Hier sind Vögel willkommen

Schwarzer Amselhahn steht auf einem gelben Gartenschlauch
Wird der Rasen gesprengt, sucht die Amsel bald nach Regenwürmern und anderen Leckerbissen.

Immer mehr Menschen möchten wissen, was denn Gartenvögeln gut tut oder, etwas egoistischer gewendet, was geflügelte Lebewesen in unseren Garten, auf Terrasse oder Balkon lockt.

Soll man sie zum Beispiel das ganze Jahr über füttern? Welche Pflanzen sind vogelfreundlich? Was brauchen Vögel in einem besonders heißen Sommer? Was in der kalten Jahreszeit? Und können wir Nestlinge und Jungvögel irgendwie vor Krähen, Elstern oder freilaufenden Katzen schützen?

Zu all dem lässt sich viel sagen. Manchmal ist die Antwort einfach, manchmal kompliziert. In diesem Blogpost notiere ich, was ich bisher dazu gelesen oder selbst beobachtet habe und was in den Augen einer Biologin Sinn macht. Und: Ich freue mich über weitere Tipps, die Vogelbegeisterte zum Beispiel als Kommentar senden können.

Weißgepunkteter schillernde Start steht auf der Balkonbrüstung, davor grüne Pflanzen.
Starenbesuch auf dem Balkon: Futter geholt und dann ein Lied geträllert.

Hausgemachter Nahrungsmangel

Das Schlechte vorweg: Es gibt Gärten, da ist klar, dass die Eigentümer mit Vogelbesuch nichts am Hut haben oder aber bei der Anlage gedankenlos waren. Vielleicht sollte Ihnen der Garten wenig Arbeit machen. Bei anderen Gartenbesitzern ist vielleicht das Grauingrau, mit wenigen exotischen Pflanzen oder blühenden garniert, einfach nur modisch – und wird von Gartencentern leider üppig bedient. Die Folge sind „Schottergärten“. Klar ist: Ein Schottergarten bietet Vögeln so gut wie gar nichts.

Fasade eines Backsteinhauses, zur Straße hin nichts als grauer Schoter eine blühende rose und eine weitere pPlanze
Trostloser Schottergarten

Genaugenommen sind solche „Gärten“ eine rabiate Form der Bodenversiegelung, die insbesondere in den Neubaugebieten am Stadtrand zu beobachten ist. Also dort, wo es früher mal grün war.

Umso besser, dass nach Bremen, Dortmund und Paderborn nun auch Erlangen ein Verbot der Neuanlage von solchen Umweltsünden ausgesprochen hat.

Dass Vögel in Schottergärten nicht satt werden und sich nicht ansiedeln, ist keine Frage – auch wenn sich dort mal ein wärmeliebendes Insekt blicken lässt. Denn, keine Frage, das entdeckt am ehesten ein Insektenfresser aus der entfernteren Nachbarschaft. Vor allem: Vögel haben ganz unterschiedliche Nahrungspräferenzen, die noch dazu mit dem Alter wechseln. Darum ist Vielfalt im Garten angesagt.

Grüne Büsche und Bäume im Garten
Grüner Vogelgarten

Alternativen: Unser gemeinschaftlicher Garten in Berlin Steglitz, nah an der Einkaufsmeile Schloßstraße, sieht anders aus.

Mitte April stehen hier verblühte Schneeglöckchen, Stachel- und Himbeersträucher schlagen aus, dazwischen wächst Rhabarber, Flieder und Kirschbaum sind kurz vor der Blüte, ein Efeu-berankter Ahorn, eine Buche in frischem Grün.

Am Rande noch dies: Wer Vögeln Lebensraum bietet macht ihnen und sich selbst eine Freude. Aber: Leider können wir so nicht den Rückgang der Artenvielfalt aufhalten und auch nicht, dass es dank verfehlter Agrarpolitik immer weniger Vögel gibt. Darauf macht unter anderem der NABU  aufmerksam.

Und nun zu den Bedürfnissen der Vögel, zum Beispiel dem Gartenbaumläufer, der in dem knorrigen Stamm einer alten Robinie wunderbar verborgen ist und in der tief gefurchten Borke allerlei Insekten findet. Manche haben hier überwintert und werden – von der Sonne gewärmt – munter.

Kaum zu erkennender braun-weißer Vogel auf der Baumrinde
Gut verborgener Spinnen- und Insektenjäger auf einer Robinie.

Was schmeckt?

Was den Nahrungsbedarf angeht, lassen sich grob drei Gruppen von Vögeln unterscheiden: Körnerfresser wie die Sperlinge, Insektenfresser wie Gartenbaumläufer und Kleiber, Fischfresser wie Graureiher, die eventuell den Gartenteich frequentieren. Dazu kommen die „Fast-Allesfresser“ wie Dohlen, Nebelkrähen und ihre Verwandtschaft.

Eine dunkle Dohle sucht auf einem Tisch zwischen Geschirr nach Fressbarem
Nach der Geburtstagsfeier: Diese Dohle räumt ab.

Wir sollten allerdings nicht vergessen, dass viele Körnerfresser in der Fortpflanzungsperiode tierische Kost suchen, speziell zum Füttern ihrer Jungen. Das ist etwa für die Kohlmeise sehr zeitaufwendig, wenn es immer weniger Insekten, deren Eier und Larven gibt.

Und genau dieser hohe Aufwand ist einer der Gründe, warum wir im Frühjahr durchaus weiter füttern sollten und auch im Sommer „zufüttern“ können, wenn die Vögel in der kalten Jahreszeit von uns Futter erhalten haben.

Vor allem gilt: Im Frühjahr nicht abrupt die Fütterung abbrechen. Denn die Gefiederten brauchen Zeit, um sich anderweitig nach Nahrung umzuschauen.

Tipps zur Vogelfütterung gibt es hier
Ratgeber: Peter Berthold & Gabriele Mohr, Vögel füttern – aber richtig, Stuttgart 2017 (4. Aufl.)
Broschüre des Landesbund für Vogelschutz in Bayern zur Vogelfütterung und Webseite
Michael Wink, Ornithologie für Einsteiger, Kap. 5, Heidelberg 2014 (Neuauflage 2020)

Kleiber auf Nahrungssuche auf grün bemosster Baumrinde
Der Kleiber auf Insektensuche – pflanzliche Kost ist für ihn kein Thema

Was für wen? Pflanzliche Kost

Futterhäuschen hinter einem Fenster, im Balkonkasten wächst eine SonnenblumeFinken, Sperlinge und Ammern gehören zu den Körnerfressern. Mit ihrem kräftigen Schnabel fressen sie Sonnenblumenkerne, Hanfsamen und andere Sämereien.

Körnerfresser zieht es im Garten zu den Samen verblühter Stauden oder von Sonnenblumen, die sich aus Vogelfutter praktischerweise von selbst aussäen. Sogar im Blumenkasten am Fenster: alles gratis!

Interessant fand ich den Hinweis, dass Vögel, die Nestlinge füttern, selbst sehr hungrig sind, aber eigentlich wenig Zeit zum Öffnen der Sonnenblumenkerne haben. Ihnen sind die bereits geschälten fettreichen Samen willkommen.

Ab dem Spätsommer sieht die Sache anders aus: Da müssen sie als Selbstversorger selbst „schälen”!

Neben den Körnerfressern gibt es reine Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Zaunkönig, Amsel und Star. Sie suchen sich ihre Nahrung bevorzugt am Boden, fressen sehr feine Sämereien und ansonsten tierische Kost. Ihnen ist im Winter mit grobem Körnerfutter nicht geholfen. Stare und Amseln mögen aber vielerlei Früchte – auch getrocknete wie zum Beispiel Rosinen.

Ihre Nahrungsvorlieben sind im Sommer ein Problem für Obstbauern und auch für die Gärtnerin, wenn die Vögel von den frischen Früchten naschen. Darum: Die eigenen Beeren und Kirschen zunächst schützen, am Ende der Ernteperiode aber ein paar für die geflügelten Naschkatzen überlassen.

Junger Star wird auf einem Ast mit einer roten Frucht gefüttert
Dem jungen Star schmecken die Himbeeren.

Was für wen? Fleischliche Kost

Viele kleine Singvögel leben ganzjährig von Insekten, Spinnen, Schnecken oder anderen Wirbellosen. Sie ziehen im Herbst nach Süden, um ihren Hunger zu stillen. Oft sind diese Arten an ihrem feinen, eher spitzen Schnabel zu erkennen. Die Mönchsgrasmücke gehört zu diesen Vögeln.

Singende Mönchsgrasmücke mit grauem Gefieder und schwarzer Kopfplatte
Mönchsgrasmücke: ein unermüdlicher Sänger

Wenn Sie im Frühjahr oder Sommer den Eindruck haben, dass durch eine Schlechtwetterperiode die Versorgung von Jungvögeln gefährdet ist, weil die Eltern nicht genug Futter finden, können Sie in einer Tierhandlung auch mal getrocknete Mehlwürmer und anderes Insektenfutter kaufen. Aber: Zunächst nur wenig anbieten, denn manche Vogelarten sind sehr wählerisch.

Blau-violette Blüten mit einer Biene
Im Immergrün summen Bienen und Hummeln.

Viel wichtiger als Insektenkost zu kaufen ist es jedoch im Garten, auf Balkon und Terrasse die Insektenschar zu fördern und solche Pflanzen zu pflegen, die Insekten anlocken. Welche das sind, lässt sich auf Naturschutzseiten im Internet finden.

Grundsätzlich kann man sich merken, dass gefüllte Blüten vielen Insekten den Zugang zu Nektar und Pollen versperren. Also bitte nicht anpflanzen!

Außerdem gilt es zu bedenken, dass Schmetterlinge zwar schön und eigentlich für jeden eine Freude sind. Aber: Der Schmetterling ist nur das „Endstadium“ eines Insekts, das als Ei, als Raupe und Puppe sich auf Pflanzen durchfressen beziehungsweise einen Ruheplatz für die Verwandlung zum Schmetterling finden muss.

Exotische Pflanzen, die für unser Auge vielleicht attraktiv sind, locken eventuell auch Schmetterlinge an, sind aber für andere Stadien derselben Tierart ungenießbar. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Schmetterlingsstrauch oder Sommerflieder. Zwar ernähren seine Blüten unsere heimischen Schmetterlingsarten, aber deren Raupen eben nicht.

Darum: Pflanzen Sie bitte heimische Blumen, Sträucher und Bäume an. Die gedeihen bei uns meist am besten, und die Tierwelt dankt es Ihnen. Achten Sie beim Kauf darauf, hiesige Arten zu finden.

Dunkle Früchte am grünen Laub des Efeus
Winterkost im Vogelgarten: Efeu mit Früchten

Die passenden Pflanzen für Garten, Terrasse und Balkon auszuwählen, ist einerseits wegen der Insekten wichtig und andererseits wegen der Samen und Beeren, die hungrige Vögel im Sommer etwa von den Johannisbeersträuchern stibitzen, im Herbst vom Schwarzen Holunder abknipsen und im Winter vom Efeu picken.

Die Pflanzenfresser werden es Ihnen danken.

In den vogelfreundlichen Garten gehören als Bäume etwa Eberesche („Vogelbeere“), Hainbuche, Traubenkirsche oder Birke. Deren Samen sind in der kalten Jahreszeit für manche Arten höchst attraktiv – gerade auch für Vögel aus dem hohen Norden, die bei uns überwintern.

Wussten Sie, dass sich 63 verschiedene Vogelarten von der Vogelbeere ernähren? Ich bislang nicht. Steht aber in „Vögel willkommen“ (natur, 2018, Nr. 8, S. 24)

Lebensraum schaffen

Singende Amsel sitzt in einer Robinie und singt
Ein singender Amselhahn auf seiner Singwarte in der Robinie

Gebüsch und Bäume sind aus ganz unterschiedlichen Gründen für Vögel wichtig. Manchen Arten dienen die laubfreien Zweige als Singwarte: die Amsel will nämlich gehört und gesehen werden!

Viele Vogelarten brauchen dichtes Laubwerk vor allem als Schutz. Das beobachte ich immer bei unserer „unsichtbaren“ Mönchsgrasmücke, und auch die Ringeltauben verbergen sich gerne. – Kein Wunder, wenn sie andernorts immer noch geschossen werden dürfen!

Ringeltaube mit rosa Brust zwischen den weißen Blüten einer Roninie
Ringeltauben naschen von Blüten der Robinie und verbergen sich gerne zwischen den Zweigen.

Bei Sonne und starkem Regen bieten Blätter jedenfalls Jung und Alt, Klein und Groß ein gutes Versteck und Sicherheit.

Weniger ist mehr

Lassen Sie möglichst nicht jeden „kranken“ Baum fällen, nicht nur Spechte werden es Ihnen danken, weil sie dort Nahrung und eine Nisthöhle finden. Totholz kann sowieso irgendwo im Garten liegen bleiben. Das freut die Insekten und die Insektenfresser. Und Sie brauchen dann kein Insektenhotel einzurichten – oder dafür unmäßig viel Geld auszugeben.

In Ihrem Vogelgarten sollte es wenigstens eine unaufgeräumte Ecke geben. Das freut außer den Vögeln sicher auch die Igelfamilie. Sowieso wird in unseren Gärten zu viel aufgeräumt, gerade im Herbst wird immer noch Laub eingesammelt oder sogar weggesaugt.

Wird der Garten wie ein Wohnzimmer behandelt, landet die Nahrung vieler Vögel praktisch im Müll – bestenfalls auf dem Kompost! Dabei brauchen Insekten und deren Eier gerade im Winter die wärmende Laubschicht, was Rotkehlchen und Amseln, die darunter nach Nahrung suchen, zu schätzen wissen.

Schneebedeckte Fruchtstände im Winter
Winterblumen oder Samen unter einem Schneehäubchen

Und wenn Sie Staudengewächse im Garten haben, dann lassen Sie diese bitte bis zum Frühjahr stehen. Erst dann sollten sie gekürzt werden, denn die Samen sind sowohl hübsch anzusehen, als auch begehrtes Vogelfutter.

Gelb-schwarz-roter Stieglitz auf einem kahlen Zweig mit Samenständen.
Stieglitz-Akrobatik im Herbst, um an die Samen der Birke zu gelangen

Chemie- und torffrei gärtnern

Wer in diesem Blog stöbert, betreut seinen Garten oder Balkon wahrscheinlich sowieso chemiefrei. Und hoffentlich verzichten immer mehr Menschen auch auf Pflanzenerde, die mit Torf angereichert ist. Ich versuche das, aber es ist kein Geheimnis, dass torffrei oder torfreduziert immer auch bedeutet: teuer!

Ein paar Tricks in Sachen“ Chemie vermeiden“: Blattläuse, die meine Pflanzen bedrohen, streiche ich mit Toilettenpapier ab oder setzte – falls vorhanden – einen Marienkäfer an den Stängel. Ihm dabei zuzuschauen, wie er die grünen oder schwarzen Pflanzensaftsauger verspeist, ist durchaus spannendes Kino.
Gegen den Mehltau der Rosen bin ich meistens machtlos. Aber Pflanzen, die gut besonnt stehen, erkranken daran nicht. Kränkelnde brauchen also meist nur einen anderen Platz.

Eine besondere Herausforderung sind alljährlich die Schnecken: Die Weinbergschnecken in unserem Garten sind eine Freude! Tigerschnegel – übrigens Weichtier des Jahres 2005 – sind auf ihre Weise einfach wundervoll. Und die Bänderschnecken überlasse ich hungrigen Drosselvögeln.
Nur gegen eine Überzahl von Nacktschnecken gehe ich vor. Meine Methode ist etwas brutal, aber was tun? Ich sammle sie von den Pflanzen ab, hole sie aus ihren Verstecken unter dem Blattwerk und zerteile sie mit dem Spaten. Und am nächsten Tag sind sie verschwunden – dank der vielen Amseln im Gelände.

Wasser bereitstellen

Stadttaube trinkt Wasser aus einem künstlichen Becken
Durstige Stadttaube am Wasserbecken

Viele geflügelte Stadtbewohner und Gartenvögel brauchen Wasser. Nicht nur zum Trinken, sondern um darin zu baden. Darum gehört eine Vogeltränke in jeden Vogelgarten. Eine größere Schale reicht in der Regel – möglichst mit einem Stein darin oder einem Zweig, der quer darüber liegt beziehungsweise vom Grund zum Beckenrand führt, damit kein Vogel ertrinken kann.

Sieben Spatz inund auf eienr Wasserschale
Eine Badestelle für sieben Sperlinge

Das Vogelbad sollte aus diesem Grund auch nicht tiefer als 2,5 – 5 cm sein. Und bedenken Sie: Wassertonnen sind für Vögel lebensgefährlich, sie können darin ertrinken. Also unbedingt abdecken. Auch Sitzgelegenheiten an Wasserstellen sind wichtig, denn nach dem Bad putzen Vögel sich gerne und trocknen ihr Gefieder. Dabei zuzuschauen, ist erheiterndes Vogel-TV.

Wasser anbieten, aber bedenken

Wasserstelle umgeben vom Grün eines Gartens und mit Zweig als Sitzplatz
Hier gibt es Ruheplätzchen nach dem Bad.

Wer Wasser bereitstellt, macht sich Arbeit: Bitte reinigen Sie die „Badewanne“ mindestens einmal wöchentlich mit einer Bürste und ersetzen Sie das Wasser regelmäßig. Nützlich ist, einen Platz im Schatten zu suchen, denn dort vermehren sich die Algen nicht so stark.
Damit Vögel vor Katzen sicher sind, sollte man das Wasser möglichst erhöht aufstellen oder in einen Baum hängen. Eine Anleitung dazu, wie sich ein Wassergefäß aufhängen lässt, hat der NABU auf seiner Webseite.
Alternativ stellen Sie die Schale so auf, dass sie möglichst frei steht – also entfernt vom Gebüsch. So können die Vögel bemerken, wenn sich eine Katze anschleicht. Und ihr Weg dorthin ist weit genug, wenn sie bereits unter dem Gebüsch lauert.

Sand zum Baden

Wer Federn hat, hat meist mit allerlei Quälgeistern im Gefieder zu kämpfen, zum Beispiel mit Milben, Flöhen und Federläusen. Der Haussperling und andere geflügelte Arten lieben daher das Sandbaden.

Falls Sie in einer sonnigen Ecke Platz für einen flachen Sandhaufen haben, etwas Sand an die Terrasse oder auf einen Gehweg schütten, machen Sie Vögeln und sich selbst eine Freude. Die quirligen Sperlinge tummeln sich flügelschlagend im Sand und hinterlassen so kreisrunde Kuhlen, die sie immer wieder benutzen.

Schutz vor Feinden

Kleine Vögel werden von größeren gefressen. Das lässt sich nicht verhindern. Sperber haben es dezidiert auf spatzengroße Arten abgesehen, für Habichte sind vor allem Tauben ein bevorzugter Leckerbissen. Krähen, Elstern und Eichelhäher räubern Nester aus und fressen Jungvögel. Das ist gelebte Biologie.

Habicht auf einem Robinienast hat einen erjagten Singvogel im Schnabel.
Der Habicht bevorzugt Tauben als Beute, manchmal reicht ihm ein Spatz.

Bitte beachten: Freilaufende Katzen töten und fressen kleinere Vögel und vor allem unerfahrene Jungvögel. Wir sollten also nicht nur dafür sorgen, dass Futter- und Badestellen generell für Katzen ungünstig liegen, sondern insbesondere Jungvögel schützen. Sind sie gerade erst ausgeflogen, dann sollte die Katze möglichst im Haus bleiben. Vor allem in den ersten Stunden sind die Vogelkinder „dumm“, noch unsicher im Fliegen und am Boden besonders gefährdet.

Tipps für vogelfreundliches Gärtnern gibt es hier
Kleine Ratgeber mit vielen Infos:
Helga Hofmann, Gartenparadies für Vögel, Gräfe und Unzer, 2017
Ursula Kopp, Mein vogelfreundlicher Garten, Bassermann, 2020
Kluge Berichte mit Witz und Ironie:
Claudia Koppert, Im Vogelgarten, Atelier im Bauernhaus, 2019
Christiane Habermalz, Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam, Heyne, 2020

Wohnungsnot mindern

Für viele Vogelarten ist heutzutage die Wohnungsnot groß: Durch Wärmedämmung und Fassadensanierung gehen gerade in Großstädten wichtige Nistplätze für Sperlinge und Mauersegler verloren. Umweltschutzorganisationen informieren und helfen, wenn Sie Nistmöglichkeiten schaffen wollen.

Passende Unterkünfte und der Modder, den sie zum Nestbau brauchen, fehlen auch den Rauchschwalben und den Mehlschwalben. Darum bieten Vogelliebhaber auch künstliche Brutgelegenheiten an.

Künstliche und natürlich Mehlschwalben-Nester
Mehlschwalben brüten in künstlichen und natrlichen Nestern.

Wenn alte Bäume immer sofort gefällt werden, haben es Höhlenbrüter wie Specht, Kleiber und Waldkauz schwer, in unseren Gärten eine Nistgelegenheit zu finden. Dieser Grünspecht inspiziert eine Baumhöhle.

Grünspecht sitzt am Baumstamm vor einem Eingangsloch zur Nisthöhle.
Grünspecht bei der Wohnungssuche

Ein Platz fürs Nest

Es gibt alle möglichen Angebote, um den einen oder anderen Mangel an Nistmöglichkeiten zu kompensieren. Informationen finden sich auf den Webseiten von Naturschutzorganisationen wie NABU und LBV. Dort erfahren Sie, worauf es bei der Auswahl eines Nistkastens ankommt, wo er hängen sollte und wie es in Eigenregie hergestellt wird.

Manchmal dauert es übrigens lange, bis Vögel die menschlichen Angebote annehmen – durchaus zwei, drei Jahre. Also, hängen lassen und abwarten!

Spatz mit Nistmaterial imSchnabel fliegt übers Dach
Hier wird unter Dachziegeln gebaut und gebrütet

Schöner finde ich es allerdings, den Spatz direkt unterm Dach wohnen und rumoren zu haben. Haussperling und Mauersegler sind Gebäudebrüter. Sie profitieren von Schlupfwinkeln unter dem Dach oder in alten Jalousiekästen.

Mauersegler am blauen Himmel mit ausgebreiteten Schwingen
Mauersegler in Abendsonne

Vielen Vogelarten hilft es, wenn an einer Hauswand Wein hochrankt oder Efeutriebe sich um Bäume ranken. Auch Hopfen und die Waldrebe schaffen grüne Wände und gut geschützte Nistmöglichkeiten. Garten- und Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Rotkehlchen und Buchfink bauen im dichten Bewuchs gerne ihr Nest, las ich in einer alten Ausgabe von natur (1988, Nr. 3, S. 96)

Soweit meine Anregungen und schlichten Tipps.

Aufgeplustertes Rotkehlchen sitzt auf einem Pfahl und hat den Schnabel geöffnet.
Das Rotkehlchen singt auch im Winter und wird im Garten oft sehr zutraulich.


Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

6 Kommentare zu “Hier sind Vögel willkommen

  1. Ein sehr gelungener Bericht, viele Menschen kennen sich mittlerweile gar nicht mehr oder nur sehr schlecht mit den gängigen Vogelarten und ihren Bedürfnissen aus, deshalb ist dies ein sehr wertvoller Beitrag, das wieder zu ändern, weiter so! Ich selbst habe erfolgreich viele Nistmöglichkeiten für Gartenvögel (und andere Tiere) geschaffen, sehr zum Missfallen einer Nachbarsfamilie, die sich am Vogelkot (ich glaube mittlerweile an der ganzen belebten Natur) stört (sie sind Besitzer zweier Gärten des Grauens)….

  2. Ein toller Beitrag zu einem Thema, dem dringend wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Das „Grundwissen“ um Vögel und ihre Bedürfnisse ist bei vielen Menschen mittlerweile nicht mehr vorhanden oder stark veraltet. Dazu kommt, dass die Besitzer eines „Gartens des Grauens“ oder „Psychopathengartens“, wie Prof. Dr. Peter Berthold diese Gärten in einem Interview mal nannte, die „Scheißer“ gar nicht wollen, sie regen sich sogar zusätzlich noch über Nachbarn mit Nistkästen auf….
    Ich kann (nach jahrelanger ganzjähriger Fütterung) nur die Aussagen von Herrn Berthold bestätigen, dass Vögel gerade in der Zeit der Jungenaufzucht das meiste Futter brauchen, da sie hier den größten Energiebedarf haben. Sie werden dabei auch nicht von den Futterstellen abhängig, da sie das Futter (am besten geeignet ist Fettfutter als schnelle Energiequelle) selbst fressen und dann mehr Zeit haben, für ihre Jungen Futter zu suchen; ganz selten sehe ich Elterntiere, die wohl in größter Not, ihre Jungen mal mit ein wenig Fettfutter füttern. Ohne eine Fütterung während der Jungenaufzucht fressen die Elterntiere aber zusätzlich das wenige von Natur aus vorhandene Futter, das sie für ihre Jungen bräuchten weg und es kommen deutlich weniger Jungvögel pro Brut durch.
    Der Mangel an Brutplätzen ist z.T. riesengroß, bei einer Bekannten hat jetzt eine Kohlmeise in einem Deko-Vogelhaus, das auf einer Bank vor dem Eingang stand Quartier bezogen….(es wurde mittlerweile erfolgreich an einen sichereren Ort verbracht).

  3. Danke für diesen ausführlichen Bericht mit den schönen Darstellungen. Hat mein Wissen mal wieder
    bereichert.
    Was das Nahrungsangebot im Umland betrifft, so bin ich beim Anblick der blühenden Rapsfelder sehr gespalten:
    einerseits erfreut es das Auge, andererseits frage ich mich, wo hier noch ein Leben für Insekten bzw. Vögel
    möglich ist. Meilenweit gelb, aber kein Kräutchen dazwischen – das finde ich schlimm !!!

    1. Ja, liebe Gabriele, die gelben Rapsfelder – schön fürs Auge, aber ein Problem. Die Blüten locken Hummeln an und sorgen für deren Vermehrung, aber nach der Rapsblüte finden Hummeln zu wenig Nektar auf den Agrarflächen, und verhungern. Zur Biodiversität trägt der Raps wirklich nicht bei.

    1. Vielen Dank für deinen Hinweis. Die Fotos unter „Gärten des Grauens“ machen das Problem sehr deutlich – und wer auf diesen Kanälen unterwegs ist, unbedingt anschauen. In einer einzigen Straße in einem niedersächsischen Neubaugebiet sah ich kürzlich gleich fünf Schottergärten.

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