Habicht im Winter

Habicht im grau-weißen Federkleid mit erhobenen Flügeln greift mit den Füßen nach einem Ast, um sich zu setzen.
Der Waldvogel zeigt, wie gut er im Geäst navigieren kann.

Genügend Beute machen Habichte bei uns trotz Eis und Schnee. Sie bleiben daher im Lande, treiben sich in Berlin nicht nur im Grunewald, sondern auch in den baumreichen Grünanlagen und auf Friedhöfen herum. Für den Waldvogel, der mit seinen breiten und vergleichsweise kurzen Flügeln gut zwischen Zweigen navigieren kann, sind das ideale Reviere – reich an Tauben und diversen Kleinvögeln. Das macht grüne Städte wie Berlin so attraktiv für diesen Greif. Und darum besucht mich manchmal ein Habicht in unserem Garten.

Habicht sitzt auf einem kahlen, teilweise beschneiten Ast
Unauffälliger Ruheplatz in Horstnähe

 

 

Heute Morgen rief mich Ludwig Schlottke an, ein Kollege vom NABU und stadtbekannter Beringer von Turmfalken. Ob ich denn Lust hätte, auf einem Friedhof den Habichthorst zu besuchen, der bereits wieder von dem Paar aus dem Vorjahr besetzt worden sei.
Natürlich hatte ich Lust. Aber ich wäre auf dem Friedhof im Berliner Südwesten an jenem gar nicht so hohen Ast, auf dem der Habicht thronte, sicherlich vorbeigelaufen, hätte davor nicht bereits der Kollege mit seinem Spektiv gestanden.

 

 

Wenn er ausruhen will, geschieht dies immer in den mittleren Ästen der Bäume, nie im Gipfel derselben und selten auf einem Steine im Freien, schreibt Johann F. Naumann (Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, 1900, Aufl.3, Bd. 5, S.263).

Erst gestern hatte ich mich gefreut, dass die Kohl- und Blaumeisen wieder singen, wenn man ihre sparsamen Strophen denn so nennen will. Die Ringeltauben lassen sich jetzt, Anfang Februar, ebenfalls wieder hören, und meine Sperlinge unterm Dach räumen in ihren Nestern auf. Dabei liegt noch Schnee.

Revier besetzt

Auch bei den Habichten geht es bereits um die nächste Brut. Das weibliche Tier hockt viel in der Nähe des Horstes herum. Denn sie und der männliche Partner sind längst aufeinander eingestimmt und flicken das Nest. Das bedeutet zugleich, dass sie dieses Revier beanspruchen. Mit ihren Rufen signalisieren Habichte, dass ein Revier besetzt ist. Eindringlinge wie Krähen, ein Sperber oder ein Mäusebussard werden mit Vehemenz vertrieben.

Großes Habichtnest in einer Kiefer zwischen den Ästen und nah am Stamm.
Im Februar wird der Habichthorst renoviert.

„Die Größe eines Habichtsreviers kann sehr unterschiedlich sein … als geringster Abstand zwischen zwei besetzten Nestern wurde in Berlin eine Entfernung von nur 300 bis 400 Metern ermittelt. Dies ist jedoch ein Ausnahmewert und in Waldlebensräumen sind die Siedlungsdichten wesentlich geringer und die Reviere größer.“

Das entnehme ich dem wunderbaren Buch meiner NABU-Kollegen über den Habicht (L. Artmann, N. Kenntner, C. Neumann, S. Schlegl: Der Habicht. Vom Waldjäger zum Stadtbewohner, Reutlingen 2015, S.23)

Fotografieren konnte ich nur das männliche Tier, das lange auf einem dicken Ast saß und irgendwann beschloss, im Gewirr der Äste seinen Platz zu wechseln, um einen Zweig abzuknicken und damit zum Horst zu fliegen. Der war rund 20 m von uns entfernt, in einer hohen Kiefer.

Madame hatte von dort gerufen.

Habicht sitzt mit orangefarbenen Füßen auf einem Ast und schaut aufmerksam.
Da war doch was …
Als würde er lauschen …

Danach verschwand zunächst er, und dann auch sie. Das Nest blieb leer, die Eltern in Spe waren ausgeflogen. Ich tippe auf ein zweites Frühstück.

Habicht | Autour des palombes | Goshawk | Accipiter gentilis


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