Rendezvous am Fischteich

Ein dunkler Greifvogel fliegt am blauen Himmel; lang gestreckt sein Schwanz.
Segelnder Schwarzmilan mit langem Schwanzgefieder

Es ist wirklich ein Glück, dass die vielen Fischteiche, die es im Land Brandenburg schon so lange gibt, noch da sind. Und dass viele in ein Naturschutzkonzept integriert sind, sichert zahlreichen Tierarten ein Überleben nahe der Hauptstadt. So auch dem Schwarzen Milan oder Schwarzmilan. Ihm begegnete ich im Gebiet des Naturpark Nuthe-Nieplitz, wo an manchen dieser traditionsreichen Fischteiche auch der Fischadler nistet.

Blau schimmernde Wasserfläche unter blauem Himmel. vorne Schilf und am anderen Ufer Baumbestand.
In trockenen Sommern sinkt auch im Fischteich der Wasserspiegel.

Möchte man Greifvögel beobachten und möglichst auch fotografieren, gibt es oft zwei Probleme: Sie sitzen weit weg, auf ihrem Horst oder einem Ansitz, oder sie fliegen als dunkle Silhouette am Himmel.

Überraschung

Eigentlich wollte ich nach den Nestlingen des Fischadlers schauen, aber dann kam plötzlich der Schwarzmilan vorbei, der in der Nähe seinen Horst errichtet hat. Übrigens nicht zufällig, wie ich später noch erklären werde.

Breite Schwingen und langer Schwanz sind typisch für den Schwarzmilan.
Schwarzmilan: leicht gegabelter, langer Schwanz
Der weiße Bauch ist typisch für den Fischadler.
Fischadler: weißer „Bauch“ und breiter Schwanz

Auf dem Flugbild sieht man sehr schön den typischen Gabelschwanz des Schwarzen Milans und seinen grauen Kopf. Auch der Rote Milan hatte diesen Gabelschwanz, die Kerbe ist sogar noch tiefer. Aber bei ihm sticht das Rotbraun des Schwanzggefieders bei guter Beleuchtung hervor. Der Fischadler hat keinen Gabelschwanz und zeigt von unten seinen weißen Bauch. „Weißbauch“ hatte ich ihn daher in einem anderen Blogpost genannt.

Rundumblick vom Ansitz aus

Blich vom Beobachtungsstand auf die Ansitze der Greifvögel: beides sind kahle Stämme
Ansitze mit gutem Rundumblick vom Beobachtungstand aus gesehen: Rechts landete der Schwarzmilan, links der Fischadler.

Es war wirklich eine Überraschung, dass ich von dem Beobachtungstand aus zunächst sehen konnte, wie der Schwarzmilan heranschwebte und sich dann auf einem kahlen Stamm, dem Ansitz, niederließ. Und kurz darauf, allerdings nach dem Abflug des Schwarzmilans, kam der Fischadler. Ich muss dazu nicht viel schreiben, denn die Fotos sprechen für sich. (Zum Vergrößern bitte anklicken.)

Sehr lange hielt es den Schwarzmilan dann nicht mehr auf seinem Ausguck aus. Er stürzte sich vom Baum herab und war danach verschwunden. Ich vermute, dass er auf Nahrungssuche flog.

Greif schwingt sich kopfüber vom kahlen Stamm, um abzufliegen.
Und ab geht’s.

Was auf den Tisch kommt

Schwarzmilane sind nicht sehr wählerisch: Sie fressen Mäuse und andere kleine Säugetiere, greifen geschwächte und kranke Fische von der Wasseroberfläche – oder knapp darunter schwimmende –, verspeisen Vögel, sogar Regenwürmer und Heuschrecken. Außerdem betätigen sie sich als „Schmarotzer”. Damit meinen BiologInnen: Sie jagen nicht selbst, sondern begnügen sich mit dem, was andere übrig lassen. Manchmal jagen sie anderen Vögeln sogar die Beute ab.

Schwarzmilane brüten dort, wo Wald und See aufeinander treffen, und oft in der Nähe von Kormoranen, Fisch- oder Seeadlern. Alle drei sind ausgewiesene Fischfresser. Die Nachbarschaft von Fischadler und Schwarzmilan war also kein Zufall.

Es gibt diverse Beschreibungen dazu, wie Schwarze Milane andere Vögel solange unter Druck setzen, bis diese ihre Beute fallen lassen oder sogar wieder ausspeien. Dazu diese kleine Anekdote von Wolfgang Makatsch aus Der Schwarze Milan (Neue Brehm-Bücherei, Leipzig 1953, S. 78):

Ich selbst beobachtete in der Fischreiherkolonie Weißkollm, wie ein zum Brutplatz zurückkehrender Fischreiher von einem Milan so lange belästigt wurde, bis er, um sich zu erleichtern und so an Höhe zu gewinnen, einen größeren Karpfen herauswürgte. Blitzschnell stürzte der Milan in wendigem Fluge dem fallenden Fisch nach, fing diesen, noch ehe er den Boden erreicht hatte, geschickt mit den Fängen auf und trug ihn fort.

Und jetzt ist endgültig klar, warum an diesem naturgeschützten brandenburgischen Fischteich, nicht nur Fischadler zu bestaunen sind, sondern neben Kormoranen und Fischreihern – heute meist Graureiher genannt – auch der Schwarze Milan.

Jetzt, Mitte Juli, sind die beide Greifvogelarten dort gut zu beobachten, und ihre Jungen sind fast flügge. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein dunkler Greifvogel schwebt am blauen Himmel davon.
Abflug des Schwarzmilans

Schwarzmilan | Milan noir | Black Kite | Milvus migrans


Kommentar zu “Rendezvous am Fischteich

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