Die Pendler

Mehrere tausend Kraniche stehen im Wasser. Der Himmel ist noch rosa, die Landschaft dämmrig-dunkel.
Kranichschlafplatz am Bodden. Späte Neuankömmlinge fliegen ein.

Ich hatte Glück. Ich konnte mit den vogelkundigen Ornis auf der Jahrestagung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft einen Schlafplatz des Grauen Kranichs an der Boddenküste besuchen. Wir glitten im Schiff von Stralsund bis zur Halbinsel Zingst – ohne die vom Land einfliegenden Tiere zu stören. Vor Pramort verbringen derzeit rund 6.000 Kraniche die Nacht im Flachwasser. Dort stehen sie nah beieinander, sicher vor Füchsen und anderen „Räubern“, die man wissenschaftlich korrekt Predatoren nennt. Meist sind die Kraniche abends von anderen Vögeln umgeben, etwa von Höckerschwänen und Stockenten.

Im Wasser stehen rosagefärbte Kraniche. Vor und hinter ihnen paddeln Enten und Schwäne.
Der Sonnenuntergang färbt die grauen Vögel rosa. Höckerschwäne und Stockenten paddeln in ihrer Nähe herum.

Der Sonnenuntergang übertünchte die Vögel anfangs mit einen flamingoartigen Rosa. Später flammten Himmel und Wasserfläche auf, und der Graue Kranich machte seinem Namen alle Ehre. Bis zum Morgengrauen stehen die Vögel im Wasser, dann starten sie in Scharen, die am Himmel rasch eine Schräglinie oder einen Pfeil bilden.

Die großen Zugvögel, die aus Skandinavien kommen, am Bodden eine Verschnaufpause einlegen und dann weiter nach Südwesten ziehen, pendeln täglich zwischen Wasser und Land. Tagsüber ist der Graue Kranich auf den abgeernteten Maisfeldern unterwegs, um dort übriggebliebene Körner zu fressen. Auch die junge Saat auf Feldern verachtet er nicht – was ihm und Naturschützern manchen Ärger mit den Landwirten einbringt.

Wer mehr sehen möchte als den Abflug der Kraniche in der Morgendämmerung oder ihre Rückkehr gegen Abend, sollte bei frisch abgeernteten Maisfeldern die Augen offen halten, aber sie nicht aufscheuchen. Jeder kann sich im Kranichinformationszentrum von Groß Mohrdorf umfassend über Grus grus – also den Grauen Kranich – informieren.

Ein Highlight ist das Kranorama im nahen Günz. Weil dort Kraniche von Kranichschutz Deutschland angefüttert werden, sind sie aus großer Nähe zu beobachten. Aber: Ihre Fluchtdistanz liegt bei 200 Meter, näher trauen sich die hungrigen Zugvögel aus dem hohen Norden an die Fensterluken des Kranoramas nicht heran. Sowieso bleibt das Gefühl, dass sie uns mindestens so gut im Auge haben wie wir sie.

Mehrere Kraniche fressen mit gesenktem Kof. Ein braunköpfiges Jungtier mit Eltern steht vorn im Bild.
Fütterung am Kranorama. Ein Jungtier mit braunem Kopf.

Grauer Kranich | Grue cendrée | Common crane | Grus grus



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