Weltweit gibt es 21 Steinschmätzer-Arten. Sie zählen als eigene biologische Gattung zur Familie der Drosseln. Doch anders als „Familienmitglieder“ wie die Amsel oder die Nachtigall leben sie nicht in Gärten, im Gebüsch von Grünanlagen, in der Krone von Straßenbäumen oder im Wald, sondern bevorzugen offenes Gelände mit Geröll, das von Felsen durchsetzt sein darf, oder auch Heideflächen. Zu beobachten sind Steinschmätzer vor allem in ariden Regionen.
Hierzulande haben wir es am ehesten mit dem Grauen Steinschmätzer oder schlicht Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) zu tun, der für seine unglaublich lange Zugstrecke berühmt ist: sie ist mit bis zu 14.000 km die weiteste unter den Singvögeln.*
Aber um diese Art geht es hier nicht, sondern um einen Verwandten, den auffällig angbeinigen Isabellsteinschmätzer (Oenanthe isabellina).
Der lief mir bei einer Vogelreise in Armenien gewissermaßen über den Weg.
Er sieht ganz anders aus als etwa der Saharasteinschmätzer (Oenanthe leucopyga) mit seinem sehr dunklen Federkleid.
Diesen Saharasteinschmätzer sah ich in Marokko jenseits des Hohen Atlas und habe schon früher hier im Blog von ihm berichtet.
Was die verschiedenen Steinschmätzer verbindet
Das Federkleid der einzelnen Arten ist ähnlich und doch sehr verschieden, wie der Sahara- und der Isabellsteinschmätzer vorführen. Es dominieren bei den männlichen Vertretern generell die Farben Weiß, Schwarz und ein sanftes Beige oder Grau. Nur wenig kontrastreich ist das Äußere des beige-braunen Isabellsteinschmätzers.
Die weiblichen Steinschmätzer sind häufig sandfarben, also unauffällig. Die Arten sind schwer zu unterscheiden, wenn zwei unterschiedliche im selben Areal vorkommen.
Die meisten Mitglieder der Gattung Steinschmätzer kommen auf eine Größe von 14 bis 15 cm. Der langbeinige Isabellsteinschmätzer wirkt schon auf den ersten Blick größer, und er ist es mit rund 16 cm tatsächlich auch.
Steinschmätzer haben einen kurzen Schwanz, und ihr dunkler Schnabel ist weder besonders groß noch kräftig.
Typisch für die Steinschmätzer ist außerdem, dass sie fast immer am Boden unterwegs sind und dort ihre krabbelnde beziehungsweise flugfähige Nahrung ergattern. Dabei hüpfen sie oft auf zwei Beinen.
Kleine Namenskunde
Der erste Teil des Namens Steinschmätzer bezieht sich auf sein auffälliges Verhalten: Gerne stehen diese Vögel auf einem Stein oder einer anderen Erhebung, um so das Umfeld zu überblicken. Entdecken sie ein Insekt, so heben sie kurz ab, um es zu erwischen. Am Boden suchen oder verfolgen sie gesichteten Beute oft auch „zu Fuß“.
Der zweite Teil ihres deutschen Namens bezieht sich auf den Gesang, der teilweise schmatzend oder gepresst wirkt, obwohl er in der Regel auch klare, helltönende Elemente enthält. Im Handbuch der Vögel Mitteleuropas spricht der Autor von „pfeifend-schmatzend-kratzenden Oenanthe-Motiven“ in den sehr vielfältig gestalteten Strophen.¹
Die Farbnuance „Isabell”
Seine deutsche Bezeichnung verdankt der Isabellsteinschmätzer der beige bis hellbraunen Gefiederfarbe, die bei den männlichen und weiblichen Vertretern sehr ähnlich ausfällt. Der Farbton, der als milchkaffee-artig beschrieben wird, nennt sich „Isabell”. Auch in der wissenschaftlichen Nomenklatur, im Französischen und im Englischen ist dieses Charakteristikum in die Namensgebung eingegangen.²
Der Isabellsteinschmätzer bewohnt Halbwüsten und trockene Steppengebiete der Nordhalbkugel (zentralen Paläarktis). Dort ist er mit seiner Gefiederfarbe ideal an den Untergrund und die Vegetation angepasst. Das Brutgebiet erstreckt sich von China bis zum Schwarzen Meer und breitet sich über Nordgriechenland langsam westwärts aus. Mit dem Klimawandel kommt er uns in Deutschland absehbar immer näher.
In der Regel erhascht der Vogel seine Beute am Boden. Dort schnappt er sich Ameisen und Käfer, Wanzen und Termiten, Hautflügler und Fliegen, Tausendfüßler und Skorpione sowie seltener Fluginsekten wie Schmetterlinge und Libellen. Manchmal erwischt er die Beutetiere auch im Flug.
In seinem Habitat
Es ist schon einige Jahre her, dass ich mit einer kleinen Gruppe von Vogelbegeisterten in diesem trockenen, heißen und abgelegenen Gebiet bei Vedi in Armenien unterwegs war. Da fiel mir der aparte Vogel erstmals auf, nachdem sich gerade ein Wiedehopf hatte blicken lassen.
Isabellsteinschmätzer sehen geradezu elegant aus, wenn sie hochbeinig auf einem Stein stehen und in die Ferne (oder Nähe) blicken. Ihre Gestalt lässt das vermüllte Umfeld – wir befanden uns etwas abseits der Zivilisation auf einer Schotterpiste in Richtung Mülldeponie – schnell vergessen.
Kurz darauf zeigte sich: Wir hatten es nicht nur mit einem einzelnen, sondern mit mindestens zwei weiteren Vögeln zu tun, die ganz offensichtlich ihren Nachwuchs versorgten. Verborgen wartete der in einer Felsnische. – Die neugierigen Ornis aus Deutschland waren da offensichtlich ein Störfaktor. Denn die Eltern – mit Futter im Schnabel – trauten sich zunächst nicht an das im Felsgestein verborgene Nest heran.
Der Isabellsteinschmätzer legt sein Nest immer nah am Boden an. Oft im Fels, unter großen Steinen oder in Ruinen, aber manchmal auch in einer Bodenkuhle oder bodennah in Staudengewächsen. Es besteht aus locker verarbeiteten Halmen und Stängeln und wird innen mit verwobenen feinen Pflanzenteilchen, mit Haaren und Federchen ausgepolstert.
Die Zahl der Eier variiert zwischen 3 und 7. Nach einer Brutzeit von 12 Tagen schlüpfen die Jungen, die zwei Wochen später das Nest verlassen, aber von da an zwei weitere Wochen geführt und gefüttert werden. All das und Vieles mehr verrät mir das Handbuch der Vögel Mitteleuropas.³ Es ist immer wieder ein gute Informationsquelle.
Isabellsteinschmätzer | Traquet isabelle | Isabelline Wheatear | Oenanthe isabellina
¹ Urs N. Glutz von Blotzheim (Hrsg.), Aula-Verlag, Wiesbaden 1985, 2. Aufl., Bd. 11.1, S. 516 ff.)
² Sowohl bei Vögeln als auch bei bestimmten Zuchtformen von Pferden, Katzen und Hunden findet sich diese Bezeichnung der Farbnuance.
³ Urs N. Glutz von Blotzheim (Hrsg.), Aula-Verlag, Wiesbaden 1985, 2. Aufl., Bd. 11.1, S. 523 ff.)
* Der (Graue) Steinschmätzer ist in Deutschland häufiger als durchziehender Zugvogel zu sehen, denn als Brutvogel. Seine Brutgebiete liegen im Dünengelände an der Nordsee, auch in Heidelandschaften und auf ehemaligen Truppenübungsplätzen von Ostdeutschland oder, wie ich kürzlich berichtet habe, in hochalpinen Regionen.







































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