Abendlicher Einflug

07. September 2021 | Faszination Kranich, Große Vögel | 0 Kommentare

Die Wipfel von Laubbäumen und darüber Reihen von Pünktchen - also anfliegenden Kranichen

Kranich“schnüre“ am Himmel des Barther Bodden

Kraniche schlafen im seichten Wasser. Wenn sie abends an ihren Schlafplätzen einfliegen, ist das immer wieder ein faszinierender Anblick. Und welch ein Spektakel, wenn die großen Vogelgruppen sich bei Sonnenuntergang in geschwungenen Linien – Schnüren gleichend – annähern und ihre Rufe alles andere übertönen.

Ein kleines Schiff auf dem Wasser, dahinter das grasbewachsene Ufer

Ich habe im letzten Jahr an der Ostsee eine Boddenfahrt zum abendlichen Einflug des Grauen Kranichs mitgemacht. Es war bereits meine zweite.

Eine solche Tour zu den Schlafplätzen der rastenden Zugvögel kann ich allen empfehlen.

Wer sich einen Eindruck über das Leben und Verhaltensweisen des Grauen Kranichs verschaffen, will kann das in diesem Blog machen. Ich habe schon mehrfach unter Faszination Kranich über die Vogelart berichtet.

Bei Sonnenuntergang

Nach ihrem Frühstart am Morgen sind Kraniche tagsüber vor allem mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Sie suchen abgeerntete Maisfelder auf oder fliegen auf Äsungsflächen, die speziell für sie angelegt werden. Etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang nähern sie sich in langen, horizontal wirkenden Reihen ihren Schlafgewässern.

Vor dem rötlichgefärbten HImmer fliegen über dunklen Bäumen vögel in Reihen.

Einflug der Kraniche bei Sonnenuntergang

Kurz vor der Landung lösen sich die „Schnüre“ auf und die Vögel lassen sich mit hängenden Beinen herab – wobei sie immer ein wenig wie landende Fallschirmspringer wirken. Nicht nur im Flug, auch bei der Landung und am Boden bleiben die Familienverbände zusammen. Wer genau hinschaut, sieht die braunen Köpfe der Jungvögel zwischen den Kranicheltern.

Die dunkle Silhouette von fliegenden Kranichen am Himmel

Kurz vor der Landung lösen sich die Reihen auf.

Der abendliche Einflug lässt sich besonders gut in der „Vorpommerschen Boddenlandschaft“ von einem sogenannten Boddenkreuzer aus beobachten. Zum Beispiel bietet die Reederei Zingst im September und Oktober spezielle Kranichfahrten an, die von einem fachkundigen NABU-Mitarbeiter begleitet werden. Diese Fahrten führen nach Pramort, wo ein Großteil der Vögel die Nacht verbringt.

Kraniche auf einer Wiese, dahinter Wasser und das Ufer des Festlandes mit Häusern und Bäumen

Große Kirr: Kraniche im Landeanflug – rechts sind die hängenden Beine zu erkennen.

Eine andere Möglichkeit sind Fahrten längs der Großen Kirr, einer naturgeschützten Insel südlich von Zingst im Barther Bodden. Die Vögel segeln dort in Ufernähe herab und landen mit hängenden Beinen – auch Ständer genannt – zwischen Graugänsen und Weißwangengänsen.

Anflug zum Schlafplatz an der Großen Kirr (Der Ton ist wegen der Windgeräusche abgeschaltet.)

Der richtige Schlafplatz

Vom Festland kommend, fliegen die Kraniche das Flachwasser an, das etwa 10-20 Zentimeter tief sein muss. Der Grund: Kraniche schlafen beziehungsweise ruhen in der Regel im Stehen, und das Gefieder sollte dann nicht nass werden.

Vor allem in Teichlandschaften wie bei Linum kann es vorkommen, dass der Wasserstand zu hoch oder zu niedrig ist, so dass die Kraniche den seit Jahren besuchten Schlafplatz wechseln. Wenn allerdings die Behörden mitspielen, lässt sich wie im Rhinluch der Wasserstand den Bedürfnissen der langbeinigen Zugvögel anpassen.

Im Prinzip verhalten sich die „Vögel des Glücks“ konservativ und nutzen immer dieselben Bereiche, wenn sie auf ihrem Zug aus Skandinavien, Polen oder Russland bei uns ihre Herbstrast einlegen. Das gilt nicht nur für die Boddenregion von Mecklenburg-Vorpommern.

Grafik der Boddenlandschaft an der Ostsee. Rot markiert zwei Schlafplätze, die im Text erwähnt werden.

Kranich-Rast am Bodden: schraffiert sind die Äsungsflächen, beziffert die Schlafplätze

Boddenlandschaft an der Ostsee mit markierten
Schlafplätzen, die ich per geführter Bootstour besucht habe. Die Große Kirr (4) und vor Pramort nahe Großer Werder (1).

Grafik: Hartwig Prange, Der Graue Kranich, Die Neue Brehm-Bücherei Nr. 229, S. 139, Ziemsen 1989/VerlagsKG Wolf; Markierung von E. Brüser

Wie Kraniche schlafen

Kleine Vögel schlafen in Nestern, in einer Baumhöhle oder auf einem Zweig. Auch größere Vögel übernachten teilweise auf Bäumen – etwa Haushühner oder auch Pfaue. Durch dieses „Aufbaumen“ bringen sie sich in Sicherheit. Daneben gibt es aber große Arten wie den Strauß oder den Nandu, die auf dem Boden liegend ruhen. Und schließlich bevorzugen viele Vogelarten das Wasser als sicheren Ort für die Nacht. Hierzu zählt der Graue Kranich.

Arnd Stiefel hat in Ruhe und Schlaf bei Vögeln (Die Neue Brehm-Bücherei, Nr. 487) sehr schön erklärt, wie es Vögeln, die im Stehen schlafen, gelingt das Gleichgewicht zu halten, Seite 9

Bei vielen Vögeln wird in der Schlafhaltung der Kopf über den Schwerpunkt des Körpers gebracht. Die Mehrzahl legt den Hals in enge Windungen, so dass der Kopf nach hinten weist und der Schnabel den Schulterblättern aufliegt.

Dafür ist etwa der Flamingo ein Beispiel, der die Nacht auf einem Bein stehend verbringt. Hartwig Prange, Kranichexperte und Herausgeber des Klassikers Die Welt der Kraniche (MediaNatur.Verlag, 2016), beschreibt das Schlafverhalten des Grauen Kranichs so, Seite 214

Schlafende Kraniche legen Hals und Kopf auf die Seite und der Schnabel wird in die Schultern- und Rückenfedern geschoben. Brütende Vögel und Küken schlafend sitzend … Im flachen Wasser stehen die Kraniche nachts auf beiden Beinen, seltener auf einem, das dann gelegentlich gewechselt wird.

Doppelte Faszination

Rund 25 fliegende Kraniche, in der Mitte ein Vogel mit geöffnetem Schnabel

Kraniche im Anflug, im Zentrum ein rufender Altvogel, darüber ein zweiter

Die Faszination des abendlichen Einflugs beruht zum einen auf der scheinbar unerschöpflichen Menge an Individuen, die zunächst in kleineren Gruppen am Schlafplatz ankommen und dann in immer größeren. Dazu nochmals Arnd Stiefel, Seite 49

Die Hauptmasse trifft kurz nach Sonnenuntergang ein, und danach ebbt der Zuflug wieder ab, bis in völliger Dunkelheit die letzten landen.

Bleibenden Eindruck erzeugen die Kraniche zum anderen durch ihre imposante Lautgebung: Nicht nur die Ankömmlinge rufen, zugleich werden vom Boden aus die einfliegenden Scharen lauthals begrüßt.

Im Wasser stehende Kraniche am Ufer, wobei die Vögel unscharf sind - alles in blaues Licht getaucht.

Bei fortschreitender Dunkelheit machte die Kamera nicht mehr mit, aber für die Augen war es ein seltenes Schauspiel.

Auf meiner Boddentour an der Großen Kirr wehte ein heftiger Wind, dennoch sind die knurrenden und trompetenden Kranichrufe zu hören – zumal das Geschnatter der Passagiere an Deck mit der Zeit abebbte, das Schiff praktisch stand und der Schiffsmotor im Flüstergang lief.

Im Anflug rufende Kraniche

Erst als es fast dunkel war, ging es zurück zum Hafen von Zingst. Wir passierten in großem Abstand die Uferzone mit Gänsen, Enten und Kranichen, die noch längst nicht schliefen. Erst ab Mitternacht kehrt an den Schlafplätzen Ruhe ein. Allerdings schlafen nie alle Tiere gleichzeitig. Es gibt immer Vögel mit Wächterfunktion, die das Umfeld kontrollieren – und Rufe ertönen auch nach Mitternacht.

Es folgen zwei Videoabschnitte mit Ton, also Kranichrufen und Windgeräuschen. Das erste Video ist etwas aufgehellt, das zweite nicht.

 

 

Die attraktiven Zugvögel haben sich mit den Touristen, Fotografinnen, Birdern und Ornithologinnen arrangiert – so scheint es zumindest. Um die Kraniche so zu sehen wie in diesem Blogpost, braucht es ein Fernglas und eine Kamera mit lichtstarkem Zoom. Denn generell ist es wichtig, ausreichend Abstand zu halten und Respekt vor den weitgereisten Gefiederten zu haben, die mit ihren Jungen erstmals auf weiter Reise sind.

Beleuchtete Häuser am Hafen von Zingst.

Der Hafen von Zingst am späten Abend (Foto etwas aufgehellt)

Dass rücksichtsvoller Schlafplatzbesuch den abendlichen Einflug nicht stört, konnte mir Karsten Peter von Kranichschutz Deutschland bestätigen. Als NABU-Repräsentant, der auf fast alle Fragen eine Antwort weiß, begleitet er seit langem Schiffstouren zu den Kranichschlafplätzen bei Pramort.

Grauer Kranich | Grue cendrée | Common Crane | Grus grus

Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

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Birding

Du ahnst es vielleicht schon: Im Wort Birding steckt der englische „bird“. Unter Vogelfreunden ist das ein Schlagwort für die Beobachtung der gefiederten Tierwelt – im Feld, wie man so schön sagt. Also draußen. Ein paar Anmerkungen dazu findest du → hier.

Frau mit Fernglas beobachtet etwas in der Ferne

Mit Fernglas und Kamera auf Vogel-„Jagd“ zu gehen, ist mancherorts geradezu ein Sport und von Wetteifer geprägt. Ich halte aber wenig davon, möglichst viele und auch seltene Arten aufspüren zu wollen, um sie akribisch in Listen zu erfassen. Mein Ding ist: stehen bleiben, lauschen und schauen, was Tiere so treiben.

Textes en français

Si cela t’intéresse: Ma chère amie Annie Riou a traduit quelques articles du blog en français. Et depuis 2023 Juliette Rakei, étudiante de la zoologie à Berlin et bilingue, fait des traductions. Merci! Tu les trouves ici.

Vogel des Jahres

Zwei schwarz-weiße Vögel mit teils schillernden Flügeln stehen sich gegenüber, unter ihnen ein kleiner Jungvogel.

2024  Der Kiebitz

Zwei Braunkehlchen sitzen auf einer Distelblüte, es sind Männchen und Weibchen.

2023  Das Braunkehlchen

Ein Rotkehlchen hockt auf einem Ast und füttert mit einem Wurm, den es im Schnabel hält, einen Jungvogel.

2022  Der Wiedehopf

Wiedehopf mit gesträubter Haube - Ausschnitt aus einer Grafik im "Naumann" Bd.IV

2021  Das Rotkehlchen

Eine rosabrüstige Taube sitzt auf einem Ast und blickt mit ihrem roten Auge zu uns.

2020  Die Turteltaube

Vier Lerchenvögel, in der Mitte ein adultes männliches Tier mit kleiner Holle.

2019  Die Feldlerche

Männlicher und weiblicher Star im Frühjahr im Prachtkleid - mit weißen Tupfern auf schwarzem Grund - auf einen Zweig sitzend.

2018  Der Star

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2017  Der Waldkauz

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2016  Der Stieglitz

Seevogel des Jahres

Ein Waldkauz sitzt auf einem Ast; kolorierte Zeichnung aus Brehms Tierleben.

2024  Der Sterntaucher

Brandseeschwalbe mit schwarzem Schädel und Mähne steht auf einem Felsen am Meer.

2023  Die Brandseeschwalbe

Ein möwenartiger Vogel steht auf einem Felsstein im nordisch anmutenden Meer

2022  Der Eissturmvogel

Der Jahresseevogel 2021 als Zeichnung: Zwei Weißwangengänse mit weißer Stirn und weißer Kehle vor einem nordischen Meer mit steilen Felsen.

2021  Die Weißwangengans

Auf einem Felsvorsprung am Meer steht eine Fluss-Seeschwalbe mit deutlich schwarzer Schnabelspitze. Links eine Zwergseeschwalbe und hinter ihr eine Küstenseeschwalbe.

2020  Die Fluss-Seeschwalbe

Eine schwarzweiß gemusterte Eiderente mit pfirsichfarbener Brust paddelt mit den Füßen im grünlich Meerwasser.

2019  Die Eiderente

Drei Sandregenpfeifer stehen am Meeresstrand. Links das Weibchen, rechts ein blasser gefärbter Jungvogel und in der Mitte das Männchen auf einem Stein. Jungtier

2018  Der Sandregenpfeifer

Vier Eisenten hocken auf Steinen im Wasser: großes männliches Tier mit brauner Brust, helleres weibliches Tier und zwei ebenfalls helle Jungvögel.

2017  Die Eisente

Drei Basstölpel in verschiedenen Altersstufen: weißes Baby, dunkler Jungvogel und weißer Altvogel mit gelblichem Kopf.

2016  Der Basstölpel

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