Von Turm zu Turm

ein Beobachtungshütte zwischen Birken, davor ein Steg und eine Frau mit Fernglas. Eine Menge würde fehlen, wenn es nicht all diese Türme, Unterstände und Stege gäbe, die Vogelbegeisterten und anderen Naturfreunden einen heimlichen Blick auf wildlebende Tiere ermöglichen. Und wie vielfältig und schön diese Holzbauten doch sind!

Grünes Hinweisschild auf Beobachtungsturm auf einer Wiese

Ich möchte zum fünfjährigen Jubiläum von Flügelschlag und Leisetreter einige Vogelbeobachtungstürme vorstellen und all denen danken, die sich privat, in einem Verein, einer Naturschutzorganisation oder innerhalb einer Behörde für solche Beobachtungsstandorte engagiert haben und sie erhalten.

Seit September 2016 betreibe ich bereits diesen Blog über Vögel und andere Tierarten. Und ich weiß, wie wertvoll diese Ausblicke für Vogelbegeisterte sind.¹

Wir schauen von oben in den Lebensraum der Tiere – auf einen See oder ein Moor, auf eine Wiese, den Waldrand oder die Meeresküste. Und wenn wir manchmal stundenlang an einem Ort ausharren, haben wir noch einen Vorteil: Die Hütte des Turms schützt vor Regen, Wind und Sonne. Und oft überrascht uns im Inneren eine Infotafel, manchmal sogar ein Tisch oder eine Sitzgelegenheit.

Blick aus der dunklen Beobachtungshütte auf einen See mit Schilf und Bäumen dahinter.
Ausblick aus einem der drei Beobachtungstürme an den Fischteichen von Linum

Wo Beobachtungstürme stehen, lässt sich heutzutage mit einer Recherche im Internet leicht herausfinden, zum Beispiel für Brandenburg. Hier sind nun einige versammelt, die ich gerne und oft besuche oder die mich besonders fasziniert haben. Sie stehen in unterschiedlichen Bundesländern – die meisten rundum Berlin – und ich habe sie zu verschiedenen Jahreszeiten aufgesucht. Auf Blogposts, die durch Beobachtungen an dem einen oder anderen Standort entstanden sind, habe ich im Text mehrfach verlinkt.

Brandenburg

Der Beobachtungsturm am Pfefferfließ bei Stangenhagen hält zu jeder Jahreszeit Überraschungen bereit. Der kompakte Holzturm trägt den Namen von Dr. Lothar Kalbe, der als Ornithologe und Limnologe unendlich viel für den Schutz der Nuthe-Nieplitz-Region – eine Niederung zwischen den Flüssen Nieplitz und Nuthe – getan hat und tut. Auch als Autor ist er wichtig.

Elek Brüser schaut mit einem Fernglas aus einem Beobachtungsstand in die Ferne.
Ein wunderbarer Beobachtungsstand an der Gänselaake. (© Frauke Langguth)

Seeadler mit breiten Flügeln anfliegendWer die wunderschöne Niederung mit zahlreichen Gewässern besucht, trifft im Frühjahr den Zilpzalp oder sogar das Blaukehlchen, sieht im Sommer den brütenden Fischadler und Schwarzmilane, begegnet im Herbst mausernden Graugänsen und Löffelenten.

Hier hört und sieht man ganzjährig Kraniche. Und manchmal kommt ein beutesuchender Seeadler vorbei.

Der Ort Blankensee ist für seinen Steg direkt am gleichnamigen See bekannt, wo sich neben Schwänen und Kormoranen ganzjährig viele Lachmöwen, Grau- und Silberreiher, Haubentaucher und allerlei Enten tummeln. In der Brutzeit leben verschiedene Rohrsänger im Schilf. Am Ortsrand gibt es zwischen Wald und Wiese zudem einen großen Beobachtungsturm, in dessen Umfeld sich zum Beispiel der Rotmilan und der Mäusebussard blicken lassen. (Tipp: Bei den nebeneinanderstehenden Galeriefotos am PC per zurück zum Text.)

Bei Beelitz steht seit langem ein hochaufgeschossener Turm, den ich allerdings erst kürzlich entdeckt habe: der Nieplitzturm. Wiesenvögel wie die Kiebitze lassen sich im Frühjahr und Sommer hier beobachten. Jetzt im September flogen Graugänse über der Nieplitz auf. Und auf einem Ansitz wartete ein Mäusebussard auf Beute.

Hoher Beobachtungstrum aus Holz steht am Waldrand hinter Buschwerk.

Am Ortsrand von Ketzür nahe der Stadt Brandenburg wurde vor zwei Jahren mit viel Liebe und Aufwand ein Vogelbeobachtungsturm in Eigeninitiative errichtet. In seinem Innenraum ist die spannende Geschichte des Standorts nachzulesen.

Beobachtungsturm zwischen Herbstlaub an einem Weg.

Der Blick geht auf eine sogenannte Kute – also einen Teich, der entstand, weil in der Region früher viel Ton für Ziegeleien gewonnen wurde. Die Tongruben füllten sich später mit Wasser. Als ich den Turm an der Kute im November besuchte, flogen mehrmals Wildgänse und Kranichtrupps über mich hinweg, Am Wegrand überrascht nicht nur eine gute Infotafel, sondern auch ein kleines Kunstwerk.

In der Nähe von Netzen gibt es den Beobachtungsturm Am Streng, der eine wunderbare Aussicht auf den See bietet, wo nicht nur Kraniche brüten und zwischenlanden, sondern zur Zugzeit auch gewaltige Gruppen von Wildgänsen rasten. Und in den Schwarzerlen am Kanal futterte im kalten Februar ein Schwarm Stieglitze von den Früchten der Schwarzerlen.

Eine Holzhütte steht verborgen zwischen Büschenund Bäumen auf einem Feld.

Zwischen Gülpe und Parey steht mitten in der Havelaue ein Beobachtungsturm, der einen weiten Blick über die Landschaft bietet. Der nahegelegene Gülper See ist sowieso immer einen Besuch wert. Jederzeit ist dort mit Seeadlern zu rechnen. Aber gerade im Winter ist der Turm in der Havelaue mein eigentliches Highlight. Denn wenn es wirklich kalt ist, finden sich auf eisfreien Wasserflächen die Singschwäne ein, vergesellschaften sich mit den Höckerschwänen und ergänzen den sagenhaften Vogelreichtum.

Beobachtungsturm am Schilf eines Gewässers

Blick aus dem Vogelbeobachtungsturm

Wer in Berlin wohnt und naturverbunden ist, besucht irgendwann Linum und die ehemaligen Fischteiche. Im Frühjahr und Sommer sind im Ort die Störche für Groß und Klein eine Attraktion, im Herbst die zigtausend rastenden Kraniche. Aber natürlich bieten die Fischteiche noch viel mehr: Drosselrohrsänger, Rohrschwirl und Trauerschnäpper, brütende Lachmöwen und Seeschwalben auf einer Plattform im See.

Hinter einer blauen Wasserfläche und Schilf ein Beobachtungsstand bei Linum

Ein bekanntes Ziel von Ornithologinnen und Ornithologen – kurz Ornis – sind die beiden Beobachtungshütten von Buckow bei Nennhausen. Hier reisen Fotografen und Vogelbegeisterte aus allen Regionen an, um die Großtrappen zu sehen.

Hinter grüner Wiese ein Vogelbeobachtungsturm

Balzende Großtrappe imweiß-orange-braunen Gefieder

Bekannt wurde die stark bedrohte Vogelart durch die Diskussion um den Verlauf der ICE-Strecke Berlin-Hamburg.

Vorläufig gerettet hat den Bestand, der langsam anwächst, das unermüdliche Engagement Einzelner, ein Förderverein und das Miteinander von Naturschutz und gutem landwirtschaftlichem Management – mit dem Fokus auf eine ökologische Landwirtschaft.

Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind die abendlichen Einflüge am Schlafplatz eine besondere Attraktion. Die Vögel übernachten im Flachwasser der Boddenregion. Dort kann man sie auf einer Bootstour beobachten.

Aber sehr empfehlenswert sind auch der schöne Beobachtungsturm „Kranorama” und das Kranichzentrum bei Groß Mohrdorf, beides in der Obhut des NABU. Der Vorteil des Standortes: Hier putzen sich, stolzieren und fressen die Vögel in größerer Nähe, weil sie zeitweilig mit Futter versorgt werden.

Auf einer Europakarte ist rot markiert, wie der Graue Kranich von Norddeutschland Richtung Südwesten zieht.
Illustration der Zugrouten des Kranichs neben dem Beobachtungsstand „Kranorama” nahe Groß Mohrdorf

Land Bremen

Weil die Hafenflächen an der Weser immer weiter ausgedehnt wurden, mussten Ausgleichsflächen geschaffen werden. Dort, wo das Flüsschen Lune in die Weser mündet, wurde ein Gebiet zur Kompensation als Naturschutzzone ausgewiesen: die Luneplate.

Mit dem Rad ist der elegante Beobachtungsturm von Bremerhaven aus gut zu erreichen. Brachvögel sah ich hier, Löffelenten und Brandgänse, Weißwangengänse und Löffler. Ein zusätzlicher Beobachtungstand ermöglicht einen Blick auf die Flächen und Kanäle vor dem Turm, die sich bei Ebbe leeren und bei Flut mit Wasser füllen.

Niedersachsen

Auch dieser Beobachtungsturm bei Cappel-Neufeld gehört zu meinem Highlights. Nicht nur, weil die Küstenregion an der Wesermündung meine alte Heimat ist, sondern weil ich in der Regel schon auf dem Weg zum Ausguck viele Vogelarten entdecke: Im Frühjahr die gelbe Schafstelze und den Wiesenpieper, ganzjährig den Turmfalken und den Mäusebussard. In einem Tümpel vor dem Turm stehen regelmäßig Brandgänse und Rotschenkel oder sogar ein Dunkelwasserläufer, und an der Küstenlinie fliegen im Herbst Scharen von Zugvögeln nach Südwesten.

Im Winter schließlich verzaubert manchmal Eis und Schnee das feuchte Gelände zwischen Wattenmeer und Deich.

Beobachtungshütte im Winter mit gefrorenem Wasser im Vordergrund. r

In einem besonderen Umfeld steht der Vogelbeobachtungsturm von Sehestedt, denn hier grenzt ein Moor direkt an das Meer – es ist die Nordsee die hier den Jadebusen bildet. Die Birken zeugen von der moorigen Bodenbeschaffenheit und ebenso der Bohlensteg, auf dem man wohl selbst dann trockene Füße behält, wenn sich das Moor bei starker Flut anhebt. Natürlich zählt das Gebiet zum Nationalpark Wattenmeer.

Vom Beobachtungsstand aus sah ich mehrere Dutzend Brandgänse am Gewitterhimmel vorbeifliegen. Durch die Salzwiesen ging es darum direkt zum Watt, wo die schönen Vögel sich bei Niedrigwasser satt fraßen.

Sachsen

Auf meinem Weg zu einer Jahrestagung der Deutschen Ornithologe-Gesellschaft (DO-G) in Halle besuchte ich den Wildenhainer Bruch zwischen Bad Düben und Torgau. Es ist ein traditionsreiches Naturschutzgelände, und die herbstliche Stimmung im Wald hat mich verzaubert.

Grüner Beobachtungsstand am wald.

Der Besuch der Beobachtungshütte war ein Abstecher und zu kurz für die Kranichbeobachtung, aber gelohnt hat es sich allemal.

Bayern

Es war Zufall, dass ich bei einem Besuch von Bamberg den Vogelbeobachtungsturm bei Hallstadt entdeckte. Er war auf einem Stadtplan eingezeichnet. Leicht zu finden ist er dennoch nicht. Der Turm liegt an einem ehemaligen Baggersee, der mit dem Main in Verbindung steht. Und obwohl ich an einem späten Sommertag zwar Graureiher und Stockenten, aber nichts Großartiges entdeckte, ermöglicht der Turm zur passenden Tages- und Jahreszeit sicher schöne Beobachtungen.

Vogelbeobachtungsturm bei Hallstadt am Main

An diesem Abend hatte sich übrigens ein Pärchen mit Gitarre auf der Galerie eingefunden. Verständlich, aber nicht das, was ich mir an diesem Ort gewünscht habe. Ornis möchten die Vögel hören und sehen. Es gibt noch ein paar menschliche Verhaltensweisen, die ich mir auf Vogelbeobchtungstürmen nicht wünsche: lautes Reden, ein größeres Picknick und männliche oder weibliche Fotografen, deren Kameras bei Serienfotos wie eine automatische Schusswaffe klingen.

Zum Schluss noch ein Foto von einem ganz anderen Beobachtungsturm – und ein Vorschlag: Wer möchte, kann gerne auf seine Vogelbeobachtungsstandorte aufmerksam machen. Dazu eignet sich das Kommentarfeld unter diesem Beitrag. Über Anregungen freuen sich sicher die Besucher und Besucherinnen von Flügelschlag und Leisetreter.

Es geht auch anders: Vogelbeobachtung in Weißrussland (Belarus) mit dem Fokus auf Fluss-Seeschwalben.

 

¹ Einen sehr unterhaltsamen Text hat vor ein paar Jahren meine tolle Kollegin Johanna Romberg von den RiffReportern zum Thema Beobachtungshütten geschrieben.



Liebe Fans meiner Fotos, ich freue mich, wenn euch das eine oder andere Foto so gefällt, dass ihr es von meiner Website herunterladen möchtet. Allerdings sind alle mit ©Copyright geschützt. Darum fragt mich bitte per E-Mail vor jedem Download. Elke Brüser

3 Kommentare zu “Von Turm zu Turm

  1. Eine Abonnentin schrieb mir, dass in Franken ein zumindest teilweise behindertengerechter Aussichtsturm steht, den viele Menschen für die Vogelbeobachtung nutzen. Der Blick geht von dort auf den in den 1980er Jahren künstlich angelegten Altmühlsee. Ich denke, es ist wichtig, auf solche Möglichkeiten aufmerksam zu machen, und habe das Foto vom Turm eingebunden. Danke Juliane!Ein Aussichtsturm am Altmühlsee, dessen erste Etage dank einer Rampe auch mit Gebehinderung zu erreichen ist.

  2. Liebe Elke,
    ganz herzlich gratuliere ich dir zum fünfjährigen Bestehen deines fluegelschlag-blogs! Jede Woche ist es mir eine Freude, die neuen Nachrichten, Informationen und Beobachtungen zu lesen, deine Berichte aus aller Welt, und vor allem deine wirklich wunderschönen Fotos und Filmsequenzen anzuschauen. Ich habe sie alle gespeichert. Mach’ bitte weiter so! Es war mir auch ein Vergnügen, den einen oder anderen Turm mit dir besuchen zu können. Die schönsten Beobachtungstürme, die ich außerhalb von Deutschland gesehen habe (es waren nicht sooo viele …), waren im Delta des Ebro in den Reisfeldern. In den letzten Jahren hast du meinen Blick auf das Leben der Vögel bereichert und erweitert, danke dafür.
    Liebe Grüße
    Irma

    1. Da hast du mir mit deinem Kommentar – übrigens die Nummer 500 – natürlich eine große Freude bereitet, liebe Irma. Gerne denke ich daran, wie wir uns im Biologiestudium kennengelernt und auf Examina vorbereitet haben. Nun sind wir neben manch Anderem über diesen Blog verbunden. Und: Auch ich habe erst spät die Vögel in ihrem natürlichen Lebensraum entdeckt, obwohl in der Verhaltensbiologie, wo ich als Doktorandin gearbeitet habe, der Vogelgesang das Top-Thema war. Aber die Lautäußerungen der Primaten – inklusive der Lautentwicklung von Babys – waren und sind natürlich ebenfalls total spannend.
      Vielleicht noch das: Es geht derzeit nicht nur um Klimawandel, sondern die belebte Natur braucht unser wachsames Auge. Und da kommen die Beobachtungshütten ins Spiel, die einen Blick in diese weitgehend intakten Räume begünstigen.

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