Rostrot geschwänzt

Blick von hinten auf den aufgefächerten rostroten Schwanz des Heckensängers
Das Markenzeichen des Heckensängers: rostbraun geschwänzt

Der auf den ersten Blick so unauffällige grau-braune Heckensänger hält eine Überraschung bereit: Er kann sein attraktives Schwanzgefieder plötzlich auffächern und fast senkrecht aufrichten. Der Schwanz, gebildet von den Steuerfedern, hebt sich dann mit seinem auffälligen Rostbraun von dem insgesamt eher matten Federkleid deutlich ab. Zusätzlich springt am Ende der Schwanzfedern ein schwarz-weißes Fleckenmuster ins Auge. Eine natürliche Leuchtreklame.

Heckensänger von hinten auf einem Busch
Im Sitzen ist der Schwanz unauffällig.

 

Ganz anders wirken die mittleren Schwanzfedern. Sie sind nämlich schlicht.

Wenn der Vogel ruhig sitzt, liegen unter ihnen die auffälligen Schmuckfedern mit ihrer schwarz-weißen Zeichnung verborgen.

Das ist kein Zufall, sondern hat System. Es schützt den etwa Nachtigall-großen Vogel.

Mal verborgen, mal exponiert

Der Heckensänger sitzt zwar – wie sein Name verrät – meistens zwischen den Zweigen von Hecken und sucht auf dem Boden nach Nahrung. Doch zum Singen kommt er hin und wieder aus dem Dickicht heraus und nimmt oben auf einem Busch oder einer Hecke Platz.

Kleiner vogel mit erhobenem Schwanz im dornigen Gebüsch
Kaum zu entdecken, aber eindeutig
Kleiner Vogel zwischen dornigen Zweigen
Im dornigen Gebüsch gut verborgen, deutlich: der helle Überaugenstreif

Auf einer erhöhten Singwarte ist der kleine Sänger natürlich sehr exponiert und präsentiert sein hübsches Schwanzgefieder eher selten. Es geht immer darum, eine Partnerin anzulocken oder Rivalen auf Distanz zu halten und zugleich vor Greifvögeln sicher zu sein.

Wenn der Vogel sein Revier gesanglich markiert, sitzt er möglichst weit oben. Auf Abbildungen sieht man den Heckensänger manchmal auf einem Feigenkaktus (Opuntie) sitzen. Dort ist er zwischen den Stacheln ebenfalls sicher.

Vor allem am Boden, wo der Heckensänger meist hüpfend nach Nahrung sucht, überrascht sein ruckartig aufgestelltes Schwanzgefieder, das sich anschließend langsam absenkt. Das kennen wir von „unseren“ Amseln, wenn sie im Garten auf dem Rasen unterwegs sind: ganz plötzlich bleiben sie mit steil aufgerichtetem Schwanzgefieder stehen, bevor es sich wieder senkt.

Singender Heckensänger mit leicht abgehobenen Flügeln
Schwanz aufgefächert, Flügel leicht angehoben.
singender Heckensäunger mit geöffnetem Schnabel
Brust und Bauch des Vogels sind trübe weiß, so der Naumann im um 1900.  Schmutzig weiß, heißt es weniger freundlich im Svensson um 2000.

Komplizierte Verwandtschaftsverhältnisse

Der Heckensänger macht es den Systematikern in der Biologie nicht leicht. Lange war die Frage, ob es eine osteuropäische und eine westeuropäische Art gibt – nein, man spricht jetzt von Unterarten –, und lange wurde der Heckensänger bei den Grasmücken, zu denen etwa unsere Mönchsgrasmücke zählt – einsortiert.

Aber mittlerweile ist unumstritten: Der Heckensänger gehört in die Gruppe der Schnäpperverwandten (Muscicapidae). Dazu zählen außer dem Rotkehlchen auch Sprosser und Nachtigall, Haus- und Gartenrotschwanz, schließlich die verschiedenen Steinschmätzer.

Heckensänger sitzt auf einem Dornbusch, neben ihm eine rötliche Blüte.
Heckensänger in Armenien

Kein heimischer Vogel

In Deutschland kommt der Heckensänger praktisch nicht vor. Hin und wieder wird allerdings von Irrgästen berichtet, zum Beispiel von der Vogelwarte Helgoland. Der Grund: An der Nordsee werden durch starken Wind oder Unwetter immer wieder Vögel verdriftet, wenn sie auf dem Zug nach Süden sind und möglicherweise eine falsche Route gewählt haben.

Zum Beispiel tauchte auf Helgoland schon im 19. Jahrhundert, aber auch 1997 ein Heckensänger auf.¹ Zuletzt wurde 2011 einer bei Mellum gesichtet, erfahre ich von Jochen Dierschke, einem Experten für die Vogelwelt auf Helgoland und drumherum.

Auch die Schweizer Vogelwarte berichtet hin und wieder von solchen Irrgästen. Auf der Webseite könnnen wir dem Sänger auch zuhören, weil eine Gesangsaufnahme eingebunden ist.

Kleiner Vogel auf einem dornigen Busch zwischen trockenem Gestein
Anfang Mai bietet das trockene Tal ein schönes Revier, im Sommer ist es hier drückend heiß.

Das Brutgebiet der Heckensänger liegt in westlichen Mittelmeerländern wie Südspanien und in nordafrikanischen Staaten wie Marokko und Algerien. Außerdem ist Südosteuropa ein bekanntes Brutgebiet der Heckensänger: Von Kroatien und Griechenland erstreckt es sich über die Türkei bis nach Pakistan. Auch in warmen Regionen des Kaukasus lebt der rotgeschwänzte Vogel.²

Und dort im Kaukasus, genauer gesagt in Armenien, an das ich wegen der angeheizten Auseinandersetzungen mit Aserbaidschan derzeit oft denke, sah ich meinen ersten Heckensänger. Er hielt sich in einem Biotop auf, das charakteristisch für ihn ist.

Ein langgestrecktes Stallgebäude in trockenem Gelände
Der Lebensraum des Heckensängers: in der Nachbarschaft verlassene Schaf- und Ziegenställe
Vorne grüne Felder im Hintergrund der schneebedeckte Berg Ararat, teilweie von Wolken verdeckt.
Blick Richtung Türkei: Das fruchtbare Tal des Flusses Araks, dahinter der schneebedeckte Berg Ararat (Höhe 3.896m)

Im Hinblick auf das Habitat des Singvogels zitiere den großartigen Ornithologen Johann F. Naumann, der anschaulich beschrieben hat, welchen „Wohnort“ der Heckensänger im Gegensatz zur bei uns heimischen Nachtigall, die ja ebenfalls das dichte Gebüsch liebt, bevorzugt (Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, 1887-1905, 3. Aufl., Bd. II, S. 189):

Die Wohnorte … ähneln zwar sehr denen der Nachtigall, doch scheinen sie lieber als diese ein weniger feuchtes Gebiet zu bewohnen; denn sie halten sich … oft in wirklich dürren Gegenden mit nur dürftigem Buschwerk auf…

Das kann ich nur bestätigen. Allerdings gibt es in der Gegend viel Obst- und Weinanbau. Und bekannt ist, dass Heckensänger etwa in Mittelmeerstaaten gerne Olivenhaine, Mandelbaumplantagen und Weinanbaugebiete aufsuchen.

All das sah ich auch hier. Zwischen dem ariden Gebiet nahe Vedi und dem schneebedeckten Ararat auf türkischem Boden zieht sich links und rechts des Grenzflusses Araks ein fruchtbares Agrarland mit kleinflächiger Felderwirtschaft hin. Dort dürfte es genügend Nahrung für den Heckensänger und seine Nachkommen in Spe geben.

Straße mit einem Auto, Felder links und rechts und im Hintergrund das trockene Land bei Vedi.
Das Brutgebiet des armenischen Heckensängers hinter einer Ortschaft bei Vedi, südlich von Eriwan.

 

¹ Jochen Dierschke u.a.: Die Vogelwelt der Insel Helgoland, 2011, OAG Helgoland
² M.S. Adamian und D. Klem: A Field Guide to Birds of Armenia, 1997, American Univ. of Armenia

 

Heckensänger | Agrobate roux | Rufous-tailed scrub-robin oder Bush robin| Cercotrichas galactotes



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