Grandiose Segelflieger

27. September 2016 | Große Vögel | 2 Kommentare

Zwei Basstoelpel mit weißem vorwiegend Gefieder fliegen vor blauem Himmel.

Zwei Basstölpel begleiten das Boot

Basstölpel bewegen sich an Land wirklich tollpatschig – eben tölpelig. Aber an Land sind sie in der Regel auch nicht unterwegs, sondern in der Luft. Sie segeln über dem Nordatlantik und lassen sich nur zur Brut an Felsküsten nieder – am liebsten auf kleinen Felsinseln. Eine davon liegt vor der bretonischen Küste.

Die Île Rouzic gehört zum französischen Naturreservat Sept Îles (RNN32). Mittlerweile brüten dort im Sommerhalbjahr fast 25.000 Paare. 1939 waren dort nur 28 Nester besetzt, 1955 immerhin schon 550, schreibt Hans Heinrich Reinsch in Der Basstölpel (Neue Brehm-Bücherei, Nr. 412, 1969).¹

Der Weg bis an die bretonische Küste von Perros-Guirec hat sich für mich gelohnt, immerhin 1.200 km Luftlinie sind es zwischen der Küste mit Rosa-Granit und Berlin. Bei guter Sicht sah ich vom Hotel eine Insel wie mit Zuckerguss überzogen. Aus der Nähe waren das dann tausende von Basstölpeln auf ihren Nestern und viele hundert in der Luft. Ein Riesenlärm, ein guter Wind, viel Sonne und ein glitzerndes Meer. Hier im Ärmelkanal ist der Lebensraum dieser Kolonie – also wo Nordsee und Atlantik ineinander fließen, die kleine französische Bretagne und die große Bretagne (Großbritannien) vis-à-vis liegen.

Felseninsel im Meer mit vielen weißen Punkten. Dass sind die Basstölpel.

Brutkolonie mit 25.000 Basstölpel-Paaren

Basstölpel sind phantastische Segelflieger: schmale, extrem lange Flügel bei 1.80 m Spannweite und ein kurzer Rumpf, der sich an der Kopfseite und hinten am Schwanz stark verjüngt. Stromlinienförmig das ganze Tier.

Gute Segler und „Fischer“

Großer weißer Vogel mit kräftigem Schnabel im Flug.

Hier war die Evolution am Werk: Basstölpel segeln mit dem Wind, viele Flügelschläge machen sie nicht. Das spart Energie.

Beim Fang von Heringen oder Makrelen stoßen sie meist aus mehreren Metern Höhe nahezu senkrecht ins Wasser. Im letzten Moment werden die Flügel eng angelegt und der feste Schnabel dringt wie ein Dolch durch die Wasseroberfläche. In der Regel untertauchen Basstölpel den Fisch, schnappen ihn also von unten, und haben ihn bereits verschlungen, wenn sie wieder auftauchen.

Weil sie äußerst gute Augen haben, können sie fliegend einzelne Fische und natürlich auch Fischschwärme ausfindig machen. Und da sie mit den Flügeln schwimmen und mit den Ruderfüßen paddeln können, sind sie auch unter Wasser flink und wendig. Darum erwischen sie die anvisierte Beute meist auch dann, wenn sie sich verpeilt hatten.

Beim Basstölpel spannen sich die Schwimmhäute zwischen 4 Zehen auf.

Ruderfuß vom Basstölpel (Reinsch)

Ruderfüße behindern das Gehen

Basstölpel gehören mit anderen Tölpeln in die Verwandtschaft der Ruderfüßer oder Pelikanähnlichen – die ist Ornithologinnen und anderen Wissenschaftlern als Ordnung der Pelikaniformes bekannt. Bei diesen Vögeln sind vier Zehen am Fuß mit Schwimmhäuten verbunden – bei Möwen sind es nur drei. Das macht es Basstölpeln leicht, rudernd auf dem Meer zu schwimmen und unter Wasser zu navigieren.

Aber der breite Ruderfuß macht es ihnen an Land schwer zu laufen. Andererseits hilft er ihnen, vom Wasser aus wieder in die Luft zu kommen. Sie müssen dabei allerdings kräftig „treten“, wie ein Schwan, der abheben will. Was man im Bild des Fußes ebenfalls sieht: die Mittelzehe endet in einen spitzen „Fußnagel“. Der hilft den Basstölpeln bei der Gefiederpflege.

¹ Ergänzung 16.8.2021: Auch auf Helgoland ist die Brutkolonien rasend schnell angewachsen. Ich habe mittlerweile wiederholt über diese Population berichtet, z.B. Brüten am Kliff und Aufwachsen am Kliff.

Basstölpel | Fou de Bassan | Northern gannet | Morus bassanus

Et en français: Grandioses voiliers des airs

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

2 Kommentare

  1. Bist Du da extra hingefahren? Das muss Vogelliebe sein.

    Antworten
    • Über die große Basstölpel-Kolonie vor der bretonischen Küste bin ich gewissermaßen gestolpert. Ich wollte auf meiner Bretagnereise zwar das Naturschutzgebiet Sept Iles besuchen, hatte aber vor allem die seltennn und gefährdeten Papageitaucher im Kopf. Die hatten allerdings schon ihre Jungen groß gezogen und sich Mitte August schon wieder davon gemacht. Sie verbringen die meiste Zeit des Jahres auf dem Meer, vor allem dem Nordatlantik.

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5 von 749 Kommentaren

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Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

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2020  Die Turteltaube

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2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

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2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

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2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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