Wie ein Hummelschwarm

18. Dezember 2016 | Kleine Vögel | 5 Kommentare

Schwarz-gelb gefärbte Tierchen flattern vor einem Wald durch das Foto.

Wie ein Schwarm von Hummeln

Auf den ersten Blick sieht das hier nach schwarz-gelb gemusterten Hummeln oder Bienen aus. Ein Schwarm, der das Weite sucht. Warum auch immer. Aber es war ganz anders: Das hier ist ein Schwarm von weit über hundert Stieglitzen – ein Ausschnitt davon. Sie flogen plötzlich aus den Schwarzerlen heraus, die an einem Zufluss der Nuthe stehen. Vor zwei Tagen war ich im Nuthetal unterwegs, genauer im Nuthe-Nieplitz-Naturpark im Südwesten von Berlin.

Die quirligen Gesellen flogen kurze Zeit in gebührendem Abstand neben mir, denn mein Weg folgte dem erlenbestandenen Entwässerungsgraben. Sie setzten sich auch mal auf den leicht überfrorenen Wiesenboden, flogen dann wieder auf, machten einige Schwenks und landeten erneut in einer der Erlen. Dorten trafen sie auf Zeisige, die aus den Erlenzapfen die Samen pickten. Und pötzlich stob die ganze Meute davon.

Viele Stieglitze haten sich auf einer Wiese nidergelassen und fliegen wieder hoch.

Vom Boden auffliegender Schwarm

Wie farbenfroh der Stieglitz mit seinem leuchtend roten Gesicht und dem schwarz-gelben Federkleid ist, habe ich schon mal beschrieben. Im Vergleich dazu ist der Zeisig unauffällig, sein Gefieder grau-grünlich mit einer etwas lauen gelben Zeichnung auf den Flügeln.

Stieglitze und Erlenzeisige in einer Erle

Stieglitze und Zeisige zupfen Samen aus den Erlenzapfen.

Den Zeisig, der auch Erlenzeisig genannt wird,  sieht man man meist in Birken und Erlen, die Samen tragen. Dort hängt er häufig kopfüber, um aus den kleinen runden Zapfen die Samen herauszuzupfen. Zeisig und Stieglitz verstehen sich gut, sind oft „vergesellschaftet“ – wie Biologen sagen.

Schwarm von gelb-schwarzen Stieglitze im Abflug

Der Vogelschwarm verlässt mich.

Beide Finkenarten sind Teilzieher, machen also von Klima und Nahrungsangebot abhängig, wie weit sie im Winter ziehen.

Der erstaunliche Schwarm, der mir begegnete, ist vermutlich auf der Durchreise. Denn im nördlichen Europa wird es derzeit immer kälter. – Vielleicht hast du ebenfalls Stieglitze auf dem Weg nach Südwesten gesehen. Das würde mich interessieren.

Mein Abschied vom großen bunten Finkenschwarm hatte etwas Programmatisches: Der Stieglitz ist nur noch wenige Tage Vogel des Jahres. Er wird jetzt abgelöst vom Waldkauz, den der NABU und sein bayerischer Partner LBV zum Vogel des Jahres 2017 gekürt haben.

Stieglitz = Distelfink | Chardonneret elégant | Goldfinch | Carduelis carduelis

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

5 Kommentare

  1. Mehr als 200 Stieglitze in einem Schwarm heute, 10. Januar 2018 um 15 Uhr, über dem NSG Rieselfelder Appelhülsen nahe Münster.

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    • Das muss ein buntes munteres Treiben gewesen sein. Beneidenswert!

  2. Ach ja: Bei uns, das heißt in der südlichen Oberpfalz, zwischen Regensburg und Landshut…

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    • Irgendwie beruhigend, dass sie bei diesem unwirtlichen Wetter doch immer wieder ihre Nahrung finden. Das kann natürlich auch bedeuten, dass die Stieglitze weiter nach Südwesten fliegen müssen, wenn in Berlin oder auch in der Oberfalz alles in Schnee und Eis versinkt.

  3. … Und heute sind sie bei uns! Ein riesiger Schwarm hat heute den ganzen Tag bei uns in den Erlen und Espen, die unseren Garten eingrenzen, verbracht… Ein beeindruckendes Erlebnis für Augen und Ohren…

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Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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