Rätselhafte Taucher

Zwei junge Reiherenten im noch nicht gewechselten Gefieder.
Reiherenten auf dem Schlachtensee

Im November haben Binnenseen ihre ganz eigene Stimmung, so auch der Schlachtensee im Südwesten Berlins. Das liegt am fahlen Licht, den dennoch farbenprächtigen Laubbäumen und schließlich an der paddelnden Bevölkerung des Sees: Nur einzelne Menschen und ganz wenige Vierbeiner trauen sich jetzt noch ins Wasser. Dafür kommen Wasservögel auf eine Stippvisite vorbei und mischen sich unter bekannte Dauergäste wie Blässhühner, Haubentaucher und Stockenten.

Zwei Dutzend Waservögel auf dem Schlachtensee vor einer Kulisse mit bunt gefärbten Bäumen am Ufer.
Wasservögel in der Mitte des Sees

Solange der See nicht zufriert, lümmeln sich hier zu jeder Jahreszeit ein paar Stockenten und Blässhühner in Ufernähe oder direkt am Ufer. Manche erwarten, dass irgendwer ihnen ein paar Krumen hinwirft – auch wenn das verboten ist.

Im November dümpeln die Wasservögel meistens weiter draußen auf der Wasserfläche. Sie dösen, putzen sich oder tauchen nach Wasserpflanzen, Schnecken oder Fischchen. Auf den ersten Blick denkt man: Nichts Besonderes zu sehen … nur die dunkle Silhouette der üblichen Bewohner.

Wieder da: Tafelenten

Mit dem Fernglas konnte ich allerdings einige rotbraune Köpfe unter den vielen schwarzen Blässhühnern mit weißer Stirn erkennen. Da hatten sich also wieder ein paar Tafelenten eingefunden.

Vorne eine Tafelente mit braunem Kopf und grauen Flanken, vorne und hinten schwarz. Dahinter schwimmt ein schwarzesBlässhuhn mit weißer Blässe.
Männliche Tafelente und dahinter ein Blässhuhn
Tafelente mit kastanienbraunem Kopf und geöffnetem Schnabel. Sie ist kräftig am Schnattern
Geschnattert wird auch

Sie oder ihre Artgenossen hatten schon letztes Jahr am Schlachtensee einen Zwischenstopp eingelegt – bevor sie beim ersten Kälteeinbruch weiterzogen. Jedenfalls freute ich mich, sie wieder zu sehen.

Zwei weibliche Tfelente mit vorweigend grauem Gefieder und bräunlichen Köpfen schwimmen auf dem Schlachtensee
Weibliche Tafelenten haben einen blasseren Kopf.

Neu entdeckt: Reiherenten

Und dann fielen mir noch Enten mit heller Flanke und einem kleinen Schopf auf. Der ist typisch und namensgebend für die Reiherenten, die aber außer diesem Schopf äußerst wenig mit einem Reiher verbindet. Der Schopf, der im Nacken etwas herabhängt,  wird von den Oberkopffedern gebildet, lese ich bei Hans von Boetticher (Gänse- und Entenvögel aus aller Welt, Die Neue Brehm-Bücherei, Leipzig, 1952, Bd. 73, S. 71).

Übrigens: Es waren Reiherenten, die vor einem Jahr für viel Aufregung sorgten, weil einige Dutzend am Bodensee – und nicht nur dort – an der Vogelgrippe gestorben waren.

Drei Reiherenten im November: Weibchen und Jungvögel.
Reiherenten im Schlichtkleid

Die hübschen, schwarzköpfigen Gäste, die derzeit auf dem Schlachtensee herumpaddeln, waren zum Glück äußerst lebendig. Eine echte Freude, ihnen dabei zuzusehen, wenn sie schwungvoll abtauchten, um nach Nahrung zu suchen. Reiherenten gehören wie die Tafelenten zu den Tauchenten. Keine Frage.

Schwimmende ReiherenteReiherente beim Abtauchen. Nur der Schwanz ist zu sehen.Reiherente ist abgetaucht. Nur ein Sprudel auf der Wasseroberfläche zeugt noch von der Ente.

In Deutschland hat die Zahl dieser Tauchentenart zugenommen, entnehme ich dem wunderbaren Atlas Deutscher Brutvogelarten (2014, Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und dda). Immer mehr Paare brüten sogar hierzulande. Aber die meisten kommen erst im Herbst, wenn es weiter nördlich – der eigentlichen Brutregion in Skandinavien und Russland – zu kalt geworden ist. Später, wenn es ihnen auch bei uns zu unwirtlich ist, fliegen sie weiter nach Süden, um in großen Trupps auf eisfreien Gewässern wie dem Bodensee zu überwintern. Manche dieser nordischen Brutvögel fliegen auch südwestlich und steuern das niederländische Ijesselmeer an.

Jetzt im Spätherbst tragen viele Reiherenten ein apartes Schlichtkleid. Das schützt sie, wenn die Ufervegetation lichter geworden ist. Und mir fiel auf, dass sie bei leichtem Wellenschlag mit ihrer Umgebung fast verschwimmen.

Blässhühner und Tauchenten verschwimmen mit den kleinen Wellen auf der spiegelnden Wasseroberfläche.
Tarnung inklusive

Rätselraten

Ich habe übrigens mehrere gute Vogelkundler, diverse Webseiten und Bestimmungsbücher gefragt, welchen Status die Reiherenten auf meinen Fotos haben. Ganz sicher bin ich mir noch immer nicht.

Drei Reiherenten im grau-braunen Schlichtkleid schwimmen auf dem See.
Rätselhaftes Grüppchen

Hier die Alternativen für das Dreier-Gespann im schlichten Outfit: Es könnte sich

  • um zwei Jungvögel aus diesem Jahr und um ein weibliches Tier dahinter – erkennbar an der dunkleren Brust – handeln,
  • oder aber um drei Jungvögel. Dafür sprachen sich die meisten aus.
  • Eher unwahrscheinlich ist, dass wir es mit zwei Weibchen – vorne auf dem Foto – und einem Männchen – dahinter – zu tun haben. Denn die männlichen Tiere haben die Mauser eigentlich bereits hinter sich und tragen schon im November das so genannte Prachtkleid. Sie sind dadurch viel leichter zu bestimmen.

Männliche Reiherenten wechseln das Gefieder bereits ab dem Sommer und haben im Winter schneeweiße Flanken. Und da ich bisher noch keine männliche Reiherente in ihrem Winterschmuck fotografieren konnte, habe ich mal wieder den „Naumann“ in meinem Regal bemüht. (Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, 1905, Bd. X, S. 136) Darin sind diese fünf Tauchenten-Herren in ihrer ganzen Pracht zu bestaunen.

Fünf männchliche Tauchenten sitzten auf Steinen am Ufer. Ganz rechts eine schwarz-weiße Reiherente. Das ist ein Männchen im Prachtkleid.
Rechts eine männliche Reiherente im schwarz-weißen Prachtkleid, und die zweite von links ist eine Tafelente.

 

Reiherente | Fuligule morillon | Tufted Duck | Aythya fuligula


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