Singschwan-Tage

10. Februar 2017 | Große Vögel, Schwan & Schwan | 1 Kommentar

Weite Wasserflächen im winterlichen Grau. in der Ferne sind Schwäne zu erkennen.

Aus der Ferne: Schwäne auf der Oder an der Güstebieser Loose

Im Februar fasziniert mich in Brandenburg manchmal diese verschwommene Winterlandschaft und manchmal das sonnige Kontinentalklima.

Aber, und ganz unabhängig vom Wetter: Bevor die meisten Singschwäne wieder zu ihren Brutgebieten in Richtung Polarkreis fliegen, stehen die Chancen gut, ihren sehr speziellen Gesang zu hören. Denn die Paare beginnen bereits mit der Balz und „singen“ dann besonders viel.

Ein Singschwan-Paar steht auf dem halbzugefrorenen Rand der Oder und schaut aufs Wasser

Singschwanpaar am Eisrand der Oder

Naturschutzorganisationen bieten diverse Exkursionen an, Feldornithologen sind unterwegs. Man feiert die „Singschwantage“, zum Beispiel in Criewen an der Oder. Allerdings lieben die Schwäne, die nicht überall auf der Welt geschützt sind, eine gewisse Distanz … ein gutes Fernglas ist daher nützlich.

Singende Wintergäste

Die Lautäußerungen haben schon viele versucht zu charakterisieren: glockenartig, melancholisch, wie Posaunentöne. Aber man sollte die mächtigen und doch eleganten Tiere selbst hören, am besten bei Frost, wenn der Schall weit trägt. Der Singschwan, der heute in der Fachwelt als Cygnus cygnus geführt wird, hatte bei Alfred Brehm übrigens noch Musik im lateinischen Namen und hieß Cygnus musicus.

Zeichnung eines Singschwans aus dem 19. Jh. mit Bildunterschrift "Hooper"

B. Fawcett: Farbiger Holzdruck eines Singschwans (19. Jh.). Englisch „Hooper“ = Synonym für Singschwan „Whooper (Swan)“

Sein spezieller Gesang entsteht, weil die Luftröhre besonders lang ist, viel Volumen bietet und übrigens wie bei Kranichen in das Brustbein eingebettet ist. Dadurch erzeugt der weiße Vogel an Wintertagen verwunschene Klänge.

Aber ohne Höcker

Wer sich nicht auskennt, verwechselt Singschwäne leicht mit Höckerschwänen, die bei uns ganzjährig leben. Allerdings tragen Singschwäne ihren Hals aufrechter, weniger gebogen. Das Gefieder der adulten Schwäne ist bei beiden Arten strahlend weiß, der Hals 70 – 80 cm lang, ihr Größenunterschied nicht auffällig und wenn die Tiere im seichten Wasser kopfüber gründeln, ist auch das simpelste Unterscheidungsmerkmal verborgen: der Schnabel. Bei Singschwänen ist er leuchtend gelb, bei Höckerschwänen orange-rot. Außerdem ziert die männlichen Tiere ein schwarzer Höcker über dem Schnabel. Bei weiblichen Höckerschwänen ist er jedoch weniger prominent.

Sing- und Höckerschwäne an der Oder. Manche gründeln.

Sing- und Höckerschwäne an der Oder. Manche gründeln.

Vom Polarkreis zu uns

Ende Oktober landen die ersten Singschwäne in der norddeutschen Küstenlandschaft, bevölkern die mecklenburgische Boddenregion oder ziehen entlang der Flüsse ins Binnenland. „Die Schwäne brauchen offene Wasserflächen für die Gefiederpflege und als Schlafplatz“, erzählte mir letztes Jahr der Biologe Nico Stenschke, der an der Universität Halle seine Bachelor- und seine Masterarbeit über die Singschwäne verfasst hat. Bei den „Singschwantagen“ in Criewen ist er am 11.2.2017 mit einem Vortrag vertreten.

Sicher wird er erklären, warum immer mehr Singschwäne bei uns überwintern. Und wie er herausgefunden hat, wo unsere Wintergäste den Sommer verbringen. Sie kommen aus dem hohen Norden, manche von jenseits des Urals.

Tags tagsüber sieht man Singschwäne derzeit meist auf den Feldern, wo sie Maisreste und Winterraps fressen. An solchen Ackerpflanzen knabbern Schwäne vor allem, wenn die Flussufer vereist sind und sie beim Gründeln nicht an Wasserpflanzen wie Seegras und Laichkraut kommen.

Allen, die sich aufmachen, die Singschwäne zu sehen, gebe ich den Rat, die Tiere nicht zu stören. Kalte Winter sind eine anstrengende Zeit für die schneeweißen Vögel. Auch muss man nicht unbedingt zu den „Singschwantagen“ nach Criewen. Das Nationalparkhaus Unteres Odertal hat auch an anderen Tagen geöffnet, und ich habe mich letztes Jahr gefreut, wie gut man dort jederzeit die Besucher informiert.

Singschwan | Cygne chanteur | Whooper swan | Cygnus cygnus

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

1 Kommentar

  1. Und ich dachte immer, was schreien die denn so?
    Das ist also der berühmte Schwanengesang, so kann man also bei dir dazulernen. Wie schön.

    Antworten

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Vogel gesucht?

Gut sortiert

5 von 749 Kommentaren

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Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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