Rendezvous am Fischteich

19. Juli 2018 | Falke & Co, Große Vögel | 2 Kommentare

Ein dunkler Greifvogel fliegt am blauen Himmel; lang gestreckt sein Schwanz.

Segelnder Schwarzmilan mit langem Schwanzgefieder

Es ist wirklich ein Glück, dass die vielen Fischteiche, die es im Land Brandenburg schon so lange gibt, noch da sind. Und dass viele in ein Naturschutzkonzept integriert sind, sichert zahlreichen Tierarten ein Überleben nahe der Hauptstadt. So auch dem Schwarzen Milan oder Schwarzmilan. Ihm begegnete ich im Gebiet des Naturpark Nuthe-Nieplitz, wo an manchen dieser traditionsreichen Fischteiche auch der Fischadler nistet.

Blau schimmernde Wasserfläche unter blauem Himmel. vorne Schilf und am anderen Ufer Baumbestand.

In trockenen Sommern sinkt auch im Fischteich der Wasserspiegel.

Möchte man Greifvögel beobachten und möglichst auch fotografieren, gibt es oft zwei Probleme: Sie sitzen weit weg, auf ihrem Horst oder einem Ansitz, oder sie fliegen als dunkle Silhouette am Himmel.

Überraschung

Eigentlich wollte ich nach den Nestlingen des Fischadlers schauen, aber dann kam plötzlich der Schwarzmilan vorbei, der in der Nähe seinen Horst errichtet hat. Übrigens nicht zufällig, wie ich später noch erklären werde.

Breite Schwingen und langer Schwanz sind typisch für den Schwarzmilan.

Schwarzmilan: leicht gegabelter, langer Schwanz

Der weiße Bauch ist typisch für den Fischadler.

Fischadler: weißer „Bauch“ und breiter Schwanz

Auf dem Flugbild sieht man sehr schön den typischen Gabelschwanz des Schwarzen Milans und seinen grauen Kopf. Auch der Rote Milan hatte diesen Gabelschwanz, die Kerbe ist sogar noch tiefer. Aber bei ihm sticht das Rotbraun des Schwanzggefieders bei guter Beleuchtung hervor. Der Fischadler hat keinen Gabelschwanz und zeigt von unten seinen weißen Bauch. „Weißbauch“ hatte ich ihn daher in einem anderen Blogpost genannt.

Rundumblick vom Ansitz aus

Blich vom Beobachtungsstand auf die Ansitze der Greifvögel: beides sind kahle Stämme

Ansitze mit gutem Rundumblick vom Beobachtungstand aus gesehen: Rechts landete der Schwarzmilan, links der Fischadler.

Es war wirklich eine Überraschung, dass ich von dem Beobachtungstand aus zunächst sehen konnte, wie der Schwarzmilan heranschwebte und sich dann auf einem kahlen Stamm, dem Ansitz, niederließ. Und kurz darauf, allerdings nach dem Abflug des Schwarzmilans, kam der Fischadler. Ich muss dazu nicht viel schreiben, denn die Fotos sprechen für sich. (Zum Vergrößern bitte anklicken.)

Sehr lange hielt es den Schwarzmilan dann nicht mehr auf seinem Ausguck aus. Er stürzte sich vom Baum herab und war danach verschwunden. Ich vermute, dass er auf Nahrungssuche flog.

Greif schwingt sich kopfüber vom kahlen Stamm, um abzufliegen.

Und ab geht’s.

Was auf den Tisch kommt

Schwarzmilane sind nicht sehr wählerisch: Sie fressen Mäuse und andere kleine Säugetiere, greifen geschwächte und kranke Fische von der Wasseroberfläche – oder knapp darunter schwimmende –, verspeisen Vögel, sogar Regenwürmer und Heuschrecken. Außerdem betätigen sie sich als „Schmarotzer”. Damit meinen BiologInnen: Sie jagen nicht selbst, sondern begnügen sich mit dem, was andere übrig lassen. Manchmal jagen sie anderen Vögeln sogar die Beute ab.

Schwarzmilane brüten dort, wo Wald und See aufeinander treffen, und oft in der Nähe von Kormoranen, Fisch- oder Seeadlern. Alle drei sind ausgewiesene Fischfresser. Die Nachbarschaft von Fischadler und Schwarzmilan war also kein Zufall.

Es gibt diverse Beschreibungen dazu, wie Schwarze Milane andere Vögel solange unter Druck setzen, bis diese ihre Beute fallen lassen oder sogar wieder ausspeien. Dazu diese kleine Anekdote von Wolfgang Makatsch aus Der Schwarze Milan (Neue Brehm-Bücherei, Leipzig 1953, S. 78):

Ich selbst beobachtete in der Fischreiherkolonie Weißkollm, wie ein zum Brutplatz zurückkehrender Fischreiher von einem Milan so lange belästigt wurde, bis er, um sich zu erleichtern und so an Höhe zu gewinnen, einen größeren Karpfen herauswürgte. Blitzschnell stürzte der Milan in wendigem Fluge dem fallenden Fisch nach, fing diesen, noch ehe er den Boden erreicht hatte, geschickt mit den Fängen auf und trug ihn fort.

Und jetzt ist endgültig klar, warum an diesem naturgeschützten brandenburgischen Fischteich, nicht nur Fischadler zu bestaunen sind, sondern neben Kormoranen und Fischreihern – heute meist Graureiher genannt – auch der Schwarze Milan.

Jetzt, Mitte Juli, sind die beide Greifvogelarten dort gut zu beobachten, und ihre Jungen sind fast flügge. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein dunkler Greifvogel schwebt am blauen Himmel davon.

Abflug des Schwarzmilans

Schwarzmilan | Milan noir | Black Kite | Milvus migrans

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

2 Kommentare

  1. Liebe LeserInnen,
    auf diese wunderbare Webcam in Estland muss sich euch unbedingt aufmerksam machen. Sie zeigt ein Fischadlerpaar, das drei Junge in einem wunderschönen Horst mit Ausblick betreut: https://pontu.eenet.ee/player/kalakotkas2.html. Ich könnte ständig zuschauen. Ein großer Dank geht an die Flugbegleiter und ihr tolles online-Magazin (https://www.riffreporter.de/flugbegleiter-koralle/), die diese Webcam bekannt gemacht haben. (Ich kann in der Kommentarspalte keine Verlinkungen machen. Darum gebt bitte selbst die Internetadresse in euren Browser sein.)

    Antworten
  2. Tolle Fotos von Schwarzmilan und Fischadler!

    Antworten

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Vogel gesucht?

Gut sortiert

5 von 749 Kommentaren

Alle sind vollständig unter dem zugehörigen Blogbeitrag zu lesen.

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Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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