In Spanien konnte ich im Mai 2024 einen Löffler in seinem attraktiven Brutkleid aus der Nähe beobachten. Er hatte sich von seiner Gruppe etwas entfernt hatte. Das ist eher ungewöhnlich, denn Löffler sind äußerst soziale Wesen. Nicht nur wenn sie im Wasser nach Nahrung fischen, sind sie grüppchenweise unterwegs, sie brüten auch kolonieartig zusammen; am häufigsten im Schilf mit geringem Abstand zueinander.
Löffler sind bekanntermaßen untereinander sehr verträglich und vertragen sich auch mit anderen Vogelarten gut. Insbesondere mit Reihern – so wird immer wieder berichtet – verstehen sie sich gut.

Im überfluteten Bereich suchen vier Löffler, zwei Seidenreiher und zwei junge Lachmöwen nach Nahrung.
Zuletzt habe ich die Vögel in einem ausgedehnten Schutzgebiet in Nordfrankreich beobachten können. Dort fischten sie im Flachwasser der Somme, deren Mündung ein riesiges Ästuar bildet. Bei Ebbe zieht sich das Wasser weiter zurück als das Auge reicht. Bei Flut füllt es den kleinen Hafen von Le Crotoy, wo mir kürzlich junge, bereits flügge Rauchschwalben aufgefallen waren.
Mit der Flut wird nicht nur allerlei Getier aus dem Atlantik in die Sommemündung gedrückt, es kommen auch viele tausend Seevögel, die sich von den kleinen Fischen, Krebschen und Schnecken, die mit dem auflaufenden Wasser angespült werden, ernähren.**
Unter diesen Vögeln sind auch die attraktiven Löffler, die vermutlich in einem naturnahen Vogelpark, dem Parc du Marquenterre brüten. Dort sind vor vielen Jahren schilf-bestandene Tümpel angelegt worden. Zu sehen, waren jedenfalls im Spätsommer an der Somme adulte und auch junge Vögel.***
Unterschiede im Aussehen von Alt und Jung
Alt und Jung sind zunächst an ihren Schnäbeln zu unterscheiden: Schwarz sind sie bei den erwachsenen Löfflern und besitzen dann an ihrem verbreiterten Ende einen auffälligen ockergelben Bereich. Hellgrau mit einem Einschlag von Rosa, also mehr oder minder fleischfarben, sind die Schnäbel der Jungvögel.
Dieser Unterschied von Alt und Jung lässt sich bei den im Flachwasser fischenden Vögeln bei guten Lichtverhältnissen durchaus erkennen. Denn hin und wieder heben sie den Kopf. Dann wird auch deutlich, was Johann Friedrich Naumann, der angesehene Ornithologe des 19. Jahrhunderts, so anschaulich über den rund 20 cm langen Schnabel des Löfflers in seinem Klassiker¹ schrieb, Seite 5.
Der Schnabel ist von höchst auffallender Gestalt, gross, lang, gerade, von oben und unten, sehr platt gedrückt, daher von unbedeutender Höhe, aber großer Breite, beides am meisten nach vorne zu, wo er sich allmählich zu einem breiten, dünnen oder ganz flachen Spatel erweitert. Beide Hälften passen ohne Höhlung platt aufeinander …
Und weiter unten im Text lese ich über den Schnabel, Seite 9
Dieser mehr als mittelgroße, stattliche Vogel gehört hauptsächlich seines sonderbar gestalteten Schnabels wegen zu den auffallendsten Gestalten, welche die Vogelwelt uns bietet. Dieser Schnabel scheint auch viel zu groß für den kleinen Kopf, den langen, dünnen Hals und den eiförmigen, wenig zusammengedrückten, übrigens robusten Rumpf, welcher wieder auf zu schwach erscheinenden oder zu hohen Beinen ruht.

Schnabel eines adulten Löfflers. Im Brutkleid ist die orange-gelbe Zone viel markanter.

Hier fischt ein junger Löffler: fleischfarbener Schnabel. Auch sein Artgenosse ist jung: schwarze Flügelspitzen.
Der zweite Unterschied zwischen Alt und Jung zeigt sich beim ruhenden Vogel und im Flug: Rein weiß, ist das Gefieder der ausgewachsenen Löffler, wohingegen sich an den Flügelspitzen der jüngeren Vögel ein schwarzer Saum zeigt. Er entsteht dadurch, dass die Federn der langen Handschwingen schwarze Spitzen tragen.
Ich konnte diesen Unterschied bereits im Frühjahr auf Neuwerk beobachten, als dort eine Gruppe von Löfflern bei grauem, norddeutschem Schietwetter im Watt unterwegs war.
Unermüdlich betteln
Im August sind die Nachkommen aus der Brutsaison im Prinzip schon selbstständig. Aber das gilt nicht für alle, zumal sie sich gerne wochenlang füttern lassen. Jedenfalls fiel mir in dem schönen Parc du Marquenterre, diesem Refugium für viele Vögel an der Sommemündung, ein junger Löffler auf, der einen Altvogel nicht in Ruhe ließ. Immerzu lief er mit ausladenden Schritten und bettelnden Bewegungen hinter ihm her. Doch der oder die Angebettelte wollten partout kein Futter liefern.
Das Paar mit unterschiedlichen Interessen befand sich auf einer Art Sandbank, wo sich etwa 50 Löffler und mindestens ebenso viele Stockenten aufhielten. Die Enten ruhten. Das tat ein kleinerer Teil der Löffler ebenfalls, während die anderen mit der Gefiederpflege beschäftigt waren.
Kein Wunder: Der August ist für viele Vögel die Zeit des Gefiederwechsels. Es ist Mauserzeit. Und wenn sich neue Federn durch die Haut schieben, fallen die alten aus. Sie fallen aber nicht ohne weiteres zu Boden oder ins Wasser, sondern bleiben in der Regel im Federkleid hängen.
Dort stören sie die Vögel, die sich das verschlissene Federzeug herauszupfen, auch mal mit dem Fuß nachhelfen und sich manchmal kräftig schütteln, um es loszuwerden.
Ich habe schon früher einmal geschrieben: Man hat den Eindruck, dass vielen Vögeln in der Mauserzeit das Fell juckt. Aber zurück zu dem bettelnden Jungvogel.
Wenn Löffler betteln
Die jungen Bettler – wie der hier abgebildete – machen mit dem Kopf ständig Auf- und Abwärts-Bewegungen. Diese sehen wie ein Pumpen aus und werden in der ornithologischen Literatur zum Beispiel als ein „Kopfverneigen“ beschrieben.
Ich denke, das folgende Video illustriert die Art der Bewegung recht gut. Das Pumpen zeigen junge, bereits flügge Löffler beispielsweise, wenn sie vor einem Altvogel stehen – der ein Elternteil sein kann, aber nicht sein muss. Sie hören damit nicht auf, wenn dieser sich aus dem Staub macht und sie ihm nachlaufen müssen.
Auch das illustriert das etwas längere Video, das bei heftigem Wind durch die Luke eines Beobachtunghäuschens aufgenommen ist.
Der Videoausschnitt macht nicht nur das permanente Hinterherlaufen des Jungvogels deutlich, sondern auch die Technik, mit der er versucht, Nahrung aus dem Schnabel beziehungsweise Schlund des Altvogels zu ergattern. Dieser würgt sie nicht wie ein Storch hervor und speit sie ins Nest oder übergibt sie an den Nachwuchs. Der junge Löffler muss sie sich selbst holen.
Hungriger Jungvogel – sein Schnabel ist geschwärzt.
(Zeichnung E. Brüser, verändert nach Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Hrsg.: Urs N. Glutz von Blotzheim, u.a. Bd. 1)
Der kleine Nimmersatt besorgt sich angedaute Nahrung aus dem Schlund des Altvogels, indem er seinen Schnabel tief hineinsteckt. (Zum Glück ist der abgerundet und nicht spitz wie beim Storch. Zudem ist der Schnabel des jungen Löfflers noch weich und härtet erst mit der Zeit aus.)
Im obigen Video ist diese Aktion gegen Ende erfasst. Leider ist nicht eindeutig zu sehen, ob der Jungvogel erfolgreich ist. Jedenfalls bettelt er weiter und rennt unablässig hinter dem Altvogel her. Der läuft vorwärts und seitwärts davon. Zuletzt sah ich ihn abfliegen …
¹ Johann Friedrich Naumann: Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, 1887-1905, 3. Aufl., Bd. VII, S.1 ff.
*Alle Farbtöne des Vogels sind im Prachtkleid oder Brutkleid intensiver als im Spätsommer.
** Mal sind die Vögel weit draußen auf dem Meer, mal in Hafen- bzw. Strandnähe zu sehen. Das hängt jeweils vom Stand des Wassers ab.
*** Im Herbst rasten in dieser Region besonders viele Zugvögel, die teils aus dem Wattenmeer an der deutschen, niederländischen und belgischen Nordseeküste kommen.
Löffler | Spatule blanche | Eurasian Spoonbill | Platalea leucorodia





































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