mohrdorf umfassend über Grus grus – also den Grauen Kranich – informieren.

Ein Highlight ist das Kranorama im nahen Günz. Weil dort Kraniche von Kranichschutz Deutschland angefüttert werden, sind sie aus großer Nähe zu beobachten. Aber: Ihre Fluchtdistanz liegt bei 200 Meter, näher trauen sich die hungrigen Zugvögel aus dem hohen Norden an die Fensterluken des Beobachtungsturms Kranoramas nicht heran. Sowieso bleibt das Gefühl, dass sie uns mindestens so gut im Auge haben wie wir sie.

Mehrere Kraniche fressen mit gesenktem Kof. Ein braunköpfiges Jungtier mit Eltern steht vorn im Bild.

Fütterung am Kranorama. Vorne ein Jungtier mit braunem Kopf.

Grauer Kranich | Grue cendrée | Common crane | Grus grus

aktualisiert 02.09.2021

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

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Vogel gesucht?

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Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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