Spielen mit Vogelarten

Die quadratishe Schachtel des Brettspiels Flügelschlag, mit einem fliegenden Vogel, der seine flügelspannweite demonstriert.In der oft schummerigen Winterzeit sind traditionelle Gesellschaftsspiele sehr beliebt. Immer wieder gibt es auch neue Spiele, die unterhaltsam und attraktiv gestaltet sind. Zu den erfolgreichen zählt das Brettspiel Flügelschlag, das 2019 in Deutschland auf den Markt kam.¹ Es wird manchmal mit meinem Vogelblog Flügelschlag und Leisetreter, der bereits seit 2016 online ist, verwechselt.

Der englische Titel dieses strategischen Brettspiels US-amerikanischer Provenienz aus dem Verlagshaus Stonemaier lautet übrigens Wingspan – also Flügelspannweite. Darauf spielt auch die Grafik auf der quadratischen Schachtel an: ein Scherenschwanz-Königstyrann mit ausgebreiteten Flügeln.

Spieleentwickler und Spieleentwicklerinnen haben schon vielerlei Spiele entworfen, in denen die Natur und sogar Vögel eine zentrale Rolle spielen. Dieses auch solo zu spielende und mittlerweile als Computerspiel veröffentlichte Brettspiel, beeindruckt mich als Biologin vor allem deshalb: Es verlangt von den Spielenden, dass sie sich mit den Vögeln, die auf den 170 Vogelkarten abgebildet sind, intensiver beschäftigen. Und es macht klar, wie unterschiedlich die Lebensweise und Bedürfnisse der einzelnen Arten sind.

Ansprüche der Vögel

Während bei einem Memory-Spiel mit verschiedenen Vögeln nur die Zuordnung stimmen muss – wo nochmal liegt der passende zweite Kernbeißer? – gilt es in diesem Strategiespiel, die Ansprüche einer Vogelart an ihre natürliche Umwelt zu berücksichtigen. Auslegen lässt sich eine Vogelkarte daher nur in einem (manchmal auch in zwei oder drei) von insgesamt drei Lebensräumen. Das sind Wald, Wiese und Wasser. Diese grob umrissenen Biotope sind auf den Vogelkarten und auf der farbigen Tafel („Tableau”), die jeder und jede beim Spielen vor sich liegen hat, abgebildet.

Die Spielertafel des Flügelschlag-Spiels mit drei Vogelkarten in der Hand.
Das „Tableau”, auf dem die Vogelkarten in Biotoptypen abgelegt werden und wo mit den kleinen „Aktionswürfeln” gespielt wird.

Aber der passende Lebensraum ist längst nicht alles, was zu beachten ist, um im Verlauf des Spiels möglichst viele Punkte durch gehortete Eier, ausgelegte Vogelkarten oder mittels Bonuskarten zu sammeln. Je nach Vogelart wird die eine oder andere Nahrung benötigt, etwa knackige rote Beeren vom Zedernseidenschwanz oder frischer Fisch vom Amerikanischen Schlangenhalsvogel.

Spielende müssen außerdem darauf achten, ob die Vögel ihrer Vogelkarten viele oder wenige Eier legen, welche Art von Nest sie bauen und wie groß die Flügelspannweite ist. Außerdem sind manche Vögel wertvoller als andere, bringen also am Ende mehr Punkte, weil sie selten und/oder anspruchsvoll sind.

All diese Informationen sind den Vogelkarten zu entnehmen, die außer dem deutschen Artnamen auch den wissenschaftlichen Namen und eine schön gezeichnete Abbildung des Vogels zeigen. Die Ausstattung des Spiels Flügelschlag ist durchaus eine Augenweide: 75 pastellfarbene Eier, 103 bunte Futterkärtchen und 5 Futterwürfel, die nicht über den Tisch rollen, sondern aus einem sogenannten Würfelturm purzeln.

Dass dieser auch als Vogelhäuschen bezeichnet wird, macht auf eine Krux des Spiels aufmerksam. Die Anleitung mit den Regeln erscheint umständlich und ist teils schwer verständlich, obwohl sie keineswegs lieblos gemacht ist.

Kleine Mankos des Spiels Flügelschlag

Drei Vogelkarten des Flügelschlag-Spiels in der Hnad, die alle amerikanische Arten zeigen. in der Hnad
Drei Vogelkarten in der Hand mit Arten, die nur in Amerika leben.

So ansprechend gestaltet und informativ die einzelnen Vogelkarten auch sind, ein Manko besteht: Wer das Spiel kauft, bekommt mit der Erstausstattung amerikanische Vogelarten in die Hand, von denen nur wenige auch bei uns vorkommen.

Auf den kleinen Weltkarten sind die Arten jeweils geographisch verortet.

Nur als Ergänzung ist die europäische Vogelwelt im Handel. Für Weitgereiste und andere Interssierte hat der Spieleverlag Feuerland mittlerweile auch die Vogelwelt Ozeaniens im Angebot.

Verwirrung stiftet zum Teil die Begrifflichkeit in der Anleitung, etwa „Futtermarker“. Denn hier wird nichts markiert – vielmehr handelt es sich um runde „Futtermarken“. Oder: Es heißt „Spielt einen Vogel aus eurer Hand“, anstatt: Spielt eine Vogelkarte aus, indem ihr sie auf eure „Spieltafel“ legt. Und wer mehr Eier auf Vogelnester platzieren will oder sie anderweitig braucht, der liest: „Legt Eier und aktiviert die Graslandvogelfähigkeiten.“ Zum Spielen braucht man „Aktionswürfel“, mit denen allerdings nicht gewürfelt wird. Sie werden gesetzt.

Trotz dieser kritischen Anmerkungen lohnt es, das Spiel zu erwerben. Etwaige Startschwierigkeiten lassen sich überwinden. Nach und nach zeigt sich dann, welche Strategien lohnenswert sind, und schon beginnt der Spaß.

Das Gute ist: Im Internet findet sich neben einer straffen Anleitung vom Spieleverlag Feuerland, ein bunter Strauß von Spielern und Spielerinnen, die mal flott und mal langatmig vorführen, wie das Spiel funktioniert. Manchmal sind die Protagonisten beim Erklären von Regeln, bei ihren jeweiligen strategischen Überlegungen und bei ihrem Disput über Fehler, die sie selbst machen, äußerst amüsant.

¹ In Deutschland hat der Verlag Feuerland das Spiel auf den Markt gebracht. Es wurde als Kennerspiel des Jahres 2019 und mit dem Deutschen Spielepreis 2019 ausgezeichnet.

 

Spiel-Autorin: Elizabeth Hargrave
Grafik: Ana M. Martinez, Jaramillo N. Rojas, Beth Sobel
Verlag: Feuerland Spiele (D)
Erscheinungsjahr: 2019



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