Salzberger Schwalbengeschichte

Cover von "Die Salzberger Schwalbengeschichte" mit einem Fenster durch das eine Schwalbe hinausfliegt.Hoffentlich werde ich nicht dafür gescholten, dieses Buch so zu loben. Aber die Autorin Else Thomé, ausgebildet als Innenarchitektin, hat ihre jahrelangen Beobachtungen mehrerer Generationen von Rauchschwalben mitreißend zu Papier gebracht. Detailgenau und unterhaltsam sind ihre Beschreibungen der Schwalbenfamilien, die in ihrem Berchtesgardener Künstlerhaus auf dem Ofenrohr, auf einem Brettchen über der Ateliertür und sonst wo gebrütet haben.

Allerdings muss man es aushalten, dass Else Thomé das Verhalten „ihrer“ Rauchschwalben, von denen sie viele individuell kannte und nach der Rückkehr aus dem afrikanischen Winterquartier wie alte Bekannte begrüßte, ihren eigenen Wertvorstellungen folgend kommentiert oder auch bemisst. Und die stammen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts.

Über die Beurteilungen dessen, was Herr und Frau Schwalbe und deren Kinder tun, kann man sich ärgern, sie so hinnehmen oder auch lächeln. Mir gelang letzteres, zumal die Autorin wusste, dass sie hier ihre Maßstäbe ansetzte.

Ein paar Kostproben

Nun ein paar Kostproben aus dem Buch, das ich antiquarisch ergattern und dessen Titel ich abfotografieren konnte. Es ist mit vielen Zeichnungen der Autorin und mit Fotos garniert:

Der Schwälber aus dem Vorjahr, der im Haus ein Nest gebaut hatte, ohne ein Weibchen mitzubringen, kommt aus dem Winterquartier in Afrika zurück und alles ist anders (S. 21):

Er gewann das Herz einer Schwalbendame. Sie war zart und hübsch, bedeutend kleiner als er und sichtlich beeindruckt von seiner bezwingenden Männlichkeit und der komfortablen weitläufigen Häuslichkeit, die er ihr bieten konnte.

Und als die Jungen geschlüpft sind (S. 22):

Es war wirklich ein rührendes Bild, wenn die beiden Eltern ab und zu auf dem Nestrand saßen und stolz und aufmerksam ihre für uns noch unsichtbaren Kinder betrachteten.

Als ein Junges frühzeitig das Nest im Haus verlässt (S. 25):

Zum Glück hatten die Eltern den Ausreißer erspäht. War das eine Aufregung! Die vier im Nest schrien aus Leibeskräften hinterher, die Eltern sausten um die Tanne, der Vater mit schrillen Schreien, die sicher keine Freundlichkeiten für seinen tatendurstigen Sprößling bedeuteten. Die Mutter war die erste, die zur ruhigen Überlegung zurückkehrte.

Und als später ein Schwälber aus unerfindlichen Gründen die Eier aus dem Nest bucksierte, tadelt die Autorin (S. 89):

Ich muss schon sagen, ich hätte es verstanden, wenn sie nun diesen Rohling von einem Mann verlassen hätte. Aber sie blieb da.

Auch die Schwalbendame, die sich pflegt, während ihr Schwälber die Jungen füttert, bekommt einen Tadel (S. 103):

Und was macht die Mutter inzwischen? Sie machte noch einen kleinen, ganz privaten Abendausflug, setze sich dann auf den neuen Ast in der Veranda und pflegte sich. Reizend sah sie aus, das muss man zugeben, auch wenn … ihre Einstellung, selbst Lebeschön zu machen, während der Mann bis in die Nacht für zweie arbeitete, nicht kritiklos gebilligt werden konnte.

Else Thomé hat ausführlich Tagebuch geführt über die vielen Bruten von Rauchschwalben in ihrem Salzberger Haus – nicht umsonst wird die Rauchschwalbe als innere Hausschwalbe bezeichnet. Und sie hat den Vögeln alle möglichen Nistplätze, Schlaf- und Ruheplätze gestattet und sogar Fliegen im Kuhstall des Nachbarn gefangen, als die Jungen bei einem Kälteeinbruch zu verhungern drohten.

Wer das Buch liest, erfährt unglaublich viel über die Verpaarung, das Brut- und Zugverhalten von Rauchschwalben und speziell deren sehr individuelle Eigenarten. Und was die subjektive Perspektive der Autorin angeht: Es ist ja keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern eben eine Schwalbengeschichte.

Die Salzberger Schwalbengeschichte
Autorin: Else Thomé
Verlag: Ullstein
Jahr: 1959 (antiquarisch und in Stadtbibliotheken)



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