Und wo bleibt ER?

09. Februar 2018 | Falke & Co, Große Vögel | 1 Kommentar

Junger Habicht sitzt auf einem Ast und wir sehen seine Unterseite mit der dunklen tropfenartigen Fleckung. Das Auge ist auf ich gerichtet, der Schnabel geschlossen.

Verborgen im Geäst

Kürzlich besuchte ich den Habichthorst in Berlin, wo 2017 drei Junge groß geworden waren. Vielleicht war ja das Paar aus dem Vorjahr wieder da … Denn schon Ende Januar kommen Habichte in Fortpflanzungsstimmung. Doch ich musste feststellen: Der Sturm im Oktober 2017 hatte den alten und schon mehrfach genutzten Horst zerstört. Beim zweiten Besuch des Geländes überraschte mich dann ein rufender Habicht, der offenbar nicht abgeneigt war, hier zu brüten.

Nur zu hören

Aber der Reihe nach: Die Sonne schien endlich und im meist grau-trüben Januar hatte ich bereits viel Schreibtischarbeit erledigt. Also raus, und nach den Habichten schauen. Doch ich war zunächst nicht erfolgreich.

Eichelhäher sitzt mit gesträubter Haube (Fdern auf dem Kopf aufgestellt) auf einem Ast hinter den Nadelblättern einer Zypresse.

Auch der Eichelhäher spielt mit mir ein Versteckspiel

Eine Amsel warnte im Gebüsch und ein Eichelhäher machte von Zeit zu Zeit Lärm. Außerdem waren Kohl- und Blaumeisen aller Orten. Aber weder ließ sich das Buntspechtpaar blicken, das mir zuletzt mit rasanten Flügen aufgefallen war, noch ein Habicht.

Ich wollte grade gehen, da hörte ich die charakteristischen Rufe des Greifs: kja-kja-kja- …

Aber ihr glaubt nicht, wie lange ich erfolglos um die beiden Nadelbäume herumstreifte, in denen der Kerl sitzen musste. Ich sah ihn einfach nicht. Immerhin machte ich ein Video vom Habicht-Baum und nahm die Stimme auf, die der Wind leider verrauscht hat. Kurz darauf flog der Greif weg.

Und so ging ich nochmals zum Eichelhäher, der schon wieder lärmte und gut verborgen im Geäst saß. Es dauerte allerdings nicht lange, da hörte ich erneut die herben, sehr charakteristischen Habichtrufe, sah ihn anfliegen und ganz nah in einem mächtigen Nadelbaum landen. Doch obwohl er immer wieder rief, entdeckte ich ihn lange nicht.

Grüne Wipfel einer Douglasie mit ihren kleinen goldbrauen Zapfen vor blauem Himmel.n

Irgendwo in der Douglasie

Endlich entdeckt

Es war zum irre werden: So laut das Geckern über mir, aber der Produzent blieb in der dichten Baumkrone verborgen. Ich umkreiste die benachbarten Bäume, richtete nochmals mein Fernglas in die Wipfel – und endlich sah ich ihn, rund 25 m über mir. Es war ein junger Habicht, denn seine Unterseite ist tropfenförmig gemustert und nicht quergestreift wie beim erwachsenen Vogel.

Habicht sitzt auf dem Ast einer Douglasie; deutlich die dunkle tropfenartige Fleckung auf der hellen Unterseite.

Der junge Habicht mit seiner tropfenartig gefleckten Unterseite.

Weil das Gefieder anfangs einen rötlichen Schimmer hat, werden Habichte im ersten Lebensjahr auch Rothabicht genannt.

Der junge Kerl rief unablässig. Doch leider hatte ich mein externes Mikrophon zu Hause gelassen. In der folgenden Fotoserie erkennt man jedoch, wie dabei der Schnabel auf- und zugeht.

Kein Kerl

Und schließlich sah ich noch etwas: seinen Ring. Die eingravierte Ziffer konnte ich Norbert Kenntner, Habichtexperten vom NABU in Berlin, nennen und der freute sich, auf einen Jungvogel aus der letzten Saison zu stoßen. Und es ist kein Kerl, sondern ein Weibchen, das er am 25. Mai 2017 beringt und vermessen hatte: 960  Gramm Gewicht und 170 mm Flügellänge. So lernte ich ganz nebenbei: Die geckernden Balzrufe machen nicht nur die Männchen, sondern auch die Weibchen.

Zum Schluss noch diese Videoaufnahme. Wieder keine Toptonqualität, aber sie reicht vermutlich, um sich die extreme Lautgebung des Habichts, der außerhalb der Balzzeit ein stiller Vogel ist, einzuprägen.

Und jetzt heißt es abwarten, ob sich in diesem Parkgelände ein neues Paar bildet oder ob das letztjährige noch kommt, seinen Brutplatz behauptet und mit der Horstrekonstruktion beginnt.

Habicht | Autour des palombes | Goshawk | Accipiter gentilis

 

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

1 Kommentar

  1. Das ist eine besonders schöne Geschichte, durch die tollen Fotos (dank Deiner Beharrlichkeit) und vor allem auch durch die Tonbeispiele. Das prägt sich sofort ein. Danke!

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Vogel gesucht?

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Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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