Wem der Buchfink schlägt

15. Juni 2019 | Kleine Vögel | 4 Kommentare

Auf einem Ast sitzt ein singender Buchfink, dessen untere Schnabelhälfte unscharf ist, weil er singt.

Der Sänger: Die Brust gebläht und der Unterschnabel vibriert.

Der Buchfink ist noch ein Allerweltsvogel, wenn man an seine Verbreitung in Europa denkt. So wie Amsel, Kohl- und Blaumeisen die Futterhäuser und unsere Gärten bevölkern – sofern sie naturnah gestaltet sind –, so sieht oder hört man den Buchfink nicht nur im Wald, sondern auch in städtischen Grünanlagen mit altem Baumbestand. Und auch auf parkähnlichen Friedhöfen leben und brüten oft Buchfinken.

Wenn Anfang Mai die Bäume stark belaubt sind, kann man die unermüdlichen Sänger im Geäst nicht ohne weiteres entdecken, aber der auffällige Gesang verrät immer, wo sie gerade sitzen. Buchfinken singen nicht nur zu Paarungszeit, sondern auch im Juni schmettern sie noch lautstark ihre Strophen.

Um den kleinen Kerl zu stoppen, bitte in der unteren Zeile ganz links auf das Stoppsymbol || tippen.

Welch ein Einsatz, welche Verausgabung! Nicht umsonst schrieb Johann Friedrich Naumann über den Gesang (Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, 1887-1905, 3. Aufl., Bd. III, S. 336):

Welche Anstrengungen er dem Vogel macht, sieht man an den Bewegungen der aufgeblasenen Kehle, des halb geöffneten Schnabels und zum Teil auch des übrigen Körpers.

Was dem Buchfink schmeckt

In der Brutsaison ernährt der Buchfink sich und seine Nachkommen von „animalischer“ Kost, wie es so schön heißt: Raupen und Käfer, Motten, Spinnen, Blattläuse, diverse Insekteneier und Larven stehen darum im Frühjahr auf dem Speiseplan.

Zwischen dichtem, grünen Efeu lugt der Oberkörper eines Buchfinken hervor.

Auf einem Friedhof: Insektensuche im Efeu der Grabumrandung

Von demBuchfink, der gerade im Efeu verschwindet, ist nur noch der Schwanz zusehen.

Und ein neuer Versuch vom Plattenweg aus

Außerhalb der Brutsaison ist der Buchfink mehr oder minder „Vegetarier“. Denn er ernährt sich dann vorwiegend von all den Samen, die von Gräsern und Ackerkräutern, von Gehölzen wie Birke, Ahorn und Buche gebildet werden. In den Sommermonaten und danach nascht der hübsche Fink allerlei Beeren – von der Vogelkirsche über Holunder bis zur Mistel.

Buchfinken sieht man sowohl zwischen Zweigen nach Nahrung suchen als auch am Boden, denn die reifen Samen fallen natürlich herab. Und dort, wo Pferde gehalten und gefüttert werden, freut sich der Fink über die Zusatzkost – wie ich das mal auf Nordseeinsel Neuwerk beobachten konnte.

Gern am Boden

Von oben und aus der Ferne betrachtet, kann man den Buchfink mit seinem bräunlichen Gefieder durchaus für einen Sperling halten. Das gilt besonders außerhalb der Brutzeit, wenn die Farben nachlassen, und für die blasseren weiblichen Vögel gilt es das ganze Jahr über.

Ein blasser Buchfink sucht auf grauem Schotter nach Futter.

Frau Buchfink im Park: „Auf dem Schotterweg unter Birken und Buchen lässt sich sicher etwas finden …

Der blasse Buchfink - vermutlich ein weiblicher - hat ein Samenkorn im Schnabel.

… sag ich doch.“

Aber es gibt drei deutliche Unterscheidungsmerkmale zwischen den beiden Finkenarten Sperling und Buchfink:
Der Kopf, genauer gesagt der Scheitel, des männlichen Buchfinken ist einfarbig grau.
Der sogenannte Mantel, also die Federchen hinter dem Hals und auf dem Rücken, sind nicht gemustert wie beim Sperling, sondern schlicht rötlich-braun.
Bereits im Sitzen, aber vor allem wenn er auffliegt, leuchten auf den Flügeln je zwei kleine weiße Flächen. Solche auffälligen „Spiegel“ haben unsere Spatzen nicht.

Das Foto des Buchfinken von hinten zeigt seinen grauen Hinterkopf, den brauenen Mantel und dieweißen Fenster auf den Flügeln.

So sieht kein Sperling von hinten aus. Aber Herr Buchfink.

Nicht allein das Federkleid männlicher und weiblicher Buchfinken unterscheidet sich stark: Nur die „Herren“ singen, und zwar so unermüdlich, dass die Vögel früher sehr beliebte Stubenvögel waren – also im Käfig lebten.

Finkenmanöver

Grabmal auf dem Firedhof, umgeben von sehr viel Grün.

Buchfinkenidylle: Friedhof in Berlin-Schöneberg

Und nicht nur das: In Thüringen und im Harz entstand bereits vor 500 Jahren eine spezielle Leidenschaft für den Gesang, der aus wenigen, ständig wiederholten Strophen besteht. Weil er durchdringend und hart klingt, werden die Strophen Schläge genannt. Sie unterscheiden sich regional erheblich.

Da also die Vögel unterschiedlich kräftig und regional verschieden singen, lag es nahe – zumindest in Zeiten vor TV-Berieselung und Socialmedia-Wahn – einen Wettstreit um die schönsten und besten Sänger durchzuführen.

Zu diesem „Finkenmanöver“ trafen sich alljährlich die Vogelhalter und animierten ihre Buchfinken, ausgiebig zu singen. Zum Glück sind die grausamen Techniken der Vogelhalter, die Buchfinken mit geblendeten Artgenossen und Leimruten fingen, um sie zu guten Sängern zu machen, bei uns passé.

Allerdings ist auch der Wettstreit, der im Harz bis heute jedes Jahr im Juni durchgeführt wird, umstritten – obwohl das Finkenmanöver als Immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO gelistet ist. Denn eigentlich dürfen nur gezüchtete Vögel dabei „antreten“ und definitiv keine Wildfänge aus der Natur. Aber wird das ausreichend kontrolliert?

Buchfink sitzt auf einem Zweig vor saftigem Grün und hat den Schnabel geschlossen.

Nur ein kurzes Päuschen, dann wird wieder gesungen.

In grünen Großstädten wie Berlin kann man jedenfalls vielerorts auf Buchfinken treffen und selbst im Juni noch ihre „Schläge“ hören. Wer möchte sie denn in einen Käfig stecken?

Hier habe ich keine Endlosschleife eingestellt, aber man kann die Strophe, also den Schlag, immer wieder abspielen … und das kommt dann der Realität ziemlich nahe. Denn eine variantenreich singende Nachtigall ist der Buchfink nicht.

Buchfink | Pinson | Common Chaffinch | Fringilla coelebs

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

4 Kommentare

  1. Liebe Elke,
    schöner Beitrag!
    Bei mir im Garten „schlägt“ auch so ein unermüdlicher Sänger 😉
    Die Strophe meines „Garten-Mitbewohners“ klingt wie „Silenzio“, weshalb ich lange gesucht habe, bis ich ihn identifizieren konnte, denn sehen geschweige denn erkennen, kann ich den kleinen „Radaubruder“ nicht. Für mich heißt er aber weiterhin schlicht „Silenzio“ … 🙂
    Seit einigen Tagen höre ich wieder seinen Ruf und kann mich nur schmunzeln daran erfreuen: „Ah, mein Herr Silenzio ist wieder da …“
    Liebe Grüße
    Susanne

    Antworten
    • Vielen Dank Susanne für deine liebe Rückmeldung. Zu manchen Gartenbewohnern entwickele ich auch ein persönliches Verhältnis – und warte schon sehnsüchtig auf die Mönchsgrasmücke, die sich immer so versteckt hält.

  2. Liebe Elke, heute haben wir uns auf der Rückfahrt von einer Fahrradtour an der sächsischen Elbe an deinem neuen Blogbeitrag und den Buchfink-Gesang erfreut. Beste Grüße von Christl, Karin, Ursula, Börni und mir
    Ulli

    Antworten
    • Lieber Ulli,
      wie schön, dass mein Buchfink euch begleitet hat.

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Abo-Werbung für den Blog "Flügelschlag und Leisetreter" mit einem Specht, ein Kunstwerk von M. Garff

Vogel gesucht?

Gut sortiert

5 von 749 Kommentaren

Alle sind vollständig unter dem zugehörigen Blogbeitrag zu lesen.

  • Elke Brüser zu Ein Platz für MauerseglerLiebe Frau oder Herr Lenk, auch bei uns wurde ja der rechte, modernere Nistkasten in diesem und dem letzten Jahr zügig von Sperlingen besetzt. Gerade dieser hat aber eine Schiebevorichtung, mit der ma…
  • c. Lenk zu Ein Platz für MauerseglerLiebe Elke Brüser, in die Fassade von mehreren unserer Genossenschaftshäuser wurden als Ausgleichsmaßnahme Einfluglöcher zu Mauerseglernistkästen eingebaut - so jedenfalls die Theorie. In der Praxis s…
  • Elke Brüser zu Ein Platz für MauerseglerLieber Michael, liebe Miriam, das freut mich natürlich sehr, dass euch meine kleine Geschichte über die Mauersegler gut gefällt. Ich bin gespannt, ob sich die Jungen irgendwann im Flugloch sehen lasse…
  • Miriam zu Ein Platz für MauerseglerToller Beitrag, tolle Fotos und Filme! Ich liebe die Mauersegler auch sehr, besonders ihr abendliches "Um-die-Häuser-zischen". Danke!
  • Michael M. Kochen zu Ein Platz für MauerseglerLiebe Elke, einmal eine Rückmeldung von mir zu den Mauerseglern: Wunderbare Bilder (insbesondere von Eurer Terrasse aus). Danke!

Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

Cookie Consent mit Real Cookie Banner