Auf den ersten Blick sieht das hier nach schwarz-gelb gemusterten Hummeln oder Bienen aus. Ein Schwarm, der das Weite sucht. Warum auch immer. Aber es war ganz anders: Das hier ist ein Schwarm von weit über hundert Stieglitzen – ein Ausschnitt davon. Sie flogen plötzlich aus den Schwarzerlen heraus, die an einem Zufluss der Nuthe stehen. Vor zwei Tagen war ich im Nuthetal unterwegs, genauer im Nuthe-Nieplitz-Naturpark im Südwesten von Berlin.
Die quirligen Gesellen flogen kurze Zeit in gebührendem Abstand neben mir, denn mein Weg folgte dem erlenbestandenen Entwässerungsgraben. Sie setzten sich auch mal auf den leicht überfrorenen Wiesenboden, flogen dann wieder auf, machten einige Schwenks und landeten erneut in einer der Erlen. Dorten trafen sie auf Zeisige, die aus den Erlenzapfen die Samen pickten. Und pötzlich stob die ganze Meute davon.
Wie farbenfroh der Stieglitz mit seinem leuchtend roten Gesicht und dem schwarz-gelben Federkleid ist, habe ich schon mal beschrieben. Im Vergleich dazu ist der Zeisig unauffällig, sein Gefieder grau-grünlich mit einer etwas lauen gelben Zeichnung auf den Flügeln.
Den Zeisig, der auch Erlenzeisig genannt wird, sieht man man meist in Birken und Erlen, die Samen tragen. Dort hängt er häufig kopfüber, um aus den kleinen runden Zapfen die Samen herauszuzupfen. Zeisig und Stieglitz verstehen sich gut, sind oft „vergesellschaftet“ – wie Biologen sagen.
Beide Finkenarten sind Teilzieher, machen also von Klima und Nahrungsangebot abhängig, wie weit sie im Winter ziehen.
Der erstaunliche Schwarm, der mir begegnete, ist vermutlich auf der Durchreise. Denn im nördlichen Europa wird es derzeit immer kälter. – Vielleicht hast du ebenfalls Stieglitze auf dem Weg nach Südwesten gesehen. Das würde mich interessieren.
Mein Abschied vom großen bunten Finkenschwarm hatte etwas Programmatisches: Der Stieglitz ist nur noch wenige Tage Vogel des Jahres. Er wird jetzt abgelöst vom Waldkauz, den der NABU und sein bayerischer Partner LBV zum Vogel des Jahres 2017 gekürt haben.
Stieglitz = Distelfink | Chardonneret elégant | Goldfinch | Carduelis carduelis
Mehr als 200 Stieglitze in einem Schwarm heute, 10. Januar 2018 um 15 Uhr, über dem NSG Rieselfelder Appelhülsen nahe Münster.
Das muss ein buntes munteres Treiben gewesen sein. Beneidenswert!
Ach ja: Bei uns, das heißt in der südlichen Oberpfalz, zwischen Regensburg und Landshut…
Irgendwie beruhigend, dass sie bei diesem unwirtlichen Wetter doch immer wieder ihre Nahrung finden. Das kann natürlich auch bedeuten, dass die Stieglitze weiter nach Südwesten fliegen müssen, wenn in Berlin oder auch in der Oberfalz alles in Schnee und Eis versinkt.
… Und heute sind sie bei uns! Ein riesiger Schwarm hat heute den ganzen Tag bei uns in den Erlen und Espen, die unseren Garten eingrenzen, verbracht… Ein beeindruckendes Erlebnis für Augen und Ohren…