Tanz auf dem Eis

Zwei Schwäne auf glattem, blaufarbenem Eis; einer schlägt mit den Flügeln
Der Tanz auf glattem Eis (Videoausschnitt)

Der Gang über glattes Eis fällt vielen Vogelarten schwer. Das gilt besonders für die etwas massigen Höckerschwäne, die wie Stockenten und Wildgänse – bedingt durch ihren Körperbau – watschelnd unterwegs sind. Zudem endet bei diesen Wasservögeln der Fuß in vier Zehen, von denen drei mit Schwimmhäuten verbunden sind. Rutschfest ist das nicht.

Verschneites Ufer mit Erlen und gelber Schilfzone am Ufer, wo das Wasser gefroren ist.

Es war an der Berliner Havel, wo ich an einer flachen Bucht beobachten konnte, wie schwierig es für den Höckerschwan ist, auf spiegelglattem Eis die Balance zu halten. Aber zunächst ein Blick auf die zugefrorene Wasserfläche in Ufernähe, denn die Stimmung war zauberhaft.

Zwei Schwäne an einem Wasserloch im Eis, einer steht am Rand, einer schwimmt
Wasserfläche auf der Eisdecke, die sich zum Ruhen und zur Gefiederpflege nutzen lässt.

Eine kleine eisfreie Fläche, vermutlich nur eine Pfütze auf dem Eis, hatten sich die Schwäne nah am Ufer erhalten, weil immer wieder einige dort getrunken, geruht und sich geputzt hatten. Ein Schwanenpaar schien das eisige Wasser förmlich zu genießen. Es fühlte sich jedoch offensichtlich gestört, als ein weiterer Artgenosse dazu kam. Ein Störenfried!¹

Drei Schwäne an einem Wasserloch im Eis, die erregt sind. Einer streckt den Hals vor.
Der Störenfried wird unfreundlich begrüßt …
Drei Schwäne am Wasserloch im Eis - einer trinkt Wasser.
… und zieht zischend ab.

Allerdings verließ das Paar seinen eisfreien Tümpel ebenfalls kurz darauf. Es wollte offenbar in den Bereich der noch fließenden und nicht überfrorenen Havel wechseln. Doch ich denke, den Gang zum offenen Wasser hatten sich die Zwei einfacher vorgestellt.

Zu Fuß unterwegs

Zwei Entenvögel als Strichzeichnung: oben stehend, unten gehend mit Körpergewicht auf rechter Hälfte.
Entenvögel beim Stehen und Gehen

Wasser ist dasjenige Element, in dem sich Höckerschwäne wohlfühlen. Leicht mit den Füßen paddelnd treiben sie dahin – oder werden plötzlich sehr munter, wenn sie ihr Brutrevier verteidigen oder einen Konkurrenten verjagen wollen.

Der großartige deutsche Ornithologe Oskar Heinroth hat darauf hingewiesen, dass der Schwan sich zügig niedersetzt, sobald das Wasser seine Füße umspült; auch wenn die Tiefe zum Schwimmen nicht ausreicht. (Das ist weiter oben auf dem dritten Foto sehr gut zu erkennen.)

Beim Gehen auf festem Grund schwankt der Körper ganz beachtlich von links nach rechts. Denn Schwäne haben, wie auch andere Mitglieder der Familie der Entenvögel (Anatidae), einen breiten Unterbau und ihre Beine sind weit außen angebracht. Das stabilisiert den Vogel auf dem Wasser, macht ihn beim Schwimmen weniger kippelig.

Als „Lastkahn“ bezeichnete ihn folgerichtig das Autorenpaar Ursula und Heinz-Georg Klös in Grzimeks Tierleben (Zürich 1968, Bd.7), dort heißt es auf Seite 252

Eine besondere Anpassung an die Erfordernisse des Schwimmens ist der breite Querschnitt der meisten Entenvögel. Dieser breite „Lastkahn“ ist vom Wind oder Wellengang nur schwer aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Die breitbeinige Konstruktion verursacht andererseits das auffällige Schwanken beim Gehen, also den Watschelgang. Alfred Hilprecht drückte das in Höckerschwan, Singschwan, Zwergschwan (1970, Neue Brehm-Bücherei, Bd. 177, Wittenberg/Magdeburg,) so aus, Seite 29

Sie machen auf dem Lande eine etwas unglückliche Figur. Der massige Körper ruht auf viel zu kurzen, aber stämmigen Beinen, der Gang ist schwerfällig wankend und unsicher watschelnd …

Ein am Ufer gehender Schwan, der einen Fuß gehpben hat und das gleichgewicht verlagert hat.
Der Höckerschwan hat kräftige schwarze Füße, deren Zehen mit Schwimmhäuten verbunden sind.

Beim Gehen sind die Füße des Schwans ein wenig nach innen gedreht, und das Gewicht wird bei jedem Schritt vom linken auf das rechte Bein verlagert – und umgekehrt. Kein Wunder also, dass Höckerschwäne und ihre Verwandten auf dem Eis leicht aus der Balance geraten und manche flügelschlagend nach dem Gleichgewicht suchen. Der Eistanz, der ist darum für sie nicht mehr als eine Notlösung.

 

¹ Was für ein wunderbares Wort: Störenfried. Da kommt einer – im Vordergrund – und stört den Frieden der beiden anderen.

Höckerschwan | Cygne tuberculé | Mute swan | Cygnus olor



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