An der Eiskante

Zwei Höckerschwäne ruhen an einerr Wasserpfütze, die sich auf dem zugefrorenem See gebildet hat. einer steht und eienr sitzt.
Manchmal ist eine Wasserlache ein Genuss.

Wenn im Winter die Seen zufrieren, beginnt für viele Wasservögel eine harte Zeit. Fehlen offene Wasserstellen, dann ziehen sie sogar weg. Denn damit sie nicht verhungern, brauchen die einen das offene Wasser, um tauchend Fische zu ergattern, die anderen brauchen es, um an Wasserpflanzen zu gelangen. Zu den Vegetariern unter den Wasservögeln gehören die Höckerschwäne, die unter Wasser am Grünzeug knabbern, hin und wieder sogar ganze Schilf- oder Binsengeflechte ausrupfen.

Zufüttern im Winter

Winterfütterung in Maßen: Jungvogel am Berliner Wannsee

Höckerschwänen beim Fressen zuzuschauen, kann recht unterhaltsam sein. Und damit meine ich nicht das prickelnde Vergnügen, sie mit Brotkrumen zu füttern – ein bekanntlich bei Naturschützern nicht gerade erwünschter Zeitvertreib. (Wobei in kalten Wintern die Sache durchaus anders aussieht, solange die Vogelfeunde nicht gerade Unmengen von Brot und Brötchen oder gar verschimmelte Reste bei den hungrigen Vögeln entsorgen.)

Ich meine mit unterhaltsam, Höckerschwänen dabei zuzuschauen, wie sie auf einem See oder am Flussufer, ihren langen Hals tief ins Wasser tauchen und dadurch wie ein umgedrehtes Boot auf dem Wasser treiben, bis sich plötzlich Hals und Schnabel wieder aus dem Wasser biegen. Manchmal hängen dann noch ein paar Pflanzenreste aus dem „Maul“. Oder es tropft Wasser heraus.

Dass die großen weißen Vögel öfters kopfüber auf dem Wasser dahindümpeln, getreu dem Kinderreim „Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh“, hat damit zu tun, dass nicht immer ihr Hals lang genug ist. Dann kippen sie vornüber und erreichen mit diesem Manöver die anvisierten Unterwasserpflanzen. Wie gut nicht nur Stockenten, sondern auch Höckerschwäne diese Technik beherrschen, wurde mir erstmals an der Oder bewusst, als ich viele weiße Zelte aus der Ferne erblickte.

Sing- und Höckerschwäne an der Oder (Güstebieser Loose): links zwei „Zelte“, rechts zwei gekippte „Boote“.

Vegetarische Speisekarte

Noch in den 1930er Jahre hat man gestritten, ob Schwäne eine Konkurrenz für die Fischer sind, weil sie zu viel Fischlaich fressen und sogar ganze Fische verspeisen. Aber das ist Humbug. Wissenschaftler haben im Magen und den Gedärmen  von sezierten Höckerschwänen, die man erlegt hatte, um diese Kontroverse endlich zu beenden, weder Fischchen, noch Teile von Fischen oder Fischschuppen gefunden. Stattdessen: Laichkräuter, Algen, Samen, Moos und immer wieder Sand, Steinchen und Kies.

Bei Höckerschwänen, die vorübergehend oder längerfristig an der Meeresküste leben, steht oft Seegras auf dem Speiseplan. Oder sie knabbern am Bewuchs von Steinen oder von Befestigungsanlagen an Flussufern – wie hier im Hafengebiet von Rotterdam. In jeden Schwanmagen kommt allerdings auch tierische Kost, denn kleine Schnecken, Insektenlarven oder Fischlaich, was so an den Pflanzen hängen bleibt, wird mitgefressen.

Schwimmen statt tauchen

Während zum Beispiel Haubentaucher und Kormorane phantastisch tauchen und dabei auf Fischfang gehen, bleibt der Schwan immer oben auf dem Wasser und taucht nur seinen Schnabel mehr oder minder tief hinein. Er ist dementsprechend auf seichte Gewässer angewiesen, wo im schlammigen Untergrund viele Pflanzen gedeihen, die er gründelnd erreicht. Anders ausgedrückt: Klares Wasser, tiefes Wasser, Sandboden und Strand sind nicht sein Revier.

Und was machen Höckerschwäne im Winter? Wenn ihre Speise unter einer Eisdecke verschwindet?

Männlicher und weiblicher Schwan tauchen gerade ihre orangefarbenen Schnäbel in das Wasser.

Beide Schwäne haben an der Eiskante ihre Schnäbel unter das Eis geschoben. Man sieht nur die gebogenen Hälse.

Zwei Schwäne suchen an der Eiskante nach Futter. Einer hat seine Hals aus dem Wasser gehoben, der andere sucht noch unter Wasser nahe der Eiskante.
Abgestimmte Futtersuche an der Eiskante

Im letzten Winter konnte ich beobachten, wie sich ein Schwanenpaar bemühte, an Algen oder modernde Grünpflanzen zu gelangen, die am Ufer des Wannsees wachsen. Ihr Problem: Vom Ufer aus hatte sich die Eisschicht bereits soweit ausgedehnt, dass sie ihre langen Hälse unter die Eiskante schieben mussten.

Die Zwei machten das wunderbar synchron und waren jedenfalls damit erfolgreich. So ergänzten sie mit frischen Wasserpflanzen jene Kost, die vielen Höckerschwänen in Berlin von besorgten BürgerInnen frei Haus geliefert wird.

Im Umland müssen die Schwäne sich anders durchschlagen: An offenen Wasserstellen treffen sich oft Hunderte oder einige Dutzend – wie hier in der Nähe des brandenburgischen Städtchens Ketzin. Mit dabei waren Blässrallen und Stockenten. Gemeinsam konnten sie gründelnd und schwimmend einen Bereich vom Eis frei halten. Das ergab einen zauberhaften Schwanensee.

Rund 50 Höckerschwäne, etwa 20 Blässrallen und einige Stockenten schwimmen und gründeln auf einem zugefrorenen See und halten so eien Wasserstelle offen. Am Ufer wirken die Reif-bedeckten Bäume wie mit Zuckerguss überzogen.Wasser
Schwanensee … an der Havel bei Ketzin

Höckerschwan | Cygne tuberculé | Mute swan | Cygnus olor

 


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