Schwäne mit Musik

Singschwäne und Stockenten schwimmen auf einem Seitenarm der Oder
Singschwäne auf einem Seitenarm der Oder. Fotografiert aus großer Distanz, denn sie sind störanfällig und „wissen“ nicht, dass sie in Deutschland (!) geschützt sind.

Sie sind wieder da, die Singschwäne, die alljährlich aus den Brutgebieten im hohen Norden zu uns kommen. Wer sie einmal gehört hat, diese etwas dumpfen Töne aus der „Kehle“ der stattlichen Vögel, wird fasziniert sein. So wie ich.

Der Gesang der Singschwäne hat nichts mit dem Gesang einer Amsel oder Nachtigall zu tun. Es sind eher Glockentöne, die sie in der so genannten Syrinx – der Vogelkehle – erzeugen und aus der Tiefe ihrer langen gewundenen Luftröhre hervorlocken. Ihre Stimme ist sonor, der Output wird oft als „posaunengleich“ beschrieben. Vor allem, wenn die Winterlandschaft totenstill ist, klingen ihre Töne wie aus einer anderen Welt.

Drei Singschwäne und zwei Höckerschwäne auf der Oder
Zwei Singschwäne begrüßen einen dritten. Ein Höckerschwanpaar im Vordergrund.

Die stimmbegabten Singschwäne nennt der Brite übrigens Whooper Swan – also den schreienden, rufenden Schwan. Den Höckerschwan bezeichnet er hingegen als Mute Swan – also als den stummen, stillen Schwan.

Vom kleinen Unterschied

Aus der Ferne und vor allem im trüben Winterlicht, sind Singschwäne und Höckerschwäne kaum zu unterscheiden. Denn das Gefieder der erwachsenen Vögel ist bei beiden Arten strahlend weiß, der Hals 70 – 80 cm lang, ihre Größendifferenz unauffällig und wenn die Tiere im seichten Wasser kopfüber gründeln, ist auch das simpelste Unterscheidungsmerkmal verborgen: der Schnabel. Bei Singschwänen ist er hellgelb, bei Höckerschwänen hingegen orange-rot und bei den männlichen Tieren mit einem imposanten schwarzen Höcker gekrönt. Schaut man genauer hin, zeigt sich auch, dass Singschwäne ihren Hals aufrechter tragen. Und er ist weniger gebogen.

Swan watching

Höckerschwäne leben bei uns ganzjährig, während Singschwäne meist Ende Oktober aus den Tundrengebieten in Russland und Skandinavien als Wintergäste kommen. Sie landen in der norddeutschen Küstenlandschaft, bevölkern die mecklenburgische Boddenregion oder ziehen längs der Oder, Elbe oder Havel ins Binnenland.

Schwäne brauchen offene Wasserflächen für die Gefiederpflege und als Schlafplatz, weiß der Biologe Nico Stenschke, der seit Jahren Singschwäne zählt und mit Sendern versieht, um ihre Zugrouten zu erkunden.

Die Nacht verbringen Singschwäne auf dem Wasser und sind so vor Füchsen sicher. Aber schon bei Sonnenaufgang fliegen sie in Familientrupps ab. Wer das einmal bestaunen will, muss selbst früh aus den Federn, um dann wie ich von Berlin aus die Schlafplätze in Brandenburg oder Sachsen-Anhalt zu erreichen. Aber es lohnt und ist ein faszinierender Moment. Tagsüber gründeln die Tiere im Flachwasser von Flüssen, futtern dabei Wasserpflanzen wie Seegras und Laichkraut. Oder sie ruhen auf sonnigen Feldern, fressen dort Maisreste oder jungen Winterraps.

Beigefarbene junge und erwachsene Singschwäne auf einem Feld im Schnee(Bräunlich) und
Junge und erwachsene Singschwäne auf einem Feld. Links Höckerschwäne.

Übrigens sind die großen Vögel auf schneebedeckten Feldern tagsüber oft kaum zu erkennen und von anderen Schwänen nicht auf den ersten Blick zu unterscheiden. Sie sind äußerst vorsichtig, lagern in sicherem Abstand zu Straßen oder Feldwegen und gehen dadurch in der weißen Landschaft praktisch unter. Nico Stenschke hat eine Bitte:

Die Vögel haben eine lange Zugroute hinter sich. Der Winter ist eine harte Zeit. Darum sollte man sich ruhenden Singschwänen – manchmal sind auch Höckerschwäne und die seltenen Zwergschwäne darunter – nicht nähern. Das beunruhigt die Tiere. Sie stehen auf, fliegen davon und verlieren Energie.

Singschwan | Cygne chanteur | Whooper swan | Cygnus cygnus



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3 Kommentare zu “Schwäne mit Musik

    1. Toller Tipp. Cygnus cygnus sagt mein Vogelführer auch, aber in meinem uralten „Brehms Tierleben“ hat er noch den schönen Namen Cygnus musicus.

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