Rothalstaucher: Revier behaupten

Entenartiger Vogel auf dem Wasser von vorne, gut sichtbar der rostrote Hals
Welch eine Pose!

Jedes Jahr von neuem besetzen Rothalstaucher ein Revier, um sich dort als Paar zu installieren. So wie ihre nahen Verwandten, die Haubentaucher, verbringen Rothalstaucher die Wintermonate auf größeren, eisfreien Gewässern oder an der Küste. Im März kehren sie aber an ihre traditionellen Brutplätze zurück – meist dorthin, wo sie selbst dem Ei entschlüpft sind. Sie bevorzugen flache, bereits verlandende Seen.

Eine Wasserfläche und am Ufer steht eine Weide in zartem Grün
Anfang März: Das Quartier von mehreren Rothalstauchern

Ein kleiner, zum Teil schilfbestandener See in Berlin Reineckendorf ist ein solcher Ort. Dort ziehen trotz des städtischen Rummels und zur Landung ansetzender Jumbos seit Jahren zwei oder auch drei Rothalstaucher-Paare ihre Jungen groß.

Alles beginnt im März mit der Revierabgrenzung, der Verpaarung und der Balz. Aber bevor ich dazu komme, eine kleine Vorstellungsrunde.

Rothalstaucher gehören zur Ordnung der Lappentaucher, von denen es weltweit 19 verschiedene Arten gibt. Fünf davon brüten in Europa: Neben dem Rothals- und dem Haubentaucher sind das der Schwarzhals-, der Ohren- und der Zwergtaucher. Ihren Ordnungsnamen verdanken die hübschen Taucher ihren Füßen, die allerdings selten zu sehen sind.

Die einzelnen Zehen sind weder so schmal wie bei den Rallen, also bei Teichhuhn und Blässhuhn, noch sind sie durch Schwimmhäute miteinander verbunden, wie wir es von der Stockente und anderen Enten kennen. Stattdessen sind die Zehen aller Lappentaucher zu Schwimmlappen verbreitert.

Markante Erkennungszeichen

Rothalstaucher auf dem Wasser

Das Erkennungszeichen der Rothalstaucher, die mit 40 – 46 cm Länge etwas kleiner als Haubentaucher sind, ist ihr rostroter Hals. Der Schopf, diese aufrichtbare schwarze Haube, ist viel unauffälliger als bei den Nahverwandten, und ein Kragen fehlt den Rothalstauchern gänzlich. Schöne Akzente entstehen indes durch die weißen Wangen und den gelb-schwarzen Schnabel.

Vor allem von den Lichtverhältnissen und Spiegelungen ufernaher Pflanzen im Wasser hängt es ab, wie der Vogel auf uns wirkt: mal mehr silbrig, mal ins Gelbliche oder Rötliche changierend. (Die wunderbaren Farbtöne entfalten sich vor allem, wenn ihr die Fotos durch Anklicken oder Wischen vergrößert.)

Männlein oder Weiblein?

Was sofort ins Auge springt: Sind auf einem See mehrere Rothalstaucher unterwegs, sehen sie – bis auf die Jungen – alle gleich aus. Am Federkleid oder der Körpergröße lassen sich männliche und weibliche Taucher nicht unterscheiden. Der sogenannte Geschlechtsdimorphismus ist bei dieser Vogelart minimal, und ich werde in einem späteren Beitrag noch berichten, dass das auch für das Verhalten der Rothalstaucher gilt.

Zwei Rothalstaucher auf dem Wasser
Verpaarte Rothalstaucher, dahinter ein Haubentaucher.
Zwei Rothalstaucher schwimmen hintereinander
Markant ist auch der schwarz-gelbe Schnabel.
Zwei gleich aussehende Rothalstaucher nah beieinander schwimmend
Aus der Ferne wie eineiige Zwillinge

Revierkonflikte: die unsichtbare Grenze

Auf einem See mit Wasservögeln sind Rothalstaucher auch bei ungünstigem Licht meist leicht zu entdecken. Hochgradig verräterisch sind nämlich ihre lauten Rufe, mit denen sich die Partner begrüßen und potenzielle Gegner auf Abstand gehalten werden.

Wenn verpaarte Vögel sich treffen, begrüßen sie sich rufend und mit balztypischem Kopfschütteln.

Zur Nahrungssuche sind Herr und Frau Rothalstaucher oft in verschiedenen Zonen des Sees unterwegs. Wenn sie dann wieder aufeinander zuschwimmen, wird meistens lauthals vokalisiert, bevor sie oft gemeinsam die Reviergrenze ansteuern. Zu richtigen Attacken auf Reviernachbarn kommt es selten. Es ist eher ein „Sich-in-Szene-Setzen“ und „Patrouillieren“ an der Reviergrenze: Die Paare zeigen sich, schnattern viel – man spricht eher von einem Gackern oder Rattern – und schwimmen bald wieder in den zentralen Bereich ihres Reviers zurück.

An den unsichtbaren Reviergrenzen kommt es jedoch oft zum Drohen, wobei Rothalstaucher eine Art Duckhaltung einnehmen und den Rivalen eventuell sogar Anfliegen. In der Verhaltensbiologie sprechen wir von „flachem Drohen“ und vom „Fluglauf“. (Ulrich Wobus: Der Rothalstaucher, 1964, Die Neue Brehm-Bücherei, VerlagsKG Wolf)

Beim eindrucksvollen Fluglauf heben die rothalsigen Taucher nicht ab, denn sie sind insbesondere in der Brutzeit schlechte Flieger. Stattdessen laufen sie mit hohem Tempo über das Wasser, wobei die flatternden Flügel das Vorankommen unterstützen. Das gleiche Verhalten lässt sich übrigens auch bei den streitbaren Blässhühnern beobachten.

Der Vogel hat den Kopf geduckt
„Duckhaltung“: Wer treibt sich im Grenzbereich des Reviers herum?”
Der Vogel macht sich auf dem Wasser ganz flach
Nichts wie hin und Eindruck machen: „flaches Drohen“.
Rothalstaucher rast über das Wasser
„Fluglauf“: flügelschlagend über das Wasser rennen

Gemeinsam stark sein

In diesem Jahr sind auf dem kleinen See im Berliner Nordwesten, an dessen Ufer ich bereits meinen Spaß mit der Krähenhybride hatte, inzwischen drei Brutreviere entstanden. An den Reviergrenzen, die nicht scharf sind, sondern immer wieder neu verhandelt werden, kommt es zu vielerlei Konflikten.

Auf der goldschillernden Wasserfläche trefen sich vorne zwei Rothalstaucher, weiter hinten schwimmt ein zweites Paar.
Vorne im Bild ein Paar, das sich gerade trifft – im Hintergrund zieht sich ein anderes zurück.

Und manchmal wird es heftig. Paare, die ihr Revier markieren, nehmen es nicht nur mit anderen Rothalstauchern auf, sondern auch mit den imposanten Haubentauchern. Hier hatte sich ein balzendes Haubentaucherpaar zu sehr dem Revier der rothälsigen Verwandten genähert. Da passierte das:

Videoausschnitt: Diese Attacke ging glimpflich aus, zumal sich Frau Haubentaucher (nicht im Bild) schon etwas zurückgezogen hatte.

Der Biologe Ulrich Wobus, der später als angesehener Pflanzengenetiker forschte, hat in den 1960er Jahren in einer schlichten, anschaulichen Strichzeichnung zusammengefasst, was im Quartier der Rothalstaucher alles los ist. (Der Rothalstaucher, 1964, Die Neue Brehm-Bücherei, Nr. 330, VerlagsKG Wolf, S. 33)

Schematische Zeichnung, die die verschiedenen Verhaltensweisen als Flussdiagramm wiedergibt.

Sein Flussdiagramm zeigt schematisch, welche Aktionen im Jahreslauf nötig sind, damit die Fortpflanzung erfolgreich verläuft. Die Pfeilrichtung gibt die übliche Abfolge wieder.

Die Paarbildung erfolgt entweder im Winterquartier oder auf dem Zug (—). Oder sie besteht sogar noch aus dem Vorjahr (– – –). Dass der Reviergründung die Paarbildung und Balz vorausgehen, lässt sich ebenfalls gut ablesen.

Hungrig sind sie auch

Ein Revier zu etablieren und immer wieder seine Grenzen abzustecken, ist längst nicht alles im Tageslauf von Rothalstauchern. Manchmal dösen sie und lassen sich – den Schnabel im Gefieder versteckt – auf dem Wasser treiben. Manchmal sind sie hungrig.

Den Hauptteil der Nahrung bilden Wasserkäfer und deren Larven, Libellenlarven, Mollusken, Frösche, kleine Krebse und Wasserschnecken, auch andere Insekten…,

berichtet der schon erwähnte Ulrich Wobus in seiner lesenswerten Monographie auf Seite 30. Dazu müssen die Taucher nicht unbedingt abtauchen, sondern können schwimmend den Kopf mit Schnabel und Augen unter Wasser halten. Bei diesem „Schnäbeln“ wird die Beute meist gleich verschluckt.

Auf Fischfang

Aber natürlich tauchen Rothalstaucher, wie andere Mitglieder aus der Ordnung der Lappentaucher auch, nach Fisch. Und so konnte ich mehrfach beobachten, wie sie nach einem Tauchgang mit einem Fischchen im Schnabel an die Oberfläche kamen. Die kleineren Exemplare verschlingen sie gleich unter Wasser, die größeren erst nach dem Auftauchen.

An einem Morgen ließ sich das endlich mit der Kamera festhalten. Und weil die Beute – ich dachte an eine Rotfeder, aber eine Blogleserin machte mich darauf aufmerksam, dass es ein Barsch sein müsse – relativ groß war, musste der Rothalstaucher sie sich gut zurechtlegen und „wässern”, um sie überhaupt herunter schlucken zu können. (Bitte jede Zeile von links nach rechts betrachten und die Fotos vergrößern.)

Dieser Fisch musste gedreht werden, denn nur wenn der Kopf zuerst im Schlund verschwindet, stören die Fischschuppen und vor allem die scharfen Spitzen der aufgestellten Rückenflosse beim Schlucken nicht. (Danke Susanne, auch für diesen Hinweis auf die Rückenflosse.) Und damit die Richtung stimmt, wird die Beute vom Rothalstaucher kurz ins Wasser getaucht und richtig herum aufgenommen.

Schließlich passte alles – aber das sperrige Objekt kaum durch den Schlund…

Den sachlichen Text zu dieser Fotosequenzen liefert Ulrich Wobus (a.a.O. Seite 31); und wer meine Fotos durch Wischen oder Anklicken vergrößert, sieht auch, wie das Wasser beim Schütteln wegspritzt.

Kommt der Vogel mit einem größeren Fisch im Schnabel hoch, legt er sich diesen durch Schütteln oder (und) kurzes Auf-das-Wasser-legen zurecht und verschlingt ihn dann unter heftigen Schluckbewegungen. Nicht selten wird der Fisch noch mehrmals ins Wasser gelassen und durch schnelles Hinterhertauchen wieder gefasst.

Das Hinterhertauchen habe ich nicht beobachtet, dafür aber, dass so ein Fischchen durchaus einen dicken Hals machen kann – wenn es nicht sogar noch stecken bleibt. Aber hier ist die Sache gut ausgegangen.

Der Hals des schwimmenden rothalstauchers ist verdickt, weil der verschlungene Fisch noch darin steckt.
Großer Fischhappen: Der Hals ist noch unförmig und verdickt.

Übrigens: In einem späteren Blogpost zu den Rothalstauchern kann ich von ihrer Balz und den erstaunlichen Vorgängen auf der „Begattungsplattform” berichten.

 

Rothalstaucher | Grèbe jougris | Red-necked Grebe | Podiceps grisegena



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3 Kommentare zu “Rothalstaucher: Revier behaupten

    1. Aber wenn du mir nicht den Tipp gegeben hättest, liebe Gabriele, dann würden die Rothalstaucher hier im Blog nicht auftauchen … danke dafür!

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