Aufrecht und langbeinig

15. September 2025 | Kleine Vögel | 0 Kommentare

Auf einem Stein in trockenem Gelände steht aufrecht ein Vogel.

Isabellsteinschmätzer, eine von 21 Steinschmätzer-Arten weltweit

Weltweit gibt es 21 Steinschmätzer-Arten. Sie zählen als eigene biologische Gattung zur Familie der Drosseln. Doch anders als „Familienmitglieder“ wie die Amsel oder die Nachtigall leben sie nicht in Gärten, im Gebüsch von Grünanlagen, in der Krone von Straßenbäumen oder im Wald, sondern bevorzugen offenes Gelände mit Geröll, das von Felsen durchsetzt sein darf, oder auch Heideflächen. Zu beobachten sind Steinschmätzer vor allem in ariden Regionen.

Hierzulande haben wir es am ehesten mit dem Grauen Steinschmätzer oder schlicht Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) zu tun, der für seine unglaublich lange Zugstrecke berühmt ist: sie ist mit bis zu 14.000 km die weiteste unter den Singvögeln.*

Aber um diese Art geht es hier nicht, sondern um einen Verwandten, den auffällig angbeinigen Isabellsteinschmätzer (Oenanthe isabellina).

Ein nahezu schwarzer, kleiner Vogel mit einer weißen Schädeldecke steht im Wüstensand

Saharasteinschmätzer: außergewöhnlich finster

Der lief mir bei einer Vogelreise in Armenien gewissermaßen über den Weg.

Er sieht ganz anders aus als etwa der Saharasteinschmätzer (Oenanthe leucopyga) mit seinem sehr dunklen Federkleid.

Diesen Saharasteinschmätzer sah ich in Marokko jenseits des Hohen Atlas und habe schon früher hier im Blog von ihm berichtet.

Was die verschiedenen Steinschmätzer verbindet

Das Federkleid der einzelnen Arten ist ähnlich und doch sehr verschieden, wie der Sahara- und der Isabellsteinschmätzer vorführen. Es dominieren bei den männlichen Vertretern generell die Farben Weiß, Schwarz und ein sanftes Beige oder Grau. Nur wenig kontrastreich ist das Äußere des beige-braunen Isabellsteinschmätzers.
Die weiblichen Steinschmätzer sind häufig sandfarben, also unauffällig. Die Arten sind schwer zu unterscheiden, wenn zwei unterschiedliche im selben Areal vorkommen.
Die meisten Mitglieder der Gattung Steinschmätzer kommen auf eine Größe von 14 bis 15 cm. Der langbeinige Isabellsteinschmätzer wirkt schon auf den ersten Blick größer, und er ist es mit rund 16 cm tatsächlich auch.
Steinschmätzer haben einen kurzen Schwanz, und ihr dunkler Schnabel ist weder besonders groß noch kräftig.
Typisch für die Steinschmätzer ist außerdem, dass sie fast immer am Boden unterwegs sind und dort ihre krabbelnde beziehungsweise flugfähige Nahrung ergattern. Dabei hüpfen sie oft auf zwei Beinen.

Ein kleiner, bräunlicher Vogel steht in trockenem Gelände auf einem Stein. Vor ihm fliegt ein Insekt.

Hoch aufgerichtet und ein Insekt im Fokus


Kleine Namenskunde
Der erste Teil des Namens Steinschmätzer bezieht sich auf sein auffälliges Verhalten: Gerne stehen diese Vögel auf einem Stein oder einer anderen Erhebung, um so das Umfeld zu überblicken. Entdecken sie ein Insekt, so heben sie kurz ab, um es zu erwischen. Am Boden suchen oder verfolgen sie gesichteten Beute oft auch „zu Fuß“.

Der zweite Teil ihres deutschen Namens bezieht sich auf den Gesang, der teilweise schmatzend oder gepresst wirkt, obwohl er in der Regel auch klare, helltönende Elemente enthält. Im Handbuch der Vögel Mitteleuropas spricht der Autor von „pfeifend-schmatzend-kratzenden Oenanthe-Motiven“ in den sehr vielfältig gestalteten Strophen.¹


Die Farbnuance „Isabell”

Seine deutsche Bezeichnung verdankt der Isabellsteinschmätzer der beige bis hellbraunen Gefiederfarbe, die bei den männlichen und weiblichen Vertretern sehr ähnlich ausfällt. Der Farbton, der als milchkaffee-artig beschrieben wird, nennt sich „Isabell”. Auch in der wissenschaftlichen Nomenklatur, im Französischen und im Englischen ist dieses Charakteristikum in die Namensgebung eingegangen.²

Der kleine Vogel auf einem Stein stehend zeigt seine helle Unterseite.

Ober- und Unterseite sind hell getönt

Der Isabellsteinschmätzer bewohnt Halbwüsten und trockene Steppengebiete der Nordhalbkugel (zentralen Paläarktis). Dort ist er mit seiner Gefiederfarbe ideal an den Untergrund und die Vegetation angepasst. Das Brutgebiet erstreckt sich von China bis zum Schwarzen Meer und breitet sich über Nordgriechenland langsam westwärts aus. Mit dem Klimawandel kommt er uns in Deutschland absehbar immer näher.

Auf einem Hügel zwischen Gräsern und violetten blüten steht ein kleiner Vogel.

Nicht immer leicht zu entdecken: Isabellsteinschmätzer in Armenien

Der bräunliche kleine Vogel fällt in seiner Umgebung kaum auf..

Mit dem sandfarbenen Federkleid gut angepasst (Farbnuance: Isabell)

In der Regel erhascht der Vogel seine Beute am Boden. Dort schnappt er sich Ameisen und Käfer, Wanzen und Termiten, Hautflügler und Fliegen, Tausendfüßler und Skorpione sowie seltener Fluginsekten wie Schmetterlinge und Libellen. Manchmal erwischt er die Beutetiere auch im Flug.

In seinem Habitat

Es ist schon einige Jahre her, dass ich mit einer kleinen Gruppe von Vogelbegeisterten in diesem trockenen, heißen und abgelegenen Gebiet bei Vedi in Armenien unterwegs war. Da fiel mir der aparte Vogel erstmals auf, nachdem sich gerade ein Wiedehopf hatte blicken lassen.

Eine Schotterpiste führt durch beigefarbenes hügelland.

Habitat des Isabellsteinschmätzers in Armenien

In einer beigefarbenen, trockenen Hügel,landschaft, Weiden, Kühe.

Wo Kühe weiden, gibt es mehr Insekten

Isabellsteinschmätzer sehen geradezu elegant aus, wenn sie hochbeinig auf einem Stein stehen und in die Ferne (oder Nähe) blicken. Ihre Gestalt lässt das vermüllte Umfeld – wir befanden uns etwas abseits der Zivilisation auf einer Schotterpiste in Richtung Mülldeponie – schnell vergessen.

In einem trockenen Gelände mit viel Müll steht hinten ein verlassenes Haus, vorne hockt auf einem Stein ein kleiner Vogel.

Verlassenes Gelände am Weg zu einer Mülldeponie

Kurz darauf zeigte sich: Wir hatten es nicht nur mit einem einzelnen, sondern mit mindestens zwei weiteren Vögeln zu tun, die ganz offensichtlich ihren Nachwuchs versorgten. Verborgen wartete der in einer Felsnische. – Die neugierigen Ornis aus Deutschland waren da offensichtlich ein Störfaktor. Denn die Eltern – mit Futter im Schnabel – trauten sich zunächst nicht an das im Felsgestein verborgene Nest heran.

Ein kleiner brauner Vogel steht vor Felsgestein.

Zögerlich

Ein kleiner brauner Vogel steht vor Felsgestein.

Mutig

Ein kleiner brauner Vogel steht vor Felsgestein.

Fast geschafft

Der Isabellsteinschmätzer legt sein Nest immer nah am Boden an. Oft im Fels, unter großen Steinen oder in Ruinen, aber manchmal auch in einer Bodenkuhle oder bodennah in Staudengewächsen. Es besteht aus locker verarbeiteten Halmen und Stängeln und wird innen mit verwobenen feinen Pflanzenteilchen, mit Haaren und Federchen ausgepolstert.

Die Zahl der Eier variiert zwischen 3 und 7. Nach einer Brutzeit von 12 Tagen schlüpfen die Jungen, die zwei Wochen später das Nest verlassen, aber von da an zwei weitere Wochen geführt und gefüttert werden. All das und Vieles mehr verrät mir das Handbuch der Vögel Mitteleuropas.³ Es ist immer wieder ein gute Informationsquelle.

Isabellsteinschmätzer | Traquet isabelle | Isabelline Wheatear | Oenanthe isabellina

¹ Urs N. Glutz von Blotzheim (Hrsg.), Aula-Verlag, Wiesbaden 1985, 2. Aufl., Bd. 11.1, S. 516 ff.)
² Sowohl bei Vögeln als auch bei bestimmten Zuchtformen von Pferden, Katzen und Hunden findet sich diese Bezeichnung der Farbnuance.
³ Urs N. Glutz von Blotzheim (Hrsg.), Aula-Verlag, Wiesbaden 1985, 2. Aufl., Bd. 11.1, S. 523 ff.)

* Der (Graue) Steinschmätzer ist in Deutschland häufiger als durchziehender Zugvogel zu sehen, denn als Brutvogel. Seine Brutgebiete liegen im Dünengelände an der Nordsee, auch in Heidelandschaften und auf ehemaligen Truppenübungsplätzen von Ostdeutschland oder, wie ich kürzlich berichtet habe, in hochalpinen Regionen.

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

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Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Am Rand von Feldern, einem Teich und dörflicher Umgebung steht etwas erhöht ein grau-brauner hühnerartiger Vogel.

2026 Das Rebhuhn

Drei dunkle Hausrotschwänze in einer Grafik. Links der weibliche Vogel rechts davon der männliche, beide mit roten Schwanzfedern. Der männliche Vogel ist an weißen Federn am Kopf und auf den Flügeln zu erkennen. Ganz rechts auf der Grafik und neben den Eltern ein dunkelbraun-grauer Jungvogel.

2025 Der Hausrotschwanz

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Das Rotkehlchen

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Der Wiedehopf

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Drei schwarzköpfige Möwen im sogenannten Prachtkleid oder Brutkleid. In der Mitte steht die Lachmöwe mit orangerotem Schnabel und ebensolchen Beinen.

2025  Die Lachmöve

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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