Die Schnee-Amsel

Eine weiße Amsel mit gelbem Schnabel steht am Rand einer grünen Wiese.

Kürzlich begegnete mir im Stadtpark tatsächlich diese weiße Amsel, von der mir aufmerksame Leser des Blogs bereits berichtet hatten: „Sie ist ganz weiß und eigentlich immer am selben Ort zu finden.“

Das wunderte mich nicht, denn Amseln sind sehr standorttreu und bei den pech-schwarzen „Kollegen“ und ihren bräunlichen Damen in unserem Garten ist es nicht anders.

Nur in kälteren Wintern ziehen die munteren Drosseln hin und her oder sind plötzlich auf und davon.

Allerdings war es tatsächlich Zufall, dass mir die „Schnee“amsel förmlich über den Weg lief. Ich kam gerade von den vier jungen Habichten, die einen heftigen Sturm gut überstanden hatten und sich in einer Rotbuche herumtrieben, da stand dieser weiße Vogel vor mir.

Weiße Amsel mitten auf einer grünen Wiese
Die „Schnee“amsel scannt ihre Umgebung.

Vom Fahrrad aus hatte ich ihn zunächst für eine kleine Haustaube gehalten. Ein Irrtum, wie mir im nächsten Moment klar war … zumal diese Stelle exakt der Ort war, wo sich der weiße Amselhahn – so nennt man die männlichen Vertreter tatsächlich – herumtreiben sollte.

Weiße Amsel mit erhobenem Haupt zwischen Wiese und Weg.
Futtersuche zwischen Weg und Wiese

Wirklich scheu war die weiße Amsel nicht, obwohl sie durch ihr helles Gefieder angeblich leicht eine Beute von Prädatoren wie Habicht, Sperber & Co. wird – und also vorsichtig sein sollte. Doch von den Jägern: keine Spur.

Weiße Amsel auf beige-grauem Schotterweg, wo sie wenig auffält.
Auf dem Schotterweg fällt die weiße Amsel nicht so auf wie auf der grünen Wiese. Aber ob sie das berücksichtigt?

Während ich ihn beobachtete, zog sich der weiße Amselhahn allerdings immer weiter vom Weg zurück. Vermutlich war ihm mein dunkles Kameraobjektiv doch nicht ganz geheuer. Die meisten Spaziergänger bleiben ja auch nicht wirklich stehen, sondern schlendern an den Vögeln links und rechts des Wegs vorbei.

Etwas flatternd und dann mit einem großen Satz zurück auf die Wiese.
In Deckung: ein sicheres Plätzchen und Futter gibt es hier sicher auch.

Kein Albino

Bei dem weißen Federkleid einer Amsel denkt man im ersten Moment natürlich an Albinismus. Aber weil Albinos jegliche Farbpigmente in Haut und Haaren fehlen, haben sie auch keinen gelben Schnabel wie diese männliche Amsel und auch nicht den auffälligen gelben Augenring.

Ein
Ein typischer, schwarzgefiederter Amselhahn singt in unserer Garten-Robinie.

Übrigens: Die roten Augen von Albinos sind nicht durch Farbstoffe so gefärbt sind, sondern bei ihnen ist das rote Blut in den Blutgefäßen des Auges sichtbar und eben nicht durch Pigmente verborgen ist.

Was die schwarze Amsel – auch Schwarzdrossel genannt – weiß macht, ist ein sogenannter Leuzismus. Der führt bei Amseln meist zu einem schwarz-weiß gescheckten Aussehen, manchmal aber zu einem fast weißen Federkleid. Und Säugetiere haben dadurch ein mehr oder minder weißes Haarkleid.

Braun-rötliche Amsel frisst am verschneiten Boden Körner.
Die weibliche Amsel hat ein bräunliches, getupftes Federkleid. Das Muster ist typisch für Drosselvögel – und eben nicht von Melanin überlagert.

Männliche Amseln sind schwarz. In einem rötlichen Dunkelbraun gefleckt sind die weiblichen Vertreter. Dementsprechend – und mit einem Fokus auf die auffälligen „Herren“ – sagen die Briten Blackbird, die Franzosen Merle noir und die Italiener Merle nero. In Norwegen heißt die Amsel Svart trost.

Der wissenschaftliche, lateinische Name ist Turdus merula. Das lateinische Turdus steht für Drosselvögel wie die Ringdrossel (Turdus torquatus), Wanderdrossel (Turdus migratorius) oder Schwarzkehldrossel (Turdus atrogularis), und merula bedeutet schwarz.

Schwarze Amsel sitzt mit ausgebreiteten Flügeln und offenem Schnabel am Boden.
Amselhahn beim Sonnenbaden. Sehr markant ist der gelbe Augenring.

Hübsche Mutation

Hinter Leuzismus mit weißem Gefieder oder einzelnen weißen Federn steckt eine genetische Mutation, durch die Federn oder Fell weiß sind und die darunterliegende Haut rosa schimmert. Der Grund: Haut, Federn und Haare der Tiere enthalten keine Melanozyten, also keine farbstoffbildende Zellen. Beim Albinismus sind diese Zellen zwar vorhanden, sie können aber nicht den dunklen Farbstoff Melanin bilden.

Weiße Amsel an einer grünen Wiese
Gelber Schnabel, gelber Augenring. (Durch Anklicken lassen sich wieder alle Fotos vergrößern.)

Es gibt übrigens verschiedene Gene, die Leuzismus auslösen. (Leicht zu merken ist der Begriff, wenn man an die weißen Blutkörpcherchen denkt: Leukozyten.) Dass Auge und Schnabel von Amseln mit dieser Genvariante durchaus arttypisch gefärbt sind, wird damit erklärt, dass bei der Entwicklung des Vogelembryos doch einige Melanozyten entstehen und in diese Körperregionen gelangen.

In der Stadt haben Vögel mit Leuzismus recht gute Überlebenschancen. Und man kann die scheckigen und weißen Varianten wirklich als „hübsche Laune der Natur“ bezeichnen, wie es der bayerische Landesbund für Vogelschutz macht. Ich wünsche mir, dass uns die Steglitzer „Schnee“amsel noch lange Freude bereitet. Sie wurde bereits 2018 hier gesichtet.

Amsel oder Schwarzdrossel | Merle noir | Common Blackbird | Turdus merula



Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.